Abstiegskampf der zweiten Mannschaft nimmt unglückliches Ende

Am vergangenen Sonntag stand für die zweite Mannschaft mit dem Auswärtsspiel beim SC Sulzbach-Rosenberg der Saisonabschluss in der Oberpfalzliga an. Gleichauf mit dem SV Oberviechtach und einen Mannschaftspunkt vor der SG Post/Süd Regensburg ging der Abstiegskampf in eine spannende letzte Runde.

Am dritten Brett (W) wählte Bedrich Prochazka die Zukertort-Eröffnung. Beide Seiten ließen sich in den ersten Zügen nichts zu Schaden kommen und so nahm Bedrich ein frühes Remisgebot seines Gegners an. (½-½)

Am sechsten Brett (S) spielte Elsbeth Horther-Schneider gegen die Englische Eröffnung. Auch hier entwickelte sich eine ruhige Partie, und nachdem die Bauernstruktur weitgehend festgelegt war, einigte man sich ebenfalls auf Remis. (1-1)

Am siebten Brett (W) wählte Manfred Oppel die Englische Eröffnung. Im Mittelspiel geriet er durch Druck auf den rückständigen d3-Bauern in die Defensive. Trotz dieser Schwäche ergab sich jedoch eine Chance zum Gegenangriff:

Nach 22. f5 hätte Weiß die Initiative übernommen. Schwarz kann den Angriff nicht ohne Materialverlust abwehren, da plötzlich alle Figuren auf den schwarzen König zielen und f6 eine gefährliche Drohung ist.

Nach 22. Sf6 opferte Manfred im weiteren Verlauf den d3-Bauern und versuchte sein Glück mit dem Läuferopfer auf h7. Schwarz konnte jedoch die Damen tauschen bevor der eigene König in Gefahr gekommen wäre und Manfred gab sich wegen des verlorenen Materials geschlagen. (1-2)

Am fünften Brett (W) eröffnete Stefan Simmerl mit dem Colle-System. Er erreichte eine sehr aktive Stellung mit guten Angriffschancen und fand auch die richtige Idee, nur leider in der falschen Zugreihenfolge:

Mit 20.f4 hätte Stefan hier den Angriff weiterführen können. Schwarz hat kein Gegenspiel und auch nach einem Damentausch hat Weiß starken Vorteil durch die aktiveren Figuren.

Nach 20. Sxb7 konnte sein Gegner aber die meisten seiner Probleme lösen und die passiven Figuren abtauschen. Als sich ein ausgeglichenes Endspiel abzeichnete, einigte man sich auch hier auf Remis. (1½-2½)

Am Spitzenbrett (W) fand sich Jindrich Novak nach einer unkonventionellen Eröffnung in einer Art Trompowsky-Angriff wieder, wo Weiß den Läufer auf g5 mit seinem h-Bauern verteidigte. Die Partie nahm einen ungewöhnlichen Verlauf, als Jindrichs König nach einem Damenschach auf e2 landete und dort zum Angriffsziel wurde. Zwar konnte Jindrich seine wichtigste Figur in Sicherheit und seinen Turm über h4 ins Spiel bringen, musste dafür aber einen Bauern hergeben, gegen den es sich im Endspiel zu verteidigen galt. Der Sulzbacher unterschätzte aber die unsichere eigene Königsstellung und plötzlich musste er selbst um Remis kämpfen:

Nach 39. Sh6 ist die Stellung für Weiß bereits gewonnen. Schwarz versuchte mit 39…f5+ ein Pattmotiv zu konstruieren, doch Jindrich wich der Falle aus und nahm den Läufer nach dem Turmopfer nicht. Im Zugzwang und bei drohendem Matt konnte er so überraschend den vollen Punkt erzielen. (2½-2½)

Am achten Brett (S) verteidigte sich Siegfried Stelzer Sizilianisch und fand sich nach Zugumstellung in einer französischen Struktur wieder. Nachdem sich die Damen tauschten besetzte Siegfried mit beiden Türmen die offene c-Linie, was seinen Gegner zur Passivität zwang. Trotz der schwarzen Aktivität war die Stellung bis ins Springerendspiel ausgeglichen, bis der Sulzbacher Spieler eine schwer zu findende Gewinnmöglichkeit nicht nutzte:

Hier hätte 45. Kb5! gewonnen. Weiß hat im Bauernrennen Zeit, Kb6 zu spielen, sodass der schwarze König entscheidend schlecht steht, dass Weiß am Ende trotz zeitgleicher Umwandlung gewinnt: Schwarz kann entweder den d- oder e-Bauern umwandeln. Nach Dd8+ ist aber entweder die Dame sofort weg oder der König muss in die e-Linie, wo nach De8+ wieder die Dame weg ist:

Glücklicherweise hat Weiß stattdessen 45. Sxc6 gespielt und das Bauernendspiel ist Remis. (3-3)

Am vierten Brett (S) spielte Rudolf Schön gegen die Reti-Eröffnung. Zu Beginn erreichte er angenehmen Vorteil und Aktivität, wählte im Mittelspiel aber eine forcierte Abwicklung, die seinem Gegner die offene a-Linie überließ:

Nach 22…Ta7 23. Lf4 schlug auf Rudolf auf a1. Am greift aber der Läufer den b6 Bauern an, sodass Weiß nach 25. Ld8 26.Lxd8 Txd8 mit Ta1 seinen Turm nach a6 bekommt.

Der Sulzbacher opferte später seinen Turm für den Springer und die beiden Bauern am Königsflügel. In eigentlich gewonnener Stellung ermöglichte er schließlich eine Zugwiederholung, mit der sich Rudolf ins Remis rettete:

47. Tf1 wiederholt die Stellung bereits zum zweiten Mal. Weiß hätte hier 48.Kf3 nebst Kg2 spielen können, um mit Sh3 seinen g-Bauern zu decken. Nach 48.Kg3 erzwingt 48… Tg1 das Remis, da auch der g-Bauer hängt und anschließend Tf1 entweder 50. f6+ forciert, sodass Schwarz die Bauern aufhalten kann, oder nach Kg3 die dreimalige Stellungswiederholung folgt. (3½-3½)

Am zweiten Brett wählte Johannes Denz die Nimzo-Indische Verteidigung. Johannes wählte im Mittelspiel einen passiven Plan und die weißen Figuren konnten aktiv werden. Glücklicherweise fand auch sein Gegner nicht die besten Züge, sodass die Bauern am Königsflügel festgelegt wurden. Gegen das Läuferpaar konnte Johannes den Damenflügel ausreichend verteidigen, in Zeitnot übersahen beide Spieler aber ein eigentlich gewinnbringendes Opfer:

40. Le2 hätte den schwarzen König freigelegt und dem h-Bauern den Weg zur Umwandlung geöffnet. Weiß wählte aber 40. Le2 als sicheren Zug vor der Zeitkontrolle und Johannes spielte 40…f6, was diese Idee aus dem Spiel nimmt.

Wenig später einigte man sich schließlich auf Remis, obwohl Weiß noch immer leicht besser stand. (4-4)

Dieses am Ende versöhnliche 4-4 hat zwar gereicht, um gleichauf mit Oberviechtach zu bleiben, die ebenfalls nur Unentschieden spielten, ein anderer Akteur nutzte aber die Gunst der Stunde: Post/Süd Regensburg gewann mit 6-2 überraschend hoch gegen ein gut aufgestelltes Burglengenfeld und verließ damit ausgerechnet am letzten Spieltag zum ersten Mal in der Saison die Abstiegsränge.

Damit hat sich das Glück im Vergleich zur vergangenen Saison gewendet: Während die erste Mannschaft nach aktuellem Stand denkbar knapp den Wiederaufstieg in die Landesliga geschafft hat, konnte die zweite Mannschaft den erfolgreichen Abstiegskampf des Vorjahres nicht wiederholen und muss den Gang in die Bezirksliga antreten.

Achter Spieltag der Oberpfalzliga

In der vorletzten Etappe des Abstiegskampfes in der Oberpfalzliga war am 22. März die DJK Regensburg Nord zu Gast im Windischeschenbacher Feuerwehrhaus. Wie so oft ging es darum, wichtige Punkte zu holen, um den hauchdünnen Vorsprung der Oberviechtacher aufzuholen und die gefährdeten letzten beiden Tabellenplätze hinter sich zu lassen.

Am siebten Brett (S) verteidigte sich Svatoslav Zitek mit der Owen-Verteidigung. Beide Seiten entwickelten sich ohne Komplikationen, ehe sich das Zentrum öffnete. Bereits beim Übergang ins Mittelspiel einigte man sich im 15. Zug auf Remis. (½-½)

Am sechsten Brett (W) wählte Michael Betz gegen die Sizilianische Verteidigung einen geschlossenen Aufbau. Nach dem typischen Bauernhebel d4 wirkten die schwarzen Figuren zunächst recht passiv. Der Regensburger bekam diese aber schnell wieder flott, woraufhin die Leichtfiguren bald vom Brett verschwanden. Da alle Schwerfiguren am Brett blieben und keine Seite nennenswerte Schwächen vorzuzeigen hatte, einigte man sich auch hier auf Remis. (1-1)

Am dritten Brett (S) wählte Bedrich Prochazka die Horwitz-Verteidigung. Weiß erreichte einen angenehmen Raumvorteil, sodass Bedrichs Läuferpaar in geschlossener Stellung kaum zur Geltung kam. Nach langer Rochade sah sich unser Spieler sofort einem Bauernansturm auf seine Königsstellung ausgesetzt. Bedrich war zur Verteidigung gezwungen und musste seine Figuren passiv stellen. In komplizierter Stellung verlor er zudem die Uhr aus den Augen und musste sich wegen Zeitfall geschlagen geben. (1-2)

Am fünften Brett (S) verteidigte sich Elsbeth Horther-Schneider Indisch. Der Regensburger nutzte seinen Raumvorteil und begann einen Angriff am Königsflügel. Durch das schnelle Ziehen ihres Gegners geriet Elsbeth in Zeitnot, konnte aber die Damen tauschen und so dem Angriff den Wind aus den Segeln nehmen. Im Anschluss übersah sie aber eine starke Ressource:

Nach 30. Lh6 bringt 31. Se6 gewinnbringenden Vorteil. Weiß droht auf c5 zu nehmen und den a4-Bauern zu gewinnen. Elsbeth schlug selbst auf e6, konnte den Bauern aber wegen Sd5 nicht ohne Weiteres zurückgewinnen.

Nach einem Qualitätsopfer wehrte sich Elsbeth zwar noch einige Zeit, musste sich aber letztlich geschlagen geben. (1-3)

Am achten Brett (W) eröffnete Manfred Oppel Englisch. Nach einem fragwürdigen Zentrumsvorstoß seines Gegners kam er in deutlichen Vorteil, als sich die schwarze Königsstellung öffnete und Manfred mit seinen Figuren eindringen konnte. Kurz vor der Zeitkontrolle ergab sich schließlich ein Gewinnweg für Weiß:

Mit 38. g4 droht nicht nur g5 mit Matt, sondern der König hat auch einen Fluchtweg nach h4, da die Dame das Feld e1 deckt. Manfred wählte aber 38. Sf8 und nach Dd2 folgt Remis durch Dauerschach. (1½-3½)

Am zweiten Brett (W) spielte Johannes Denz die Alapin-Variante der Sizilianischen Verteidigung. Nach einem frühen Damentausch entstand eine typische Stellung mit isoliertem d-Bauern, mit dem er im 18. Zug sein Glück versuchte:

Nach 18. d5 Sxd5 19.Sxd5 exd5 hat Schwarz alle Drohungen pariert. Auch das folgende Te1+ bringt Weiß nicht weiter, da der König mit f6 ein Luftloch schaffen und so den Turm auf h8 ins Spiel bringen kann.

Im weiteren Verlauf versuchte Johannes, dem schwarzen Mehrbauern entgegenzuhalten, musste sich aber geschlagen geben, als immer mehr Figuren abgetauscht und so der Bauer immer stärker wurde. (1½-4½)

Am ersten Brett (S) wählte Jindrich Novak die Philidor-Verteidigung. Nach einem frühen Damentausch verblieb Jindrichs König im Zentrum, wodurch die schwarze Stellung etwas gedrückt wirkte. Der Regensburger tauschte aber das meiste Material ab und die Stellung war wieder ausgeglichen. Im entstandenen Endspiel mit Springer gegen Läufer versuchte man durch lange Figurenmanöver einen Vorteil zu erreichen, was aber keiner Seite gelang. Schließlich setzte Jindrich auf einen Bauerndurchbruch und die Partie wurde noch einmal spannend:

Zwar konnte Weiß einen Bauern gewinnen, hatte aber am Ende den falschen Läufer zum Umwandlungsfeld h8. Jindrich opferte seinen Springer für den c-Bauern und die Partie endete Remis. (2-5)

Am vierten Brett (W) eröffnete Stefan Simmerl mit dem Colle-System. Aus der Eröffnung heraus erreichte er eine angenehme Stellung, geriet aber im Mittelspiel nach einer Taktik einen Bauern in Rückstand. Der Regensburger konnte die Stellung vereinfachen, übersah aber seinerseits beim Übergang ins Turmendspiel eine Taktik:

Nach 29… b5 kann der schwarze König helfen, den Bauern auf d6 zu gewinnen und Schwarz behält die verbundenen Freibauern. Allerdings kam 29… Txd6 und Stefan hat nach 30. Txb7 gute Remischancen.

Der Regensburger blieb hartnäckig und spielte weiter auf Sieg. Im 98. Zug griff Stefan daneben, was nach einer so langen Partie durchaus verständlich ist. Bereits lange Zeit auf Inkrement spielend lief er auf die falsche Seite des Bauerns und musste sich schließlich geschlagen geben. (2-6)

Glücklicherweise kam auch der SV Oberviechtach nicht über eine 1½-6½ Niederlage hinaus und so sind wir nach dem achten Spieltag mannschafts- und brettpunktgleich, was zu einer spannenden letzten Begegnung gegen Sulzbach-Rosenberg führen wird:

Sieg der dritten Mannschaft gegen Neustadt/Luhe 2

Am vorletzten Spieltag in der Kreisliga 1 Nord war unsere Dritte am 26. 4. 2026 bei den Schachfreunden Neustadt/Luhe zu Gast. Gleichzeitig trat die erste Mannschaft der Neustädter gegen Oberviechtach 2 an. Somit kämpften alle drei Teams, die um die Meisterschaft in der Kreisliga 1 spielen in einem Raum. Um unsere Chancen zu wahren mußte unbedingt ein Sieg her. Den konnten wir auch erringen, aber Neustadt/Luhe 1 gewann gegen Oberviechtach und sicherte sich damit noch vor der letzten Runde mit drei Punkten Vorsprung die Meisterschaft.

Zunächst einigten sich am zweiten Brett Svatoslav Zitek (mit Schwarz) und sein Gegner bald auf ein Remis. In der Owen-Verteidigung konnte Weiß keinen Vorteil nachweisen und in ausgeglichener Stellung verloren die beiden „Kämpfer“ schon nach 14 Zügen die Lust am weiterspielen.

Es ging für uns nicht gut weiter, als Maximilian Warziwoda mit Schwarz an Brett 4 überhaupt nicht mit der Eröffnung zurecht kam. Sein Gegner setzte ihm aus der Wiener-Partie heraus einen Übergang zum Königsgambit vor und Maxi stand schon nach fünf Zügen deutlich schlechter. Weiß konnte bei anhaltendem Angriff den geopferten Bauern zurück gewinnen und die schwarze Stellung brach im taktischen Fahrwasser völlig zusammen, so dass im 21. Zug die Aufgabe erfolgte.

Am sechsten Brett hatte Jakob Treml seinen ersten Einsatz im Windischeschenbacher Team und holte mit den schwarzen Steinen gleich einen wichtigen Sieg. Auch Jakob bekam es mit der Wiener-Partie zu tun, wonach eine Stellung aus dem abgelehnten Königsgambit entstand. Sein Gegner spielte etwas verhalten weiter und die schwarze Stellung erwies sich bald als angenehmer. Im 21. Zug parkte Jakob einen Springer auf einem schönen Feld ein und sicherte sich damit schon einigen Vorteil. Nachdem Weiß sich einen vergifteten Bauern schnappte geriet sein König in eine sehr unangenehme Lage. Jakob konnte eine Qualität gewinnen, trieb den weißen König bis nach h5 und setzte ihn da matt.

Bei Florian Süß mit Weiß an Brett 5 kam es nach der Englischen Eröffnung zu einer Stellung mit symmetrischer Bauernstruktur bei offener e-Linie. Nach zunächst ausgeglichenem Verlauf gelang es dem Neustädter, seine Türme auf der offenen Linie zu verdoppeln, wonach schon sehr genaues Spiel nötig war um den schwarzen Vorteil wenigstens gering zu halten. Dies gelang Florian nicht, aber auch sein Gegner nutzte seine taktischen Chancen zunächst nicht. Auch wenn der Computer bei genauem Spiel nur noch minimalen Vorteil sieht, war die schwarze Stellung weiterhin angenehmer zu spielen. Im 26. Zug griff Florian dann noch einmal fehl und diesmal schlug sein Gegner erbarmungslos zu, opferte einen Springer und brachte den weißen König zur Strecke.

Am ersten Brett bekam Michel Betz (Weiß) es mit der Ragozin-Verteidigung im Damengambit zu tun und wählte dagegen ein selteneres Abspiel mit 5.Db3, das im Buch „A Cunning Opening Repertoire for White“ von Graham Burgess empfohlen wird. Michaels Erfahrungen damit waren bisher überwiegend positiv und auch diesmal erreichte er eine angenehme Position damit. Im weiteren Verlauf gelang es aber seinem Gegner die Stellung auszugleichen. In einem reinen Schwerfiguren-Endspiel unterlief dem Neustädter aber dann ein Fehler, der einen Bauern kostete. Nach einer weiteren Ungenauigkeit in schwieriger Lage konnte Michael die Damen tauschen und in ein sehr vorteilhaftes Turmendspiel abwickeln. Um seinen Turm nicht hoffnungslos passiv stellen zu müssen, ließ Schwarz ein Bauernendspiel zu, das vollkommen verloren war. Das Turmendspiel hätte Weiß noch etwas Arbeit abverlangt und selbst auf höherem Niveau wird bekanntlich nicht jedes gewonnene Turmendspiel auch gewonnen.

Somit war der Ausgleich wieder hergestellt und alles hing an der Partie von Benedikt Stock an Brett 3. Benedikt spielte mit Weiß die Abtauschvariante im klassischen Damengamit und ließ trotz kurzer Rochade einen Doppelbauern auf der f-Linie zu um Angriffschancen gegen die schwarze Rochadestellung zu erhalten. Dieses Konzept ging zunächst auch auf und die weiße Stellung war leicht vorteilhaft. Im 20-sten Zug stand Benedikt vor der Wahl mit dem f- oder dem h-Bauern auf g5 zu schlagen. Er wählte den f-Bauern, wonach der Computer nur Ausgleich sieht, während hg5 einen Vorteil bedeutet hätte. In der weiterhin verwickelten Stellung griff Benedikt dann im 22-sten Zug noch einmal daneben und steckte in erheblichen Schwierigkeiten. Vier Züge später unterlief dem Neustädter aber dann ein Fehler, der aus einem +5,5 Vorteil einen -2,4 Nachteil macht. Benedikt holte sich eine Figur für zwei Bauern und brachte diesen Vorteil mit stoischer Gelassenheit und genauem Spiel über die Zeitkontrolle im 40-sten Zug. Auch im folgenden Abschnitt ließ er sich nicht aus der Ruhe bringen und stellte bei wieder knapp werdender Zeit im 70-sten Zug den Gewinn und somit auch den Mannschaftssieg sicher.

Am 7. Juni haben wir dann am letzten Spieltag noch den Meister Neustadt/Luhe 1 zu Gast, während Oberviechtach das Team Weiden 2 empfängt. Im Fernduell geht es dann um Rang 2, nachdem wir mit Oberviechtach derzeit Punkt- und Brettpunktgleich sind.

1. Mannschaft verteidigt Tabellenführung

Im letzten Heimspiel der Saison empfingen wir am 22. März im Feuerwehrhaus den abstiegsgefährdeten SC Jäklechemie aus Nürnberg. Die Vorzeichen waren für beide Mannschaften klar: nur ein Sieg würde helfen die selbst gesteckten Ziele noch zu erreichen. In erneut unveränderter und stärkster Aufstellung wollten wir unbedingt unseren Heimvorteil nutzen, um so das Traumfinale am letzten Spieltag Wirklichkeit werden zu lassen. Der auf dem Papier nahezu gleichstarke Gegner machte uns das Leben wie erwartet schwer und erst als Fortuna uns zulächelte, kamen wir schließlich zu einem äußerst knappen 4½-3½ Sieg.

An Brett 2 (W) landete FM Zdenek Haba durch Zugumstellung in einer Modevariante der Katalanischen Eröffnung. Nachdem man lange auf bekannten Pfaden gewandelt war, erreichte man eine optisch für Weiß ansprechende, aber in Wirklichkeit völlig ausgeglichene Mittelspielstellung:

Brett 2: Nachdem vorher bereits zweimal die Züge wiederholt wurden, hätte Zdenek an dieser Stelle mittels 20.Sc4 ein Remis forcieren können, doch er wollte weiterspielen und wählte 20.Df3. Eine zu so frühem Zeitpunkt im Match nachvollziehbare Entscheidung, zumal mit den weißen Steinen.

Die Gretchenfrage sollte sich wenige Züge später stellen:

Brett 2: Der Nürnberger hatte soeben 27…b6 gezogen um den weißen Springer zu befragen.

Eventuell beeinflusst durch seine vorherige Wahl einem Remis auszuweichen, sah sich Zdenek in der Pflicht seine Entscheidung zu rechtfertigen und nahm den Bauern auf a6. Per se kein Fehler, doch fortan musste er sich dauerhaft Sorgen um seinen am Brettrand gestrandeten Gaul machen. In nur leicht schlechterer Stellung unterlief ihm dann aber kurz vor der Zeitkontrolle ein schwerer Fehler, der den sofortigen Verlust zur Folge hatte. (0-1)

An Brett 8 (W) musste sich Miroslav Kalous mit der Polnischen Eröffnung beschäftigen. Der Nürnberger behandelte die Stellung zunächst gut, hätte nach einer Ungenauigkeit aber dennoch ins Hintertreffen geraten können:

Brett 8: Nach dem einfachen 8…dxc4 hätte Schwarz keine Probleme gehabt, doch er wählte 8…Sbd7? und hätte sich nach 9.c5! in einer passiven Stellung wiederfinden können. Diese Möglichkeit verpasste Mirek, spielte 9.Dc2?! und nach 9…c5 waren die Chancen völlig ausgeglichen.

Auch im Mittelspiel gelang es dem Windischeschenbacher nicht nennenswerten Druck gegen die schwarze Stellung aufzubauen, so dass vieles bereits auf einen friedlichen Ausgang hindeutete. Die Vorentscheidung fiel dann aber plötzlich und unerwartet im 17. Zug:

Brett 8: Statt mit 17…h6! 18.Sf3 Da5 seine Chancen intakt zu halten und sogar leicht besser zu stehen, zog der Nürnberger sofort 17…Da5? und verlor nach der forcierten Folge 18.Lxc5 Sxc5 19.Sxc5 Lxc5 20.dxc5 den entscheidenden Bauern.

Der Versuch sich dem Vorrücken des Freibauern entgegen zu stemmen, brachte den Gastspieler vom Regen in die Traufe, da er sich zusätzlich einem Angriff gegen seinen König ausgesetzt sah, den er nicht mehr abzuwehren vermochte. (1-1)

An Brett 6 (W) bekämpfte Carolin Werner die Russische Verteidigung mit einer Nebenvariante, die zwar laut Theorie keinen echten Vorteil verspricht, sich in der Partie aber als unerwartet gut für Weiß entpuppte. Ihr Gegner wählte einen langsamen Aufbau, der Carolin einen Entwicklungsvorsprung einräumte, den sie zu einer leichten Initiative nutzen konnte. Und gerade als der Schwarze diese neutralisiert zu haben glaubte, fand die Windischeschenbacherin eine fantastische Idee:

Brett 6: Der vorwitzige Springer konnte wegen Qualitätsverlust nicht genommen werden und die Rochade hätte nach 15.Se7+ Kh8 16.Sxc8 Taxc8 17.Lxb7 gleich zwei Bauern eingebüßt!

Guter Rat war also teuer und kostete den Nürnberger eine Menge Bedenkzeit. Am Ende kam es wie so häufig. Je länger man überlegt, desto schlechter das Ergebnis. Der letztendlich ausgeführte Zug 14…Le6? führte nach 15.Sa5 zu einer Verluststellung, da Materialverlust nicht mehr zu vermeiden war. Wahrlich sehenswert war die anschließende Abwicklung in ein leicht gewonnenes Endspiel:

Brett 6: „Der Täter kommt immer zum Tatort zurück“ lautet ein altes Sprichwort, das für die Schlusskombination von Caro wie die Faust aufs Auge passte!

Mit der forcierten Abfolge 17.Sc6! Txb7 18.Td8+ Kf7 19.Txh8 Lxh8 20.Sd8+ Ke7 21.Sxb7 gewann Carolin zusätzlich zum Mehrbauern auch noch eine Qualität und stand glatt auf Gewinn. Das Läuferpaar gab dem Gegner zwar noch etwas Hoffnung auf Rettung, doch Caro machte auch diese durch Rückgabe der Qualität und Transformation zu zwei Mehrbauern zunichte. Ein beeindruckender Sieg! (2-1)

An Brett 5 (S) geriet Milo Müller mit seinem super-beschleunigten Drachen schon nach wenigen Zügen in eine unbequeme Stellung, die auch im Mittelspiel nicht besser wurde:

Brett 5: Nach nur 17 Zügen war es für Milo bereits schwierig überhaupt noch einen sinnvollen Zug zu finden. Die Engine bewertet die Stellung entsprechend leider schon als klar gewonnen für Weiß.

Doch Milo ließ sich nicht unterkriegen, stellte sich auf die Hinterbeine und verteidigte sich mit aller Kraft und stoischer Ruhe. Beeindruckt von der Hartnäckigkeit seines Gegenüber geriet der Nürnberger ins Straucheln und verspielte seinen Vorteil fast vollständig bis es noch einmal zu einem Herzschlagmoment kam:

Brett 5: Nach dem letzten Zug 31.f3? ist die Stellung wieder völlig ausgeglichen, was Milo mit 31…Sg3 hätte belegen können. Doch in einem Augenblick der Unachtsamkeit spielte er 31…Dg3?? und hätte nach 32.Txe4! doch noch den Kürzeren ziehen können.

Zu unserem Glück übersah der Weiße diese Möglichkeit, wählte 32.De2?? und konnte mehrfachem Figurentausch nicht mehr ausweichen. Die Partie verflachte zusehends und endete in einem Bauernendspiel das tot Remis war. Ein glücklicher halber Punkt nach einem denkbar ungünstigen Eröffnungsverlauf. (2½-1½)

An Brett 4 (W) eröffnete Christian Müller mit dem Königsspringer und landete nach dem Umweg über Englisch in der Maroczy-Formation der Sizilianischen Drachenvariante. Im Mittelspiel neutralisierte man sich gegenseitig mit den für die bekannte Zentrumsformation (c4 & e4 gegen d6 & e7) typischen Manövern. Der Engine gefällt die weiße Stellung zwar praktisch durchgängig besser, doch konkrete Ansatzpunkte für etwas Greifbares gab es nicht. Interessant wurde es schließlich im resultierenden reinen Schwerfiguren-Endspiel:

Brett 4: Die Stellung ist ausgeglichen, erfordert aber von beiden Parteien höchste Präzision und Aufmerksamkeit. Mit 30.Da8+ Kg7 31.Da1+ hätte Christian hier ein Remis forcieren können, doch er wollte mehr und spielte 30.De5?? Danach hätte ihn 30…Dd2 31.Dg3 Tc3! in ernste Schwierigkeiten bringen können, da das Objekt der Begierde auf d6 ersatzlos verloren gegangen wäre.

Zu unserem Glück wählte die Nürnbergerin aber 31…Tc1? und vergab damit eine gute Möglichkeit die Partie zu ihren Gunsten zu gestalten. Es folgte eine lange Serie von Schachgeboten, die nach Damentausch schließlich zu einem spannenden aber völlig ausgeglichenen Bauernendspiel führten:

Brett 4: Die nicht einfach korrekt einzuschätzende Stellung war laut Engine mit 40…b5 oder 40…h6 Remis zu halten, doch die Gastspielerin erwischte direkt vor der Zeitkontrolle mit 40…Kd7?? genau den falschen Zeitpunkt für einen Königszug und gab Christian damit Gelegenheit zu einem studienartigen Gewinn.

Wer würde glauben und vor allem berechnen können, dass in dieser Stellung der weiße e-Bauer gegen den freien schwarzen b-Bauern das Rennen macht? Gewonnen hätte 41.Kg5! Ke6 (sonst 42.Kf6+-) 42.Kh6! b5 43.Kg7! b4 44.d7!! (des Pudels Kern!) Kxd7 45.Kxf7 b3 46.e6+ (der entscheidende Tempogewinn!) Kd6 47.e7 b2 48.e8D b1D 49.De7+ Kd5 50.Kg7 und das Damenendspiel ist für Schwarz wegen seiner schwachen Bauern nicht zu halten.

Es ist sicher keine Schande, dass Chris diese Variante nicht fand, doch die Partie war noch nicht zu Ende. Zwei Züge später bekam er die gleiche Chance noch einmal, doch leider ging er erneut an seinem und unserem Glück vorbei. Eine dritte Gelegenheit bekam er nicht mehr und als das Brett komplett leer gefegt war, wurde das Remis unterzeichnet. Eine wahrlich lehrreiche Partie! (3-2)

An Brett 3 (S) wählte Philipp Mark mit Damenindisch eine Verteidigung, die ihm schon häufig gute Dienste geleistet hatte. Sein Gegner war offensichtlich sehr gut vorbereitet, da sein erstes Dutzend Züge wie aus der Pistole geschossen kamen. Den Raumvorteil von Weiß hoffte Philipp langfristig mit dem Läuferpaar kompensieren zu können:

Brett 3: Der logisch erscheinende Zug war 17.a4, doch der Nürnberger wollte vermutlich den schwarzen Vorstoß …e4 unterbinden und stellte deshalb seinen eigenen Bauern ins Zentrum. Damit spielte er aber Philipp in die Karten, denn für Aktionen in diesem Brettabschnitt war er besser gerüstet.

Durch den radikalen Szenenwechsel verlor der Gastspieler den Faden. Philipp nutzte dessen Ungenauigkeiten zur Aktivierung seiner Figuren und gewann einen wichtigen Bauern:

Brett 3: Nach dem einfachen 25…dxc5 war plötzlich der Bauer d5 ungedeckt und Materialverlust für Weiß nicht mehr zu verhindern.

In der Folge setzte sich der Abwärtstrend für den Nürnberger fort und führte schnurstracks in ein verlorenes Doppelturm-Endspiel mit zwei Minusbauern. Dessen Verwertung bereitete Philipp keinerlei Schwierigkeiten und führte nach 52 Zügen zur Aufgabe. (4-2)

An Brett 1 (S) nutzte Tobias Brunner in einem Abgelehnten Damengambit den Umstand, dass sein Gegner lange auf die natürliche Entwicklung Sc3 verzichtete, zu einem frühen Einsteigen mit seinem Königsspringer auf e4 und einer günstigen Transformation zum Holländischen Stonewall. Der verdiente Lohn war eine unerschütterliche Stellung, die, wenn überhaupt, nur ihm Chancen auf Vorteil bot:

Brett 1: Sehr stark wäre an dieser Stelle 16…c5! gewesen mit der Idee 17.cxd5 c4! 18.Dc2 exd5 und klar besserer Stellung für Schwarz hauptsächlich aufgrund der aktiveren Läufer.

Tobias ging jedoch zurückhaltender vor und und musste sich mit einem nur symbolischen Vorteil begnügen. Ein von langer Hand vorbereiteter Durchbruch am Damenflügel brachte ihm zwar einen Bauerngewinn, doch leider keine echten Siegchancen:

Brett 1: In der vorliegenden Stellung konnte Tobias mit seinem Mehrbauern keine Fortschritte erzielen, da das weiße Gegenspiel am Königsflügel stark und schnell genug war, um das Gleichgewicht zu halten.

Schließlich einigte man sich per Zugwiederholung auf ein Remis, was uns den noch benötigten halben Punkt zum Mannschaftssieg bescherte. (4½-2½)

An Brett 7 (S) musste sich Stephan Schmahl mit der Abtausch-Variante der Französischen Verteidigung auseinandersetzen. In dem für seine Remistendenz bekannten Abspiel nahm Stephan freiwillig einen Isolani und die Aufgabe des Läuferpaars in Kauf, um zumindest die Chance auf ein Ungleichgewicht am Leben zu erhalten. Leider fand er nicht rechtzeitig das Bremspedal in Form des gesunden Menschenverstands und überzog seine Stellung vollkommen:

Brett 7: Trotz reichlich vorhandener Möglichkeiten, die Partie zumindest ausgeglichen zu gestalten, hielt Stephan an seinem unrealistischen Wunsch fest, auf Gewinn zu spielen und entschied sich für den denkbar schlechtesten Zug 15…Sge5?, der ihn nach dem einfachen 16.Tad1 in Teufels Küche brachte.

Nach dem unvermeidbaren Verlust seines Zentralbauern war Stephan auf dem harten Boden der Realität angekommen und konnte nur noch verzweifelt um ein Remis kämpfen. Enttäuscht über seine eigene schlechte Leistung fand er unter Zeitdruck keine erfolgversprechende Verteidigung und landete in einem denkbar ungünstigen reinen Springerendspiel. Der Nürnberger ließ sich nicht beirren und verwertete seinen Materialvorteil sicher. Eine unterirdische Performance, die glücklicherweise von den Mannschaftskameraden aufgefangen wurde. (4½-3½)

Mit dem Gewinn dieses Kampfes konnten wir unsere Tabellenführung erfolgreich verteidigen und bekamen obendrein bereits einen Vorgeschmack auf die anstehende Nervenschlacht am letzten Spieltag beim direkten Verfolger Altensittenbach. Die aktuelle Tabelle verdeutlicht wie eng es an der Spitze zugeht:

Nur ein Sieg garantiert die Meisterschaft und den Aufstieg in die Landesliga! Bei einem 4-4 Unentschieden wäre wahrscheinlich die SG Fürth der lachende Dritte, da sie zu Hause gegen Schlusslicht Kareth-Lappersdorf gute Chancen hat uns nach Brettpunkten noch abzufangen.

Das Liga-Orakel räumt uns vor dem Showdown die besten Chancen ein:

Am 26. April werden wir sehen, was am Ende herauskommt. Mit einer ähnlich guten Einstellung wie beim Kampf in Fürth stehen uns alle Türen offen. Wir haben es selbst in der Hand!

Aus im Viererpokal

Nach den Erfolgen der vergangenen Jahre stand der Viererpokal für uns in diesem Jahr unter keinem guten Stern. Nach dem Freilos in der Hauptrunde trat unser Gegner im Achtelfinale nicht an, so dass wir erst im Viertelfinale am 15. März zum ersten Mal in dieser Saison an die Bretter gingen. Leider auch bereits zum letzten Mal, da wir auswärts den starken Kelheimern knapp aber verdient mit 1½-2½ unterlagen.

An Brett 1 (W) erspielte sich Tobias Brunner einen zumindest optischen Vorteil, den er jedoch nicht weiter zu verdichten vermochte. Kurz vor dem Ende keimte noch einmal Hoffnung auf, doch auch diesmal konnte der Kelheimer seinen Laden zusammenhalten und man einigte sich auf Remis. (½-½)

An Brett 4 (W) sah die Stellung von Milo Müller vielversprechend aus, doch auch ihm gelang es leider nicht etwas Zählbares herauszuholen. In ausgeglichener Stellung besiegelte man das zweite Remis. (1-1)

An Brett 2 (S) geriet Philipp Mark in das Trommelfeuer rausgeblitzter Züge einer minutiös vorbereiteten Variante, die er zwar selbst gut kannte, sein Gegner aber leider noch ein bisschen besser. In extrem scharfer Stellung stellte er die falsche Figur auf das richtige Feld und ging in der Folge in einem starken Königsangriff unter. (1-2)

An Brett 3 (S) verteidigte sich Stephan Schmahl lange Zeit ausgezeichnet und hatte eigentlich keine Probleme bis er einen verhängnisvollen strategischen Fehler beging. Als Folge wurde er in die Defensive gedrängt und konnte nur noch passiv der Dinge harren die da kamen. Als die Niederlage an Brett 2 feststand, unterbreitete der Kelheimer ein großzügiges Remisangebot. Da auch ein wundersamer Sieg unser Ausscheiden nicht mehr verhindert hätte, wurde notgedrungen akzeptiert. (1½-2½)

Leider nur ein kurzer Auftritt unseres Teams in diesem Jahr, aber auf ein Neues in der nächsten Saison!

1. Mannschaft ist Spitze!

Am 1. März kam es zum mit Spannung erwarteten Gipfeltreffen bei der SG Fürth. Der Tabellenführer empfing den Tabellenzweiten, mehr Nervenkitzel geht nicht! In unserer bewährten Aufstellung trafen wir völlig entspannt bereits eine knappe halbe Stunde vor dem offiziellen Startschuss vor Ort ein und waren bereit mit vollem Engagement in den Kampf zu gehen. Dieser Optimismus wurde noch beflügelt als sich herausstellte, dass ein Fürther aus unbekanntem Grund nicht antreten würde, was uns kampflos die frühe Führung bescherte. Solchermaßen motiviert, gelang es uns den Spitzenreiter in einem Matchup auf Augenhöhe mit 5-3 zu schlagen und ihn somit vom Thron zu stoßen.

An Brett 5 (W) wartete Milo Müller vergeblich auf seinen Gegner bis nach Ablauf der obligatorischen 60 Minuten Karenzzeit der kampflose Punkt für uns verbucht wurde. Aus rein schachlicher Sicht für alle Beteiligten unbefriedigend, aber einem geschenkten Gaul schaut man bekanntlich nicht ins Maul. (1-0)

An Brett 2 (S) sah sich FM Zdenek Haba mit dem Grand-Prix-Angriff gegen seine Sizilianische Verteidigung konfrontiert. In einer statistisch ohnehin wenig vielversprechenden Variante für Weiß ging sein Gegner zudem schon sehr früh mit dem Vorstoß des g-Bauern extrem forsch zur Sache. Nach dem Gegenstoß im Zentrum verließ die Stellung die Theorie und sah nach nur neu Zügen bereits vorteilhaft für Schwarz aus:

Brett 2: Die erhoffte weiße Initiative am Königsflügel verpuffte wirkungslos, so dass Zdenek mit seinem starken Vorposten auf f5 laut Engine bereits klar besser stand.

In der Folge konnte der Windischeschenbacher zwar seinen Vorteil behaupten, doch einen Weg zu etwas Zählbarem fand er leider nicht. Dem Heimspieler gelang es sich zu befreien und die Stellung wieder auszugleichen, so dass man sich nach 28 Zügen auf Remis einigte. (1½-½)

An Brett 8 (S) bekam es Miroslav Kalous in der Französischen Winawer-Variante mit einem Nebenabspiel zu tun, in dem er nach leichten Anfangsschwierigkeiten die übertrieben aggressive Vorgehensweise seines Gegenüber gut in den Griff bekam. In mittlerweile ausgeglichener Stellung stand Miro nach einem Fehler der Fürthers plötzlich sogar auf Gewinn:

Brett 8: Die unsichere Stellung des weißen Turms auf e4 nutze Miro mit dem starken Zug 21…Dc6!, wonach nicht nur der Vorstoß des d-Bauern drohte, sondern sich auch noch eine weitere versteckte Idee auftat!

Die erste Drohung konnte der Weiße zwar mit 22.Td3 parieren, doch die zweite wurde anscheinend von beiden Kontrahenten gänzlich übersehenen! Mit 23…Thg8! hätte Miro seinen Königsturm entscheidend aktivieren können, da der Springer wegen des hängenden Turms im Zentrum überlastet war! Doch leider entging ihm diese Möglichkeit und er manövrierte sich stattdessen mit 23…Db5?? schnurstracks selbst in eine schwierige Lage aus der er sich nicht mehr zu befreien vermochte. Kurz vor der Zeitkontrolle zwangen ihn die weit vorgerückten weißen Freibauern schließlich zur Aufgabe. (1½-1½)

An Brett 3 (W) wählte Philipp Mark gegen das Wolga-Gambit eine lange Theorievariante, die ihm für einen Eröffnungsvorteil zwar sehr genaues Spiel abverlangte, gleichzeitig aber langfristig die besseren Aussichten versprach. Nachdem sich das typische schwarze Spiel am Damenflügel festgefahren hatte, sah sich der Heimspieler genötigt, mittels …f5 Gegenmaßnahmen im Zentrum einzuleiten, was sich als Initialzündung für ein wildes Handgemenge entpuppte. Philipp saß dabei aber am stets längeren Hebel und hätte sich im 29. Zug selbst belohnen können:

Brett 3: Ein einziger genauer Zug hätte die Partie sofort gewonnen. Nach dem richtigen 29.Db1! hätte der weiße Freibauer wegen des auf Matt stehenden schwarzen Königs den Tag für Philipp entschieden, da Weiß nach 29…Lxe5 30.a6! c3 31.Db7 den berühmten Schritt schneller gewesen wäre.

Doch der Windischeschenbacher ging an seinem Glück vorbei und wählte 29.Dc2??, womit er sich selbst seiner eigenen Hauptdrohung beraubte und nach 29…Lxe5 in plötzlich wieder völlig ausgeglichener Stellung dem Remisangebot seines Gegners zustimmen musste. Was für eine verpasste Chance! (2-2)

An Brett 6 (S) verteidigte sich Carolin Werner mit der hochtheoretischen Sveshnikov-Variante der Sizilianischen Verteidigung. Nach sage und schreibe 19 Zügen hatte man das Ende der bekannten Pfade erreicht als der Computer Weiß einen Vorteil bescheinigte:

Brett 6: Richtig war laut Engine die weitere Mobilisation mittels 20.Sce3, doch der Fürther wollte angreifen und entschied sich für 20.f5?, was nach 20…Lxd5 21.Dxd5 Db6+ 22.Kh1 Se5 den Vorteil verspielte.

Es begann eine längere Phase des Lavierens in der beide Spieler versuchten die besten Plätze für ihre Figuren auszuloten und die gegnerischen Pläne zu durchkreuzen. Auf dem Weg zur Zeitkontrolle verpassten beide Seiten einige Möglichkeiten, so dass die Stellung im Gleichgewicht blieb bis der Heimspieler völlig unvermittelt eine Qualität einstellte. In seiner Verzweiflung versuchte er die Situation noch einmal zu verschärfen, doch Carolin ließ sich die Butter nicht mehr vom Brot nehmen:

Brett 6: Mit der kaltblütigen Abwicklung 46…Txd5! 47.cxd5 gxf5 sicherte sich Carolin eine Mehrfigur.

Wenige Züge später sah der Heimspieler die Sinnlosigkeit weiteren Widerstands ein und gab sich geschlagen. Ein hart erkämpfter Sieg in einer zeitlosen Modevariante! (3-2)

An Brett 4 (S) griff Christian Müller zur Kalashnikov-Variante der Sizilianischen Verteidigung in der er in einem Hauptzweig des Variantenbaums durch genaues Spiel nach 16 Zügen eine ausgeglichene Stellung erreichen konnte. Diese Bewertung änderte sich die folgenden Züge nicht, doch als der Fürther ohne Not freiwillig einen Raumnachteil in Kauf nahm, war die schwarze Stellung deutlich angenehmer zu spielen:

Brett 4: Mit dem Vorstoß des f-Bauern konnte sich Christian unter doppeltem Tempogewinn langfristig Raumvorteil und Angriffschancen am Königsflügel erarbeiten.

Beide Spieler gingen äußerst vorsichtig und mitunter etwas zaghaft zur Sache, doch wer wollte ihnen das verdenken im Hinblick auf die Tabellensituation. Jeder wollte die letzten Züge bis zur Zeitkontrolle unbeschadet überstehen und ließ mitunter gute Möglichkeiten aus, das Blatt zu seinen Gunsten zu wenden. Schließlich war es der Heimspieler, dem in schwieriger aber noch nicht gänzlich verlorener Stellung der entscheidende Fehler unterlief:

Brett 4: Mit dem richtigen 47.Sd3 konnte der Weiße noch kämpfen, doch er zog 47.Sf3?? und musste nach 47…Dc5! tatenlos zusehen, wie sich der schwarze Turm über die h-Linie in den Mattangriff einschaltete.

Zwei Züge später warf der Fürther angesichts des undeckbaren Matts das Handtuch. (4-2)

An Brett 7 (W) entschied sich Stephan Schmahl gegen die Caro-Kann Verteidigung zur Abtausch-Variante. Die prinzipiell ruhige Partieanlage wurde vom Fürther korrekterweise durch den Vorstoß seiner Königsflügelbauern früh verschärft. Da er jedoch nicht konsequent nachsetzte, konnte Stephan Schritt für Schritt die Initiative übernehmen und seinen Entwicklungsvorsprung in einen Angriff gegen den unrochierten König ummünzen:

Brett 7: Mit dem energetischen Durchbruch 24.c5! entfesselte Stephan einen Sturm gegen die schwarze Stellung, der Linienöffnung forcierte und die Kraft seiner Figuren maximal entfaltete.

Trotz starker Zeitnot konnte der Fürther den sofortigen K.O. vermeiden und seinen König per extrem später Rochade aus der Gefahrenzone evakuieren. Der Preis dafür war jedoch der Verlust eines Bauern und ein kaum haltbares Endspiel:

Brett 7: Nach Ende des Angriffs wickelte Stephan mittels der forcierten Zugfolge 30.Lxd7 Dxd7 31.Dxd7 Txd7 32.c6 Tc7 33.Tb7 Tfc8 34.Txc7 Txc7 35.f4 gxf4 36.Lxf4 in ein klar gewonnenes Endspiel ab.

Die technische Gewinnführung erforderte zwar noch etwas Geduld, doch zu guter Letzt erwies sich der Windischeschenbacher dieser Aufgabe gewachsen und brachte den ganzen Punkt sicher nach Hause. Ein extrem wichtiger Sieg, der den Mannschaftssieg unter Dach und Fach brachte. (5-2)

An Brett 1 (W) beantwortete Tobias Brunner die Sizilianische Verteidigung mit dem Geschlossenen System. Gegen den klassischen Aufbau seines Gegners fand er zunächst keinen erfolgversprechenden Plan und geriet folgerichtig in die Defensive. Doch die hohe Komplexität der Stellung bot beiden Seiten nicht nur viele Möglichkeiten, sondern enthielt auch ebenso viele versteckte Fallstricke. Letztendlich gelang es beiden Kontrahenten alle Klippen zu umschiffen und man landete in einem ausgeglichenen Endspiel:

Brett 1: Trotz optischer Überlegenheit sieht die Engine keinerlei Vorteil für Schwarz.

Im anschließenden langen Endspiel unterliefen beiden Seiten zahlreiche Ungenauigkeiten, die die Bewertung von ausgeglichen zu klar gewonnen für Schwarz und wieder zurück springen ließ. Im 73. Zug beging Tobias zu unserem Leidweisen schließlich den vorentscheidenden Fehler:

Brett 1: Chancen auf ein Remis konnte sich Tobias nur mit 73.Kf2! erhalten, er wählte jedoch 73.Kf4?? und musste sich schließlich neun Züge später geschlagen geben.

Der Unterschied beider Züge liegt in der Möglichkeit für den schwarzen König sich quasi durch die Hintertür (h3-g2-f2 usw.) zum Damenflügel zu bewegen, um dort entscheidende Beute zu machen. (5-3)

Nach diesem grandiosen Erfolg haben wir es tatsächlich selbst in der Hand den erneuten Aufstieg in die Landesliga zu realisieren. Dazu werden allerdings mit ziemlicher Sicherheit zwei weitere Siege in den beiden Schlussrunden vonnöten sein. Da aber auch die direkte Konkurrenz aus Altensittenbach und Fürth genau den selben Druck verspürt, könnte es durchaus sein, dass am Ende einzig die Nerven entscheiden werden.

So oder so, wir sind gerüstet!

Dritte erreicht nur Unentschieden bei SK Schwandorf III

Am 8. Spieltag und dem ersten Großkampftag der Saison (alle unsere drei Mannschaften waren im Einsatz) war die Dritte zu Gast in Schwandorf. Obwohl die Tabellensituation klar für uns sprach und wir das Hinspiel knapp gewonnen hatten, wussten wir nicht genau, mit welcher Aufstellung uns die Heimmannschaft entgegentreten würde, da die zweite Mannschaft des Gastgebers in der Bezirksliga Nord nicht gefordert war. Mit einem leichten DWZ-Minus gingen wir an den Start und es sollte eigentlich recht gut für uns beginnen.

An Brett 6 (s) spielte Florian Süß sein gewohntes Königsindisch und wollte eine schnelle Entscheidung erzwingen. Er ging mit einer Bauernwalze auf dem gesamten Königsflügel gegen den unrochierten weißen König vor und entblößte dabei naturgemäß auch seinen eigenen Monarchen. Das Kampfgeschehen wogte hin und her und es war ein Spiel mit dem Feuer.

Weiß hatte soeben mit 29. Dc2-c3+ den Angriff auf den schwarzen König fortgesetzt, aber nebenbei die Deckung des Läufers auf f2 aufgegeben. Schwarz zog seinen Turm mit 29. …Tf8-f6 dazwischen, hielt sie Stellung zusammen und war nun seinerseits wieder am Drücker. Nachdem Schwarz sich noch auf einen längeren Kampf eingestellt hatte (z.B. nach weißem Lg3), nahm die Partie aber nach dem weißen Fehlzug 30. Lc2?? Dxf2+ ein abruptes Ende (0-1).

Simon Lamm spielte an Brett 3 (w) nicht sein gewohntes Londoner System sondern zog 1. e4 und versuchte seinen Gegner dann mit dem Morra-Gambit der Sizilianischen Verteidigung zu überraschen. Es entwickelte sich eine ausgeglichene Stellung, in der Simon seinen Gegner mit einem plötzlichen Springerausfall nach g5 konfrontierte. Schwarz nahm mit dem Läufer und bescherte Weiß nach dem Zurückschlagen einen vorgeschobenen Bauern auf g5 sowie die geöffnete h-Linie.

Schwarz war sich keiner Gefahr bewußt und wollte den vorwitzigen Bauern mit 19. …f6 umgehend entfernen sowie die Stellung vereinfachen, bevor sich in Verbindung mit der offenen h-Linie etwas zusammenbrauen konnte. Simon erkannte aber die unverhoffte Gelegenheit mit der jetzt offenen Läuferdiagonale nach g8 und riß seinen Gegner mit dem Knaller 20. Txh7+!! aus allen Wolken. Da gegen 20. …Kxh7 21. Dh4+ Kg7 22. Dh6# kein Kraut gewachsen ist, gab Schwarz sofort auf und bescherte uns eine frühe komfortable Führung (0-2).

Fast zeitgleich wurden die Partien an beiden Spitzenbrettern beendet. An Brett 1 (w) bekam Siegfried Stelzer die Skandinavische Verteidigung aufs Brett und es entwickelte sich ein ausgeglichener Kampf um das Feld e5, auf dem Siegfried einen Springervorposten zu etablieren versuchte. Nach dem Tausch aller Zentralbauern war es ein reiner Figurenkampf um das Zentrum, in dem Siegfried seine Türme zentralisieren konnte und Druck auf der offenen e-Linie aufbaute. Der Kampf gegen den Springervorposten hatte bei Schwarz Spuren hinterlassen und seine Figuren wirkten anfällig.

Siegfried verzichtete auf den Bauerngewinn mittels Dxe6 und versuchte statt dessen weiter den Druck auf die schwarze Stellung zu erhöhen. Er spielte 23. Df3 und hatte die verlockende Idee, auf 23. … Dd7 den Generalabtausch 24. Txe7 Dxe7 25. Lxf6 zu forcieren, um nach dem schwarzen Zurücknehmen auf f6 einfach 26. Dxd5 mit Figurgewinn zu spielen. Leider geht die Rechnung nur nach 25. … gxf6 auf, denn nach 25. … Dxf6 geht leider 26. Dxd5 nicht wegen dem profanen Grundlinienmatt 26. … Dxf1#. Der Computer sieht Weiß nach 23. … Dd7 trotzdem mit 24. Se5 weiterhin im Vorteil. Eine präzise und weitreichende Berechnung ist halt unentbehrlich und letztendlich mitverantwortlich für Erfolg oder Mißerfolg.

Schwarz aber zog 23. … Dc6 und nach dem Abtausch 24. Txe7 Dxc4 25. Lxf6 gxf6 26. Dxf6 Td2 27. Txf7 war fogende Stellung entstanden:

Weiß hat eine furchteinflößende Batterie auf der f-Linie gegen den einsamen schwarzen König und droht Matt auf g7 und f8. Schwarz zog mit 27. … Dxf1+ die Notbremse und hoffte nach 28. Dxf1 Tad8 mit der Drohung auf der Grundlinie noch mit einem blauen Auge davon zu kommen. Präzises Spiel ist aufgrund der Grundreihenschwäche für Weiß immer noch erforderlich! Siegfried zog mit 29. Te7 quasi Schwarz den Stecker und nach 29. …Tf8 30. Dc4+ ist das Matt nicht mehr zu verhindern, Schwarz warf das Handtuch (0-3).

Postwendend musste aber Rudolf Schicker an Brett 2 (s) die Waffen strecken. In der Vorstoß-Variante der Caro-Kann-Eröffnung hatte Rudi eine sehr gedrückte Stellung mit wenig Entfaltungsmöglichkeiten. Weiß nutzte den Raumvorteil am Damenflügel und schaffte es, dass die Masse der schwarzen Figuren dort versammelt war und vom Königsflügel abgeschnitten wurde. Plötzlich verschob Weiß nun den Angriffsschwerpunkt an genau jenen Königsflügel und griff dort mit 19. h4 an. Die schwarze Dame nahm zwar noch einen Bauern auf a3 mit, um Materialreserven für die Verteidigung zu haben, war aber damit noch weiter entfernt vom eigentlichen Geschehen.

Rudi wollte mit 20. … f6 den lästigen Springer sofort wieder verjagen und etwas Luft für seine Figuren schaffen, aber der Schuss ging nach hinten los (besser wäre 20. … h6 gewesen). Sein Gegner fand das schöne Springeropfer 21. Sxh7!, was Rudi wegen Dh5+ und Lxg6 mit vernichtendem weißen Angriff natürlich nicht annehmen durfte.

Weiß setzte seinen Angriff aber unvermindert fort und gewann die Qualität. Rudi wehrte sich nach Kräften und versuchte alles, um die Stellung noch zu halten.

Nach 36. Lf6+ Kg6 37. Tc3 f4 38. Lc2+ Kh5 39. Th3+ Kg4 war der Monarch am Ende seiner Wanderung in einem Mattnetz gefangen und es gab keine Rettung mehr (1-3).

Noch hatten wir an den verbliebenen Brettern zwei heiße Eisen im Feuer, um den erforderlichen halben Punkt für den Mannschaftssieg zu erzielen. Und die Stellungen waren zu dem Zeitpunkt sehr vielversprechend. An Brett 4 (s) hatte es Christian Kraus mit der Steinitz-Variante der Russischen Verteidigung zu tun. Nach frühem Damentausch entstand eine ausgegliche Stellung im Mittelspiel.

Eigentlich passiert in der Stellung nichts, aber Weiß zog 21. Sxc6 und so erhielt Christian unvermittelt die Chance zum entscheidenden Angriff mittels 21. … Txe2. Da Weiß seinen Springer mit 22. Sb4 retten muss, droht Txg2 nebst Le4 und vernichtenden Abzugsschachs. Leider glaubte Christian noch für den Zwischenzug 22. … Txc1 23. Txc1 Txg2+ Zeit zu haben, übersah aber, dass der weiße König nun das Fluchtfeld f1 hatte.

Schwarz hatte zwar trotzdem noch großen Vorteil, aber Christian war wegen der vertanen Chance etwas von der Rolle und überließ Weiß Gegenspiel und Initiative. So kam es wie es kommen musste, der schwarze Vorteil wurde zusehends kleiner und Christian übersah zum Schluss auch noch eine Springergabel mit König und Turm (2-3).

Maximilian Warziwoda, unser Jüngster, spielte an Brett 5 (w) eine Abtauschvariante des abgelehnten Damengambits. Nach der Eröffnung erspielte er sich einen großen Vorteil am Königsflügel und hatte seinen Gegener quasi schon an die Wand gespielt. Aber eigentlich gewonnene Stellungen müssen halt erst noch gewonnen werden.

Der Hebel h5-h6 sollte genügen, um entscheidend Material zu gewinnen.

Maxi wählte aber die Idee, den Springer über f4 nach h5 umzugruppieren. Dadurch hatte Schwarz wieder Luft und Raum zum manövrieren und schaffte es in der Folge sogar durch Abtausch der meisten Figuren in ein gleichfarbiges Läuferendspiel mit sogar einem Mehrbauern abzuwickeln.

Weiß sollte aber das Remis halten können, wenn er seine Bauern auf den dunklen Feldern belässt und das Eindringen des schwarzen Königs und des schwarzen Läufers verhindert. Unglücklicherweise setzte Maxi die Bauern auf dem Damenflügel mit 51. a4 in Bewegung und erlaubte damit Schwarz, den weißen Bauern auf a4 als Schwäche festzulegen. Nachdem Maxi auch noch den Läufer mit 55. Le2 von der Deckung des a-Bauern entfernte, nahm der schwarze Läufer die Einladung mit 55. … Lb3 dankend an und eroberte im nächsten Zug den schutzlosen Bauern. Diese Materialüberlegenheit lies sich der routinierte schwarze Spieler nicht mehr nehmen und so mussten wir uns letztendlich mit einem Unentschieden begnügen (3-3).

Mit nunmehr drei Punkten Rückstand auf die führende Mannschaft bei zwei verbleibenden Spieltagen inklusive direktem Duell am letzten Spieltag, wird es sehr schwer werden, den Rückstand noch aufzuholen. Trotzdem werden wir alles versuchen und wenn wir die guten Stellungen auch mal wieder verwerten und gewinnen können, dann sind vier Punkte sicherlich im Bereich des Möglichen.

Die Dritte erleidet erneut einen herben Rückschlag und rutscht auf den dritten Rang in der Tabelle ab

Am 8.3.2026 hatte unsere dritte Mannschaft die zweite Mannschaft des SC Oberviechtach zu Gast. Es war ein spannender Wettkampf zu erwarten, da auch dieses Team in der Kreisliga 1 um einen vorderen Platz mitspielt. Nominell waren unsere Aussichten nicht schlecht, wir hatten an fünf Brettern eine leicht bessere DWZ als unsere Gegner. Nur unser Nachwuchsspieler Maximilian Warziwoda hatte einen Gegner mit besserer Wertungszahl. Die Unterschiede waren insgesamt aber nicht groß und so war an allen Brettern ein völlig offener Kampf zu erwarten.

Zunächst zeigte Maximilian, der an Brett 5 Schwarz hatte, dass er kein Lückenfüller, sondern ein durchaus ernst zu nehmender Spieler ist. Sein Gegner wählte einen zurückhaltenden Aufbau in einem Dameninder bzw. Damenbauernspiel was zu einem ausgeglichenen Spiel führte. Im 14. Zug zeigten sich die Früchte von Stefans Training. Maxi zog einen angegriffenen Läufer nicht sofort zurück, sondern fand eine elegante taktische Möglichkeit, das noch zu verzögern. Auch wenn das zu keinem großen Vorteil führte, war es aber doch die Variante, die auch der Computer als stärkste betrachtet. Im 21. Zug fand er aber dann erneut einen sehr guten Zug, der zu deutlicherem Vorteil führt. In der Folge konnte Maxi dann wieder seine taktischen Fähigkeiten zeigen und eine Qualität gewinnen. Und schließlich krönte er sein Spiel mit einer weiteren, gar nicht so offensichtlichen taktischen Feinheit, die ihm eine ganze Mehrfigur plus Bauer bescherte. Die technische Verwertung dieses Vorteils ließ sich der Oberviechtacher Spieler nicht mehr zeigen und gab auf.

An Brett 6 hatte Florian Süß mit Weiß die Englische Eröffnung auf dem Brett. Sein Gegner spielte engagiert und versuchte einen Springer auf dem schwach erscheinenden Feld d3 einzupflanzen. Dies ging aber auf Kosten der Entwicklung und objektiv betrachtet hätte der Springer dort auch nicht viel ausrichten können. Florian fand aber eine noch bessere Lösung, bei der er zwar nach einem bekannten taktischen Motiv in ähnlichen Strukturen einen Bauern verlor, aber dafür mit der besseren Entwicklung seiner Figuren sehr gute Kompensation hatte. In der Folge hätte Schwarz die Damen tauschen sollen, was einen leichten Vorteil für Weiß bedeutet hätte. Nachdem die Damen aber auf dem Brett blieben, konnte Florian mit Tempo seine Entwicklung vorantreiben. Der schwarze König saß auch noch in der Mitte fest und trotz des Minusbauern zeigt der Computer im 15. Zug sehr deutlichen Vorteil (+5) für Weiß bei einer reichhaltigen Auswahl an guten Zügen an. Zunächst spielte Florian auch gut weiter, verlor dann aber den Faden und tauschte im 21. Zug die Damen, wonach der ganze Druck weg war und die Bewertung auf 0 sinkt. In der Folge kommen dann noch zwei weiter Bauern abhanden und der Oberviechtacher lässt sich den Sieg nicht mehr nehmen.

Bei Rudolf Schicker mit Weiß am zweiten Brett ist die Eröffnung nicht klar zu benennen. Gegen das Fianchetto des Damenläufers spielt der Gegner seinen Läufer über e7 nach f6 und nachdem Rudi d2-d4 spielt entsteht ein Damenbauernspiel mit einer ungewöhnlichen Aufstellung von Schwarz. Auch wenn der Computer Weiß leichten Vorteil zuspricht ist der schwarze Aufbau aber kaum direkt zu widerlegen. Schwarz steht fest und die Partie verläuft ausgeglichen. Nach 20 Zügen einigen sich die Spieler auf Remis. Konkrete Ideen auf Gewinn zu spielen sind für keine Seite erkennbar. Zudem erschien die Lage an den restlichen Brettern für uns zumindest nicht ungünstig.

Dann aber nahm das Verhängnis seinen Lauf.

Simon Lamm an Brett 4 spielte das Londoner System, wogegen sich der Gegner mit einem königsindischen Aufbau wehrte. Bis zum 11. Zug ergab sich keine Feindberührung und die 5. Reihe blieb komplett frei. Keine Seite konnte einen Vorteil verbuchen. Vom 21. bis zum 26. Zug gab es dann nur Schlagzüge und es wurde übersichtlicher, wobei die Lage trotzdem kompliziert war. Simon konnte einen Bauern erbeuten, aber Schwarz hatte mit dem Läuferpaar und aufgrund der etwas unkoordinierten weißen Figuren die Initiative. Im 29. Zug unterlief Simon dann ein Fehler, der Schwarz deutlichen Vorteil bescherte, der in der Folge zum Zusammenbruch der weißen Stellung führte. Simon mußte sich geschlagen geben.

Am ersten Brett folgte Michael Betz mit Schwarz einer Partie, die Elsbeth Horther-Schneider gegen den selben Gegner in der Oberpfalzliga gespielt hatte. Elsbeth war da gut aus der Eröffnung gekommen, aber Michael entdeckte in der Vorbereitung im achten Zug eine andere interessante Idee, die dann tatsächlich aufs Brett kam. Nachdem er, wie auch Elsbeth, das wilde Diemer-Gambit ablehnte ging das Spiel in die Steinitz-Verteidigung der Französischen Verteidigung über. Der Oberviechtacher spielte wie erhofft die gleiche Zugfolge und die Vorbereitung zahlte sich aus. Als Schwarz in der Folge mit einem Bauerngewinn drohte opferte Weiß lieber eine Figur gegen zwei Bauern um das Spiel zu verwickeln. Objektiv sollte die Kompensation dafür nicht reichen, aber in der Praxis erwies sich dieses Vorgehen als gute Wahl. Michael kam im weiteren Verlauf nicht so gut mit den Komlikationen klar, sah Gespenster und verfolgte an sich passable Ideen nicht konsequent genug. Als dann der Oberviechtacher einen dritten Bauern für die Figur zu gewinnen drohte und die weißen Freibauern am Damenflügel zur Gefahr werden konnten nahm Michael verunsichert das Remisangebot an.

Am dritten Brett hatte Markus Schwengler mit Schwarz einen Königsinder aufs Brett gebracht. In der Sämisch-Variante entstand ein schwerblütiger Positionskampf mit einer Bauernstruktur, die es beiden Seiten schwer machte, das Spiel zu öffnen. Markus konnte zwar einen guten Springer gegen einen schlechten Läufer verbuchen, was aber in der geschlossene Stellung nicht zu einem Vorteil reichte. Im 34. Zug fügte Markus sich ins unvermeidliche Remis.

Die unglückliche 2,5 – 3,5 Niederlage ließ Oberviechtach in der Tabelle an uns vorbeiziehen und verwies uns auf Rang 3.

Zweite Mannschaft mit Auswärtsniederlage gegen den SC Bavaria Regensburg

Zum siebten Spieltag war die zweite Mannschaft zu Gast beim SC Bavaria Regensburg. Bei diesem Großereignis wurden neben Bezirks- und Oberpfalzliga auch zwei Begegnungen in der zweiten Bundesliga ausgetragen, sodass vier Zweitligisten mit zahlreichen Titelträgern anwesend waren.

Während die erste Mannschaft von Bavaria Regensburg mit einem 4:4 schließlich den Klassenerhalt in der zweiten Liga sichern konnte, war für uns kein punktereicher Wettkampf zu erwarten. Zwar mussten sowohl wir als auch die zweite Mannschaft von Bavaria auf den vorderen Brettern auf einige starke Spieler verzichten, dennoch waren wir mit durchschnittlich über 90 DWZ-Punkten weniger klarer Außenseiter in der Begegnung.

Am zweiten Brett (S) verteidigte sich Bedrich Prochazka französisch. Der Regensburger Spieler fianchettierte seinen Läufer nach g2, wodurch eine königsindische Struktur entstand. Die Stellung bliebbis zum 15. Zug ausgeglichen, als Bedrich versuchte, einen Springer von h4 mittels dem Bauernvorstoß g5 zu vertreiben. Durch diesen Zug wurde die schwarze Königsstellung geschwächt und Weiß erhielt starkes Spiel mit dem typischen Bauernhebel f4:

Während Weiß für sein Läuferpaar die Stellung öffnen kann, ist der schwarze Läufer hinter seinen Bauern eingesperrt und auch der König wird in Kürze Probleme bekommen.

Bedrich versuchte mit f6 seine Bauern zu decken, öffnete damit aber dem weißen Läufer über h3 einen Weg in seine Stellung:

Nach 26. Le6 ist die schwarze Stellung gelähmt. Bedrich opferte mit Td6 und Txe6 die Qualität, nach einem Damentausch war aber auch hier nichts zu holen und Bedrich musste sich geschlagen geben. (0-1)

Siegfried Stelzer spielte am achten Brett (S) gegen das Londoner System. Nach einigen ungewöhnlichen Zügen seines Gegners erreichte er bereits früh eine bessere Stellung mit einem starken Zentrum. Der Regensburger spielte unbedarft weiter und verlor später die Qualität. In der folgenden Abwicklung wählte er jedoch eine unglückliche Fortsetzung, wodurch Siegfried stattdessen eine Leichtfigur gewinnen konnte und Weiß gab sich geschlagen. (1-1)

Svatoslav Zitek wählte am sechsten Brett (S) die Owen-Verteidigung mit 1. …b6. Auch hier erreichte Schwarz früh einen leichten Vorteil, doch im Mittelspiel glich sich die Stellung schnell wieder aus, nachdem die meisten Figuren vom Brett verschwanden. Der Regensburger Spieler ließ schließlich die Chance ungenutzt, durch ein Figurenopfer einen Bauern zu gewinnen, und kurz darauf einigte man sich auf Remis. (1½-1½)

Am fünften Brett (W) wählte Elsbeth Horther-Schneider gegen die Sizilianische Verteidigung den Grand-Prix-Angriff. Als sich das Zentrum öffnete, konnte Schwarz zwei Bauern gewinnen, ließ im Gegenzug aber mit dem Bauerndurchbruch f5 starkes Spiel für Weiß zu. Elsbeth nutzte diese Gelegenheit leider nicht, woraufhin der Regensburger Material tauschen konnte. Ohne Gegenspiel zwangen die schwarzen Mehrbauern unsere Spielerin zu einer ungünstigen Abwicklung und Elsbeth musste sich geschlagen geben. (1½-2½)

Johannes Denz eröffnete am ersten Brett (W) mit dem Königsbauern. Gegen die Caro-Kann-Verteidigung mit 3…c5 entwickelte sich nach dem Abtausch der c-Bauern ein Kampf um den Bauern d4. Die Partie blieb lange Zeit ausgeglichen, bis Johannes den falschen Plan verfolgte. Neben a5 versuchte er, mit einem Durchbruch des b-Bauerns am Damenflügel die Initiative zu übernehmen. Als jedoch klar wurde, dass diese Idee so nicht umzusetzen war, griff er daneben:

Mit 21. Ld2 versuchte er, seinen b-Bauern dennoch anzuschieben. Dies lässt aber Scxd4 zu und der Verlust des wichtigen Bauerns führte in der Partie schließlich zur Niederlage. (1½-3½)

Am dritten Brett (W) spielte Rudolf Schön gegen die französische Verteidigung. Schwarz konnte seine Eröffnungsprobleme früh lösen und einen starken Springer auf b3 etablieren. Als Folge war die weiße Stellung sehr gedrückt und Rudolf hatte Probleme, seine Figuren zu aktivieren. Schließlich opferte er einen Bauern, um einen der starken schwarzen Springer abzutauschen. Doch auch das brachte keine Entlastung und bei drohendem Materialverlust gab er sich geschlagen. (1½-4½)

Manfred Oppel wählte am siebten Brett (W) die Englische Eröffnung. Nach einer unkonventionellen Eröffnungsbehandlung des Regensburgers konnte dieser zwar viel Raum gewinnen, musste jedoch mit seinem König im Zentrum bleiben. Obwohl die schwarze Stellung sehr wackelig aussah, erwies sie sich als sicher und Manfred fand keinen Weg in die schwarze Stellung. Als sich im Mittelspiel das meiste Material abtauschte und die Stellung weiterhin geschlossen blieb, einigte man sich auf Remis. (2-5)

Am vierten Brett (S) verteidigte sich Stefan Simmerl mit der Winawer Variante der französischen Verteidigung. Er erreichte eine angenehme Stellung mit seinem König auf f8, verpasste aber dann, das weiße Gegenspiel am Königsflügel mit h5 zu unterbinden. Nach h6 hatte der Regensburger Spieler weiter Angriffschancen, die schließlich zu einer gedrückten schwarzen Stellung führten. Aber auch der Weiße ließ in der Zeitnotphase einige Möglichkeiten ungenutzt, sodass Stefan mit einem Dauerschach das Remis hätte sichern können:

Nach 68. Ke4 gibt es zwei Schachs: Df5 und Dg6. Dg6 hält Remis, da die Dame auf der offenen g-Linie bleibt und von hinten weiter den König attackieren kann. Stefan wählte bei knapper werdender Bedenkzeit aber Df5 und Weiß kann wenig später die Damen tauschen. Der König ist schnell genug bei den schwarzen Freibauern und das Endspiel damit leider verloren. (2-6)

Damit stand mit 2-6 wie erwartet eine deutliche Niederlage zu Buche. Zwar musste sich auch SG Post/Süd Regensburg 2 in ihrer Begegnung geschlagen geben, aber der SV Oberviechtach, der spielerisch eigentlich mit 3-5 dem SC Sulzbach-Rosenberg unterlag, gewann diese Begegnung durch die Verspätung eines Sulzbacher Spielers mit 5-3 und überholte uns damit hauchdünn mit einem halben Brettpunkt. Die letzten beiden Spieltage gegen die DJK Regensburg Nord am 22.03 und Sulzbach-Rosenberg am 26.04 bringen uns damit in Zugzwang: Es gilt zu punkten, um den Abstieg noch abzuwenden.