Am Nikolaus-Wochenende empfingen wir im Feuerwehrhaus die 3. Mannschaft des SC Noris-Tarrasch Nürnberg. Die Vorzeichen waren klar, denn beide Mannschaften konnten ihren Anspruch auf einen vorderen Tabellenplatz nur mit einem Sieg untermauern. Auf dem Papier waren wir der Favorit, doch die Erinnerung an unsere Vorrundenniederlage war uns noch zu gut im Gedächtnis, um den Kampf auf die leichte Schulter zu nehmen. So gingen wir stattdessen hoch motiviert und voll konzentriert in die Partien und verbuchten einen völlig überraschenden und in dieser Höhe nie erwarteten 7-1 Erfolg!
An Brett 2 (W) erhielt FM Zdenek Haba gleich zu Beginn des Kampfes die Mitteilung, dass die Gäste nur zu siebt angereist waren und sein Gegner nicht erscheinen würde. Dies ist höchst unbefriedigend und passiert Zdenek leider nicht zum ersten Mal. Nach Ablauf der obligatorischen 30 Minuten Karenzzeit war unsere Führung offiziell. Menschlich sehr schade, aber außerhalb unseres Einflussbereichs. (1-0)
An Brett 5 (S) eröffnete Milo Müller gegen seinen Gegner Sizilianisch, was dieser mit einem geschlossenen Aufbau erwiderte. Nach langsamer Entwicklung entstand bei vollem Brett eine Stellung mit gleichen Chancen. Im 10. und 11. Zug übersah Milo die Gelegenheit zu einem günstigen Zentrumsvorstoß und musste fortan gegen den Raumvorteil des Nürnbergers ankämpfen. Mit dem unangreifbaren Bauernkeil e5-d4 gegen e6-d5 betrachtet der Computer die Stellung als bereits gewonnen für Weiß. Doch für Menschen ist die Sache bekanntermaßen nicht so einfach und so kämpfte sich Milo unverdrossen zurück in die Partie. Scheinbar beeindruckt vom Einfallsreichtum seines Gegners unterlief dem Gast im 21. Zug ein schwerer Fehler, der die Computer-Bewertung sofort auf den Kopf stellte. Von nun an war Milo am Drücker, gewann eine Qualität und sicherte souverän den zweiten Punkt für uns. (2-0)
An Brett 6 (S) wählte Stephan Schmahl die Polnische Eröffnung und konnte nach elf Zügen eine ausgeglichene Stellung erreichen. Im 12. Zug verpasste er die einzige Möglichkeit, um mehr als nur einen halben Punkt zu kämpfen und steuerte stattdessen mittels weiteren Figurentauschs den Remishafen an. Leider unterlief ihm dabei eine ernste Ungenauigkeit, die dem Weißen die besseren Aussichten versprach. Sein Gegner schätzte seine Chancen jedoch nicht richtig ein oder war schlicht nicht in Kampfeslaune und bot Remis an, was von Stephan nach Inspektion der Stellungen der Kameraden leichten Herzens angenommen wurde. (2½-½)
An Brett 3 (S) entschied sich Philipp Mark gegen die Reti-Eröffnung für einen Damenindischen Aufbau. Schnell erreichte er eine ausgeglichene Stellung und konnte nach verhaltenem Vorgehen seiner Gegnerin schließlich die Initiative übernehmen. Überrascht von Philipps forschem Auftreten, unterliefen der Nürnbergerin erst ein kleiner und anschließend drei größere Fehler, die ihre Stellung nicht mehr verkraftete. Angesichts eines Minusbauern bei gleichzeitig trostloser Stellung, bevorzugte sie ein Ende mit Schrecken und warf das Handtuch. (3½-½)
An Brett 8 (W) griff Miroslav Kalous gegen den Königsindischen Aufbau seines Gegners zum Doppelfianchetto. Scheinbar überrascht ließ sich der Nürnberger zu einem wenig erfolgversprechenden Manöver hinreißen, das im Endeffekt nur dem Weißen in die Karten spielte. Mirek konnte die gegnerischen Figuren Zug für Zug zurückdrängen und mit mehr Raum und besserer Figurenstellung einen klaren Vorteil erzielen. Die anschließend folgenden Durchbrüche im Zentrum und am Damenflügel in Verbindung mit der unter Platzmangel leidenden und wiederholt attackierten schwarzen Dame bescherten ihm entscheidenden Materialgewinn und die baldige Aufgabe seines jungen Gegners. (4½-½)
An Brett 6 (W) bediente sich Carolin Werner gegen die Skandinavische Verteidigung einer seltener gespielten Variante und fianchettierte ihren Königsläufer. Die Eröffnung verlief in ausgesprochen ruhigen Bahnen und brachte der Windischeschenbacherin außer dem Läuferpaar keinen nennenswerten Vorteil. Der anschließende optimistische Vorstoß des g-Bauern hätte daran eigentlich nichts ändern sollen, doch ihr Gegner überreagierte ebenso ein wenig und fand sich ohne Vorposten für seine Springer in einer zwar festen aber unbequemen Stellung wieder. In die Passivität gezwungen beging der Nürnberger mehrere Fehler, die zum Zusammenbruch seiner Verteidigung hätten führen können, doch leider verpasste Caro diese Gelegenheit, wonach sich das Blatt hätte wenden können. Doch da an diesem Tag so gar nichts zusammenlaufen wollte für die Gäste, revanchierte sich der Nachziehende postwendend und stand erneut glatt auf Verlust. Mit zwei Mehrbauern und besserer Königsstellung sah der Rest nach Routine aus, doch eine Schrecksekunde musste noch überstanden werden. Nach einem schrecklichen Überseher hätte der Nürnberger mittels eines Turmopfers mit anschließendem Dauerschach Caro den verdienten Sieg doch noch entreißen können, doch auch diesmal ging er an seinem Glück vorbei. Eine dritte Chance sollte er nicht bekommen und so musste er sich wenige Züge später in Anbetracht weiteren Materialverlusts endgültig geschlagen geben. (5½-½)
An Brett 4 (W) begann Christian Müller mit dem Königsspringer und leitete anschließend über in das sogenannte Keymer-System, einer Untervariante der Reti-Eröffnung. Die Partie entwickelte sich erwartungsgemäß nur langsam, versprach Christian aber wegen eines leichten Entwicklungsvorsprungs und des schlechten weißfeldrigen Läufers von Schwarz einen angenehmen Vorteil. Diesen vermochte er zielgerichtet auszubauen bis sich sein Gegner gezwungen sah eine Qualität gegen einen lästigen Springer auf d6, tief im eigenen Territorium zu opfern. Christian manövrierte geduldig, mobilisierte seine Königsflügelbauern und hätte die Partie durch Verdoppelung seiner Türme auf der h-Linie mit Mattangriff krönen können. Doch leider griff er just in diesem Moment fehl und ließ den Nürnberger entschlüpfen. Nach Erreichen der Zeitkontrolle hatte der Schwarze die Stellung mit zwei Bauern für die Qualität wieder ausgeglichen und alles deutete auf einen friedlichen Ausgang der Partie hin. Doch im 43. Zug unterlief dem Gast ein schrecklicher Fehler nach dem er forciert einen seiner beiden Mehrbauern einbüßte bei gleichzeitiger Aktivierung der weißen Streitkräfte. Auf offenem Brett entfaltete der verbliebene Turm seine ganze Kraft und demonstrierte seine Überlegenheit gegenüber dem hoffnungslos überforderten Läufer. Einen weiteren Bauernverlust vor Augen, strich der Nürnberger schließlich die Segel. (6½-½)
An Brett 1 (S) wurde Tobias Brunner in seiner Caro-Kann Verteidigung mit der zweischneidigen Fantasy-Variante konfrontiert. In einer der Hauptabspiele warteten beide Kontrahenten ab, auf welche Seite der gegnerische König rochieren würde. Dabei beging der Nürnberger einen Leichtsinnsfehler, der es Tobias erlaubte die Initiative zu übernehmen und die gegnerischen Figuren zurückzudrängen. Nach der unglücklichen langen Rochade des Weißen zeigt die Engine bereits eine klare Verluststellung an, doch leider entgingen Tobias die besten Züge und so wurde er plötzlich von einem Springeropfer überrascht, das das Brett regelrecht in Flammen setzte. Nachdem sich der Rauch verzogen hatte, blieb ein komplexes damenloses Mittelspiel mit einem Minusbauern übrig. Auf dem Weg zur Zeitkontrolle fand er ein starkes Bauernopfer, das ihm bei korrekter Fortsetzung eine sofortige Remisschaukel erlaubt hätte. Doch er griff fehl und stand nun selbst am Abgrund. Aber wie durch ein Wunder verzettelte sich der Gast im 40. Zug noch einmal und musste ein unangenehmes Gegenspiel über sich ergehen lassen, das die Partie fast noch ein weiteres mal auf den Kopf gestellt hätte. Zunächst brachte Tobias die korrekte Gewinnfortsetzung aufs Brett, doch als er im letzten Moment strauchelte, fand die Partie durch Zugwiederholung ein friedliches Ende. (7-1)
So schlecht der Kampf gegen Büchenbach lief, so unverschämt gut erging es uns an diesem Spieltag! Uns gelang alles, dem Gegner nichts! Mit sechs Siegen und zwei Remis erzielten wir den höchsten Mannschaftssieg der letzten Jahre und konnten uns eindrucksvoll für die Schlappe vom November rehabilitieren. Mit nunmehr 5-3 Punkten und ausgezeichnetem Brettpunktverhältnis sieht die Liga-Welt für uns wieder rosiger aus. Sozusagen ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk, mit dem wir uns die Hoffnung auf den Aufstieg erhalten konnten.
Zum ersten Kampf im neuen Jahr reisen wir am 18. Januar nach Regensburg, um gegen die 2. Mannschaft des TSV Kareth-Lappersdorf anzutreten. Die Karether befinden sich mit 3-5 Punkten in der unteren Tabellenhälfte und werden alle Kräfte mobilisieren, um gegen uns zu bestehen und nicht in den Abstiegsstrudel zu geraten. Da aber auch wir jeden Punkt brauchen, um den Blick noch nach oben richten zu können, ist mit einem Kampf auf Biegen und Brechen zu rechnen. Wir sind gerüstet!