Am 8.3.2026 hatte unsere dritte Mannschaft die zweite Mannschaft des SC Oberviechtach zu Gast. Es war ein spannender Wettkampf zu erwarten, da auch dieses Team in der Kreisliga 1 um einen vorderen Platz mitspielt. Nominell waren unsere Aussichten nicht schlecht, wir hatten an fünf Brettern eine leicht bessere DWZ als unsere Gegner. Nur unser Nachwuchsspieler Maximilian Warziwoda hatte einen Gegner mit besserer Wertungszahl. Die Unterschiede waren insgesamt aber nicht groß und so war an allen Brettern ein völlig offener Kampf zu erwarten.
Zunächst zeigte Maximilian, der an Brett 5 Schwarz hatte, dass er kein Lückenfüller, sondern ein durchaus ernst zu nehmender Spieler ist. Sein Gegner wählte einen zurückhaltenden Aufbau in einem Dameninder bzw. Damenbauernspiel was zu einem ausgeglichenen Spiel führte. Im 14. Zug zeigten sich die Früchte von Stefans Training. Maxi zog einen angegriffenen Läufer nicht sofort zurück, sondern fand eine elegante taktische Möglichkeit, das noch zu verzögern. Auch wenn das zu keinem großen Vorteil führte, war es aber doch die Variante, die auch der Computer als stärkste betrachtet. Im 21. Zug fand er aber dann erneut einen sehr guten Zug, der zu deutlicherem Vorteil führt. In der Folge konnte Maxi dann wieder seine taktischen Fähigkeiten zeigen und eine Qualität gewinnen. Und schließlich krönte er sein Spiel mit einer weiteren, gar nicht so offensichtlichen taktischen Feinheit, die ihm eine ganze Mehrfigur plus Bauer bescherte. Die technische Verwertung dieses Vorteils ließ sich der Oberviechtacher Spieler nicht mehr zeigen und gab auf.
An Brett 6 hatte Florian Süß mit Weiß die Englische Eröffnung auf dem Brett. Sein Gegner spielte engagiert und versuchte einen Springer auf dem schwach erscheinenden Feld d3 einzupflanzen. Dies ging aber auf Kosten der Entwicklung und objektiv betrachtet hätte der Springer dort auch nicht viel ausrichten können. Florian fand aber eine noch bessere Lösung, bei der er zwar nach einem bekannten taktischen Motiv in ähnlichen Strukturen einen Bauern verlor, aber dafür mit der besseren Entwicklung seiner Figuren sehr gute Kompensation hatte. In der Folge hätte Schwarz die Damen tauschen sollen, was einen leichten Vorteil für Weiß bedeutet hätte. Nachdem die Damen aber auf dem Brett blieben, konnte Florian mit Tempo seine Entwicklung vorantreiben. Der schwarze König saß auch noch in der Mitte fest und trotz des Minusbauern zeigt der Computer im 15. Zug sehr deutlichen Vorteil (+5) für Weiß bei einer reichhaltigen Auswahl an guten Zügen an. Zunächst spielte Florian auch gut weiter, verlor dann aber den Faden und tauschte im 21. Zug die Damen, wonach der ganze Druck weg war und die Bewertung auf 0 sinkt. In der Folge kommen dann noch zwei weiter Bauern abhanden und der Oberviechtacher lässt sich den Sieg nicht mehr nehmen.
Bei Rudolf Schicker mit Weiß am zweiten Brett ist die Eröffnung nicht klar zu benennen. Gegen das Fianchetto des Damenläufers spielt der Gegner seinen Läufer über e7 nach f6 und nachdem Rudi d2-d4 spielt entsteht ein Damenbauernspiel mit einer ungewöhnlichen Aufstellung von Schwarz. Auch wenn der Computer Weiß leichten Vorteil zuspricht ist der schwarze Aufbau aber kaum direkt zu widerlegen. Schwarz steht fest und die Partie verläuft ausgeglichen. Nach 20 Zügen einigen sich die Spieler auf Remis. Konkrete Ideen auf Gewinn zu spielen sind für keine Seite erkennbar. Zudem erschien die Lage an den restlichen Brettern für uns zumindest nicht ungünstig.
Dann aber nahm das Verhängnis seinen Lauf.
Simon Lamm an Brett 4 spielte das Londoner System, wogegen sich der Gegner mit einem königsindischen Aufbau wehrte. Bis zum 11. Zug ergab sich keine Feindberührung und die 5. Reihe blieb komplett frei. Keine Seite konnte einen Vorteil verbuchen. Vom 21. bis zum 26. Zug gab es dann nur Schlagzüge und es wurde übersichtlicher, wobei die Lage trotzdem kompliziert war. Simon konnte einen Bauern erbeuten, aber Schwarz hatte mit dem Läuferpaar und aufgrund der etwas unkoordinierten weißen Figuren die Initiative. Im 29. Zug unterlief Simon dann ein Fehler, der Schwarz deutlichen Vorteil bescherte, der in der Folge zum Zusammenbruch der weißen Stellung führte. Simon mußte sich geschlagen geben.
Am ersten Brett folgte Michael Betz mit Schwarz einer Partie, die Elsbeth Horther-Schneider gegen den selben Gegner in der Oberpfalzliga gespielt hatte. Elsbeth war da gut aus der Eröffnung gekommen, aber Michael entdeckte in der Vorbereitung im achten Zug eine andere interessante Idee, die dann tatsächlich aufs Brett kam. Nachdem er, wie auch Elsbeth, das wilde Diemer-Gambit ablehnte ging das Spiel in die Steinitz-Verteidigung der Französischen Verteidigung über. Der Oberviechtacher spielte wie erhofft die gleiche Zugfolge und die Vorbereitung zahlte sich aus. Als Schwarz in der Folge mit einem Bauerngewinn drohte opferte Weiß lieber eine Figur gegen zwei Bauern um das Spiel zu verwickeln. Objektiv sollte die Kompensation dafür nicht reichen, aber in der Praxis erwies sich dieses Vorgehen als gute Wahl. Michael kam im weiteren Verlauf nicht so gut mit den Komlikationen klar, sah Gespenster und verfolgte an sich passable Ideen nicht konsequent genug. Als dann der Oberviechtacher einen dritten Bauern für die Figur zu gewinnen drohte und die weißen Freibauern am Damenflügel zur Gefahr werden konnten nahm Michael verunsichert das Remisangebot an.
Am dritten Brett hatte Markus Schwengler mit Schwarz einen Königsinder aufs Brett gebracht. In der Sämisch-Variante entstand ein schwerblütiger Positionskampf mit einer Bauernstruktur, die es beiden Seiten schwer machte, das Spiel zu öffnen. Markus konnte zwar einen guten Springer gegen einen schlechten Läufer verbuchen, was aber in der geschlossene Stellung nicht zu einem Vorteil reichte. Im 34. Zug fügte Markus sich ins unvermeidliche Remis.
Die unglückliche 2,5 – 3,5 Niederlage ließ Oberviechtach in der Tabelle an uns vorbeiziehen und verwies uns auf Rang 3.
Zum siebten Spieltag war die zweite Mannschaft zu Gast beim SC Bavaria Regensburg. Bei diesem Großereignis wurden neben Bezirks- und Oberpfalzliga auch zwei Begegnungen in der zweiten Bundesliga ausgetragen, sodass vier Zweitligisten mit zahlreichen Titelträgern anwesend waren.
Während die erste Mannschaft von Bavaria Regensburg mit einem 4:4 schließlich den Klassenerhalt in der zweiten Liga sichern konnte, war für uns kein punktereicher Wettkampf zu erwarten. Zwar mussten sowohl wir als auch die zweite Mannschaft von Bavaria auf den vorderen Brettern auf einige starke Spieler verzichten, dennoch waren wir mit durchschnittlich über 90 DWZ-Punkten weniger klarer Außenseiter in der Begegnung.
Am zweiten Brett (S) verteidigte sich Bedrich Prochazka französisch. Der Regensburger Spieler fianchettierte seinen Läufer nach g2, wodurch eine königsindische Struktur entstand. Die Stellung bliebbis zum 15. Zug ausgeglichen, als Bedrich versuchte, einen Springer von h4 mittels dem Bauernvorstoß g5 zu vertreiben. Durch diesen Zug wurde die schwarze Königsstellung geschwächt und Weiß erhielt starkes Spiel mit dem typischen Bauernhebel f4:
Während Weiß für sein Läuferpaar die Stellung öffnen kann, ist der schwarze Läufer hinter seinen Bauern eingesperrt und auch der König wird in Kürze Probleme bekommen.
Bedrich versuchte mit f6 seine Bauern zu decken, öffnete damit aber dem weißen Läufer über h3 einen Weg in seine Stellung:
Nach 26. Le6 ist die schwarze Stellung gelähmt. Bedrich opferte mit Td6 und Txe6 die Qualität, nach einem Damentausch war aber auch hier nichts zu holen und Bedrich musste sich geschlagen geben. (0-1)
Siegfried Stelzer spielte am achten Brett (S) gegen das Londoner System. Nach einigen ungewöhnlichen Zügen seines Gegners erreichte er bereits früh eine bessere Stellung mit einem starken Zentrum. Der Regensburger spielte unbedarft weiter und verlor später die Qualität. In der folgenden Abwicklung wählte er jedoch eine unglückliche Fortsetzung, wodurch Siegfried stattdessen eine Leichtfigur gewinnen konnte und Weiß gab sich geschlagen. (1-1)
Svatoslav Zitek wählte am sechsten Brett (S) die Owen-Verteidigung mit 1. …b6. Auch hier erreichte Schwarz früh einen leichten Vorteil, doch im Mittelspiel glich sich die Stellung schnell wieder aus, nachdem die meisten Figuren vom Brett verschwanden. Der Regensburger Spieler ließ schließlich die Chance ungenutzt, durch ein Figurenopfer einen Bauern zu gewinnen, und kurz darauf einigte man sich auf Remis. (1½-1½)
Am fünften Brett (W) wählte Elsbeth Horther-Schneider gegen die Sizilianische Verteidigung den Grand-Prix-Angriff. Als sich das Zentrum öffnete, konnte Schwarz zwei Bauern gewinnen, ließ im Gegenzug aber mit dem Bauerndurchbruch f5 starkes Spiel für Weiß zu. Elsbeth nutzte diese Gelegenheit leider nicht, woraufhin der Regensburger Material tauschen konnte. Ohne Gegenspiel zwangen die schwarzen Mehrbauern unsere Spielerin zu einer ungünstigen Abwicklung und Elsbeth musste sich geschlagen geben. (1½-2½)
Johannes Denz eröffnete am ersten Brett (W) mit dem Königsbauern. Gegen die Caro-Kann-Verteidigung mit 3…c5 entwickelte sich nach dem Abtausch der c-Bauern ein Kampf um den Bauern d4. Die Partie blieb lange Zeit ausgeglichen, bis Johannes den falschen Plan verfolgte. Neben a5 versuchte er, mit einem Durchbruch des b-Bauerns am Damenflügel die Initiative zu übernehmen. Als jedoch klar wurde, dass diese Idee so nicht umzusetzen war, griff er daneben:
Mit 21. Ld2 versuchte er, seinen b-Bauern dennoch anzuschieben. Dies lässt aber Scxd4 zu und der Verlust des wichtigen Bauerns führte in der Partie schließlich zur Niederlage. (1½-3½)
Am dritten Brett (W) spielte Rudolf Schön gegen die französische Verteidigung. Schwarz konnte seine Eröffnungsprobleme früh lösen und einen starken Springer auf b3 etablieren. Als Folge war die weiße Stellung sehr gedrückt und Rudolf hatte Probleme, seine Figuren zu aktivieren. Schließlich opferte er einen Bauern, um einen der starken schwarzen Springer abzutauschen. Doch auch das brachte keine Entlastung und bei drohendem Materialverlust gab er sich geschlagen. (1½-4½)
Manfred Oppel wählte am siebten Brett (W) die Englische Eröffnung. Nach einer unkonventionellen Eröffnungsbehandlung des Regensburgers konnte dieser zwar viel Raum gewinnen, musste jedoch mit seinem König im Zentrum bleiben. Obwohl die schwarze Stellung sehr wackelig aussah, erwies sie sich als sicher und Manfred fand keinen Weg in die schwarze Stellung. Als sich im Mittelspiel das meiste Material abtauschte und die Stellung weiterhin geschlossen blieb, einigte man sich auf Remis. (2-5)
Am vierten Brett (S) verteidigte sich Stefan Simmerl mit der Winawer Variante der französischen Verteidigung. Er erreichte eine angenehme Stellung mit seinem König auf f8, verpasste aber dann, das weiße Gegenspiel am Königsflügel mit h5 zu unterbinden. Nach h6 hatte der Regensburger Spieler weiter Angriffschancen, die schließlich zu einer gedrückten schwarzen Stellung führten. Aber auch der Weiße ließ in der Zeitnotphase einige Möglichkeiten ungenutzt, sodass Stefan mit einem Dauerschach das Remis hätte sichern können:
Nach 68. Ke4 gibt es zwei Schachs: Df5 und Dg6. Dg6 hält Remis, da die Dame auf der offenen g-Linie bleibt und von hinten weiter den König attackieren kann. Stefan wählte bei knapper werdender Bedenkzeit aber Df5 und Weiß kann wenig später die Damen tauschen. Der König ist schnell genug bei den schwarzen Freibauern und das Endspiel damit leider verloren. (2-6)
Damit stand mit 2-6 wie erwartet eine deutliche Niederlage zu Buche. Zwar musste sich auch SG Post/Süd Regensburg 2 in ihrer Begegnung geschlagen geben, aber der SV Oberviechtach, der spielerisch eigentlich mit 3-5 dem SC Sulzbach-Rosenberg unterlag, gewann diese Begegnung durch die Verspätung eines Sulzbacher Spielers mit 5-3 und überholte uns damit hauchdünn mit einem halben Brettpunkt. Die letzten beiden Spieltage gegen die DJK Regensburg Nord am 22.03 und Sulzbach-Rosenberg am 26.04 bringen uns damit in Zugzwang: Es gilt zu punkten, um den Abstieg noch abzuwenden.
Am 22.2.2026 trat unsere Dritte in der Kreisliga 1 zum Auswärtspiel gegen die zweite Mannschaft des SK Weiden 07 an. Nachdem in der Runde zuvor Neustadt/Luhe die Stammspieler 1-6 aufgeboten hatte überraschten uns diesmal die Weidener, die keinen der auf 1-6 gesetzten Spieler in der Aufstellung hatten. Zudem waren die Personalprobleme so groß, dass auch noch Brett 6 unbesetzt blieb. Bitter für Florian Süß, der extra aus Augsburg angereist war, aber beruhigend für uns, schon mal mit einer Führung in das Match gehen zu können.
Zunächst entwickelten sich die Partien ganz passabel für uns, aber am Ende sollte es nur zu einem bitteren Unentschieden reichen.
An Brett 5 konnte unser Nachwuchsspieler Maximilian Warziwoda mit Weiß schon aus der Eröffnung heraus eine gute Stellung erreichen, nachdem ihm sein Gegner in einer Damenbauerneröffnung unter Tempoverlust das Zentrum überlassen hatte. Die schwarze Stellung war zwar passiv, aber doch auch relativ fest. Im 17. Zug verpasste der Weidener die Damen zu tauschen, was zu einer ausgeglichenen Stellung geführt hätte. Aber Maxi griff auch daneben und öffnete mit einem unglücklichen Abtausch eine Linie gegen seinen König. Diese Chance nutzte der Gegner zu einem taktischen Schlag, der zu einem Bauerngewinn und deutlichen Vorteil führte. In der Folge spielte der Weidener nicht energisch genug und das Spiel war im 30. Zug wieder im Gleichgewicht. Dann entstand ein Endspiel, in dem der Gegner drei Bauern für einen Springer hatte. Zu unserem Glück fand er aber nicht die besten Züge und Maxi konnte schließlich alle drei Bauern unschädlich machen und den halben Punkt sichern.
Am ersten Brett hatte es Michael Betz mit einem Mannschaftskameraden aus Detag-Weiden-Zeiten zu tun, der ihm schon mehrfach mit seiner eher unkonventionellen Spielweise Probleme bereitet hatte. Michael ließ es mit Weiß ruhig angehen und konnte einen leichten Vorteil verwalten, nachdem Schwarz in einer zunächst symmetrischen englischen Vierspringer-Variante einen unüblichen Springertausch spielte und eine Igel-Struktur anstrebte. Die schwarze Stellung war passiv, aber fest. Nachdem die typischen Gegenschläge d6-d5 und b6-b5 zuverlässig verhindert waren startete Michael eine Aktion am Königsflügel um Chancen zu bekommen, auf Gewinn zu spielen. Weiß konnte schließlich einen starken Springer gegen einen schlechten Läufer sowie einen Freibauern auf der h-Linie verbuchen. Dieser Freibauer war allerdings nicht wirklich voran zu bringen und konnte auch zu einer Schwäche werden. Somit war Michael bei zunehmend knapperer Zeit zu sehr damit beschäftigt und übersah eine Wendung, durch die Schwarz am Damenflügel doch den Vorstoß b6-b5 durchsetzen konnte. So wurde der schlechte Läufer plötzlich stark und die schwarzen Türme sorgten auf der jetzt offenen c-Linie für Gegenspiel. Zu allem Überfluß wollte Michael dann eine unangenehme Variante vermeiden, die mit genauem Spiel aber haltbar gewesen wäre und im schlimmsten Fall in einem schlechten Turmendspiel mit Minusbauer noch Rettungschancen geboten hätte. Die gewählte Alternative beendete die Partie aber sofort, weil Schwarz nicht das erwartete Schach gab, sondern den weißen König abschnitt und Matt im nächsten Zug nicht mehr zu verhindern war.
Siegfried Stelzer an Brett 2 hatte es mit Schwarz mit dem Londoner-System zu tun und tauschte früh seinen schwarzfeldrigen Läufer gegen den Kollegen auf g3, was dem weißen Turm die h-Linie öffnet. Zu dem Zeitpunkt hatte aber auch Siegfried noch nicht rochiert, so dass dies noch kein Unglück war. Später verwarf er aber die ursprünglich geplante lange Rochade und brachte seinen König doch auf dem Königsflügel in (Un)Sicherheit. Nach einem Abtausch im 15. Zug nahm er aber mit dem Springer (Nach Zurückschlagen mit der Dame hätte diese zum Königsflügel gebracht werden können, wo sie bei der Verteidigung wichtig gewesen wäre) zurück und der weiße Angriff auf der h-Linie sorgte schon für arge Probleme. Letztendlich landete Siegfried in einem sehr schlechten Doppelturmendspiel, in dem Weiß zwei Bauern einsacken konnte. Diesen Vorteil verwertete der routinierte Weidener sehr sicher.
So war also aus der kampflosen 1-0 Führung schon ein 1,5-2,5 Rückstand geworden und für einen Mannschaftserfolg wären zwei Punkte aus den verbleibenden Partien nötig gewesen.
Am dritten Brett hatte Simon Lamm mit Weiß auch auf das Londoner System gesetzt und eine angenehme Stellung erreicht. Im 14. Zug wurde die Lage für menschliche Betrachter unklar, als Simon kurz rochierte obwohl sich gefährlich wirkende gegnerische Figuren dort aufhielten. Ob berechnet oder intuitiv gespielt, es war jedenfalls die korrekte Entscheidung, die der Computer sehr gut findet. In der Folge kann Simon einen Läufer gegen zwei Bauern gewinnen und seine aufgerissene Königsstellung verteidigen. In der Folge lässt er bei knapper Bedenkzeit nichts anbrennen und sorgt mit der einzigen souveränen Leistung dieses Tages wieder für den Ausgleich.
Mannschaftsführer Christian Kraus spielte an Brett 4 mit Schwarz die Russische Verteidigung, die sein Gegner aber sehr zurückhaltend anging. Weiß baute sich wie sonst Schwarz in der Philidor-Verteidigung auf. Die Idee, einen Aufbau, den sonst Schwarz spielt, mit Weiß und einem Tempo mehr zu spielen, ist nicht unüblich, führt aber auch nicht zwingend zu einem Vorteil. Christian setzte jedenfalls aktiv fort und Weiß vergaß, seinen Bauern auf e4 ausreichend zu überdecken, als dieser zweimal angegriffen war. So konnte unser Spieler schon früh einen Mehrbauern verbuchen und auch gleich noch die Damen tauschen. Der Computer sieht eine gewisse Kompensation und der Vorteil ist objektiv nicht ganz so groß, wie gedacht. Nach Verwicklungen entstand ein Doppelturmendspiel mit nach wie vor einem Mehrbauern und leichtem Vorteil für Schwarz. Langsam zeichnete sich aber ab, dass der Vorteil nicht einfach zu verwerten sein würde. Der schwarze König hatte kein gutes Versteck, weshalb die Türme nicht richtig aktiv werden konnten. Schließlich konnte Weiß seinen Bauern zurück erobern und dabei ein Turmpaar tauschen. Bei symmetrischer Bauernstellung an einem Flügel war der friedliche Ausgang der Partie im 69. Zug die logische Folge.
Leider konnten wir unsere Chance nicht nutzen und mussten somit die Tabellenführung an die Schachfreunde Neustadt/Luhe abgeben, die uns nach einem 4-2 Erfolg über ihre zweite Mannschaft einen halben Brettpunkt voraus sind.
Oberviechtach kam gegen Schwandorf auch nicht über ein Unentschieden hinaus und bleibt so mit einem Mannschaftspunkt weniger hinter uns auf Rang 3.
Am vergangenen Sonntag empfingen wir im Feuerwehrhaus mit dem SC Forchheim einen renommierten Gegner, der zwar in der laufenden Saison noch nicht so richtig in Tritt kam, aber aufgrund seiner extrem starken „ersten Vier“ inklusive des tschechischen Altmeisters GM Vlastimil Jansa auf keinen Fall zu unterschätzen war. Da wir die Bedeutung dieses Kampfes verinnerlicht hatten, gingen wir voll motiviert ans Werk und konnten mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung einen überraschend klaren 5½-2½ Sieg erringen. Ausschlaggebend waren sowohl die vorderen Bretter, die bei einem durchschnittlichen DWZ-Nachteil von 120(!) Punkten nur drei Remis zuließen, als auch die hinteren Bretter, die ihren Vorteil konsequent zu drei vollen Punkten nutzten.
An Brett 2 (W) bediente sich FM Zdenek Haba gegen die Holländische Verteidigung einer giftigen Nebenvariante, mit der er schon nach wenigen Zügen ein wildes Handgemenge im Zentrum initiierte:
Brett 2: Die Stellung nach dem 5. Zug ließ erahnen, dass beide Kontrahenten einen Kampf mit offenem Visier anstrebten.
Nach ersten unvermeidlichen Abtauschaktionen hatte der Gast zwar die schlechtere Bauernstruktur, mit dem Läuferpaar aber adäquate Kompensation. Im Zuge der weiteren Figurenentwicklung stabilisierte sich die Lage zusehends bis sich nach 24 Zügen eine völlig ausgeglichene Stellung ergab:
Brett 2: Mit seinem letzten Zug verteidigte Zdenek seinen Anspruch auf die a-Linie.
Da für beide Spieler ein risikoloses Spiel auf Gewinn kaum möglich war, bot Zdenek an dieser Stelle Remis an, das guten Gewissens angenommen wurde. (½-½)
An Brett 8 (W) leitete Miroslav Kalous gegen das abgelehnte Damengambit in die Katalanische Eröffnung über. Nach unkonventioneller Stellungsbehandlung seitens des Gegners, gelang es Mirek sich einen schönen Vorteil zu sichern:
Brett 8: Nach dem energetischen 9.e4 versprachen der Raumvorteil und die bessere Zentrumsbeherrschung Mirek schon früh ein aussichtsreiches Mittelspiel.
Da Schwarz ohne wirksames Gegenspiel blieb, erhöhte Mirek mit stoischer Ruhe den Druck auf seinen jungen Gegner Zug um Zug. Trotz einiger Ungenauigkeiten und verpasster Chancen blieb er immer am Drücker und nutzte schließlich einen Fehler zum entscheidenden Schlag:
Brett 8: Mit 23…b5 hätte sich der Forchheimer etwas Luft verschaffen können, doch er wählte 23…S8d7? und stand sofort auf Verlust.
Mirek nutzte die Gunst der Stunde und spielte 24.Ld6, was einen Qualitätsverlust zur Folge gehabt hätte. Sein Gegner wollte aber den Turm retten, spielte 24…Tb7?? und übersah dabei, dass er damit seiner Dame den Weg nach a6 versperrte und ihr somit sämtliche Fluchtfelder nahm. Nach der Folge 25.Tc1 Dd8 26.Sc6 war die Dame im eigenen Lager gefangen und da weiterer Widerstand zwecklos war, gab Schwarz auf. (1½-½)
An Brett 4 (W) landete Christian Müller nach einem englischen Aufbau durch Zugumstellung in der Schlechter-Variante der Slawischen Verteidigung oder der Fianchetto-Variante der Grünfeld-Indischen Verteidigung. Die Auguren sind sich da nicht ganz einig. Nach einem Bauerntausch auf d5 entstand eine symmetrische Bauernstellung mit eher statischem Charakter. Nach einer Ungenauigkeit seines Gegners gelang es Christian seinen leichten Entwicklungsvorsprung zu einer Initiative im Zentrum zu nutzen:
Brett 4: Aufgrund des Drucks gegen den rückständigen c-Bauern sah Christian richtigerweise die Zeit für gekommen das Zentrum zu öffnen und den Einfluss seiner Läufer zu erhöhen.
Die Aussichten für Christian schienen positiv, doch ein offensichtlicher Weg zu klarem Vorteil war nicht auszumachen. Die schwarze Stellung war zwar passiv aber fest und mit nur einer Schwäche stets verteidigungsfähig. Der Windischeschenbacher mühte sich nach Kräften, konnte aber nie mehr als eine leicht vorteilhafte Druckstellung erreichen:
Brett 4: Da kein konkreter Plan vorlag, entschied sich Christian zur Zugwiederholung 26.Se4 Td7 27.Sc5
Weil es auch für seinen Gegner keinerlei Grund gab auszuweichen, einigten sich die Kontrahenten hier auf Remis. In gewohnt sicherer Weise hatte Christian damit einen weiteren ELO-starken Forchheimer neutralisiert. (2-1)
An Brett 7 (S) verteidigte sich Stephan Schmahl sizilianisch und wurde mit der Moskauer Variante konfrontiert. Er wählte die anspruchsvollste Fortsetzung, um die Partie möglichst komplex zu gestalten. Sein Plan hatte insofern Erfolg als sein Gegner keinen zufriedenstellenden Plan fand und sich nach Aufgabe des Läuferpaars bereits in einer leicht schlechteren Stellung wiederfand:
Brett 7: Um weißes Gegenspiel mittels f4 zu unterbinden, entschied sich Stephan für das radikale 14…g5?!, was zwar nicht abwegig, aber übertrieben optimistisch war. Mit dem Standardmanöver 14…Ld8 zur Aktivierung seines Läufers hätte er stattdessen seinen leichten Vorteil risikolos behalten können.
Aufgrund der geschwächten Königsstellung wurde die Stellung nun schärfer und es kam auf beiden Seiten zu Ungenauigkeiten. Zum entscheidenden Faktor wurde aber die horrende Zeitnot des jungen Forchheimers, der im 20. Zug nur noch knapp zwei Minuten auf der Uhr hatte. Da er notgedrungen gezwungen war schneller zu ziehen, wählte er eine mehrzügige Abtauschkombination:
Brett 7: Nachdem er auf f2 einen Bauern verloren hatte, konnte der Gast mit 26.Dxf6+ Kxf6 27.Scd5+ Lxd5 28.Sxd5+ Ke6 29.Sxc7+ Txc7 zwar der Zeitkontrolle näher kommen, landete aber gleichzeitig in einem klar schlechteren und wahrscheinlich bereits verlorenen Endspiel.
Die restlichen Züge bis zur Zeitkontrolle versuchte der Forchheimer verzweifelt seine Stellung zu verteidigen, doch letztendlich konnte er den Materialnachteil nicht kompensieren und die Partie fand ein kurioses Ende:
Brett 7: Nach dem letzten Zug von Stephan 37…f4! war der weiße Läufer mitten im gegnerischen Lager gefangen!
Da gegen das kommende …Th5 und Läuferverlust kein Kraut mehr gewachsen war, gab sich der Weiße an dieser Stelle geschlagen. (3-1)
An Brett 5 (S) wählte Milo Müller in der Slawischen Verteidigung eine der zweischneidigsten Varianten, nahm sofort den Bauern c4 und verteidigte diesen mit …b5. Das weitere Geschehen spielte sich praktisch ausschließlich am Damenflügel und mit Abstrichen im Zentrum statt. Eingangs des Mittelspiels stand Milo vor der Frage, wie er seine Figurenentwicklung abzuschließen gedachte:
Brett 5: Nach dem richtigen 15…Sd7 bescheinigt der Computer dem Schwarzen einen leichten Vorteil aufgrund der Bauernmajorität am Damenflügel. Milo entschied sich aber für 15…Ta6?, was seine Figurenkoordination destabilisierte, was mit 25.Sc1-b3 am besten auszunutzen gewesen wäre.
Der Gast fand die stärkste Fortsetzung nicht und geriet wenige Züge später selbst in klaren Nachteil. Milo schloss seine Entwicklung ab, setzte seinen c-Bauern in Bewegung und stand überraschenderweise sofort auf Gewinn. Nach einigen weiteren Zügen war man in einem reinen Schwerfigurenendspiel gelandet, in dem der schwarze Freibauer der Garant für den Sieg war, als das Unfassbare geschah:
Brett 5: Mit dem richtigen Zug 33…h5! konnte Milo sich seiner einzigen (Grundreihen-)Schwäche entledigen und anschließend an die Verwertung seines Freibauern gehen. Doch leider unterlief ihm hier mit 33…Dd2?? ein echter Blackout.
Der Forchheimer sah und spielte 34.Td3!, wonach die Mattdrohung die Computerbewertung von ca. -5 zu +5 auf den Kopf stellte! Milo war gezwungen seine Dame zu geben und seinem König ein Luftloch zu verschaffen, was der Gast zur Blockade des Freibauern nutzte. Kurz nach der Zeitkontrolle konnte er durch Rückopfer der Dame schließlich in ein leicht gewonnenes Bauernendspiel abwickeln. Eine tragische Niederlage, aber Milo, wir wissen, was wir an Dir haben und es wird der Spieltag kommen, an dem Du zum strahlenden Helden werden wirst! (3-2)
An Brett 6 (W) entschied sich Carolin Werner für die Schottische Eröffnung. Nachdem man elf Zügen aktueller Theorie gefolgt war, gab es mit der langen Rochade von Weiß die erste Überraschung:
Brett 6: Bekannt ist 12.c5 mit einem leichten Vorteil für Weiß. Die Wahl von Carolin 12.0-0-0?! gefällt dem Computer nicht, verspricht aber einen zweischneidigen Kampf!
Die komplexe Stellung bot beiden Seiten reichlich Gelegenheiten fehlzugreifen. Und schließlich war es der Gast, dem der erste Fehler unterlief:
Brett 6: Der Nachteil des logisch aussehenden letzten schwarzen Zugs 16…Tad8? zeigt sich in der Variante 17.c5! Lxf1 18.cxb6 La6 19.bxc7, womit Carolin ein Tempo gewinnen, die schwarze Koordination stören und sich anschließend mittels 20.h5 ihrem Angriff am Königsflügel hätte widmen können.
Die Windischeschenbacherin ging aber mit 17.h5 sofort am Königsflügel vor und verlor nach 17…Da3+ 18.Kb1 d5 leider den Faden. Ihr eigener Angriff geriet ins Stocken während ihr Gegner die weiße Königsstellung aufbrechen und einen Bauern gewinnen konnte. Die entscheidende Angriffsfortsetzung fand aber auch er nicht und so ging der Kampf unverdrossen weiter. Im 26. Zug brach Carolin ohne Not alle Brücken hinter sich ab und setzte alles auf die Karte Königsangriff. Objektiv hätte es nicht reichen sollen, doch unter Zeitdruck sind Entscheidungen nicht leicht zu treffen:
Brett 6: Gewonnen hätte 31…Ke6! doch der Forchheimer spielte 31…Kd7?? und musste sich nach 32.e6+ Kc8 33.Dxa5 von seiner Dame verabschieden.
Solchermaßen aus der Bahn geworfen, fand der Gast nicht mehr zurück ins Spiel, ließ einige Möglichkeiten zu einer erfolgreichen Verteidigung aus und musste sich schließlich im 49. Zug geschlagen geben. (4-2)
An Brett 1 (S) wurde Tobias Brunner in der Caro-Kann Verteidigung von seinem namhaften Gegner mit dem Panov-Angriff konfrontiert. In einer der Hauptvarianten opferte Tobias mutig einen Bauern und erhielt dafür schöne Kompensation in Form einer aktiven Figurenstellung:
Brett 1: Weiß hat zwar einen Mehrbauern auf d4, doch die aktiven schwarzen Figuren kontrollieren das Zentrum und halten diesen in Schach.
Beide Spieler lavierten nun für eine ganze Weile ohne dass sich an der Stellungsbewertung etwas geändert hätte, als dem Großmeister ein erstaunlicher Lapsus unterlief:
Brett 1: Angezeigt war 26.Txc8 Txc8 27.Tc1, gefolgt von Sf4 mit Vorteil, doch Weiß spielte sofort 26.Sf4?? und lief in eine Taktik, die ihn die Partie kosten sollte.
Tobias ließ sich nicht zweimal bitten, tauschte auf c1 und entkorkte anschließend 26…Txe3!, womit er nicht nur seinen Bauern zurück bekam, sondern die weiße Stellung auch noch irreparabel schwächte. Kurze Zeit später gewann er auch noch den Bauern d4 und stand mit der besseren Leichtfigur klar auf Gewinn. Der Forchheimer wehrte sich nach Kräften, doch am Ende vermochte auch er die Niederlage nicht mehr abzuwenden:
Brett 1: Nach seinem letzten Zug 47…Tf3 war auch der letzte weiße Bauer verloren.
Angesichts der verbundenen Freibauern und des eigenen abgeschnittenen Königs gab GM Jansa hier auf. Ein fantastischer Erfolg für Tobias und die endgültige Sicherstellung des Mannschaftssiegs. (5-2)
An Brett 3 (S) vertraute Philipp Merk der Russischen Verteidigung, die von seinem Gegner mit der Modevariante 4.d4 beantwortet wurde. Nach Tausch der beiden Zentralbauern und der Damen blieb ein ungewöhnliches Endspiel mit jeweils beiden Türmen und allen vier Leichtfiguren auf dem Brett, das vom Computer als völlig ausgeglichen beurteilt wird:
Brett 3: Mit seinem letzten Zug 17…Le6 hatte Philipp die Stellung erfolgreich ausgeglichen.
Der Gast versuchte hartnäckig das Spiel zu verkomplizieren, doch Philipp folgte stur seinem Plan, mehr und mehr Figuren abzutauschen, um bis zur Zeitkontrolle schließlich in einem reinen Leichtfigurenendspiel mit Läufer gegen Springer zu landen:
Brett 3: Nachdem die Engine-Bewertung schon seit 20 Zügen keinen Millimeter von der 0,00 abgewichen war, gab es auch nach dem letzten Zug von Philipp kein Durchkommen mehr für den Weißen.
Der Gast zog die Partie zwar noch weitere 15 Züge in die Länge, doch am Ende musste er das Unvermeidliche akzeptieren und ins Remis einwilligen. (5½-2½)
Dieser Erfolg sichert endgültig die Klasse und bringt uns obendrein mitten rein ins Aufstiegsrennen mit drei Endspielen in den letzten drei Runden. Sollten wir unsere Leistung konservieren können, werden wir im Kampf um den Meistertitel mit Sicherheit nicht chancenlos sein.
In drei Wochen starten wir mit dem absoluten Spitzenkampf beim Tabellenführer Fürth:
Mit einem Sieg könnten wir vorläufig den Gipfel erklimmen, aber auch ein Unentschieden wäre noch nicht das Ende aller Träume, die ja bekanntlich erlaubt sind.
Da wir einen Aufstieg weder angepeilt noch erwartet haben und schon gar nicht darauf angewiesen sind, können wir erneut völlig unbeschwert antreten, alle unser Bestes geben und am Ende sehen, was dabei herauskommt.
Nach der deutlichen Auswärtsniederlage gegen den SK Kelheim rutschten wir auf den achten Tabellenplatz ab, sodass am sechsten Spieltag gegen den tabellenvorletzten SG Post/Süd Regensburg eine wichtige Begegnung für den Klassenerhalt der zweiten Mannschaft bevorstand.
Am dritten Brett (S) wählte Johannes Denz die sizilianische Verteidigung. Die Partie war nur von kurzer Dauer und man einigte sich bereits nach wenigen Zügen auf Remis. (½-½)
Stefan Simmerl eröffnete am sechsten Brett (W) mit dem Colle-System. Beide Seiten beendeten ihre Entwicklung und erreichten eine ausgeglichene Stellung, ehe sich auch hier auf Remis geeinigt wurde. (1-1)
Bedrich Prochazka eröffnete am viertenBrett (W) mit dem Königsbauern und sein Gegner verteidigte sich französisch. In der Abtauschvariante wiederholte Schwarz in gleicher Stellung lange Zeit die weißen Züge, bevor Bedrich mit einem Bauernhebel das Zentrum öffnete. Hier verlief sich der Regensburger Spieler in einer Taktik und musste fortan mit einem Minusbauern weiterspielen:
Nach 19. …f6 gewinnt Bedrich mit 20. Sxg6 einen Bauern. Zwar kontrollierte Schwarz nach dem Tausch der Türme auf der e-Linie die offene Linie, doch der Schein trog:Nachdem der scheinbar aktivere Turm sich am b2-Bauern bediente, fand Bedrich den starken Zug 24. Te1!, der die Partie bereits entscheidet. Um die schwache Grundreihe zu decken, spielte der Regensburger noch24. …Se7, gab sich aber nach 25. De8+ mit weiterem Materialverlust geschlagen. (2-1)
Elsbeth Horther-Schneider wählte an Brett sieben (S) die Holländische Verteidigung. Während Elsbeth neben ihrem frühen f5 auch g5 spielte, um ihren Angriff auf den weißen König vorzubereiten, konnte der Weiße durch Bauernvorstöße am Damenflügel Raum gewinnen und dort Druck aufbauen. Zwar räumt der Computer dem Weißen durch die gedrückte schwarze Stellung einen Vorteil ein, aus spielerischer Sicht war durch den anstehenden Königsangriff der Ausgang aber ungewiss. So einigte man sich wenig später auf Remis, bevor die Partie in die eine oder die andere Richtung kippen konnte. (2½-1½)
Am zweitenBrett (W) eröffnete Jindrich Novak mit dem Londoner System. Bereits früh wich die Partie von bekannten Theoriepfaden ab, als Jindrich seinen schwarzfeldrigen Läufer gegen den Springer auf b8 abtauschte. Die entstandene Stellung erinnerte mehr an ein Stonewall-System:
Beide Parteien konnten einen starken Springer auf d5 beziehungsweise d4 etablieren. Jindrich wählte hier den Bauernhebel b4, um Spiel am Damenflügel zu schaffen. Nachdem beide Springer im Zentrum abgetauscht wurden, entstand eine Stellung mit eigentlich starker schwarzer Initiative:Der weiße Springer auf c4 ist deplatziert. Statt mit 20. …Tf-c8 einen Bauern zu gewinnen, entschied sich der Regensburger für 20. …Lb5. Jindrich opferte die Qualität mit 21. Sd6 und nach einem überfrühten Bauernhebel kippte die vorher ausgeglichene Stellung zu unseren Gunsten:Durch das Vorziehen des schwarzen Bauerns nach a5 war der Weg frei für die weißen Bauern. Auch das Zurückgeben der Qualität war nicht ausreichend und der c- und d-Bauer drohten umzuwandeln. Schwarz ließ sich das nicht mehr zeigen und gab sich im 27. Zug geschlagen. (3½-1½)
Am fünften Brett (S) verteidigte sich Rudolf Schön sizilianisch. Sein Gegner wählte den Rossolimo-Angriff und konnte in der Eröffnung einen angenehmen Raumvorteil erreichen. Rudolf konnte im Mittelspiel das weiße Zentrum mit einem Bauernhebel aufbrechen, woraufhin der Regensburger ein taktisches Opfer übersah:
Nach 19. Se4 opferte Rudolf mit 19. …Txf3. Der Turm kann nicht zurückgeschlagen werden, da ein schwarzer Springer nach f4 gelangt und der Bauer auf h3 nicht mehr gedeckt werden kann.
Nach 20. De2 übersah Rudolf aber, dass er seinen Turm nach f5 zurückspielen kann. Stattdessen gab er seinen Turm für den Läufer auf e3 und konnte einen starken Springer auf f4 etablieren. Rudolf opferte später erneut eine Figur auf h3, trotz der besseren Stellung war der Gewinnweg aber nicht leicht zu finden. Im Mannschaftssinne nahm er schließlich das Remisgebot seines Gegners an, da Rudolf Schickers Partie zu diesem Zeitpunkt schon klar auf Gewinn stand. (4-2)
Rudolf Schicker wählte am achten Brett (W) die Réti-Eröffnung. Sein Gegner musste bereits in der Eröffnung einige Zugeständnisse machen und seine Figuren standen als Folge nicht optimal. Bei einem vermeintlichen Befreiungsschlag übersah der junge Regensburger einen weißen Läufer auf f1 und verlor eine Figur. Ohne Kompensation war die Partie nicht mehr zu retten und Rudolf entschied trotz langer Gegenwehr den Mannschaftskampf schließlich für uns. (5-2)
Am ersten Brett (S) spielte Liliane Pavlov gegen die Alapin-Variante der Sizilianischen Verteidigung. Der Regensburger Spieler erreichte einen Raumvorteil und konnte so seine Leichtfiguren besser aktivieren. Liliane musste derweil einige Züge investieren, um ihre eigenen Läufer zu entwickeln, sodass der Weiße Zeit hatte, mit einem gedeckten Turm das Feld d6 zu besetzen. Dieser ließ sich trotz drohenden Qualitätsgewinns nicht vertreiben, da ansonsten die schwarzen Felder um den König zu sehr geschwächt wären:
Mit 23. …Ld7 versuchte Liliane ihre Stellung zu entlasten und selbst Druck auf den Turm d6 und den Bauern c3 aufzubauen. Weiß antwortete 24. Lg5 und erzwang damit 24. …Lxd6.
Weiß wählte hier zwar den schwächeren 25. exd6, stand damit aber immer noch auf Gewinn, da der Läufer nach f6 gelangte und der schwarze König dadurch zunehmend in Bedrängnis geriet. Das Matt war ohne großen Materialverlust nicht mehr zu verhindern und Liliane musste sich geschlagen geben. (5-3)
Trotz des wichtigen Siegs gegen einen Konkurrenten im Abstiegskampf hatten in den übrigen Begegnungen zumeist die Favoriten das Nachsehen, sodass wir uns nach wie vor in Abstiegsgefahr befinden:
Am 25. Januar trat unsere dritte Mannschaft in der Kreisliga 1 zum Auswärtsspiel gegen die erste Mannschaft der Spielgemeinschaft Neustadt/Luhe an. Bereits bei der Aufstellung zeigte sich, dass die Neustädter es wirklich ernst meinten, und uns in Bestbesetzung die Tabellenführung streitig machen wollten. Uns war klar, dass es sehr schwer werden könnte. Aber auch wenn wir an allen sechs Brettern nominell unterlegen waren, war auch unsere Aufstellung nicht zu verachten. Es sollte tatsächlich ein sehr spannendes und umkämpftes Duell werden.
Der Auftakt war aber so gar nicht nach unserem Geschmack, als Svatoslav Zitek an Brett 2 eine eher seltene Variante im Sizilianer spielte. Nach 1.e4 c5 2.Sf3 a6 kann Schwarz nach 3.d4 in manchen Varianten vom frühen a6 profitieren und z.B. nach 5….cd 6.Sd4 e5 spielen, ohne dass Weiß das Feld b5 für seinen Springer zur Verfügung hat, wie z.B. in der Löwenthal-Variante oder der Lasker-Pelikan-Sweshnikov-Variante. Der Neustädter Gegner wählte aber den Übergang in die Alapin-Variante mit 3.c3, was eine gängige Empfehlung der Theorie darstellt. Am Rande sei noch bemerkt, dass John Nunn in seinem Werk „Beating the Sizilian“ 3.c4 empfiehlt. Svatoslav kam in der Folge nicht gut mit dem Verlauf klar, parkte dann im achten Zug auch noch einen Läufer ungedeckt auf g4, wonach Weiß schon das Scheinopfer seines Läufers auf f7 anbringen konnte. Die schwarze Stellung war danach eine Ruine und nach 16 Zügen und wenig mehr als einer Stunde Spielzeit ging Neustadt in Führung.
Am sechsten Brett hatten sich zwei Schnellspieler mit unkonventionellem Stil gefunden. Schon nach dem dritten Zug von Weiß war eine Stellung auf dem Brett, die selbst in einer Datenbank mit Millionen von Partien noch nicht vorgekommen ist (1.e3 g6 2.d3 Lg7 3. a3). Florian Süß mit den schwarzen Steinen konnte im weiteren Verlauf taktisch einen Bauern gewinnen. Während man sich an den anderen Brettern noch Gedanken um die Eröffnung oder einen Übergang ins Mittelspiel machte, war an diesem Brett schon ein Turmendspiel entstanden. Florian hielt seinen Mehrbauern fest, drang schließlich auch noch mit seinem König in die gegnerische Stellung ein und stellte somit den Sieg für sich und den Ausgleich für die Mannschaft her.
An Brett 1 wurde Michael Betz mit Weiß in einer Variante (die irgendwo zwischen Grünfeldindisch und Slawisch anzusiedeln ist), mit der er bisher 3,5 Punkte aus vier Partien holen konnte, von einem interessanten Plan von Schwarz überrascht. Er konnte sich nicht an die Empfehlung in seinem d4-Repertoir-Buch erinnern, folgte aber ohne es zu wissen einer Partie Svidler – Giri, bis sein Gegner im 12. Zug abwich. Die Stellung bewegte sich im ausgeglichenen Bereich, bis Michael merkte, dass er im 18. Zug einen vermeintlich falschen Weg eingeschlagen hatte. Die Variante wäre trotzdem, wie ursprünglich geplant spielbar gewesen, wie der Computer zeigt. Die Stellung nach der Planänderung gestaltete sich deutlich besser für Schwarz und in bereits sehr guter Stellung fand Schwarz auch noch eine starke Fortsetzung. Er zog einen angegriffenen Springer nicht weg, wonach Weiß nur etwas schlechter gestanden wäre, sondern konterte mit einem Zwischenzug, der Michael völlig entgangen war. Die Stellung mit einer Qualität weniger gab ohnehin keine große Hoffnung mehr, aber Michael patzte gleich noch einmal und gab im 25. Zug auf, als er feststellen musste, dass seine Dame keine Felder mehr hatte. Somit waren die Gastgeber wieder in Führung gegangen.
Nur etwa 15 Minuten später konnte aber Simon Lamm, der am fünften Brett mit Weiß wieder einmal das Londoner System aufs Brett brachte den Ausgleich wieder herstellen. Simons Gegner sah sich nach einem Läufertausch auf g3, noch vor der weißen Rochade allerhand Gefahren ausgesetzt, wobei die Stellung laut Computer ausgeglichen war. Erst ein verfehlter Versuch des Neustädters, die Stellung geschlossen zu halten brachte Simon einen Mehrbauern bei sehr guter Stellung ein. In der Folge verlagerte sich der weiße Druck auf einen rückständigen Bauern in der e-Linie. Schwarz suchte sein Heil noch in einem Springeropfer, nach dessen Annahme die weiße Dame fallen würde. Simon rechnete aber weiter, nahm den Springer und gewann in der folgenden Abwicklung die Dame zurück. Somit hatte er einen Springer mehr, so dass der Neustädter sich geschlagen gab.
Jetzt aber sollte es an den zwei verbliebenen Brettern erst richtig dramatisch werden. Beide Stellungen waren für Spieler und Zuschauer schwer einzuschätzen.
Markus Schwengler hatte am vierten Brett mit Schwarz die Königsindische-Verteidigung gewählt. Wie so oft in dieser Eröffnung kam Markus zu einem Angriff gegen den weißen König. Dazu hatte er einen Bauern ins Geschäft gesteckt. Ein verlockendes Turmopfer erschien ihm dann aber zu riskant. Objektiv gesehen die richtige Entscheidung, das Opfer wäre nicht korrekt gewesen. Die Stellung befand sich in einem dynamischen Gleichgewicht, aber langsam wurde die schwarze Initiative stärker. Es kam zum Tausch der schwarzen Dame gegen die beiden weißen Türme und es war schwer einzuschätzen, wer die besseren Aussichten haben würde. Beide Spieler hatten noch sechs Bauern und einen Springer. Der Computer bevorzugt eindeutig Schwarz, aber am Brett ist alles nicht so klar. So war schon nach dem nächsten schwarzen Zug die Stellung wieder ausgeglichen. In der Folge ließen sich beide Kontrahenten nichts zu schulden kommen, bis die Zeitkontrolle näher rückte. Im 39. Zug unterlief Markus ein Missgeschick, das der Gegner ausnutzte und einen Bauern schlug. Hätte Markus den ungedeckten Turm geschlagen, wäre für den zweiten Turm die schwarze Dame verloren gegangen und das Bauernendspiel wäre verloren gewesen. So blieb nur ein anderer Zug und zumindest die Zeitkontrolle war geschafft. Jetzt dachte der Neustädter lange nach, fand aber den studienartigen Gewinnweg nicht. Wie so oft im Schach ist alles so logisch, wenn man die Lösung gezeigt bekommt. Am Brett, noch dazu nach einer komplizierten Partie ist nicht immer alles offensichtlich. Nach einer Zugwiederholung einigte man sich auf Remis.
Ausgerechnet der gesundheitlich angeschlagene Rudolf Schicker musste an Brett 3 die längste Partie spielen, die zudem auch noch recht kompliziert verlief. In der Reti-Eröffnung wählte sein Gegner eine seltene Variante, in der er im vierten Zug einen Zentrumsbauern im Tausch gegen einen Flügelbauern anbietet. Schon im sechsten Zug waren die Pfade der Theorie verlassen und die Partie verlief im ausgeglichenen Bereich, wobei der Computer Schwarz leicht im Vorteil sieht. Im 15. Zug unterläuft dem Neustädter Spieler ein Fehler, den Rudi taktisch ausnutzt und einen Bauern gewinnt. Im daraus resultierenden Schlagabtausch verpasst er aber einen Zwischenzug, der zu einem Figurengewinn geführt hätte. So kann Schwarz den Bauern letztendlich zurückgewinnen und es kommt zu einem ausgeglichenen Endspiel. Bei jeweils 4 Bauern und Dame hat Rudi einen Läufer, sein Gegner einen Springer. Dame und Springer arbeiten oft besser zusammen, als Dame und Läufer und somit lehnte der Neustädter ein Remisangebot ab und spielte auf Gewinn. Rudi verteidigte sich aber gut und konnte die Stellung immer ausgeglichen halten. Im 46. Zug kam es dann zu einer kritischen Situation, als Schwarz den Damentausch anbot. Verständlicherweise wollte Rudi diese starke Figur los werden, aber es wäre objektiv besser gewesen, die Damen auf dem Brett zu lassen. In der Folge wäre der schwarze Springer dem Läufer überlegen gewesen, aber Schwarz setzte ungenau fort und die Stellung war wieder im Gleichgewicht. Beide Spieler hatten noch zwei Bauern und Rudi konnte im 55. Zug seinen Läufer für einen Bauern opfern. Hätte Schwarz den Läufer geschlagen, dann wäre auch sein letzter Bauer gefallen. Das verbleibende weiße Duo hätte einen gefährlichen Eindruck gemacht. Mit der Unterstützung der Engine zeigt sich aber, dass Schwarz gerade so das Remis halten konnte, während nach seiner Fortsetzung Weiß auf Gewinn stand. Aber nach der anstrengenden Partie war es am Brett nicht so einfach. Im 61. Zug mit Läufer und Bauer gegen Springer zeigt der Computer noch immer einen Gewinn für Weiß an. Die dafür notwendigen studienartigen Manöver sind aber am Brett nach einer langen Partie kaum zu finden. Ich (Betz Michl) habe mich in den letzten Tagen ausgiebig mit der Stellung befasst und trotz Computerunterstützung sind mir noch nicht alle Feinheiten klar. Wer mag kann sich gerne auch damit beschäftigen!
Weiß: Kf7, La6, g6 Schwarz: Ke3, Sh5
Weiß am Zug
Kleiner Tipp: Eine wesentliche Verteidigungsidee von Schwarz ist Sg3 und nach g7 folgt Sf5 mit der Gabel auf h6 wenn der Bauer verwandelt wird. Mit dem schwarzen König auf g5 funktioniert diese Verteidigung aber nicht, weil der Bauer mit Schach verwandelt wird. Sollte der schwarze König allerdings ungestraft h6 erreichen ist kein Gewinn mehr möglich, weil der Springer zwischen h5, g7 und e8 pendeln kann. Verwirrend ist, dass es nicht einen ganz konkreten Weg zum Gewinn gibt, sondern mehrere Varianten möglich sind.
Nachdem Rudi 62. Kg8 gespielt hatte konnte Schwarz mit Sf4 sofort sicher stellen, dass der Bauer nicht zur Dame werden kann.
Somit war also der letztendlich gerechte 3 – 3 Endstand hergestellt und wir sind weiterhin Tabellenführer, nachdem auch der weitere Konkurrent Oberviechtach unentschieden gespielt hatte.
Am vergangenen Sonntag traten wir bei der 2. Mannschaft des Regensburger Vorstadtclubs TSV Kareth-Lappersdorf an. Die Ausgangslage war klar, brauchten die Karether doch jeden Punkt im Kampf um den Klassenerhalt, während wir zum wiederholten Mal danach trachteten unsere letzte Chance zu ergreifen, ein gewichtiges Wörtchen im Meisterschaftsrennen mitzusprechen. Nach gut vier Stunden stand ein ungefährdeter 6-2 Auswärtssieg zu Buche mit dem wir die Konkurrenz aufhorchen lassen konnten.
An Brett 8 (S) verteidigte sich Manfred Oppel in seinem Debut für die 1. Mannschaft Königsindisch. Gegen die Makogonov-Variante entschied er sich für den Zentrumsvorstoß c5, der an dieser Stelle nicht unbedingt einen guten Ruf genießt. Doch anscheinend war auch sein Gegner mit diesem Vorgehen nicht vertraut und wechselte erst zur Fianchetto-Variante und dann wieder zurück, was in dieser Form wenig Aussicht auf Erfolg versprach. Im 14. Zug startete Mane eine Abtauschaktion, die ihm in der richtigen Reihenfolge einen klaren und gewinnverheißenden Vorteil gebracht hätte:
Brett 8: Mit der fantastischen Abwicklung 14…Sxd5! 15.exd5 Sxd3 16.dxe6 Dd5!! hätte Mane beste Chancen auf den Führungstreffer gehabt, doch welcher Mensch findet diesen Computerzug?
Zu seinem Leidwesen vertauschte er aber die Züge, wonach die Partie weitestgehend verflachte. In immer noch leicht vorteilhafter Stellung bot er Remis, was natürlich sofort angenommen wurde. (½-½)
An Brett 1 (W) bekam es Tobias Brunner nach dem Aufzug des Königsbauern mit einer Art Philidor-Verteidigung zu tun. Sein aggressiver Dreibauernangriff sah beeindruckend aus, hätte aber wirksam bekämpft werden können:
Brett 1: Dem Heimspieler stand mit 6…d5! starkes Gegenspiel zur Verfügung, zum Glück für Tobias entschied er sich aber für 6…De7? und hatte fortan Schwierigkeiten mit seiner Figurenkoordination.
Aufgrund der unglücklichen Positionierung seiner Dame sah sich der Karether gezwungen lang zu rochieren, womit er die Lage auf dem Brett weiter verschärfte. Einen Zug später hätte ihn ein Fehler bereits Kopf und Kragen kosten können:
Brett 1: Nachdem Tobias seinen König in Sicherheit gebracht hatte, stand sein Gegner vor der Frage, wohin mit dem angegriffenen Springer? Richtig war 10…dxe5 11.fxe5 Se4, doch er spielte sofort 10…Se4?? und hätte nach 11.e6! getrost aufgeben können!
Leider verpasste Tobias diese Gelegenheit, stand aber immer noch besser. Erst nach der direkt anschließenden Ungenauigkeit war sein Vorteil verflogen und es begann der beidseitige Aufmarsch gegen die gegnerische Königsstellung. Es stellte sich heraus, dass der schwarze Angriff schneller voran kam und nach einem Fehler von Tobias in komplizierter Stellung auch hätte durchschlagen können:
Brett 1: Schwarz tauschte seinen hängenden Läufer h6 auf e3, half damit aber Tobias seine Verteidigung zu entlasten. Richtig war 23…Tdg8! wonach der Angriff nicht mehr zu parieren ist. Sowohl 24.Lxh6 Txg2+ als auch 24.g3 Txg3+! bringen den weißen König in wenigen Zügen zur Strecke.
Doch damit nicht genug des Glücks. In Zeitnot verlor der Karether in mittlerweile ausgeglichener Stellung vollends die Übersicht, ließ die weiße Dame nach a7 eindringen und geriet selbst in einen Mattangriff, den er nicht mehr zu stoppen vermochte. (1½-½)
An Brett 7 (W) wurde Stephan Schmahl mit der Sizilianische Drachenvariante konfrontiert. Beide Spieler versuchten die Hoheit über das Zentrum zu erlangen, was nach mehrfachem Abtausch zum sogenannten „Widder“ führte, einer Stellung mit beidseitig isolierten Bauern auf d4 und d5. Zunächst schien die Lage günstiger für Weiß zu sein, doch trotz der notwendigen künstlichen Rochade von Schwarz, war kein Vorteil auszumachen. Im 16. Zug überschätzte Stephan seine Möglichkeiten, ging zu offensiv am Königsflügel vor und hätte klar in Nachteil geraten können:
Brett 7: Nach dem korrekten Zug 16.Sa4 und Überführung des Springers nach c5 hätte Stephan einen kleinen Eröffnungsvorteil erreichen können. Er spielte jedoch 16.g4? was deutlich zu ambitioniert war.
Zu seinem Glück erwiderte sein Gegner nicht 16…g5! und dann ….f5, sondern spielte sofort 16…f5?? und stand überraschenderweise unmittelbar auf Verlust. Nach 17.g5! sind die schwarzen Leichtfiguren durch die eigene Blockade des Feldes f5 sehr passiv. während die weißen über die geschwächten schwarzen Felder zum gegnerischen König vordringen können. Unter Zeitdruck verpasste Stephan zwar das ein oder andere Mal die stärkste Fortsetzung, doch letztendlich gelang es ihm unbeschadet durch die Komplikationen zu kommen und in ein gewonnenes Endspiel abzuwickeln:
Brett 7: Bereits mit einem Mehrbauern in der Tasche wickelte Stephan hier in ein leicht gwonnenes Turmendspiel ab.
Nach dem Partiezug 37.Te8+ und der mehr oder weniger erzwungenen Folge 37…Kf7 38.Txc8 Kxg6 39.Txc6+ Kf7 40.Ke3, wäre nicht nur ein zweiter Bauer gefallen, sondern auch die Zeitkontrolle erreicht gewesen, so dass der Karether an dieser Stelle aufgab. (2½-½)
An Brett 6 (S) wählte Carolin Werner die Sizilianische Sveshnikov-Variante, eine Eröffnung nicht ohne Risiko, die aber auch ein Spiel auf Gewinn ermöglicht. Der frühe und wenig ehrgeizige Springertausch auf c6 kam ihr dabei sehr entgegen. Es ergaben sich ungewohnte Stellungsbilder, die für beide Spieler nicht einfach zu spielen waren, was die von der Engine aufgedeckten Ungenauigkeiten hüben wie drüben erklärt. Caro schnappte sich einen Bauern, musste dafür aber einen nicht unerheblichen Entwicklungsrückstand in Kauf nehmen. Ihr Gegner fand aber keine Möglichkeit seinen dynamischen Vorteil in etwas Zählbares umzumünzen und konnte dementsprechend keine Kompensation für den fehlenden Bauern nachweisen. Nichtsdestotrotz blieb die Lage auf dem Brett auch nach Vervollständigung der Entwicklung kompliziert und so begann der Kampf nun erst richtig zu entbrennen:
Brett 6: Trotz Mehrbauer und Läuferpaar für Schwarz hält der Computer die Stellung für völlig ausgeglichen.
In weiterhin angespannter Lage versuchte Caro mittels Verdoppelung der Türme auf der g-Linie den weißen König zu attackieren, wählte dabei aber eine unglückliche Zugfolge, die sie in erhebliche Schwierigkeiten hätte bringen können:
Brett 6: Mit 26…d5 war die Stellung im Gleichgewicht zu halten, doch Caro wählte 26…Lf8?? und hätte nach 27.h5! Tg5 28.Sxd6!! wegen der Schwäche des Feldes f6 auf Verlust stehen können.
Der Heimspieler sah diese Kombination jedoch nicht, spielte 27.Td3 und landete nach weiteren Irrungen und Wirrungen bei beidseitig knapper Bedenkzeit kurz vor der Zeitkontrolle in folgender Stellung:
Brett 6: Mit 35.Tb7 konnte der Weiße die Partie im Gleichgewicht halten, doch er spielte 35.Sh6??, wonach der vermeintliche Qualitätsgewinn wegen 36…Txh4+! sofort ins Verderben führte.
Caro ließ sich die Gelegenheit nicht entgehen und zwang ihren Kontrahenten in wenigen Zügen zur Aufgabe. (3½-½)
An Brett 3 (W) traute Philipp Mark seinen Augen kaum als sein Gegner in der Eröffnung eine nahezu unbekannte Nebenvariante wählte. Der Schwarze verzichtete zunächst auf jedweden Kontakt und überließ Philipp das Zentrum, das dieser nur zu gern mit seinen Bauern besetzte:
Brett 3: Eine Eröffnung ohne Namen.
Da ein Einigeln auf Dauer kaum funktionieren kann, betrat im 7. Zug der erste schwarze Bauer die 5. Reihe und löste damit auf beiden Seiten Figurenumgruppierung aus. In der Folge gelang es dem Karether seine Stellung zu entwirren und für ihn aufgrund des Raumnachteils günstigen Figurenabtausch einzuleiten. Scheinbar überrascht von dieser Entwicklung fand Philipp keinen wirksamen Plan und musste sich schließlich mit Ausgleich abfinden:
Brett 3: Mit seinem letzten Zug 17…f5 hatte der Heimspieler die Stellung ausgeglichen und drohte nun weiter mit seinen Königsflügelbauern vorzustoßen. Richtig wäre deshalb der Konter 18.f4 gewesen, doch Philipp entschied sich für 17.f3?! und überließ damit seinem Gegner die Initiative.
Da Schwarz zudem über den „richtigen“ Läufer verfügte, war sein beginnender Angriff königsindischer Art trotz des reduzierten Material alles andere als ungefährlich. Psychologisch unter Druck versuchte Philipp dem kommenden Sturm mit seinem König zu entkommen:
Brett 3: Der Versuch von Philipp seinen König aus der Gefahrenzone zu evakuieren, war nachvollziehbar, aber leider einen Zug zu früh. Besser war 21.h3, um zunächst das schwarze …g4 zu verhindern.
Der Karether nuzte die Gelegenheit, spielte 21…g4! und konnte damit klaren Vorteil erzielen. Da ein Unglück nur selten allein kommt, tauschte Philipp auch noch selbst auf g4 und stand endgültig auf Verlust. In der Folge entwickelte sich ein Spiel auf ein Tor, dem er keine entscheidende Wendung mehr geben konnte. Als er direkt vor der Zeitkontrolle Figurenverlust quittieren musste, war die Zeit für die Aufgabe gekommen. (3½-1½)
An Brett 2 (S) verteidigte sich Ingo Cordts im Damengambit mit dem durch Ex-Weltmeister Magnus Carlsen popularisierten frühen …a6. Der Weiße baute sich harmonisch auf, hielt die Spannung im Zentrum aufrecht und konnte mit seinem Raumvorteil am Damenflügel einen kleinen Vorteil verbuchen:
Brett 2: Mit 15.Lxf6 Dxf6 16.cxd5 exd5 17.Dxd5 konnte der Karether im Gegenzug für eine leichte gegnerische Initiative einen Bauern gewinnen, was jedoch nicht seinem Geschmack entsprach.
Die von ihm gewählte Fortsetzung 15.Sf1 vergab jedoch seinen Vorteil, da sich Ingo mit Hilfe der forcierten Abwicklung 15…dxc4 16.Lxc4 b5 17.Ld3 e5 praktisch komplett befreien konnte. Ohne Not folgte direkt im Anschluss der bereits entscheidende Fehler:
Brett 2: Die Scheindrohung …e4 wollte Weiß unterbinden, indem er selbst seinen Bauern nach e4 stellte, übersah dabei aber, dass seiner Dame die Luft fehlte. Nach 18…Le6 musste diese die c-Linie betreten und war einem Abzug des Sc6 ausgesetzt.
Der resultierende Bauerngewinn auf b4 verschaffte Ingo eine Gewinnstellung, die er durch Figurentausch und Gewinn des Läuferpaars verdichtete. In seiner Verzweiflung opferte der Heimspieler eine Qualität, was zwar den verloren gegangenen Bauern zurückholte, aber im Endeffekt doch nur vom Regen in die Traufe kam. Ingo aktivierte seinen Turm, erzwang den Damentausch und navigierte zielgerichtet auf ein klar gewonnenes Turm gegen Läufer Endspiel zu:
Brett 2: Die Unterminierung der weißen Bauernstellung mit 45…h5 zerstörte die letzten Karether Hoffnungen auf eine eventuelle Festung.
Nach den weiteren Zügen 46.Ld4 hxg4+ 47.Kxg4 g6 war klar, dass auch der Bauer a5 ersatzlos fallen würde, weshalb der Weiße sich geschlagen gab. (4½-1½)
An Brett 4 (S) traf Christian Müller auf die Englische Eröffnung, die er klassisch mit dem Vorstoß des Königsbauern beantwortete. Nach frühem Damentausch ergab sich eine Position in der die bessere schwarze Bauerstruktur durch das weiße Läuferpaar kompensiert wurde:
Brett 4: Die Engine sieht hier einen minimalen weißen Vorteil, der für den Menschen kaum bis gar nicht wahrnehmbar ist.
Im Mittelspiel gelang es dem Weißen sich eine kleine Initiative zu erarbeiten, die aber ohne eine angreifbare Schwäche im schwarzen Lager wirkungslos verpuffte:
Brett 4: Das Eindringen des Turms auf d6 erwies sich als Boomerang. Christian spielte konsequent, gab auch seinen zweiten Läufer und konnte anschließend den Bauern c5 gewinnen.
Nachdem auch der Bauer b3 sogar mit Schach fiel, schien die Messe gelesen zu sein, doch der leergefegte Damenflügel gab dem weißen Läuferpaar neue Perspektiven, was zusammen mit der fehlenden Harmonie der schwarzen Figurenstellung so gerade noch Kompensation für die beiden Minusbauern darstellte:
Brett 2: Der Materialnachteil erforderte vom Weißen ein möglichst dynamisches Spiel, das mit 22.Ta1 am ehesten zu gewährleisten war. Er spielte aber 22.f4? und wurde nach 22…Sc8 zurückgedrängt.
Christian gelang es seine Streitkräfte zu koordinieren, das gegnerische Läuferpaar zu halbieren und mit seinen Türmen den weißen König aufs Korn zu nehmen:
Brett 4: Nach einer längeren Abwicklung hatte Christian ein klar gewonnenes Turmendspiel erreicht.
Da der Karether keinerlei Gegenspiel hatte und auch der Übergang in ein Bauernendspiel unmöglich war, hatte Christian keine Mühe den Sieg unter Dach und Fach zu bringen. (5½-1½)
An Brett 5 (W) vertraute Milo Müller gegen die Skandinavische Verteidigung einer statistisch wenig aussichtsreichen Variante, mit der er aber ungeahnten Erfolg hatte und seinen Gegner schon früh in die Defensive drängen konnte:
Brett 5: Nach 14.Sd6+ Kf8 verlor Schwarz nicht nur sein Rochaderecht, sondern musste nach 15.Le5 auch noch noch seinen Turm nach h7 aufs Abstellgleis schieben.
Milo hatte eindeutig die besseren Aussichten, fand in der Folge aber keinen gewinnbringenden Plan und musste mit ansehen, wie sich sein Gegenüber langsam aber sicher aus der Umklammerung befreite. Nach beidseitigen Ungenauigkeiten entstand ein ausgeglichenes Endspiel mit Dame, Turm, Läufer und jeweils sechs Bauern:
Brett 5: Nach bereits zweimaliger Stellungswiederholung hätte Milo hier mit 32.Dc5+ ein Remis erzwingen können, wollte in ausgeglichener Position aber noch weiterspielen und entschied sich für 32.g4.
An der generellen Einschätzung änderte sich nichts, denn nach der Entgegnung 32…Lf3 hätte er mit 33.Lxe6! fxe6 34.Dg7+ Dauerschach geben können. Mit dem erneuten Ausweichen mit 33.Db4+?! war er diesmal aber schlecht beraten, denn nach der Folge 33…Dc5 34.Dxc5+ Txc5 35.Tg1 h5 36.h3 hxg4 37.hxg4 g5! konnte sich der Karether einen kleinen aber dauerhaften Vorteil sichern, der im 40. Zug zu einer Gewinnstellung hätte führen können:
Brett 5: Nach dem eigentlich auf der Hand liegenden 40…f5! wäre die Partie für Milo wohl nicht zu gehalten gewesen, doch zu seinem Glück verzichtete sein Gegner zu Gunsten von 40…Kd6? und hatte seinen Vorteil verschenkt.
Milo konnte die Fesselung auf der g-Linie abschütteln und im letztendlich resultierenden reinen Läuferendspiel das Unentschieden problemlos erreichen. (6-2)
Nach diesem überzeugenden Auftritt und zeitgleichen kleineren Ausrutschern der Spitzengruppe stehen wir plötzlich und unerwartet auf dem 2. Tabellenplatz! Damit ist nicht nur die Abstiegsgefahr endgültig gebannt, sondern es hat sich auch unsere Hoffnung erfüllt aus eigener Kraft in den Meisterschaftskampf eingreifen zu können.
Sogar das Liga-Orakel hat uns vom ehemals sicheren Abstiegskandidaten zum Aufstiegsaspiranten Nr. 3 befördert. Eine Wendung, die nach unserem missglückten Saisonstart niemand erwarten konnte.
Zum nächsten Heimspiel am 8. Februar empfangen wir den im Mittelfeld rangierenden SC Forchheim. Sollten wir auch diese Begegnung positiv gestalten können, hätten wir Anfang März tatsächlich einen Showdown beim aktuellen Tabellenführer aus Fürth. Schachherz, was willst Du mehr?
Am Nikolaus-Wochenende empfingen wir im Feuerwehrhaus die 3. Mannschaft des SC Noris-Tarrasch Nürnberg. Die Vorzeichen waren klar, denn beide Mannschaften konnten ihren Anspruch auf einen vorderen Tabellenplatz nur mit einem Sieg untermauern. Auf dem Papier waren wir der Favorit, doch die Erinnerung an unsere Vorrundenniederlage war uns noch zu gut im Gedächtnis, um den Kampf auf die leichte Schulter zu nehmen. So gingen wir stattdessen hoch motiviert und voll konzentriert in die Partien und verbuchten einen völlig überraschenden und in dieser Höhe nie erwarteten 7-1 Erfolg!
An Brett 2 (W) erhielt FM Zdenek Haba gleich zu Beginn des Kampfes die Mitteilung, dass die Gäste nur zu siebt angereist waren und sein Gegner nicht erscheinen würde. Dies ist höchst unbefriedigend und passiert Zdenek leider nicht zum ersten Mal. Nach Ablauf der obligatorischen 30 Minuten Karenzzeit war unsere Führung offiziell. Menschlich sehr schade, aber außerhalb unseres Einflussbereichs. (1-0)
An Brett 5 (S) eröffnete Milo Müller gegen seinen Gegner Sizilianisch, was dieser mit einem geschlossenen Aufbau erwiderte. Nach langsamer Entwicklung entstand bei vollem Brett eine Stellung mit gleichen Chancen. Im 10. und 11. Zug übersah Milo die Gelegenheit zu einem günstigen Zentrumsvorstoß und musste fortan gegen den Raumvorteil des Nürnbergers ankämpfen. Mit dem unangreifbaren Bauernkeil e5-d4 gegen e6-d5 betrachtet der Computer die Stellung als bereits gewonnen für Weiß. Doch für Menschen ist die Sache bekanntermaßen nicht so einfach und so kämpfte sich Milo unverdrossen zurück in die Partie. Scheinbar beeindruckt vom Einfallsreichtum seines Gegners unterlief dem Gast im 21. Zug ein schwerer Fehler, der die Computer-Bewertung sofort auf den Kopf stellte. Von nun an war Milo am Drücker, gewann eine Qualität und sicherte souverän den zweiten Punkt für uns. (2-0)
An Brett 6 (S) wählte Stephan Schmahl die Polnische Eröffnung und konnte nach elf Zügen eine ausgeglichene Stellung erreichen. Im 12. Zug verpasste er die einzige Möglichkeit, um mehr als nur einen halben Punkt zu kämpfen und steuerte stattdessen mittels weiteren Figurentauschs den Remishafen an. Leider unterlief ihm dabei eine ernste Ungenauigkeit, die dem Weißen die besseren Aussichten versprach. Sein Gegner schätzte seine Chancen jedoch nicht richtig ein oder war schlicht nicht in Kampfeslaune und bot Remis an, was von Stephan nach Inspektion der Stellungen der Kameraden leichten Herzens angenommen wurde. (2½-½)
An Brett 3 (S) entschied sich Philipp Mark gegen die Reti-Eröffnung für einen Damenindischen Aufbau. Schnell erreichte er eine ausgeglichene Stellung und konnte nach verhaltenem Vorgehen seiner Gegnerin schließlich die Initiative übernehmen. Überrascht von Philipps forschem Auftreten, unterliefen der Nürnbergerin erst ein kleiner und anschließend drei größere Fehler, die ihre Stellung nicht mehr verkraftete. Angesichts eines Minusbauern bei gleichzeitig trostloser Stellung, bevorzugte sie ein Ende mit Schrecken und warf das Handtuch. (3½-½)
An Brett 8 (W) griff Miroslav Kalous gegen den Königsindischen Aufbau seines Gegners zum Doppelfianchetto. Scheinbar überrascht ließ sich der Nürnberger zu einem wenig erfolgversprechenden Manöver hinreißen, das im Endeffekt nur dem Weißen in die Karten spielte. Mirek konnte die gegnerischen Figuren Zug für Zug zurückdrängen und mit mehr Raum und besserer Figurenstellung einen klaren Vorteil erzielen. Die anschließend folgenden Durchbrüche im Zentrum und am Damenflügel in Verbindung mit der unter Platzmangel leidenden und wiederholt attackierten schwarzen Dame bescherten ihm entscheidenden Materialgewinn und die baldige Aufgabe seines jungen Gegners. (4½-½)
An Brett 6 (W) bediente sich Carolin Werner gegen die Skandinavische Verteidigung einer seltener gespielten Variante und fianchettierte ihren Königsläufer. Die Eröffnung verlief in ausgesprochen ruhigen Bahnen und brachte der Windischeschenbacherin außer dem Läuferpaar keinen nennenswerten Vorteil. Der anschließende optimistische Vorstoß des g-Bauern hätte daran eigentlich nichts ändern sollen, doch ihr Gegner überreagierte ebenso ein wenig und fand sich ohne Vorposten für seine Springer in einer zwar festen aber unbequemen Stellung wieder. In die Passivität gezwungen beging der Nürnberger mehrere Fehler, die zum Zusammenbruch seiner Verteidigung hätten führen können, doch leider verpasste Caro diese Gelegenheit, wonach sich das Blatt hätte wenden können. Doch da an diesem Tag so gar nichts zusammenlaufen wollte für die Gäste, revanchierte sich der Nachziehende postwendend und stand erneut glatt auf Verlust. Mit zwei Mehrbauern und besserer Königsstellung sah der Rest nach Routine aus, doch eine Schrecksekunde musste noch überstanden werden. Nach einem schrecklichen Überseher hätte der Nürnberger mittels eines Turmopfers mit anschließendem Dauerschach Caro den verdienten Sieg doch noch entreißen können, doch auch diesmal ging er an seinem Glück vorbei. Eine dritte Chance sollte er nicht bekommen und so musste er sich wenige Züge später in Anbetracht weiteren Materialverlusts endgültig geschlagen geben. (5½-½)
An Brett 4 (W) begann Christian Müller mit dem Königsspringer und leitete anschließend über in das sogenannte Keymer-System, einer Untervariante der Reti-Eröffnung. Die Partie entwickelte sich erwartungsgemäß nur langsam, versprach Christian aber wegen eines leichten Entwicklungsvorsprungs und des schlechten weißfeldrigen Läufers von Schwarz einen angenehmen Vorteil. Diesen vermochte er zielgerichtet auszubauen bis sich sein Gegner gezwungen sah eine Qualität gegen einen lästigen Springer auf d6, tief im eigenen Territorium zu opfern. Christian manövrierte geduldig, mobilisierte seine Königsflügelbauern und hätte die Partie durch Verdoppelung seiner Türme auf der h-Linie mit Mattangriff krönen können. Doch leider griff er just in diesem Moment fehl und ließ den Nürnberger entschlüpfen. Nach Erreichen der Zeitkontrolle hatte der Schwarze die Stellung mit zwei Bauern für die Qualität wieder ausgeglichen und alles deutete auf einen friedlichen Ausgang der Partie hin. Doch im 43. Zug unterlief dem Gast ein schrecklicher Fehler nach dem er forciert einen seiner beiden Mehrbauern einbüßte bei gleichzeitiger Aktivierung der weißen Streitkräfte. Auf offenem Brett entfaltete der verbliebene Turm seine ganze Kraft und demonstrierte seine Überlegenheit gegenüber dem hoffnungslos überforderten Läufer. Einen weiteren Bauernverlust vor Augen, strich der Nürnberger schließlich die Segel. (6½-½)
An Brett 1 (S) wurde Tobias Brunner in seiner Caro-Kann Verteidigung mit der zweischneidigen Fantasy-Variante konfrontiert. In einer der Hauptabspiele warteten beide Kontrahenten ab, auf welche Seite der gegnerische König rochieren würde. Dabei beging der Nürnberger einen Leichtsinnsfehler, der es Tobias erlaubte die Initiative zu übernehmen und die gegnerischen Figuren zurückzudrängen. Nach der unglücklichen langen Rochade des Weißen zeigt die Engine bereits eine klare Verluststellung an, doch leider entgingen Tobias die besten Züge und so wurde er plötzlich von einem Springeropfer überrascht, das das Brett regelrecht in Flammen setzte. Nachdem sich der Rauch verzogen hatte, blieb ein komplexes damenloses Mittelspiel mit einem Minusbauern übrig. Auf dem Weg zur Zeitkontrolle fand er ein starkes Bauernopfer, das ihm bei korrekter Fortsetzung eine sofortige Remisschaukel erlaubt hätte. Doch er griff fehl und stand nun selbst am Abgrund. Aber wie durch ein Wunder verzettelte sich der Gast im 40. Zug noch einmal und musste ein unangenehmes Gegenspiel über sich ergehen lassen, das die Partie fast noch ein weiteres mal auf den Kopf gestellt hätte. Zunächst brachte Tobias die korrekte Gewinnfortsetzung aufs Brett, doch als er im letzten Moment strauchelte, fand die Partie durch Zugwiederholung ein friedliches Ende. (7-1)
So schlecht der Kampf gegen Büchenbach lief, so unverschämt gut erging es uns an diesem Spieltag! Uns gelang alles, dem Gegner nichts! Mit sechs Siegen und zwei Remis erzielten wir den höchsten Mannschaftssieg der letzten Jahre und konnten uns eindrucksvoll für die Schlappe vom November rehabilitieren. Mit nunmehr 5-3 Punkten und ausgezeichnetem Brettpunktverhältnis sieht die Liga-Welt für uns wieder rosiger aus. Sozusagen ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk, mit dem wir uns die Hoffnung auf den Aufstieg erhalten konnten.
Zum ersten Kampf im neuen Jahr reisen wir am 18. Januar nach Regensburg, um gegen die 2. Mannschaft des TSV Kareth-Lappersdorf anzutreten. Die Karether befinden sich mit 3-5 Punkten in der unteren Tabellenhälfte und werden alle Kräfte mobilisieren, um gegen uns zu bestehen und nicht in den Abstiegsstrudel zu geraten. Da aber auch wir jeden Punkt brauchen, um den Blick noch nach oben richten zu können, ist mit einem Kampf auf Biegen und Brechen zu rechnen. Wir sind gerüstet!
Am 16. November 2025 empfingen wir zur 3. Runde der Regionalliga die 1. Mannschaft der SG Büchenbach / Roth. Im durchschnittlichen Rating hatten wir die Nase vorn, doch der relativ geringe Vorsprung ließ einen Kampf auf Augenhöhe erwarten. Warum es schließlich anders kam und wir eine deprimierende 2½-5½ Niederlage einstecken mussten, ist schwer zu erklären und war uns auch bei der anschließenden Mannschaftsbesprechung völlig unklar. Es scheint fast als hätten wir in jeder Saison einen dieser schwarzen Tage zu verdauen.
An Brett 4 (W) wählte Christian Müller gegen die Rubinstein-Variante der Französischen Verteidigung einen eher selten gespielten, aber statistisch überdurchschnittlich erfolgreichen Zug, der ihm auch in dieser Partie gute Dienste leistete. Es gelang ihm den Gegner in eine passive Stellung zu drängen, was ihm zusammen mit mehr Raum einen schönen Vorteil bescherte. Da er jedoch leider gesundheitlich angeschlagen war, war ihm im Sinne der Mannschaft der sprichwörtliche Spatz in der Hand lieber als die Taube auf dem Dach und so akzeptierte er ein frühes Remisangebot. (½-½)
An Brett 6 (W) bekämpfte Carolin Werner die solide Caro-Kann Verteidigung mit dem Panov-Angriff. Lange folgte man bekannter Theorie bis Caro im 14. Zug abwich. Ihr hängendes Bauernpaar im Zentrum war zwar blockiert, doch sie besaß einen Freibauern, der die Stellung insgesamt im Gleichgewicht hielt und langfristig Chancen zu einem Spiel auf Gewinn versprach. Als diese sich nicht realisieren ließen, entschied sie sich richtigerweise die Spannung aufzulösen. Bei aufkommender Zeitnot verlor sie aber gänzlich den Faden, geriet in die Defensive und wurde nach einem Figurenverlust kurz vor der Zeitkontrolle matt gesetzt. (½-1½)
An Brett 8 (W) wurde Miroslav Kalous mit dem Holländischen Stonewall konfrontiert aus dem sich wie üblich ein schwerblütiger Positionskampf entwickelte. Im Mittelspiel sicherten Raumvorteil und ein passiver Läufer des Schwarzen Mirek einen deutlichen Vorteil. Durch ideenreiches Spiels vermochte er diesen in einen Königsangriff umzuwandeln, der ihm einen Qualitätsgewinn einbrachte. Obwohl schon der Materialvorteil allein bereits Garant für einen Gewinn war, ließ Mirek nicht locker, drang mit seiner Dame über die geschwächten schwarzen Felder in das gegnerische Lager ein und erzwang die baldige Aufgabe. (1½-1½)
An Brett 2 (W) entschied sich FM Zdenek Haba gegen die Slawische Verteidigung zu einem modernen Aufbau. Es gelang ihm das Zentrum zu besetzen und dadurch Raumvorteil zu erzielen, doch die schwarze Aufstellung war stabil und hatte keine angreifbaren Schwächen. Da es dem Gast zudem gelang ein Figurenpaar zu tauschen, war die Stellung eingangs des Mittelspiels ausgeglichen. Im weiteren Verlauf fand Zdenek leider keinen zufriedenstellenden Plan, so dass der Gast Schritt für Schritt die Kontrolle übernehmen konnte. Nach dem Damentausch trieb er seine Damenflügelmajorität nach vorn, erbeutete das Läuferpaar und zwang Zdenek in die Defensive. In Zeitnot fand der Windischeschenbacher schließlich weder eine ausreichende Verteidigung noch ein wirksames Gegenspiel und musste im Angesicht einer unmittelbar bevorstehenden Bauernumwandlung das Handtuch werfen. (1½-2½)
An Brett 1 (S) musste sich Tobias Brunner der Katalanischen Eröffnung erwehren. In einer Modevariante entschied er sich früh für ein Schlagen auf c4, was nach dem weiteren Tausch eines Figurenpaars zu einer ausgeglichenen Stellung führte. Weißer Raumvorteil gegen schwarzes Läuferpaar ergaben zwar ein interessantes Ungleichgewicht, doch an der Beurteilung änderte dies bis zum 19. Zug wenig. Der folgende Massenabtausch endete in einem Doppelturmendspiel, das zwar optisch günstiger für den Büchenbacher aussah, von der Engine aber als völlig ausgeglichen eingeschätzt wird. In der Folge geriet Tobias leider vom richtigen Weg ab und landete in einer passiven Stellung, die zwar noch nicht verloren, aber am Brett schwer zu verteidigen ist. Er suchte nach aktivem Gegenspiel, konnte den weißen Freibauern auf der a-Linie aber nicht mehr aufhalten und musste die Waffen strecken. (1½-3½)
An Brett 5 (S) griff Milo Müller zum populären Wolga-Gambit und folgte dabei früh einer weniger bekannten Variante. Bis zum 15. Zug hatte sich die Lage stabilisiert und es entstand eine typische Stellung mit Druck auf den offenen Linien am Damenflügel als Kompensation für den geopferten Bauern. Der Computer reklamiert zwar einen deutlichen Vorteil für Weiß, doch in der Praxis ist die Stellung nicht einfach zu spielen und so unterlief dem Gast eine Ungenauigkeit, die Milo wieder zurück ins Geschäft brachte. Im folgenden machten beide Spieler zahlreiche Fehler, die eine Vorhersage des Ausgangs nahezu unmöglich machten. Letztlich entstand ein Doppelturmendspiel, in dem die aktiven schwarzen Türme beste Aussichten auf ein Remis versprachen. Kurz nach der Zeitkontrolle schätzte Milo seine Chancen jedoch falsch ein, tauschte einen Turm und landete in einer Verluststellung. Gegen die auf beiden Flügeln vorrückenden gegnerischen Freibauern war kein Kraut mehr gewachsen und so musste er sich im 57. Zug geschlagen geben. (1½-4½)
An Brett 6 (S) verteidigte sich Stephan Schmahl Königsindisch. Sein Gegner wählte die Petrosjan-Variante, mit der das Zentrum sofort geschlossen wird. Die Partie entwickelte sich dementsprechend langsam und stand am Ende der bekannten Theorie ausgeglichen. Nach der ein oder anderen Ungenauigkeit auf beiden Seiten führte ein Fehler des Büchenbachers zu einem Bauernverlust und klarem Nachteil. Stephan nutzte die Gelegenheit, erzwang mit seiner aktiven Dame günstigen Figurentausch und stand mit Mehrbauer, Läuferpaar und aktivem Turm klar auf Gewinn. In der Zeitnotphase spielte er zwar nicht optimal, doch letztendlich brachte er den vollen Punkt sicher nach Hause. (2½-4½)
An Brett 3 (S) vertraute Philipp Mark der Russischen Verteidigung. In einer der Hauptvarianten kam es nach frühem Damentausch zu einer ausgeglichenen Stellung. Im Mittelspiel verlor Philipp dann jedoch etwas den Faden und landete in einem unbequemen Endspiel. Angesichts einer real drohenden Niederlage, bündelte er alle Kräfte in der Verteidigung und vermochte die Partie tatsächlich wieder auszugleichen. Sein Gegner ließ jedoch nicht locker und nutzte seinen Raumvorteil, um weiter Druck zu machen, der schließlich zum Erfolg führte. Philipp unterlief ein schwerer Fehler, der ein verlorenes Läuferendspiel zur Folge hatte. Er wehrte sich noch 35(!) Züge, konnte die Niederlage aber nicht mehr abwenden. (2½-5½)
Ergebnis und Verlauf des Kampfes hatten wir uns sicher anders vorgestellt, doch wir müssen konstatieren, dass die Niederlage auch in dieser Höhe verdient war. Leider fanden wir nie zu unserem Spiel und konnten am Schluss auch nicht mehr dagegen halten. Mit nunmehr 3-3 Mannschaftspunkten finden wir uns im Mittelfeld der Tabelle wieder und müssen der Tatsache ins Auge sehen, dass das erhoffte Mitmischen um den Aufstieg zwar nicht mehr unmöglich, aber doch eher unwahrscheinlich geworden ist.
Zum letzten Kampf des Jahres empfangen wir am 7. Dezember die 3. Mannschaft vom SC Noris-Tarrasch Nürnberg, die mit 4-2 Punkten zwei Plätze vor uns rangiert. Ein Sieg würde uns nicht nur Luft verschaffen, sondern auch das letzte Fünkchen Hoffnung auf einen Spitzenplatz am Glimmen halten. Und so werden wir es angehen!
Wie in den vergangenen Jahren legen wir in den Weihnachtsferien eine Trainingspause ein. Dies betrifft die zwei Freitage 26.12.2025 sowie 02.01.2026. Wir sehen uns danach am 09.01.2026 wieder.
Wir wünschen allen ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch in ein insbesondere gesundes neues Jahr 2026!