Aus im Viererpokal

Nach den Erfolgen der vergangenen Jahre stand der Viererpokal für uns in diesem Jahr unter keinem guten Stern. Nach dem Freilos in der Hauptrunde trat unser Gegner im Achtelfinale nicht an, so dass wir erst im Viertelfinale am 15. März zum ersten Mal in dieser Saison an die Bretter gingen. Leider auch bereits zum letzten Mal, da wir auswärts den starken Kelheimern knapp aber verdient mit 1½-2½ unterlagen.

An Brett 1 (W) erspielte sich Tobias Brunner einen zumindest optischen Vorteil, den er jedoch nicht weiter zu verdichten vermochte. Kurz vor dem Ende keimte noch einmal Hoffnung auf, doch auch diesmal konnte der Kelheimer seinen Laden zusammenhalten und man einigte sich auf Remis. (½-½)

An Brett 4 (W) sah die Stellung von Milo Müller vielversprechend aus, doch auch ihm gelang es leider nicht etwas Zählbares herauszuholen. In ausgeglichener Stellung besiegelte man das zweite Remis. (1-1)

An Brett 2 (S) geriet Philipp Mark in das Trommelfeuer rausgeblitzter Züge einer minutiös vorbereiteten Variante, die er zwar selbst gut kannte, sein Gegner aber leider noch ein bisschen besser. In extrem scharfer Stellung stellte er die falsche Figur auf das richtige Feld und ging in der Folge in einem starken Königsangriff unter. (1-2)

An Brett 3 (S) verteidigte sich Stephan Schmahl lange Zeit ausgezeichnet und hatte eigentlich keine Probleme bis er einen verhängnisvollen strategischen Fehler beging. Als Folge wurde er in die Defensive gedrängt und konnte nur noch passiv der Dinge harren die da kamen. Als die Niederlage an Brett 2 feststand, unterbreitete der Kelheimer ein großzügiges Remisangebot. Da auch ein wundersamer Sieg unser Ausscheiden nicht mehr verhindert hätte, wurde notgedrungen akzeptiert. (1½-2½)

Leider nur ein kurzer Auftritt unseres Teams in diesem Jahr, aber auf ein Neues in der nächsten Saison!

1. Mannschaft ist Spitze!

Am 1. März kam es zum mit Spannung erwarteten Gipfeltreffen bei der SG Fürth. Der Tabellenführer empfing den Tabellenzweiten, mehr Nervenkitzel geht nicht! In unserer bewährten Aufstellung trafen wir völlig entspannt bereits eine knappe halbe Stunde vor dem offiziellen Startschuss vor Ort ein und waren bereit mit vollem Engagement in den Kampf zu gehen. Dieser Optimismus wurde noch beflügelt als sich herausstellte, dass ein Fürther aus unbekanntem Grund nicht antreten würde, was uns kampflos die frühe Führung bescherte. Solchermaßen motiviert, gelang es uns den Spitzenreiter in einem Matchup auf Augenhöhe mit 5-3 zu schlagen und ihn somit vom Thron zu stoßen.

An Brett 5 (W) wartete Milo Müller vergeblich auf seinen Gegner bis nach Ablauf der obligatorischen 60 Minuten Karenzzeit der kampflose Punkt für uns verbucht wurde. Aus rein schachlicher Sicht für alle Beteiligten unbefriedigend, aber einem geschenkten Gaul schaut man bekanntlich nicht ins Maul. (1-0)

An Brett 2 (S) sah sich FM Zdenek Haba mit dem Grand-Prix-Angriff gegen seine Sizilianische Verteidigung konfrontiert. In einer statistisch ohnehin wenig vielversprechenden Variante für Weiß ging sein Gegner zudem schon sehr früh mit dem Vorstoß des g-Bauern extrem forsch zur Sache. Nach dem Gegenstoß im Zentrum verließ die Stellung die Theorie und sah nach nur neu Zügen bereits vorteilhaft für Schwarz aus:

Brett 2: Die erhoffte weiße Initiative am Königsflügel verpuffte wirkungslos, so dass Zdenek mit seinem starken Vorposten auf f5 laut Engine bereits klar besser stand.

In der Folge konnte der Windischeschenbacher zwar seinen Vorteil behaupten, doch einen Weg zu etwas Zählbarem fand er leider nicht. Dem Heimspieler gelang es sich zu befreien und die Stellung wieder auszugleichen, so dass man sich nach 28 Zügen auf Remis einigte. (1½-½)

An Brett 8 (S) bekam es Miroslav Kalous in der Französischen Winawer-Variante mit einem Nebenabspiel zu tun, in dem er nach leichten Anfangsschwierigkeiten die übertrieben aggressive Vorgehensweise seines Gegenüber gut in den Griff bekam. In mittlerweile ausgeglichener Stellung stand Miro nach einem Fehler der Fürthers plötzlich sogar auf Gewinn:

Brett 8: Die unsichere Stellung des weißen Turms auf e4 nutze Miro mit dem starken Zug 21…Dc6!, wonach nicht nur der Vorstoß des d-Bauern drohte, sondern sich auch noch eine weitere versteckte Idee auftat!

Die erste Drohung konnte der Weiße zwar mit 22.Td3 parieren, doch die zweite wurde anscheinend von beiden Kontrahenten gänzlich übersehenen! Mit 23…Thg8! hätte Miro seinen Königsturm entscheidend aktivieren können, da der Springer wegen des hängenden Turms im Zentrum überlastet war! Doch leider entging ihm diese Möglichkeit und er manövrierte sich stattdessen mit 23…Db5?? schnurstracks selbst in eine schwierige Lage aus der er sich nicht mehr zu befreien vermochte. Kurz vor der Zeitkontrolle zwangen ihn die weit vorgerückten weißen Freibauern schließlich zur Aufgabe. (1½-1½)

An Brett 3 (W) wählte Philipp Mark gegen das Wolga-Gambit eine lange Theorievariante, die ihm für einen Eröffnungsvorteil zwar sehr genaues Spiel abverlangte, gleichzeitig aber langfristig die besseren Aussichten versprach. Nachdem sich das typische schwarze Spiel am Damenflügel festgefahren hatte, sah sich der Heimspieler genötigt, mittels …f5 Gegenmaßnahmen im Zentrum einzuleiten, was sich als Initialzündung für ein wildes Handgemenge entpuppte. Philipp saß dabei aber am stets längeren Hebel und hätte sich im 29. Zug selbst belohnen können:

Brett 3: Ein einziger genauer Zug hätte die Partie sofort gewonnen. Nach dem richtigen 29.Db1! hätte der weiße Freibauer wegen des auf Matt stehenden schwarzen Königs den Tag für Philipp entschieden, da Weiß nach 29…Lxe5 30.a6! c3 31.Db7 den berühmten Schritt schneller gewesen wäre.

Doch der Windischeschenbacher ging an seinem Glück vorbei und wählte 29.Dc2??, womit er sich selbst seiner eigenen Hauptdrohung beraubte und nach 29…Lxe5 in plötzlich wieder völlig ausgeglichener Stellung dem Remisangebot seines Gegners zustimmen musste. Was für eine verpasste Chance! (2-2)

An Brett 6 (S) verteidigte sich Carolin Werner mit der hochtheoretischen Sveshnikov-Variante der Sizilianischen Verteidigung. Nach sage und schreibe 19 Zügen hatte man das Ende der bekannten Pfade erreicht als der Computer Weiß einen Vorteil bescheinigte:

Brett 6: Richtig war laut Engine die weitere Mobilisation mittels 20.Sce3, doch der Fürther wollte angreifen und entschied sich für 20.f5?, was nach 20…Lxd5 21.Dxd5 Db6+ 22.Kh1 Se5 den Vorteil verspielte.

Es begann eine längere Phase des Lavierens in der beide Spieler versuchten die besten Plätze für ihre Figuren auszuloten und die gegnerischen Pläne zu durchkreuzen. Auf dem Weg zur Zeitkontrolle verpassten beide Seiten einige Möglichkeiten, so dass die Stellung im Gleichgewicht blieb bis der Heimspieler völlig unvermittelt eine Qualität einstellte. In seiner Verzweiflung versuchte er die Situation noch einmal zu verschärfen, doch Carolin ließ sich die Butter nicht mehr vom Brot nehmen:

Brett 6: Mit der kaltblütigen Abwicklung 46…Txd5! 47.cxd5 gxf5 sicherte sich Carolin eine Mehrfigur.

Wenige Züge später sah der Heimspieler die Sinnlosigkeit weiteren Widerstands ein und gab sich geschlagen. Ein hart erkämpfter Sieg in einer zeitlosen Modevariante! (3-2)

An Brett 4 (S) griff Christian Müller zur Kalashnikov-Variante der Sizilianischen Verteidigung in der er in einem Hauptzweig des Variantenbaums durch genaues Spiel nach 16 Zügen eine ausgeglichene Stellung erreichen konnte. Diese Bewertung änderte sich die folgenden Züge nicht, doch als der Fürther ohne Not freiwillig einen Raumnachteil in Kauf nahm, war die schwarze Stellung deutlich angenehmer zu spielen:

Brett 4: Mit dem Vorstoß des f-Bauern konnte sich Christian unter doppeltem Tempogewinn langfristig Raumvorteil und Angriffschancen am Königsflügel erarbeiten.

Beide Spieler gingen äußerst vorsichtig und mitunter etwas zaghaft zur Sache, doch wer wollte ihnen das verdenken im Hinblick auf die Tabellensituation. Jeder wollte die letzten Züge bis zur Zeitkontrolle unbeschadet überstehen und ließ mitunter gute Möglichkeiten aus, das Blatt zu seinen Gunsten zu wenden. Schließlich war es der Heimspieler, dem in schwieriger aber noch nicht gänzlich verlorener Stellung der entscheidende Fehler unterlief:

Brett 4: Mit dem richtigen 47.Sd3 konnte der Weiße noch kämpfen, doch er zog 47.Sf3?? und musste nach 47…Dc5! tatenlos zusehen, wie sich der schwarze Turm über die h-Linie in den Mattangriff einschaltete.

Zwei Züge später warf der Fürther angesichts des undeckbaren Matts das Handtuch. (4-2)

An Brett 7 (W) entschied sich Stephan Schmahl gegen die Caro-Kann Verteidigung zur Abtausch-Variante. Die prinzipiell ruhige Partieanlage wurde vom Fürther korrekterweise durch den Vorstoß seiner Königsflügelbauern früh verschärft. Da er jedoch nicht konsequent nachsetzte, konnte Stephan Schritt für Schritt die Initiative übernehmen und seinen Entwicklungsvorsprung in einen Angriff gegen den unrochierten König ummünzen:

Brett 7: Mit dem energetischen Durchbruch 24.c5! entfesselte Stephan einen Sturm gegen die schwarze Stellung, der Linienöffnung forcierte und die Kraft seiner Figuren maximal entfaltete.

Trotz starker Zeitnot konnte der Fürther den sofortigen K.O. vermeiden und seinen König per extrem später Rochade aus der Gefahrenzone evakuieren. Der Preis dafür war jedoch der Verlust eines Bauern und ein kaum haltbares Endspiel:

Brett 7: Nach Ende des Angriffs wickelte Stephan mittels der forcierten Zugfolge 30.Lxd7 Dxd7 31.Dxd7 Txd7 32.c6 Tc7 33.Tb7 Tfc8 34.Txc7 Txc7 35.f4 gxf4 36.Lxf4 in ein klar gewonnenes Endspiel ab.

Die technische Gewinnführung erforderte zwar noch etwas Geduld, doch zu guter Letzt erwies sich der Windischeschenbacher dieser Aufgabe gewachsen und brachte den ganzen Punkt sicher nach Hause. Ein extrem wichtiger Sieg, der den Mannschaftssieg unter Dach und Fach brachte. (5-2)

An Brett 1 (W) beantwortete Tobias Brunner die Sizilianische Verteidigung mit dem Geschlossenen System. Gegen den klassischen Aufbau seines Gegners fand er zunächst keinen erfolgversprechenden Plan und geriet folgerichtig in die Defensive. Doch die hohe Komplexität der Stellung bot beiden Seiten nicht nur viele Möglichkeiten, sondern enthielt auch ebenso viele versteckte Fallstricke. Letztendlich gelang es beiden Kontrahenten alle Klippen zu umschiffen und man landete in einem ausgeglichenen Endspiel:

Brett 1: Trotz optischer Überlegenheit sieht die Engine keinerlei Vorteil für Schwarz.

Im anschließenden langen Endspiel unterliefen beiden Seiten zahlreiche Ungenauigkeiten, die die Bewertung von ausgeglichen zu klar gewonnen für Schwarz und wieder zurück springen ließ. Im 73. Zug beging Tobias zu unserem Leidweisen schließlich den vorentscheidenden Fehler:

Brett 1: Chancen auf ein Remis konnte sich Tobias nur mit 73.Kf2! erhalten, er wählte jedoch 73.Kf4?? und musste sich schließlich neun Züge später geschlagen geben.

Der Unterschied beider Züge liegt in der Möglichkeit für den schwarzen König sich quasi durch die Hintertür (h3-g2-f2 usw.) zum Damenflügel zu bewegen, um dort entscheidende Beute zu machen. (5-3)

Nach diesem grandiosen Erfolg haben wir es tatsächlich selbst in der Hand den erneuten Aufstieg in die Landesliga zu realisieren. Dazu werden allerdings mit ziemlicher Sicherheit zwei weitere Siege in den beiden Schlussrunden vonnöten sein. Da aber auch die direkte Konkurrenz aus Altensittenbach und Fürth genau den selben Druck verspürt, könnte es durchaus sein, dass am Ende einzig die Nerven entscheiden werden.

So oder so, wir sind gerüstet!

Dritte erreicht nur Unentschieden bei SK Schwandorf III

Am 8. Spieltag und dem ersten Großkampftag der Saison (alle unsere drei Mannschaften waren im Einsatz) war die Dritte zu Gast in Schwandorf. Obwohl die Tabellensituation klar für uns sprach und wir das Hinspiel knapp gewonnen hatten, wussten wir nicht genau, mit welcher Aufstellung uns die Heimmannschaft entgegentreten würde, da die zweite Mannschaft des Gastgebers in der Bezirksliga Nord nicht gefordert war. Mit einem leichten DWZ-Minus gingen wir an den Start und es sollte eigentlich recht gut für uns beginnen.

An Brett 6 (s) spielte Florian Süß sein gewohntes Königsindisch und wollte eine schnelle Entscheidung erzwingen. Er ging mit einer Bauernwalze auf dem gesamten Königsflügel gegen den unrochierten weißen König vor und entblößte dabei naturgemäß auch seinen eigenen Monarchen. Das Kampfgeschehen wogte hin und her und es war ein Spiel mit dem Feuer.

Weiß hatte soeben mit 29. Dc2-c3+ den Angriff auf den schwarzen König fortgesetzt, aber nebenbei die Deckung des Läufers auf f2 aufgegeben. Schwarz zog seinen Turm mit 29. …Tf8-f6 dazwischen, hielt sie Stellung zusammen und war nun seinerseits wieder am Drücker. Nachdem Schwarz sich noch auf einen längeren Kampf eingestellt hatte (z.B. nach weißem Lg3), nahm die Partie aber nach dem weißen Fehlzug 30. Lc2?? Dxf2+ ein abruptes Ende (0-1).

Simon Lamm spielte an Brett 3 (w) nicht sein gewohntes Londoner System sondern zog 1. e4 und versuchte seinen Gegner dann mit dem Morra-Gambit der Sizilianischen Verteidigung zu überraschen. Es entwickelte sich eine ausgeglichene Stellung, in der Simon seinen Gegner mit einem plötzlichen Springerausfall nach g5 konfrontierte. Schwarz nahm mit dem Läufer und bescherte Weiß nach dem Zurückschlagen einen vorgeschobenen Bauern auf g5 sowie die geöffnete h-Linie.

Schwarz war sich keiner Gefahr bewußt und wollte den vorwitzigen Bauern mit 19. …f6 umgehend entfernen sowie die Stellung vereinfachen, bevor sich in Verbindung mit der offenen h-Linie etwas zusammenbrauen konnte. Simon erkannte aber die unverhoffte Gelegenheit mit der jetzt offenen Läuferdiagonale nach g8 und riß seinen Gegner mit dem Knaller 20. Txh7+!! aus allen Wolken. Da gegen 20. …Kxh7 21. Dh4+ Kg7 22. Dh6# kein Kraut gewachsen ist, gab Schwarz sofort auf und bescherte uns eine frühe komfortable Führung (0-2).

Fast zeitgleich wurden die Partien an beiden Spitzenbrettern beendet. An Brett 1 (w) bekam Siegfried Stelzer die Skandinavische Verteidigung aufs Brett und es entwickelte sich ein ausgeglichener Kampf um das Feld e5, auf dem Siegfried einen Springervorposten zu etablieren versuchte. Nach dem Tausch aller Zentralbauern war es ein reiner Figurenkampf um das Zentrum, in dem Siegfried seine Türme zentralisieren konnte und Druck auf der offenen e-Linie aufbaute. Der Kampf gegen den Springervorposten hatte bei Schwarz Spuren hinterlassen und seine Figuren wirkten anfällig.

Siegfried verzichtete auf den Bauerngewinn mittels Dxe6 und versuchte statt dessen weiter den Druck auf die schwarze Stellung zu erhöhen. Er spielte 23. Df3 und hatte die verlockende Idee, auf 23. … Dd7 den Generalabtausch 24. Txe7 Dxe7 25. Lxf6 zu forcieren, um nach dem schwarzen Zurücknehmen auf f6 einfach 26. Dxd5 mit Figurgewinn zu spielen. Leider geht die Rechnung nur nach 25. … gxf6 auf, denn nach 25. … Dxf6 geht leider 26. Dxd5 nicht wegen dem profanen Grundlinienmatt 26. … Dxf1#. Der Computer sieht Weiß nach 23. … Dd7 trotzdem mit 24. Se5 weiterhin im Vorteil. Eine präzise und weitreichende Berechnung ist halt unentbehrlich und letztendlich mitverantwortlich für Erfolg oder Mißerfolg.

Schwarz aber zog 23. … Dc6 und nach dem Abtausch 24. Txe7 Dxc4 25. Lxf6 gxf6 26. Dxf6 Td2 27. Txf7 war fogende Stellung entstanden:

Weiß hat eine furchteinflößende Batterie auf der f-Linie gegen den einsamen schwarzen König und droht Matt auf g7 und f8. Schwarz zog mit 27. … Dxf1+ die Notbremse und hoffte nach 28. Dxf1 Tad8 mit der Drohung auf der Grundlinie noch mit einem blauen Auge davon zu kommen. Präzises Spiel ist aufgrund der Grundreihenschwäche für Weiß immer noch erforderlich! Siegfried zog mit 29. Te7 quasi Schwarz den Stecker und nach 29. …Tf8 30. Dc4+ ist das Matt nicht mehr zu verhindern, Schwarz warf das Handtuch (0-3).

Postwendend musste aber Rudolf Schicker an Brett 2 (s) die Waffen strecken. In der Vorstoß-Variante der Caro-Kann-Eröffnung hatte Rudi eine sehr gedrückte Stellung mit wenig Entfaltungsmöglichkeiten. Weiß nutzte den Raumvorteil am Damenflügel und schaffte es, dass die Masse der schwarzen Figuren dort versammelt war und vom Königsflügel abgeschnitten wurde. Plötzlich verschob Weiß nun den Angriffsschwerpunkt an genau jenen Königsflügel und griff dort mit 19. h4 an. Die schwarze Dame nahm zwar noch einen Bauern auf a3 mit, um Materialreserven für die Verteidigung zu haben, war aber damit noch weiter entfernt vom eigentlichen Geschehen.

Rudi wollte mit 20. … f6 den lästigen Springer sofort wieder verjagen und etwas Luft für seine Figuren schaffen, aber der Schuss ging nach hinten los (besser wäre 20. … h6 gewesen). Sein Gegner fand das schöne Springeropfer 21. Sxh7!, was Rudi wegen Dh5+ und Lxg6 mit vernichtendem weißen Angriff natürlich nicht annehmen durfte.

Weiß setzte seinen Angriff aber unvermindert fort und gewann die Qualität. Rudi wehrte sich nach Kräften und versuchte alles, um die Stellung noch zu halten.

Nach 36. Lf6+ Kg6 37. Tc3 f4 38. Lc2+ Kh5 39. Th3+ Kg4 war der Monarch am Ende seiner Wanderung in einem Mattnetz gefangen und es gab keine Rettung mehr (1-3).

Noch hatten wir an den verbliebenen Brettern zwei heiße Eisen im Feuer, um den erforderlichen halben Punkt für den Mannschaftssieg zu erzielen. Und die Stellungen waren zu dem Zeitpunkt sehr vielversprechend. An Brett 4 (s) hatte es Christian Kraus mit der Steinitz-Variante der Russischen Verteidigung zu tun. Nach frühem Damentausch entstand eine ausgegliche Stellung im Mittelspiel.

Eigentlich passiert in der Stellung nichts, aber Weiß zog 21. Sxc6 und so erhielt Christian unvermittelt die Chance zum entscheidenden Angriff mittels 21. … Txe2. Da Weiß seinen Springer mit 22. Sb4 retten muss, droht Txg2 nebst Le4 und vernichtenden Abzugsschachs. Leider glaubte Christian noch für den Zwischenzug 22. … Txc1 23. Txc1 Txg2+ Zeit zu haben, übersah aber, dass der weiße König nun das Fluchtfeld f1 hatte.

Schwarz hatte zwar trotzdem noch großen Vorteil, aber Christian war wegen der vertanen Chance etwas von der Rolle und überließ Weiß Gegenspiel und Initiative. So kam es wie es kommen musste, der schwarze Vorteil wurde zusehends kleiner und Christian übersah zum Schluss auch noch eine Springergabel mit König und Turm (2-3).

Maximilian Warziwoda, unser Jüngster, spielte an Brett 5 (w) eine Abtauschvariante des abgelehnten Damengambits. Nach der Eröffnung erspielte er sich einen großen Vorteil am Königsflügel und hatte seinen Gegener quasi schon an die Wand gespielt. Aber eigentlich gewonnene Stellungen müssen halt erst noch gewonnen werden.

Der Hebel h5-h6 sollte genügen, um entscheidend Material zu gewinnen.

Maxi wählte aber die Idee, den Springer über f4 nach h5 umzugruppieren. Dadurch hatte Schwarz wieder Luft und Raum zum manövrieren und schaffte es in der Folge sogar durch Abtausch der meisten Figuren in ein gleichfarbiges Läuferendspiel mit sogar einem Mehrbauern abzuwickeln.

Weiß sollte aber das Remis halten können, wenn er seine Bauern auf den dunklen Feldern belässt und das Eindringen des schwarzen Königs und des schwarzen Läufers verhindert. Unglücklicherweise setzte Maxi die Bauern auf dem Damenflügel mit 51. a4 in Bewegung und erlaubte damit Schwarz, den weißen Bauern auf a4 als Schwäche festzulegen. Nachdem Maxi auch noch den Läufer mit 55. Le2 von der Deckung des a-Bauern entfernte, nahm der schwarze Läufer die Einladung mit 55. … Lb3 dankend an und eroberte im nächsten Zug den schutzlosen Bauern. Diese Materialüberlegenheit lies sich der routinierte schwarze Spieler nicht mehr nehmen und so mussten wir uns letztendlich mit einem Unentschieden begnügen (3-3).

Mit nunmehr drei Punkten Rückstand auf die führende Mannschaft bei zwei verbleibenden Spieltagen inklusive direktem Duell am letzten Spieltag, wird es sehr schwer werden, den Rückstand noch aufzuholen. Trotzdem werden wir alles versuchen und wenn wir die guten Stellungen auch mal wieder verwerten und gewinnen können, dann sind vier Punkte sicherlich im Bereich des Möglichen.

Die Dritte erleidet erneut einen herben Rückschlag und rutscht auf den dritten Rang in der Tabelle ab

Am 8.3.2026 hatte unsere dritte Mannschaft die zweite Mannschaft des SC Oberviechtach zu Gast. Es war ein spannender Wettkampf zu erwarten, da auch dieses Team in der Kreisliga 1 um einen vorderen Platz mitspielt. Nominell waren unsere Aussichten nicht schlecht, wir hatten an fünf Brettern eine leicht bessere DWZ als unsere Gegner. Nur unser Nachwuchsspieler Maximilian Warziwoda hatte einen Gegner mit besserer Wertungszahl. Die Unterschiede waren insgesamt aber nicht groß und so war an allen Brettern ein völlig offener Kampf zu erwarten.

Zunächst zeigte Maximilian, der an Brett 5 Schwarz hatte, dass er kein Lückenfüller, sondern ein durchaus ernst zu nehmender Spieler ist. Sein Gegner wählte einen zurückhaltenden Aufbau in einem Dameninder bzw. Damenbauernspiel was zu einem ausgeglichenen Spiel führte. Im 14. Zug zeigten sich die Früchte von Stefans Training. Maxi zog einen angegriffenen Läufer nicht sofort zurück, sondern fand eine elegante taktische Möglichkeit, das noch zu verzögern. Auch wenn das zu keinem großen Vorteil führte, war es aber doch die Variante, die auch der Computer als stärkste betrachtet. Im 21. Zug fand er aber dann erneut einen sehr guten Zug, der zu deutlicherem Vorteil führt. In der Folge konnte Maxi dann wieder seine taktischen Fähigkeiten zeigen und eine Qualität gewinnen. Und schließlich krönte er sein Spiel mit einer weiteren, gar nicht so offensichtlichen taktischen Feinheit, die ihm eine ganze Mehrfigur plus Bauer bescherte. Die technische Verwertung dieses Vorteils ließ sich der Oberviechtacher Spieler nicht mehr zeigen und gab auf.

An Brett 6 hatte Florian Süß mit Weiß die Englische Eröffnung auf dem Brett. Sein Gegner spielte engagiert und versuchte einen Springer auf dem schwach erscheinenden Feld d3 einzupflanzen. Dies ging aber auf Kosten der Entwicklung und objektiv betrachtet hätte der Springer dort auch nicht viel ausrichten können. Florian fand aber eine noch bessere Lösung, bei der er zwar nach einem bekannten taktischen Motiv in ähnlichen Strukturen einen Bauern verlor, aber dafür mit der besseren Entwicklung seiner Figuren sehr gute Kompensation hatte. In der Folge hätte Schwarz die Damen tauschen sollen, was einen leichten Vorteil für Weiß bedeutet hätte. Nachdem die Damen aber auf dem Brett blieben, konnte Florian mit Tempo seine Entwicklung vorantreiben. Der schwarze König saß auch noch in der Mitte fest und trotz des Minusbauern zeigt der Computer im 15. Zug sehr deutlichen Vorteil (+5) für Weiß bei einer reichhaltigen Auswahl an guten Zügen an. Zunächst spielte Florian auch gut weiter, verlor dann aber den Faden und tauschte im 21. Zug die Damen, wonach der ganze Druck weg war und die Bewertung auf 0 sinkt. In der Folge kommen dann noch zwei weiter Bauern abhanden und der Oberviechtacher lässt sich den Sieg nicht mehr nehmen.

Bei Rudolf Schicker mit Weiß am zweiten Brett ist die Eröffnung nicht klar zu benennen. Gegen das Fianchetto des Damenläufers spielt der Gegner seinen Läufer über e7 nach f6 und nachdem Rudi d2-d4 spielt entsteht ein Damenbauernspiel mit einer ungewöhnlichen Aufstellung von Schwarz. Auch wenn der Computer Weiß leichten Vorteil zuspricht ist der schwarze Aufbau aber kaum direkt zu widerlegen. Schwarz steht fest und die Partie verläuft ausgeglichen. Nach 20 Zügen einigen sich die Spieler auf Remis. Konkrete Ideen auf Gewinn zu spielen sind für keine Seite erkennbar. Zudem erschien die Lage an den restlichen Brettern für uns zumindest nicht ungünstig.

Dann aber nahm das Verhängnis seinen Lauf.

Simon Lamm an Brett 4 spielte das Londoner System, wogegen sich der Gegner mit einem königsindischen Aufbau wehrte. Bis zum 11. Zug ergab sich keine Feindberührung und die 5. Reihe blieb komplett frei. Keine Seite konnte einen Vorteil verbuchen. Vom 21. bis zum 26. Zug gab es dann nur Schlagzüge und es wurde übersichtlicher, wobei die Lage trotzdem kompliziert war. Simon konnte einen Bauern erbeuten, aber Schwarz hatte mit dem Läuferpaar und aufgrund der etwas unkoordinierten weißen Figuren die Initiative. Im 29. Zug unterlief Simon dann ein Fehler, der Schwarz deutlichen Vorteil bescherte, der in der Folge zum Zusammenbruch der weißen Stellung führte. Simon mußte sich geschlagen geben.

Am ersten Brett folgte Michael Betz mit Schwarz einer Partie, die Elsbeth Horther-Schneider gegen den selben Gegner in der Oberpfalzliga gespielt hatte. Elsbeth war da gut aus der Eröffnung gekommen, aber Michael entdeckte in der Vorbereitung im achten Zug eine andere interessante Idee, die dann tatsächlich aufs Brett kam. Nachdem er, wie auch Elsbeth, das wilde Diemer-Gambit ablehnte ging das Spiel in die Steinitz-Verteidigung der Französischen Verteidigung über. Der Oberviechtacher spielte wie erhofft die gleiche Zugfolge und die Vorbereitung zahlte sich aus. Als Schwarz in der Folge mit einem Bauerngewinn drohte opferte Weiß lieber eine Figur gegen zwei Bauern um das Spiel zu verwickeln. Objektiv sollte die Kompensation dafür nicht reichen, aber in der Praxis erwies sich dieses Vorgehen als gute Wahl. Michael kam im weiteren Verlauf nicht so gut mit den Komlikationen klar, sah Gespenster und verfolgte an sich passable Ideen nicht konsequent genug. Als dann der Oberviechtacher einen dritten Bauern für die Figur zu gewinnen drohte und die weißen Freibauern am Damenflügel zur Gefahr werden konnten nahm Michael verunsichert das Remisangebot an.

Am dritten Brett hatte Markus Schwengler mit Schwarz einen Königsinder aufs Brett gebracht. In der Sämisch-Variante entstand ein schwerblütiger Positionskampf mit einer Bauernstruktur, die es beiden Seiten schwer machte, das Spiel zu öffnen. Markus konnte zwar einen guten Springer gegen einen schlechten Läufer verbuchen, was aber in der geschlossene Stellung nicht zu einem Vorteil reichte. Im 34. Zug fügte Markus sich ins unvermeidliche Remis.

Die unglückliche 2,5 – 3,5 Niederlage ließ Oberviechtach in der Tabelle an uns vorbeiziehen und verwies uns auf Rang 3.

Zweite Mannschaft mit Auswärtsniederlage gegen den SC Bavaria Regensburg

Zum siebten Spieltag war die zweite Mannschaft zu Gast beim SC Bavaria Regensburg. Bei diesem Großereignis wurden neben Bezirks- und Oberpfalzliga auch zwei Begegnungen in der zweiten Bundesliga ausgetragen, sodass vier Zweitligisten mit zahlreichen Titelträgern anwesend waren.

Während die erste Mannschaft von Bavaria Regensburg mit einem 4:4 schließlich den Klassenerhalt in der zweiten Liga sichern konnte, war für uns kein punktereicher Wettkampf zu erwarten. Zwar mussten sowohl wir als auch die zweite Mannschaft von Bavaria auf den vorderen Brettern auf einige starke Spieler verzichten, dennoch waren wir mit durchschnittlich über 90 DWZ-Punkten weniger klarer Außenseiter in der Begegnung.

Am zweiten Brett (S) verteidigte sich Bedrich Prochazka französisch. Der Regensburger Spieler fianchettierte seinen Läufer nach g2, wodurch eine königsindische Struktur entstand. Die Stellung bliebbis zum 15. Zug ausgeglichen, als Bedrich versuchte, einen Springer von h4 mittels dem Bauernvorstoß g5 zu vertreiben. Durch diesen Zug wurde die schwarze Königsstellung geschwächt und Weiß erhielt starkes Spiel mit dem typischen Bauernhebel f4:

Während Weiß für sein Läuferpaar die Stellung öffnen kann, ist der schwarze Läufer hinter seinen Bauern eingesperrt und auch der König wird in Kürze Probleme bekommen.

Bedrich versuchte mit f6 seine Bauern zu decken, öffnete damit aber dem weißen Läufer über h3 einen Weg in seine Stellung:

Nach 26. Le6 ist die schwarze Stellung gelähmt. Bedrich opferte mit Td6 und Txe6 die Qualität, nach einem Damentausch war aber auch hier nichts zu holen und Bedrich musste sich geschlagen geben. (0-1)

Siegfried Stelzer spielte am achten Brett (S) gegen das Londoner System. Nach einigen ungewöhnlichen Zügen seines Gegners erreichte er bereits früh eine bessere Stellung mit einem starken Zentrum. Der Regensburger spielte unbedarft weiter und verlor später die Qualität. In der folgenden Abwicklung wählte er jedoch eine unglückliche Fortsetzung, wodurch Siegfried stattdessen eine Leichtfigur gewinnen konnte und Weiß gab sich geschlagen. (1-1)

Svatoslav Zitek wählte am sechsten Brett (S) die Owen-Verteidigung mit 1. …b6. Auch hier erreichte Schwarz früh einen leichten Vorteil, doch im Mittelspiel glich sich die Stellung schnell wieder aus, nachdem die meisten Figuren vom Brett verschwanden. Der Regensburger Spieler ließ schließlich die Chance ungenutzt, durch ein Figurenopfer einen Bauern zu gewinnen, und kurz darauf einigte man sich auf Remis. (1½-1½)

Am fünften Brett (W) wählte Elsbeth Horther-Schneider gegen die Sizilianische Verteidigung den Grand-Prix-Angriff. Als sich das Zentrum öffnete, konnte Schwarz zwei Bauern gewinnen, ließ im Gegenzug aber mit dem Bauerndurchbruch f5 starkes Spiel für Weiß zu. Elsbeth nutzte diese Gelegenheit leider nicht, woraufhin der Regensburger Material tauschen konnte. Ohne Gegenspiel zwangen die schwarzen Mehrbauern unsere Spielerin zu einer ungünstigen Abwicklung und Elsbeth musste sich geschlagen geben. (1½-2½)

Johannes Denz eröffnete am ersten Brett (W) mit dem Königsbauern. Gegen die Caro-Kann-Verteidigung mit 3…c5 entwickelte sich nach dem Abtausch der c-Bauern ein Kampf um den Bauern d4. Die Partie blieb lange Zeit ausgeglichen, bis Johannes den falschen Plan verfolgte. Neben a5 versuchte er, mit einem Durchbruch des b-Bauerns am Damenflügel die Initiative zu übernehmen. Als jedoch klar wurde, dass diese Idee so nicht umzusetzen war, griff er daneben:

Mit 21. Ld2 versuchte er, seinen b-Bauern dennoch anzuschieben. Dies lässt aber Scxd4 zu und der Verlust des wichtigen Bauerns führte in der Partie schließlich zur Niederlage. (1½-3½)

Am dritten Brett (W) spielte Rudolf Schön gegen die französische Verteidigung. Schwarz konnte seine Eröffnungsprobleme früh lösen und einen starken Springer auf b3 etablieren. Als Folge war die weiße Stellung sehr gedrückt und Rudolf hatte Probleme, seine Figuren zu aktivieren. Schließlich opferte er einen Bauern, um einen der starken schwarzen Springer abzutauschen. Doch auch das brachte keine Entlastung und bei drohendem Materialverlust gab er sich geschlagen. (1½-4½)

Manfred Oppel wählte am siebten Brett (W) die Englische Eröffnung. Nach einer unkonventionellen Eröffnungsbehandlung des Regensburgers konnte dieser zwar viel Raum gewinnen, musste jedoch mit seinem König im Zentrum bleiben. Obwohl die schwarze Stellung sehr wackelig aussah, erwies sie sich als sicher und Manfred fand keinen Weg in die schwarze Stellung. Als sich im Mittelspiel das meiste Material abtauschte und die Stellung weiterhin geschlossen blieb, einigte man sich auf Remis. (2-5)

Am vierten Brett (S) verteidigte sich Stefan Simmerl mit der Winawer Variante der französischen Verteidigung. Er erreichte eine angenehme Stellung mit seinem König auf f8, verpasste aber dann, das weiße Gegenspiel am Königsflügel mit h5 zu unterbinden. Nach h6 hatte der Regensburger Spieler weiter Angriffschancen, die schließlich zu einer gedrückten schwarzen Stellung führten. Aber auch der Weiße ließ in der Zeitnotphase einige Möglichkeiten ungenutzt, sodass Stefan mit einem Dauerschach das Remis hätte sichern können:

Nach 68. Ke4 gibt es zwei Schachs: Df5 und Dg6. Dg6 hält Remis, da die Dame auf der offenen g-Linie bleibt und von hinten weiter den König attackieren kann. Stefan wählte bei knapper werdender Bedenkzeit aber Df5 und Weiß kann wenig später die Damen tauschen. Der König ist schnell genug bei den schwarzen Freibauern und das Endspiel damit leider verloren. (2-6)

Damit stand mit 2-6 wie erwartet eine deutliche Niederlage zu Buche. Zwar musste sich auch SG Post/Süd Regensburg 2 in ihrer Begegnung geschlagen geben, aber der SV Oberviechtach, der spielerisch eigentlich mit 3-5 dem SC Sulzbach-Rosenberg unterlag, gewann diese Begegnung durch die Verspätung eines Sulzbacher Spielers mit 5-3 und überholte uns damit hauchdünn mit einem halben Brettpunkt. Die letzten beiden Spieltage gegen die DJK Regensburg Nord am 22.03 und Sulzbach-Rosenberg am 26.04 bringen uns damit in Zugzwang: Es gilt zu punkten, um den Abstieg noch abzuwenden.

Dritte Mannschaft mit schwacher Vorstellung in Weiden

Am 22.2.2026 trat unsere Dritte in der Kreisliga 1 zum Auswärtspiel gegen die zweite Mannschaft des SK Weiden 07 an. Nachdem in der Runde zuvor Neustadt/Luhe die Stammspieler 1-6 aufgeboten hatte überraschten uns diesmal die Weidener, die keinen der auf 1-6 gesetzten Spieler in der Aufstellung hatten. Zudem waren die Personalprobleme so groß, dass auch noch Brett 6 unbesetzt blieb. Bitter für Florian Süß, der extra aus Augsburg angereist war, aber beruhigend für uns, schon mal mit einer Führung in das Match gehen zu können.

Zunächst entwickelten sich die Partien ganz passabel für uns, aber am Ende sollte es nur zu einem bitteren Unentschieden reichen.

An Brett 5 konnte unser Nachwuchsspieler Maximilian Warziwoda mit Weiß schon aus der Eröffnung heraus eine gute Stellung erreichen, nachdem ihm sein Gegner in einer Damenbauerneröffnung unter Tempoverlust das Zentrum überlassen hatte. Die schwarze Stellung war zwar passiv, aber doch auch relativ fest. Im 17. Zug verpasste der Weidener die Damen zu tauschen, was zu einer ausgeglichenen Stellung geführt hätte. Aber Maxi griff auch daneben und öffnete mit einem unglücklichen Abtausch eine Linie gegen seinen König. Diese Chance nutzte der Gegner zu einem taktischen Schlag, der zu einem Bauerngewinn und deutlichen Vorteil führte. In der Folge spielte der Weidener nicht energisch genug und das Spiel war im 30. Zug wieder im Gleichgewicht. Dann entstand ein Endspiel, in dem der Gegner drei Bauern für einen Springer hatte. Zu unserem Glück fand er aber nicht die besten Züge und Maxi konnte schließlich alle drei Bauern unschädlich machen und den halben Punkt sichern.

Am ersten Brett hatte es Michael Betz mit einem Mannschaftskameraden aus Detag-Weiden-Zeiten zu tun, der ihm schon mehrfach mit seiner eher unkonventionellen Spielweise Probleme bereitet hatte. Michael ließ es mit Weiß ruhig angehen und konnte einen leichten Vorteil verwalten, nachdem Schwarz in einer zunächst symmetrischen englischen Vierspringer-Variante einen unüblichen Springertausch spielte und eine Igel-Struktur anstrebte. Die schwarze Stellung war passiv, aber fest. Nachdem die typischen Gegenschläge d6-d5 und b6-b5 zuverlässig verhindert waren startete Michael eine Aktion am Königsflügel um Chancen zu bekommen, auf Gewinn zu spielen. Weiß konnte schließlich einen starken Springer gegen einen schlechten Läufer sowie einen Freibauern auf der h-Linie verbuchen. Dieser Freibauer war allerdings nicht wirklich voran zu bringen und konnte auch zu einer Schwäche werden. Somit war Michael bei zunehmend knapperer Zeit zu sehr damit beschäftigt und übersah eine Wendung, durch die Schwarz am Damenflügel doch den Vorstoß b6-b5 durchsetzen konnte. So wurde der schlechte Läufer plötzlich stark und die schwarzen Türme sorgten auf der jetzt offenen c-Linie für Gegenspiel. Zu allem Überfluß wollte Michael dann eine unangenehme Variante vermeiden, die mit genauem Spiel aber haltbar gewesen wäre und im schlimmsten Fall in einem schlechten Turmendspiel mit Minusbauer noch Rettungschancen geboten hätte. Die gewählte Alternative beendete die Partie aber sofort, weil Schwarz nicht das erwartete Schach gab, sondern den weißen König abschnitt und Matt im nächsten Zug nicht mehr zu verhindern war.

Siegfried Stelzer an Brett 2 hatte es mit Schwarz mit dem Londoner-System zu tun und tauschte früh seinen schwarzfeldrigen Läufer gegen den Kollegen auf g3, was dem weißen Turm die h-Linie öffnet. Zu dem Zeitpunkt hatte aber auch Siegfried noch nicht rochiert, so dass dies noch kein Unglück war. Später verwarf er aber die ursprünglich geplante lange Rochade und brachte seinen König doch auf dem Königsflügel in (Un)Sicherheit. Nach einem Abtausch im 15. Zug nahm er aber mit dem Springer (Nach Zurückschlagen mit der Dame hätte diese zum Königsflügel gebracht werden können, wo sie bei der Verteidigung wichtig gewesen wäre) zurück und der weiße Angriff auf der h-Linie sorgte schon für arge Probleme. Letztendlich landete Siegfried in einem sehr schlechten Doppelturmendspiel, in dem Weiß zwei Bauern einsacken konnte. Diesen Vorteil verwertete der routinierte Weidener sehr sicher.

So war also aus der kampflosen 1-0 Führung schon ein 1,5-2,5 Rückstand geworden und für einen Mannschaftserfolg wären zwei Punkte aus den verbleibenden Partien nötig gewesen.

Am dritten Brett hatte Simon Lamm mit Weiß auch auf das Londoner System gesetzt und eine angenehme Stellung erreicht. Im 14. Zug wurde die Lage für menschliche Betrachter unklar, als Simon kurz rochierte obwohl sich gefährlich wirkende gegnerische Figuren dort aufhielten. Ob berechnet oder intuitiv gespielt, es war jedenfalls die korrekte Entscheidung, die der Computer sehr gut findet. In der Folge kann Simon einen Läufer gegen zwei Bauern gewinnen und seine aufgerissene Königsstellung verteidigen. In der Folge lässt er bei knapper Bedenkzeit nichts anbrennen und sorgt mit der einzigen souveränen Leistung dieses Tages wieder für den Ausgleich.

Mannschaftsführer Christian Kraus spielte an Brett 4 mit Schwarz die Russische Verteidigung, die sein Gegner aber sehr zurückhaltend anging. Weiß baute sich wie sonst Schwarz in der Philidor-Verteidigung auf. Die Idee, einen Aufbau, den sonst Schwarz spielt, mit Weiß und einem Tempo mehr zu spielen, ist nicht unüblich, führt aber auch nicht zwingend zu einem Vorteil. Christian setzte jedenfalls aktiv fort und Weiß vergaß, seinen Bauern auf e4 ausreichend zu überdecken, als dieser zweimal angegriffen war. So konnte unser Spieler schon früh einen Mehrbauern verbuchen und auch gleich noch die Damen tauschen. Der Computer sieht eine gewisse Kompensation und der Vorteil ist objektiv nicht ganz so groß, wie gedacht. Nach Verwicklungen entstand ein Doppelturmendspiel mit nach wie vor einem Mehrbauern und leichtem Vorteil für Schwarz. Langsam zeichnete sich aber ab, dass der Vorteil nicht einfach zu verwerten sein würde. Der schwarze König hatte kein gutes Versteck, weshalb die Türme nicht richtig aktiv werden konnten. Schließlich konnte Weiß seinen Bauern zurück erobern und dabei ein Turmpaar tauschen. Bei symmetrischer Bauernstellung an einem Flügel war der friedliche Ausgang der Partie im 69. Zug die logische Folge.

Leider konnten wir unsere Chance nicht nutzen und mussten somit die Tabellenführung an die Schachfreunde Neustadt/Luhe abgeben, die uns nach einem 4-2 Erfolg über ihre zweite Mannschaft einen halben Brettpunkt voraus sind.

Oberviechtach kam gegen Schwandorf auch nicht über ein Unentschieden hinaus und bleibt so mit einem Mannschaftspunkt weniger hinter uns auf Rang 3. 

1. Mannschaft überzeugt erneut

Am vergangenen Sonntag empfingen wir im Feuerwehrhaus mit dem SC Forchheim einen renommierten Gegner, der zwar in der laufenden Saison noch nicht so richtig in Tritt kam, aber aufgrund seiner extrem starken „ersten Vier“ inklusive des tschechischen Altmeisters GM Vlastimil Jansa auf keinen Fall zu unterschätzen war. Da wir die Bedeutung dieses Kampfes verinnerlicht hatten, gingen wir voll motiviert ans Werk und konnten mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung einen überraschend klaren 5½-2½ Sieg erringen. Ausschlaggebend waren sowohl die vorderen Bretter, die bei einem durchschnittlichen DWZ-Nachteil von 120(!) Punkten nur drei Remis zuließen, als auch die hinteren Bretter, die ihren Vorteil konsequent zu drei vollen Punkten nutzten.

An Brett 2 (W) bediente sich FM Zdenek Haba gegen die Holländische Verteidigung einer giftigen Nebenvariante, mit der er schon nach wenigen Zügen ein wildes Handgemenge im Zentrum initiierte:

Brett 2: Die Stellung nach dem 5. Zug ließ erahnen, dass beide Kontrahenten einen Kampf mit offenem Visier anstrebten.

Nach ersten unvermeidlichen Abtauschaktionen hatte der Gast zwar die schlechtere Bauernstruktur, mit dem Läuferpaar aber adäquate Kompensation. Im Zuge der weiteren Figurenentwicklung stabilisierte sich die Lage zusehends bis sich nach 24 Zügen eine völlig ausgeglichene Stellung ergab:

Brett 2: Mit seinem letzten Zug verteidigte Zdenek seinen Anspruch auf die a-Linie.

Da für beide Spieler ein risikoloses Spiel auf Gewinn kaum möglich war, bot Zdenek an dieser Stelle Remis an, das guten Gewissens angenommen wurde. (½-½)

An Brett 8 (W) leitete Miroslav Kalous gegen das abgelehnte Damengambit in die Katalanische Eröffnung über. Nach unkonventioneller Stellungsbehandlung seitens des Gegners, gelang es Mirek sich einen schönen Vorteil zu sichern:

Brett 8: Nach dem energetischen 9.e4 versprachen der Raumvorteil und die bessere Zentrumsbeherrschung Mirek schon früh ein aussichtsreiches Mittelspiel.

Da Schwarz ohne wirksames Gegenspiel blieb, erhöhte Mirek mit stoischer Ruhe den Druck auf seinen jungen Gegner Zug um Zug. Trotz einiger Ungenauigkeiten und verpasster Chancen blieb er immer am Drücker und nutzte schließlich einen Fehler zum entscheidenden Schlag:

Brett 8: Mit 23…b5 hätte sich der Forchheimer etwas Luft verschaffen können, doch er wählte 23…S8d7? und stand sofort auf Verlust.

Mirek nutzte die Gunst der Stunde und spielte 24.Ld6, was einen Qualitätsverlust zur Folge gehabt hätte. Sein Gegner wollte aber den Turm retten, spielte 24…Tb7?? und übersah dabei, dass er damit seiner Dame den Weg nach a6 versperrte und ihr somit sämtliche Fluchtfelder nahm. Nach der Folge 25.Tc1 Dd8 26.Sc6 war die Dame im eigenen Lager gefangen und da weiterer Widerstand zwecklos war, gab Schwarz auf. (1½-½)

An Brett 4 (W) landete Christian Müller nach einem englischen Aufbau durch Zugumstellung in der Schlechter-Variante der Slawischen Verteidigung oder der Fianchetto-Variante der Grünfeld-Indischen Verteidigung. Die Auguren sind sich da nicht ganz einig. Nach einem Bauerntausch auf d5 entstand eine symmetrische Bauernstellung mit eher statischem Charakter. Nach einer Ungenauigkeit seines Gegners gelang es Christian seinen leichten Entwicklungsvorsprung zu einer Initiative im Zentrum zu nutzen:

Brett 4: Aufgrund des Drucks gegen den rückständigen c-Bauern sah Christian richtigerweise die Zeit für gekommen das Zentrum zu öffnen und den Einfluss seiner Läufer zu erhöhen.

Die Aussichten für Christian schienen positiv, doch ein offensichtlicher Weg zu klarem Vorteil war nicht auszumachen. Die schwarze Stellung war zwar passiv aber fest und mit nur einer Schwäche stets verteidigungsfähig. Der Windischeschenbacher mühte sich nach Kräften, konnte aber nie mehr als eine leicht vorteilhafte Druckstellung erreichen:

Brett 4: Da kein konkreter Plan vorlag, entschied sich Christian zur Zugwiederholung 26.Se4 Td7 27.Sc5

Weil es auch für seinen Gegner keinerlei Grund gab auszuweichen, einigten sich die Kontrahenten hier auf Remis. In gewohnt sicherer Weise hatte Christian damit einen weiteren ELO-starken Forchheimer neutralisiert. (2-1)

An Brett 7 (S) verteidigte sich Stephan Schmahl sizilianisch und wurde mit der Moskauer Variante konfrontiert. Er wählte die anspruchsvollste Fortsetzung, um die Partie möglichst komplex zu gestalten. Sein Plan hatte insofern Erfolg als sein Gegner keinen zufriedenstellenden Plan fand und sich nach Aufgabe des Läuferpaars bereits in einer leicht schlechteren Stellung wiederfand:

Brett 7: Um weißes Gegenspiel mittels f4 zu unterbinden, entschied sich Stephan für das radikale 14…g5?!, was zwar nicht abwegig, aber übertrieben optimistisch war. Mit dem Standardmanöver 14…Ld8 zur Aktivierung seines Läufers hätte er stattdessen seinen leichten Vorteil risikolos behalten können.

Aufgrund der geschwächten Königsstellung wurde die Stellung nun schärfer und es kam auf beiden Seiten zu Ungenauigkeiten. Zum entscheidenden Faktor wurde aber die horrende Zeitnot des jungen Forchheimers, der im 20. Zug nur noch knapp zwei Minuten auf der Uhr hatte. Da er notgedrungen gezwungen war schneller zu ziehen, wählte er eine mehrzügige Abtauschkombination:

Brett 7: Nachdem er auf f2 einen Bauern verloren hatte, konnte der Gast mit 26.Dxf6+ Kxf6 27.Scd5+ Lxd5 28.Sxd5+ Ke6 29.Sxc7+ Txc7 zwar der Zeitkontrolle näher kommen, landete aber gleichzeitig in einem klar schlechteren und wahrscheinlich bereits verlorenen Endspiel.

Die restlichen Züge bis zur Zeitkontrolle versuchte der Forchheimer verzweifelt seine Stellung zu verteidigen, doch letztendlich konnte er den Materialnachteil nicht kompensieren und die Partie fand ein kurioses Ende:

Brett 7: Nach dem letzten Zug von Stephan 37…f4! war der weiße Läufer mitten im gegnerischen Lager gefangen!

Da gegen das kommende …Th5 und Läuferverlust kein Kraut mehr gewachsen war, gab sich der Weiße an dieser Stelle geschlagen. (3-1)

An Brett 5 (S) wählte Milo Müller in der Slawischen Verteidigung eine der zweischneidigsten Varianten, nahm sofort den Bauern c4 und verteidigte diesen mit …b5. Das weitere Geschehen spielte sich praktisch ausschließlich am Damenflügel und mit Abstrichen im Zentrum statt. Eingangs des Mittelspiels stand Milo vor der Frage, wie er seine Figurenentwicklung abzuschließen gedachte:

Brett 5: Nach dem richtigen 15…Sd7 bescheinigt der Computer dem Schwarzen einen leichten Vorteil aufgrund der Bauernmajorität am Damenflügel. Milo entschied sich aber für 15…Ta6?, was seine Figurenkoordination destabilisierte, was mit 25.Sc1-b3 am besten auszunutzen gewesen wäre.

Der Gast fand die stärkste Fortsetzung nicht und geriet wenige Züge später selbst in klaren Nachteil. Milo schloss seine Entwicklung ab, setzte seinen c-Bauern in Bewegung und stand überraschenderweise sofort auf Gewinn. Nach einigen weiteren Zügen war man in einem reinen Schwerfigurenendspiel gelandet, in dem der schwarze Freibauer der Garant für den Sieg war, als das Unfassbare geschah:

Brett 5: Mit dem richtigen Zug 33…h5! konnte Milo sich seiner einzigen (Grundreihen-)Schwäche entledigen und anschließend an die Verwertung seines Freibauern gehen. Doch leider unterlief ihm hier mit 33…Dd2?? ein echter Blackout.

Der Forchheimer sah und spielte 34.Td3!, wonach die Mattdrohung die Computerbewertung von ca. -5 zu +5 auf den Kopf stellte! Milo war gezwungen seine Dame zu geben und seinem König ein Luftloch zu verschaffen, was der Gast zur Blockade des Freibauern nutzte. Kurz nach der Zeitkontrolle konnte er durch Rückopfer der Dame schließlich in ein leicht gewonnenes Bauernendspiel abwickeln. Eine tragische Niederlage, aber Milo, wir wissen, was wir an Dir haben und es wird der Spieltag kommen, an dem Du zum strahlenden Helden werden wirst! (3-2)

An Brett 6 (W) entschied sich Carolin Werner für die Schottische Eröffnung. Nachdem man elf Zügen aktueller Theorie gefolgt war, gab es mit der langen Rochade von Weiß die erste Überraschung:

Brett 6: Bekannt ist 12.c5 mit einem leichten Vorteil für Weiß. Die Wahl von Carolin 12.0-0-0?! gefällt dem Computer nicht, verspricht aber einen zweischneidigen Kampf!

Die komplexe Stellung bot beiden Seiten reichlich Gelegenheiten fehlzugreifen. Und schließlich war es der Gast, dem der erste Fehler unterlief:

Brett 6: Der Nachteil des logisch aussehenden letzten schwarzen Zugs 16…Tad8? zeigt sich in der Variante 17.c5! Lxf1 18.cxb6 La6 19.bxc7, womit Carolin ein Tempo gewinnen, die schwarze Koordination stören und sich anschließend mittels 20.h5 ihrem Angriff am Königsflügel hätte widmen können.

Die Windischeschenbacherin ging aber mit 17.h5 sofort am Königsflügel vor und verlor nach 17…Da3+ 18.Kb1 d5 leider den Faden. Ihr eigener Angriff geriet ins Stocken während ihr Gegner die weiße Königsstellung aufbrechen und einen Bauern gewinnen konnte. Die entscheidende Angriffsfortsetzung fand aber auch er nicht und so ging der Kampf unverdrossen weiter. Im 26. Zug brach Carolin ohne Not alle Brücken hinter sich ab und setzte alles auf die Karte Königsangriff. Objektiv hätte es nicht reichen sollen, doch unter Zeitdruck sind Entscheidungen nicht leicht zu treffen:

Brett 6: Gewonnen hätte 31…Ke6! doch der Forchheimer spielte 31…Kd7?? und musste sich nach 32.e6+ Kc8 33.Dxa5 von seiner Dame verabschieden.

Solchermaßen aus der Bahn geworfen, fand der Gast nicht mehr zurück ins Spiel, ließ einige Möglichkeiten zu einer erfolgreichen Verteidigung aus und musste sich schließlich im 49. Zug geschlagen geben. (4-2)

An Brett 1 (S) wurde Tobias Brunner in der Caro-Kann Verteidigung von seinem namhaften Gegner mit dem Panov-Angriff konfrontiert. In einer der Hauptvarianten opferte Tobias mutig einen Bauern und erhielt dafür schöne Kompensation in Form einer aktiven Figurenstellung:

Brett 1: Weiß hat zwar einen Mehrbauern auf d4, doch die aktiven schwarzen Figuren kontrollieren das Zentrum und halten diesen in Schach.

Beide Spieler lavierten nun für eine ganze Weile ohne dass sich an der Stellungsbewertung etwas geändert hätte, als dem Großmeister ein erstaunlicher Lapsus unterlief:

Brett 1: Angezeigt war 26.Txc8 Txc8 27.Tc1, gefolgt von Sf4 mit Vorteil, doch Weiß spielte sofort 26.Sf4?? und lief in eine Taktik, die ihn die Partie kosten sollte.

Tobias ließ sich nicht zweimal bitten, tauschte auf c1 und entkorkte anschließend 26…Txe3!, womit er nicht nur seinen Bauern zurück bekam, sondern die weiße Stellung auch noch irreparabel schwächte. Kurze Zeit später gewann er auch noch den Bauern d4 und stand mit der besseren Leichtfigur klar auf Gewinn. Der Forchheimer wehrte sich nach Kräften, doch am Ende vermochte auch er die Niederlage nicht mehr abzuwenden:

Brett 1: Nach seinem letzten Zug 47…Tf3 war auch der letzte weiße Bauer verloren.

Angesichts der verbundenen Freibauern und des eigenen abgeschnittenen Königs gab GM Jansa hier auf. Ein fantastischer Erfolg für Tobias und die endgültige Sicherstellung des Mannschaftssiegs. (5-2)

An Brett 3 (S) vertraute Philipp Merk der Russischen Verteidigung, die von seinem Gegner mit der Modevariante 4.d4 beantwortet wurde. Nach Tausch der beiden Zentralbauern und der Damen blieb ein ungewöhnliches Endspiel mit jeweils beiden Türmen und allen vier Leichtfiguren auf dem Brett, das vom Computer als völlig ausgeglichen beurteilt wird:

Brett 3: Mit seinem letzten Zug 17…Le6 hatte Philipp die Stellung erfolgreich ausgeglichen.

Der Gast versuchte hartnäckig das Spiel zu verkomplizieren, doch Philipp folgte stur seinem Plan, mehr und mehr Figuren abzutauschen, um bis zur Zeitkontrolle schließlich in einem reinen Leichtfigurenendspiel mit Läufer gegen Springer zu landen:

Brett 3: Nachdem die Engine-Bewertung schon seit 20 Zügen keinen Millimeter von der 0,00 abgewichen war, gab es auch nach dem letzten Zug von Philipp kein Durchkommen mehr für den Weißen.

Der Gast zog die Partie zwar noch weitere 15 Züge in die Länge, doch am Ende musste er das Unvermeidliche akzeptieren und ins Remis einwilligen. (5½-2½)

Dieser Erfolg sichert endgültig die Klasse und bringt uns obendrein mitten rein ins Aufstiegsrennen mit drei Endspielen in den letzten drei Runden. Sollten wir unsere Leistung konservieren können, werden wir im Kampf um den Meistertitel mit Sicherheit nicht chancenlos sein.

In drei Wochen starten wir mit dem absoluten Spitzenkampf beim Tabellenführer Fürth:

Mit einem Sieg könnten wir vorläufig den Gipfel erklimmen, aber auch ein Unentschieden wäre noch nicht das Ende aller Träume, die ja bekanntlich erlaubt sind.

Da wir einen Aufstieg weder angepeilt noch erwartet haben und schon gar nicht darauf angewiesen sind, können wir erneut völlig unbeschwert antreten, alle unser Bestes geben und am Ende sehen, was dabei herauskommt.

Wichtiger Sieg im Abstiegskampf der zweiten Mannschaft

Nach der deutlichen Auswärtsniederlage gegen den SK Kelheim rutschten wir auf den achten Tabellenplatz ab, sodass am sechsten Spieltag gegen den tabellenvorletzten SG Post/Süd Regensburg eine wichtige Begegnung für den Klassenerhalt der zweiten Mannschaft bevorstand.

Am dritten Brett (S) wählte Johannes Denz die sizilianische Verteidigung. Die Partie war nur von kurzer Dauer und man einigte sich bereits nach wenigen Zügen auf Remis. (½-½)

Stefan Simmerl eröffnete am sechsten Brett (W) mit dem Colle-System. Beide Seiten beendeten ihre Entwicklung und erreichten eine ausgeglichene Stellung, ehe sich auch hier auf Remis geeinigt wurde. (1-1)

Bedrich Prochazka eröffnete am vierten Brett (W) mit dem Königsbauern und sein Gegner verteidigte sich französisch. In der Abtauschvariante wiederholte Schwarz in gleicher Stellung lange Zeit die weißen Züge, bevor Bedrich mit einem Bauernhebel das Zentrum öffnete. Hier verlief sich der Regensburger Spieler in einer Taktik und musste fortan mit einem Minusbauern weiterspielen:

Nach 19. …f6 gewinnt Bedrich mit 20. Sxg6 einen Bauern. Zwar kontrollierte Schwarz nach dem Tausch der Türme auf der e-Linie die offene Linie, doch der Schein trog:
Nachdem der scheinbar aktivere Turm sich am b2-Bauern bediente, fand Bedrich den starken Zug 24. Te1!, der die Partie bereits entscheidet. Um die schwache Grundreihe zu decken, spielte der Regensburger noch 24. …Se7, gab sich aber nach 25. De8+ mit weiterem Materialverlust geschlagen. (2-1)

Elsbeth Horther-Schneider wählte an Brett sieben (S) die Holländische Verteidigung. Während Elsbeth neben ihrem frühen f5 auch g5 spielte, um ihren Angriff auf den weißen König vorzubereiten, konnte der Weiße durch Bauernvorstöße am Damenflügel Raum gewinnen und dort Druck aufbauen. Zwar räumt der Computer dem Weißen durch die gedrückte schwarze Stellung einen Vorteil ein, aus spielerischer Sicht war durch den anstehenden Königsangriff der Ausgang aber ungewiss. So einigte man sich wenig später auf Remis, bevor die Partie in die eine oder die andere Richtung kippen konnte. (2½-1½)

Am zweiten Brett (W) eröffnete Jindrich Novak mit dem Londoner System. Bereits früh wich die Partie von bekannten Theoriepfaden ab, als Jindrich seinen schwarzfeldrigen Läufer gegen den Springer auf b8 abtauschte. Die entstandene Stellung erinnerte mehr an ein Stonewall-System:

Beide Parteien konnten einen starken Springer auf d5 beziehungsweise d4 etablieren. Jindrich wählte hier den Bauernhebel b4, um Spiel am Damenflügel zu schaffen. Nachdem beide Springer im Zentrum abgetauscht wurden, entstand eine Stellung mit eigentlich starker schwarzer Initiative:
Der weiße Springer auf c4 ist deplatziert. Statt mit 20. …Tf-c8 einen Bauern zu gewinnen, entschied sich der Regensburger für 20. …Lb5. Jindrich opferte die Qualität mit 21. Sd6 und nach einem überfrühten Bauernhebel kippte die vorher ausgeglichene Stellung zu unseren Gunsten:
Durch das Vorziehen des schwarzen Bauerns nach a5 war der Weg frei für die weißen Bauern. Auch das Zurückgeben der Qualität war nicht ausreichend und der c- und d-Bauer drohten umzuwandeln. Schwarz ließ sich das nicht mehr zeigen und gab sich im 27. Zug geschlagen. (3½-1½)

Am fünften Brett (S) verteidigte sich Rudolf Schön sizilianisch. Sein Gegner wählte den Rossolimo-Angriff und konnte in der Eröffnung einen angenehmen Raumvorteil erreichen. Rudolf konnte im Mittelspiel das weiße Zentrum mit einem Bauernhebel aufbrechen, woraufhin der Regensburger ein taktisches Opfer übersah:

Nach 19. Se4 opferte Rudolf mit 19. …Txf3. Der Turm kann nicht zurückgeschlagen werden, da ein schwarzer Springer nach f4 gelangt und der Bauer auf h3 nicht mehr gedeckt werden kann.

Nach 20. De2 übersah Rudolf aber, dass er seinen Turm nach f5 zurückspielen kann. Stattdessen gab er seinen Turm für den Läufer auf e3 und konnte einen starken Springer auf f4 etablieren. Rudolf opferte später erneut eine Figur auf h3, trotz der besseren Stellung war der Gewinnweg aber nicht leicht zu finden. Im Mannschaftssinne nahm er schließlich das Remisgebot seines Gegners an, da Rudolf Schickers Partie zu diesem Zeitpunkt schon klar auf Gewinn stand. (4-2)

Rudolf Schicker wählte am achten Brett (W) die Réti-Eröffnung. Sein Gegner musste bereits in der Eröffnung einige Zugeständnisse machen und seine Figuren standen als Folge nicht optimal. Bei einem vermeintlichen Befreiungsschlag übersah der junge Regensburger einen weißen Läufer auf f1 und verlor eine Figur. Ohne Kompensation war die Partie nicht mehr zu retten und Rudolf entschied trotz langer Gegenwehr den Mannschaftskampf schließlich für uns. (5-2)

Am ersten Brett (S) spielte Liliane Pavlov gegen die Alapin-Variante der Sizilianischen Verteidigung. Der Regensburger Spieler erreichte einen Raumvorteil und konnte so seine Leichtfiguren besser aktivieren. Liliane musste derweil einige Züge investieren, um ihre eigenen Läufer zu entwickeln, sodass der Weiße Zeit hatte, mit einem gedeckten Turm das Feld d6 zu besetzen. Dieser ließ sich trotz drohenden Qualitätsgewinns nicht vertreiben, da ansonsten die schwarzen Felder um den König zu sehr geschwächt wären:

Mit 23. …Ld7 versuchte Liliane ihre Stellung zu entlasten und selbst Druck auf den Turm d6 und den Bauern c3 aufzubauen. Weiß antwortete 24. Lg5 und erzwang damit 24. …Lxd6.

Weiß wählte hier zwar den schwächeren 25. exd6, stand damit aber immer noch auf Gewinn, da der Läufer nach f6 gelangte und der schwarze König dadurch zunehmend in Bedrängnis geriet. Das Matt war ohne großen Materialverlust nicht mehr zu verhindern und Liliane musste sich geschlagen geben. (5-3)

Trotz des wichtigen Siegs gegen einen Konkurrenten im Abstiegskampf hatten in den übrigen Begegnungen zumeist die Favoriten das Nachsehen, sodass wir uns nach wie vor in Abstiegsgefahr befinden:

Harter Kampf der Dritten um die Tabellenspitze in der Kreisliga 1

Am 25. Januar trat unsere dritte Mannschaft in der Kreisliga 1 zum Auswärtsspiel gegen die erste Mannschaft der Spielgemeinschaft Neustadt/Luhe an. Bereits bei der Aufstellung zeigte sich, dass die Neustädter es wirklich ernst meinten, und uns in Bestbesetzung die Tabellenführung streitig machen wollten. Uns war klar, dass es sehr schwer werden könnte. Aber auch wenn wir an allen sechs Brettern nominell unterlegen waren, war auch unsere Aufstellung nicht zu verachten. Es sollte tatsächlich ein sehr spannendes und umkämpftes Duell werden.

Der Auftakt war aber so gar nicht nach unserem Geschmack, als Svatoslav Zitek an Brett 2 eine eher seltene Variante im Sizilianer spielte. Nach 1.e4 c5 2.Sf3 a6 kann Schwarz nach 3.d4 in manchen Varianten vom frühen a6 profitieren und z.B. nach 5….cd 6.Sd4 e5 spielen, ohne dass Weiß das Feld b5 für seinen Springer zur Verfügung hat, wie z.B. in der Löwenthal-Variante oder der Lasker-Pelikan-Sweshnikov-Variante. Der Neustädter Gegner wählte aber den Übergang in die Alapin-Variante mit 3.c3, was eine gängige Empfehlung der Theorie darstellt. Am Rande sei noch bemerkt, dass John Nunn in seinem Werk „Beating the Sizilian“ 3.c4 empfiehlt. Svatoslav kam in der Folge nicht gut mit dem Verlauf klar, parkte dann im achten Zug auch noch einen Läufer ungedeckt auf g4, wonach Weiß schon das Scheinopfer seines Läufers auf f7 anbringen konnte. Die schwarze Stellung war danach eine Ruine und nach 16 Zügen und wenig mehr als einer Stunde Spielzeit ging Neustadt in Führung.

Am sechsten Brett hatten sich zwei Schnellspieler mit unkonventionellem Stil gefunden. Schon nach dem dritten Zug von Weiß war eine Stellung auf dem Brett, die selbst in einer Datenbank mit Millionen von Partien noch nicht vorgekommen ist (1.e3 g6 2.d3 Lg7 3. a3). Florian Süß mit den schwarzen Steinen konnte im weiteren Verlauf taktisch einen Bauern gewinnen. Während man sich an den anderen Brettern noch Gedanken um die Eröffnung oder einen Übergang ins Mittelspiel machte, war an diesem Brett schon ein Turmendspiel entstanden. Florian hielt seinen Mehrbauern fest, drang schließlich auch noch mit seinem König in die gegnerische Stellung ein und stellte somit den Sieg für sich und den Ausgleich für die Mannschaft her.

An Brett 1 wurde Michael Betz mit Weiß in einer Variante (die irgendwo zwischen Grünfeldindisch und Slawisch anzusiedeln ist), mit der er bisher 3,5 Punkte aus vier Partien holen konnte, von einem interessanten Plan von Schwarz überrascht. Er konnte sich nicht an die Empfehlung in seinem d4-Repertoir-Buch erinnern, folgte aber ohne es zu wissen einer Partie Svidler – Giri, bis sein Gegner im 12. Zug abwich. Die Stellung bewegte sich im ausgeglichenen Bereich, bis Michael merkte, dass er im 18. Zug einen vermeintlich falschen Weg eingeschlagen hatte. Die Variante wäre trotzdem, wie ursprünglich geplant spielbar gewesen, wie der Computer zeigt. Die Stellung nach der Planänderung gestaltete sich deutlich besser für Schwarz und in bereits sehr guter Stellung fand Schwarz auch noch eine starke Fortsetzung. Er zog einen angegriffenen Springer nicht weg, wonach Weiß nur etwas schlechter gestanden wäre, sondern konterte mit einem Zwischenzug, der Michael völlig entgangen war. Die Stellung mit einer Qualität weniger gab ohnehin keine große Hoffnung mehr, aber Michael patzte gleich noch einmal und gab im 25. Zug auf, als er feststellen musste, dass seine Dame keine Felder mehr hatte. Somit waren die Gastgeber wieder in Führung gegangen.

Nur etwa 15 Minuten später konnte aber Simon Lamm, der am fünften Brett mit Weiß wieder einmal das Londoner System aufs Brett brachte den Ausgleich wieder herstellen. Simons Gegner sah sich nach einem Läufertausch auf g3, noch vor der weißen Rochade allerhand Gefahren ausgesetzt, wobei die Stellung laut Computer ausgeglichen war. Erst ein verfehlter Versuch des Neustädters, die Stellung geschlossen zu halten brachte Simon einen Mehrbauern bei sehr guter Stellung ein. In der Folge verlagerte sich der weiße Druck auf einen rückständigen Bauern in der e-Linie. Schwarz suchte sein Heil noch in einem Springeropfer, nach dessen Annahme die weiße Dame fallen würde. Simon rechnete aber weiter, nahm den Springer und gewann in der folgenden Abwicklung die Dame zurück. Somit hatte er einen Springer mehr, so dass der Neustädter sich geschlagen gab.

Jetzt aber sollte es an den zwei verbliebenen Brettern erst richtig dramatisch werden. Beide Stellungen waren für Spieler und Zuschauer schwer einzuschätzen.

Markus Schwengler hatte am vierten Brett mit Schwarz die Königsindische-Verteidigung gewählt. Wie so oft in dieser Eröffnung kam Markus zu einem Angriff gegen den weißen König. Dazu hatte er einen Bauern ins Geschäft gesteckt. Ein verlockendes Turmopfer erschien ihm dann aber zu riskant. Objektiv gesehen die richtige Entscheidung, das Opfer wäre nicht korrekt gewesen. Die Stellung befand sich in einem dynamischen Gleichgewicht, aber langsam wurde die schwarze Initiative stärker. Es kam zum Tausch der schwarzen Dame gegen die beiden weißen Türme und es war schwer einzuschätzen, wer die besseren Aussichten haben würde. Beide Spieler hatten noch sechs Bauern und einen Springer. Der Computer bevorzugt eindeutig Schwarz, aber am Brett ist alles nicht so klar. So war schon nach dem nächsten schwarzen Zug die Stellung wieder ausgeglichen. In der Folge ließen sich beide Kontrahenten nichts zu schulden kommen, bis die Zeitkontrolle näher rückte. Im 39. Zug unterlief Markus ein Missgeschick, das der Gegner ausnutzte und einen Bauern schlug. Hätte Markus den ungedeckten Turm geschlagen, wäre für den zweiten Turm die schwarze Dame verloren gegangen und das Bauernendspiel wäre verloren gewesen. So blieb nur ein anderer Zug und zumindest die Zeitkontrolle war geschafft.
Jetzt dachte der Neustädter lange nach, fand aber den studienartigen Gewinnweg nicht. Wie so oft im Schach ist alles so logisch, wenn man die Lösung gezeigt bekommt. Am Brett, noch dazu nach einer komplizierten Partie ist nicht immer alles offensichtlich. Nach einer Zugwiederholung einigte man sich auf Remis.

Ausgerechnet der gesundheitlich angeschlagene Rudolf Schicker musste an Brett 3 die längste Partie spielen, die zudem auch noch recht kompliziert verlief. In der Reti-Eröffnung wählte sein Gegner eine seltene Variante, in der er im vierten Zug einen Zentrumsbauern im Tausch gegen einen Flügelbauern anbietet. Schon im sechsten Zug waren die Pfade der Theorie verlassen und die Partie verlief im ausgeglichenen Bereich, wobei der Computer Schwarz leicht im Vorteil sieht. Im 15. Zug unterläuft dem Neustädter Spieler ein Fehler, den Rudi taktisch ausnutzt und einen Bauern gewinnt. Im daraus resultierenden Schlagabtausch verpasst er aber einen Zwischenzug, der zu einem Figurengewinn geführt hätte. So kann Schwarz den Bauern letztendlich zurückgewinnen und es kommt zu einem ausgeglichenen Endspiel. Bei jeweils 4 Bauern und Dame hat Rudi einen Läufer, sein Gegner einen Springer. Dame und Springer arbeiten oft besser zusammen, als Dame und Läufer und somit lehnte der Neustädter ein Remisangebot ab und spielte auf Gewinn. Rudi verteidigte sich aber gut und konnte die Stellung immer ausgeglichen halten. Im 46. Zug kam es dann zu einer kritischen Situation, als Schwarz den Damentausch anbot. Verständlicherweise wollte Rudi diese starke Figur los werden, aber es wäre objektiv besser gewesen, die Damen auf dem Brett zu lassen. In der Folge wäre der schwarze Springer dem Läufer überlegen gewesen, aber Schwarz setzte ungenau fort und die Stellung war wieder im Gleichgewicht. Beide Spieler hatten noch zwei Bauern und Rudi konnte im 55. Zug seinen Läufer für einen Bauern opfern. Hätte Schwarz den Läufer geschlagen, dann wäre auch sein letzter Bauer gefallen. Das verbleibende weiße Duo hätte einen gefährlichen Eindruck gemacht. Mit der Unterstützung der Engine zeigt sich aber, dass Schwarz gerade so das Remis halten konnte, während nach seiner Fortsetzung Weiß auf Gewinn stand. Aber nach der anstrengenden Partie war es am Brett nicht so einfach. Im 61. Zug mit Läufer und Bauer gegen Springer zeigt der Computer noch immer einen Gewinn für Weiß an. Die dafür notwendigen studienartigen Manöver sind aber am Brett nach einer langen Partie kaum zu finden. Ich (Betz Michl) habe mich in den letzten Tagen ausgiebig mit der Stellung befasst und trotz Computerunterstützung sind mir noch nicht alle Feinheiten klar. Wer mag kann sich gerne auch damit beschäftigen!

Weiß: Kf7, La6, g6
Schwarz: Ke3, Sh5

Weiß am Zug

Kleiner Tipp: Eine wesentliche Verteidigungsidee von Schwarz ist Sg3 und nach g7 folgt Sf5 mit der Gabel auf h6 wenn der Bauer verwandelt wird. Mit dem schwarzen König auf g5 funktioniert diese Verteidigung aber nicht, weil der Bauer mit Schach verwandelt wird. Sollte der schwarze König allerdings ungestraft h6 erreichen ist kein Gewinn mehr möglich, weil der Springer zwischen h5, g7 und e8 pendeln kann.
Verwirrend ist, dass es nicht einen ganz konkreten Weg zum Gewinn gibt, sondern mehrere Varianten möglich sind.

Nachdem Rudi 62. Kg8 gespielt hatte konnte Schwarz mit Sf4 sofort sicher stellen, dass der Bauer nicht zur Dame werden kann.

Somit war also der letztendlich gerechte 3 – 3 Endstand hergestellt und wir sind weiterhin Tabellenführer, nachdem auch der weitere Konkurrent Oberviechtach unentschieden gespielt hatte.