1. Mannschaft verteidigt Tabellenführung

Im letzten Heimspiel der Saison empfingen wir am 22. März im Feuerwehrhaus den abstiegsgefährdeten SC Jäklechemie aus Nürnberg. Die Vorzeichen waren für beide Mannschaften klar: nur ein Sieg würde helfen die selbst gesteckten Ziele noch zu erreichen. In erneut unveränderter und stärkster Aufstellung wollten wir unbedingt unseren Heimvorteil nutzen, um so das Traumfinale am letzten Spieltag Wirklichkeit werden zu lassen. Der auf dem Papier nahezu gleichstarke Gegner machte uns das Leben wie erwartet schwer und erst als Fortuna uns zulächelte, kamen wir schließlich zu einem äußerst knappen 4½-3½ Sieg.

An Brett 2 (W) landete FM Zdenek Haba durch Zugumstellung in einer Modevariante der Katalanischen Eröffnung. Nachdem man lange auf bekannten Pfaden gewandelt war, erreichte man eine optisch für Weiß ansprechende, aber in Wirklichkeit völlig ausgeglichene Mittelspielstellung:

Brett 2: Nachdem vorher bereits zweimal die Züge wiederholt wurden, hätte Zdenek an dieser Stelle mittels 20.Sc4 ein Remis forcieren können, doch er wollte weiterspielen und wählte 20.Df3. Eine zu so frühem Zeitpunkt im Match nachvollziehbare Entscheidung, zumal mit den weißen Steinen.

Die Gretchenfrage sollte sich wenige Züge später stellen:

Brett 2: Der Nürnberger hatte soeben 27…b6 gezogen um den weißen Springer zu befragen.

Eventuell beeinflusst durch seine vorherige Wahl einem Remis auszuweichen, sah sich Zdenek in der Pflicht seine Entscheidung zu rechtfertigen und nahm den Bauern auf a6. Per se kein Fehler, doch fortan musste er sich dauerhaft Sorgen um seinen am Brettrand gestrandeten Gaul machen. In nur leicht schlechterer Stellung unterlief ihm dann aber kurz vor der Zeitkontrolle ein schwerer Fehler, der den sofortigen Verlust zur Folge hatte. (0-1)

An Brett 8 (W) musste sich Miroslav Kalous mit der Polnischen Eröffnung beschäftigen. Der Nürnberger behandelte die Stellung zunächst gut, hätte nach einer Ungenauigkeit aber dennoch ins Hintertreffen geraten können:

Brett 8: Nach dem einfachen 8…dxc4 hätte Schwarz keine Probleme gehabt, doch er wählte 8…Sbd7? und hätte sich nach 9.c5! in einer passiven Stellung wiederfinden können. Diese Möglichkeit verpasste Mirek, spielte 9.Dc2?! und nach 9…c5 waren die Chancen völlig ausgeglichen.

Auch im Mittelspiel gelang es dem Windischeschenbacher nicht nennenswerten Druck gegen die schwarze Stellung aufzubauen, so dass vieles bereits auf einen friedlichen Ausgang hindeutete. Die Vorentscheidung fiel dann aber plötzlich und unerwartet im 17. Zug:

Brett 8: Statt mit 17…h6! 18.Sf3 Da5 seine Chancen intakt zu halten und sogar leicht besser zu stehen, zog der Nürnberger sofort 17…Da5? und verlor nach der forcierten Folge 18.Lxc5 Sxc5 19.Sxc5 Lxc5 20.dxc5 den entscheidenden Bauern.

Der Versuch sich dem Vorrücken des Freibauern entgegen zu stemmen, brachte den Gastspieler vom Regen in die Traufe, da er sich zusätzlich einem Angriff gegen seinen König ausgesetzt sah, den er nicht mehr abzuwehren vermochte. (1-1)

An Brett 6 (W) bekämpfte Carolin Werner die Russische Verteidigung mit einer Nebenvariante, die zwar laut Theorie keinen echten Vorteil verspricht, sich in der Partie aber als unerwartet gut für Weiß entpuppte. Ihr Gegner wählte einen langsamen Aufbau, der Carolin einen Entwicklungsvorsprung einräumte, den sie zu einer leichten Initiative nutzen konnte. Und gerade als der Schwarze diese neutralisiert zu haben glaubte, fand die Windischeschenbacherin eine fantastische Idee:

Brett 6: Der vorwitzige Springer konnte wegen Qualitätsverlust nicht genommen werden und die Rochade hätte nach 15.Se7+ Kh8 16.Sxc8 Taxc8 17.Lxb7 gleich zwei Bauern eingebüßt!

Guter Rat war also teuer und kostete den Nürnberger eine Menge Bedenkzeit. Am Ende kam es wie so häufig. Je länger man überlegt, desto schlechter das Ergebnis. Der letztendlich ausgeführte Zug 14…Le6? führte nach 15.Sa5 zu einer Verluststellung, da Materialverlust nicht mehr zu vermeiden war. Wahrlich sehenswert war die anschließende Abwicklung in ein leicht gewonnenes Endspiel:

Brett 6: „Der Täter kommt immer zum Tatort zurück“ lautet ein altes Sprichwort, das für die Schlusskombination von Caro wie die Faust aufs Auge passte!

Mit der forcierten Abfolge 17.Sc6! Txb7 18.Td8+ Kf7 19.Txh8 Lxh8 20.Sd8+ Ke7 21.Sxb7 gewann Carolin zusätzlich zum Mehrbauern auch noch eine Qualität und stand glatt auf Gewinn. Das Läuferpaar gab dem Gegner zwar noch etwas Hoffnung auf Rettung, doch Caro machte auch diese durch Rückgabe der Qualität und Transformation zu zwei Mehrbauern zunichte. Ein beeindruckender Sieg! (2-1)

An Brett 5 (S) geriet Milo Müller mit seinem super-beschleunigten Drachen schon nach wenigen Zügen in eine unbequeme Stellung, die auch im Mittelspiel nicht besser wurde:

Brett 5: Nach nur 17 Zügen war es für Milo bereits schwierig überhaupt noch einen sinnvollen Zug zu finden. Die Engine bewertet die Stellung entsprechend leider schon als klar gewonnen für Weiß.

Doch Milo ließ sich nicht unterkriegen, stellte sich auf die Hinterbeine und verteidigte sich mit aller Kraft und stoischer Ruhe. Beeindruckt von der Hartnäckigkeit seines Gegenüber geriet der Nürnberger ins Straucheln und verspielte seinen Vorteil fast vollständig bis es noch einmal zu einem Herzschlagmoment kam:

Brett 5: Nach dem letzten Zug 31.f3? ist die Stellung wieder völlig ausgeglichen, was Milo mit 31…Sg3 hätte belegen können. Doch in einem Augenblick der Unachtsamkeit spielte er 31…Dg3?? und hätte nach 32.Txe4! doch noch den Kürzeren ziehen können.

Zu unserem Glück übersah der Weiße diese Möglichkeit, wählte 32.De2?? und konnte mehrfachem Figurentausch nicht mehr ausweichen. Die Partie verflachte zusehends und endete in einem Bauernendspiel das tot Remis war. Ein glücklicher halber Punkt nach einem denkbar ungünstigen Eröffnungsverlauf. (2½-1½)

An Brett 4 (W) eröffnete Christian Müller mit dem Königsspringer und landete nach dem Umweg über Englisch in der Maroczy-Formation der Sizilianischen Drachenvariante. Im Mittelspiel neutralisierte man sich gegenseitig mit den für die bekannte Zentrumsformation (c4 & e4 gegen d6 & e7) typischen Manövern. Der Engine gefällt die weiße Stellung zwar praktisch durchgängig besser, doch konkrete Ansatzpunkte für etwas Greifbares gab es nicht. Interessant wurde es schließlich im resultierenden reinen Schwerfiguren-Endspiel:

Brett 4: Die Stellung ist ausgeglichen, erfordert aber von beiden Parteien höchste Präzision und Aufmerksamkeit. Mit 30.Da8+ Kg7 31.Da1+ hätte Christian hier ein Remis forcieren können, doch er wollte mehr und spielte 30.De5?? Danach hätte ihn 30…Dd2 31.Dg3 Tc3! in ernste Schwierigkeiten bringen können, da das Objekt der Begierde auf d6 ersatzlos verloren gegangen wäre.

Zu unserem Glück wählte die Nürnbergerin aber 31…Tc1? und vergab damit eine gute Möglichkeit die Partie zu ihren Gunsten zu gestalten. Es folgte eine lange Serie von Schachgeboten, die nach Damentausch schließlich zu einem spannenden aber völlig ausgeglichenen Bauernendspiel führten:

Brett 4: Die nicht einfach korrekt einzuschätzende Stellung war laut Engine mit 40…b5 oder 40…h6 Remis zu halten, doch die Gastspielerin erwischte direkt vor der Zeitkontrolle mit 40…Kd7?? genau den falschen Zeitpunkt für einen Königszug und gab Christian damit Gelegenheit zu einem studienartigen Gewinn.

Wer würde glauben und vor allem berechnen können, dass in dieser Stellung der weiße e-Bauer gegen den freien schwarzen b-Bauern das Rennen macht? Gewonnen hätte 41.Kg5! Ke6 (sonst 42.Kf6+-) 42.Kh6! b5 43.Kg7! b4 44.d7!! (des Pudels Kern!) Kxd7 45.Kxf7 b3 46.e6+ (der entscheidende Tempogewinn!) Kd6 47.e7 b2 48.e8D b1D 49.De7+ Kd5 50.Kg7 und das Damenendspiel ist für Schwarz wegen seiner schwachen Bauern nicht zu halten.

Es ist sicher keine Schande, dass Chris diese Variante nicht fand, doch die Partie war noch nicht zu Ende. Zwei Züge später bekam er die gleiche Chance noch einmal, doch leider ging er erneut an seinem und unserem Glück vorbei. Eine dritte Gelegenheit bekam er nicht mehr und als das Brett komplett leer gefegt war, wurde das Remis unterzeichnet. Eine wahrlich lehrreiche Partie! (3-2)

An Brett 3 (S) wählte Philipp Mark mit Damenindisch eine Verteidigung, die ihm schon häufig gute Dienste geleistet hatte. Sein Gegner war offensichtlich sehr gut vorbereitet, da sein erstes Dutzend Züge wie aus der Pistole geschossen kamen. Den Raumvorteil von Weiß hoffte Philipp langfristig mit dem Läuferpaar kompensieren zu können:

Brett 3: Der logisch erscheinende Zug war 17.a4, doch der Nürnberger wollte vermutlich den schwarzen Vorstoß …e4 unterbinden und stellte deshalb seinen eigenen Bauern ins Zentrum. Damit spielte er aber Philipp in die Karten, denn für Aktionen in diesem Brettabschnitt war er besser gerüstet.

Durch den radikalen Szenenwechsel verlor der Gastspieler den Faden. Philipp nutzte dessen Ungenauigkeiten zur Aktivierung seiner Figuren und gewann einen wichtigen Bauern:

Brett 3: Nach dem einfachen 25…dxc5 war plötzlich der Bauer d5 ungedeckt und Materialverlust für Weiß nicht mehr zu verhindern.

In der Folge setzte sich der Abwärtstrend für den Nürnberger fort und führte schnurstracks in ein verlorenes Doppelturm-Endspiel mit zwei Minusbauern. Dessen Verwertung bereitete Philipp keinerlei Schwierigkeiten und führte nach 52 Zügen zur Aufgabe. (4-2)

An Brett 1 (S) nutzte Tobias Brunner in einem Abgelehnten Damengambit den Umstand, dass sein Gegner lange auf die natürliche Entwicklung Sc3 verzichtete, zu einem frühen Einsteigen mit seinem Königsspringer auf e4 und einer günstigen Transformation zum Holländischen Stonewall. Der verdiente Lohn war eine unerschütterliche Stellung, die, wenn überhaupt, nur ihm Chancen auf Vorteil bot:

Brett 1: Sehr stark wäre an dieser Stelle 16…c5! gewesen mit der Idee 17.cxd5 c4! 18.Dc2 exd5 und klar besserer Stellung für Schwarz hauptsächlich aufgrund der aktiveren Läufer.

Tobias ging jedoch zurückhaltender vor und und musste sich mit einem nur symbolischen Vorteil begnügen. Ein von langer Hand vorbereiteter Durchbruch am Damenflügel brachte ihm zwar einen Bauerngewinn, doch leider keine echten Siegchancen:

Brett 1: In der vorliegenden Stellung konnte Tobias mit seinem Mehrbauern keine Fortschritte erzielen, da das weiße Gegenspiel am Königsflügel stark und schnell genug war, um das Gleichgewicht zu halten.

Schließlich einigte man sich per Zugwiederholung auf ein Remis, was uns den noch benötigten halben Punkt zum Mannschaftssieg bescherte. (4½-2½)

An Brett 7 (S) musste sich Stephan Schmahl mit der Abtausch-Variante der Französischen Verteidigung auseinandersetzen. In dem für seine Remistendenz bekannten Abspiel nahm Stephan freiwillig einen Isolani und die Aufgabe des Läuferpaars in Kauf, um zumindest die Chance auf ein Ungleichgewicht am Leben zu erhalten. Leider fand er nicht rechtzeitig das Bremspedal in Form des gesunden Menschenverstands und überzog seine Stellung vollkommen:

Brett 7: Trotz reichlich vorhandener Möglichkeiten, die Partie zumindest ausgeglichen zu gestalten, hielt Stephan an seinem unrealistischen Wunsch fest, auf Gewinn zu spielen und entschied sich für den denkbar schlechtesten Zug 15…Sge5?, der ihn nach dem einfachen 16.Tad1 in Teufels Küche brachte.

Nach dem unvermeidbaren Verlust seines Zentralbauern war Stephan auf dem harten Boden der Realität angekommen und konnte nur noch verzweifelt um ein Remis kämpfen. Enttäuscht über seine eigene schlechte Leistung fand er unter Zeitdruck keine erfolgversprechende Verteidigung und landete in einem denkbar ungünstigen reinen Springerendspiel. Der Nürnberger ließ sich nicht beirren und verwertete seinen Materialvorteil sicher. Eine unterirdische Performance, die glücklicherweise von den Mannschaftskameraden aufgefangen wurde. (4½-3½)

Mit dem Gewinn dieses Kampfes konnten wir unsere Tabellenführung erfolgreich verteidigen und bekamen obendrein bereits einen Vorgeschmack auf die anstehende Nervenschlacht am letzten Spieltag beim direkten Verfolger Altensittenbach. Die aktuelle Tabelle verdeutlicht wie eng es an der Spitze zugeht:

Nur ein Sieg garantiert die Meisterschaft und den Aufstieg in die Landesliga! Bei einem 4-4 Unentschieden wäre wahrscheinlich die SG Fürth der lachende Dritte, da sie zu Hause gegen Schlusslicht Kareth-Lappersdorf gute Chancen hat uns nach Brettpunkten noch abzufangen.

Das Liga-Orakel räumt uns vor dem Showdown die besten Chancen ein:

Am 26. April werden wir sehen, was am Ende herauskommt. Mit einer ähnlich guten Einstellung wie beim Kampf in Fürth stehen uns alle Türen offen. Wir haben es selbst in der Hand!

Aus im Viererpokal

Nach den Erfolgen der vergangenen Jahre stand der Viererpokal für uns in diesem Jahr unter keinem guten Stern. Nach dem Freilos in der Hauptrunde trat unser Gegner im Achtelfinale nicht an, so dass wir erst im Viertelfinale am 15. März zum ersten Mal in dieser Saison an die Bretter gingen. Leider auch bereits zum letzten Mal, da wir auswärts den starken Kelheimern knapp aber verdient mit 1½-2½ unterlagen.

An Brett 1 (W) erspielte sich Tobias Brunner einen zumindest optischen Vorteil, den er jedoch nicht weiter zu verdichten vermochte. Kurz vor dem Ende keimte noch einmal Hoffnung auf, doch auch diesmal konnte der Kelheimer seinen Laden zusammenhalten und man einigte sich auf Remis. (½-½)

An Brett 4 (W) sah die Stellung von Milo Müller vielversprechend aus, doch auch ihm gelang es leider nicht etwas Zählbares herauszuholen. In ausgeglichener Stellung besiegelte man das zweite Remis. (1-1)

An Brett 2 (S) geriet Philipp Mark in das Trommelfeuer rausgeblitzter Züge einer minutiös vorbereiteten Variante, die er zwar selbst gut kannte, sein Gegner aber leider noch ein bisschen besser. In extrem scharfer Stellung stellte er die falsche Figur auf das richtige Feld und ging in der Folge in einem starken Königsangriff unter. (1-2)

An Brett 3 (S) verteidigte sich Stephan Schmahl lange Zeit ausgezeichnet und hatte eigentlich keine Probleme bis er einen verhängnisvollen strategischen Fehler beging. Als Folge wurde er in die Defensive gedrängt und konnte nur noch passiv der Dinge harren die da kamen. Als die Niederlage an Brett 2 feststand, unterbreitete der Kelheimer ein großzügiges Remisangebot. Da auch ein wundersamer Sieg unser Ausscheiden nicht mehr verhindert hätte, wurde notgedrungen akzeptiert. (1½-2½)

Leider nur ein kurzer Auftritt unseres Teams in diesem Jahr, aber auf ein Neues in der nächsten Saison!

1. Mannschaft ist Spitze!

Am 1. März kam es zum mit Spannung erwarteten Gipfeltreffen bei der SG Fürth. Der Tabellenführer empfing den Tabellenzweiten, mehr Nervenkitzel geht nicht! In unserer bewährten Aufstellung trafen wir völlig entspannt bereits eine knappe halbe Stunde vor dem offiziellen Startschuss vor Ort ein und waren bereit mit vollem Engagement in den Kampf zu gehen. Dieser Optimismus wurde noch beflügelt als sich herausstellte, dass ein Fürther aus unbekanntem Grund nicht antreten würde, was uns kampflos die frühe Führung bescherte. Solchermaßen motiviert, gelang es uns den Spitzenreiter in einem Matchup auf Augenhöhe mit 5-3 zu schlagen und ihn somit vom Thron zu stoßen.

An Brett 5 (W) wartete Milo Müller vergeblich auf seinen Gegner bis nach Ablauf der obligatorischen 60 Minuten Karenzzeit der kampflose Punkt für uns verbucht wurde. Aus rein schachlicher Sicht für alle Beteiligten unbefriedigend, aber einem geschenkten Gaul schaut man bekanntlich nicht ins Maul. (1-0)

An Brett 2 (S) sah sich FM Zdenek Haba mit dem Grand-Prix-Angriff gegen seine Sizilianische Verteidigung konfrontiert. In einer statistisch ohnehin wenig vielversprechenden Variante für Weiß ging sein Gegner zudem schon sehr früh mit dem Vorstoß des g-Bauern extrem forsch zur Sache. Nach dem Gegenstoß im Zentrum verließ die Stellung die Theorie und sah nach nur neu Zügen bereits vorteilhaft für Schwarz aus:

Brett 2: Die erhoffte weiße Initiative am Königsflügel verpuffte wirkungslos, so dass Zdenek mit seinem starken Vorposten auf f5 laut Engine bereits klar besser stand.

In der Folge konnte der Windischeschenbacher zwar seinen Vorteil behaupten, doch einen Weg zu etwas Zählbarem fand er leider nicht. Dem Heimspieler gelang es sich zu befreien und die Stellung wieder auszugleichen, so dass man sich nach 28 Zügen auf Remis einigte. (1½-½)

An Brett 8 (S) bekam es Miroslav Kalous in der Französischen Winawer-Variante mit einem Nebenabspiel zu tun, in dem er nach leichten Anfangsschwierigkeiten die übertrieben aggressive Vorgehensweise seines Gegenüber gut in den Griff bekam. In mittlerweile ausgeglichener Stellung stand Miro nach einem Fehler der Fürthers plötzlich sogar auf Gewinn:

Brett 8: Die unsichere Stellung des weißen Turms auf e4 nutze Miro mit dem starken Zug 21…Dc6!, wonach nicht nur der Vorstoß des d-Bauern drohte, sondern sich auch noch eine weitere versteckte Idee auftat!

Die erste Drohung konnte der Weiße zwar mit 22.Td3 parieren, doch die zweite wurde anscheinend von beiden Kontrahenten gänzlich übersehenen! Mit 23…Thg8! hätte Miro seinen Königsturm entscheidend aktivieren können, da der Springer wegen des hängenden Turms im Zentrum überlastet war! Doch leider entging ihm diese Möglichkeit und er manövrierte sich stattdessen mit 23…Db5?? schnurstracks selbst in eine schwierige Lage aus der er sich nicht mehr zu befreien vermochte. Kurz vor der Zeitkontrolle zwangen ihn die weit vorgerückten weißen Freibauern schließlich zur Aufgabe. (1½-1½)

An Brett 3 (W) wählte Philipp Mark gegen das Wolga-Gambit eine lange Theorievariante, die ihm für einen Eröffnungsvorteil zwar sehr genaues Spiel abverlangte, gleichzeitig aber langfristig die besseren Aussichten versprach. Nachdem sich das typische schwarze Spiel am Damenflügel festgefahren hatte, sah sich der Heimspieler genötigt, mittels …f5 Gegenmaßnahmen im Zentrum einzuleiten, was sich als Initialzündung für ein wildes Handgemenge entpuppte. Philipp saß dabei aber am stets längeren Hebel und hätte sich im 29. Zug selbst belohnen können:

Brett 3: Ein einziger genauer Zug hätte die Partie sofort gewonnen. Nach dem richtigen 29.Db1! hätte der weiße Freibauer wegen des auf Matt stehenden schwarzen Königs den Tag für Philipp entschieden, da Weiß nach 29…Lxe5 30.a6! c3 31.Db7 den berühmten Schritt schneller gewesen wäre.

Doch der Windischeschenbacher ging an seinem Glück vorbei und wählte 29.Dc2??, womit er sich selbst seiner eigenen Hauptdrohung beraubte und nach 29…Lxe5 in plötzlich wieder völlig ausgeglichener Stellung dem Remisangebot seines Gegners zustimmen musste. Was für eine verpasste Chance! (2-2)

An Brett 6 (S) verteidigte sich Carolin Werner mit der hochtheoretischen Sveshnikov-Variante der Sizilianischen Verteidigung. Nach sage und schreibe 19 Zügen hatte man das Ende der bekannten Pfade erreicht als der Computer Weiß einen Vorteil bescheinigte:

Brett 6: Richtig war laut Engine die weitere Mobilisation mittels 20.Sce3, doch der Fürther wollte angreifen und entschied sich für 20.f5?, was nach 20…Lxd5 21.Dxd5 Db6+ 22.Kh1 Se5 den Vorteil verspielte.

Es begann eine längere Phase des Lavierens in der beide Spieler versuchten die besten Plätze für ihre Figuren auszuloten und die gegnerischen Pläne zu durchkreuzen. Auf dem Weg zur Zeitkontrolle verpassten beide Seiten einige Möglichkeiten, so dass die Stellung im Gleichgewicht blieb bis der Heimspieler völlig unvermittelt eine Qualität einstellte. In seiner Verzweiflung versuchte er die Situation noch einmal zu verschärfen, doch Carolin ließ sich die Butter nicht mehr vom Brot nehmen:

Brett 6: Mit der kaltblütigen Abwicklung 46…Txd5! 47.cxd5 gxf5 sicherte sich Carolin eine Mehrfigur.

Wenige Züge später sah der Heimspieler die Sinnlosigkeit weiteren Widerstands ein und gab sich geschlagen. Ein hart erkämpfter Sieg in einer zeitlosen Modevariante! (3-2)

An Brett 4 (S) griff Christian Müller zur Kalashnikov-Variante der Sizilianischen Verteidigung in der er in einem Hauptzweig des Variantenbaums durch genaues Spiel nach 16 Zügen eine ausgeglichene Stellung erreichen konnte. Diese Bewertung änderte sich die folgenden Züge nicht, doch als der Fürther ohne Not freiwillig einen Raumnachteil in Kauf nahm, war die schwarze Stellung deutlich angenehmer zu spielen:

Brett 4: Mit dem Vorstoß des f-Bauern konnte sich Christian unter doppeltem Tempogewinn langfristig Raumvorteil und Angriffschancen am Königsflügel erarbeiten.

Beide Spieler gingen äußerst vorsichtig und mitunter etwas zaghaft zur Sache, doch wer wollte ihnen das verdenken im Hinblick auf die Tabellensituation. Jeder wollte die letzten Züge bis zur Zeitkontrolle unbeschadet überstehen und ließ mitunter gute Möglichkeiten aus, das Blatt zu seinen Gunsten zu wenden. Schließlich war es der Heimspieler, dem in schwieriger aber noch nicht gänzlich verlorener Stellung der entscheidende Fehler unterlief:

Brett 4: Mit dem richtigen 47.Sd3 konnte der Weiße noch kämpfen, doch er zog 47.Sf3?? und musste nach 47…Dc5! tatenlos zusehen, wie sich der schwarze Turm über die h-Linie in den Mattangriff einschaltete.

Zwei Züge später warf der Fürther angesichts des undeckbaren Matts das Handtuch. (4-2)

An Brett 7 (W) entschied sich Stephan Schmahl gegen die Caro-Kann Verteidigung zur Abtausch-Variante. Die prinzipiell ruhige Partieanlage wurde vom Fürther korrekterweise durch den Vorstoß seiner Königsflügelbauern früh verschärft. Da er jedoch nicht konsequent nachsetzte, konnte Stephan Schritt für Schritt die Initiative übernehmen und seinen Entwicklungsvorsprung in einen Angriff gegen den unrochierten König ummünzen:

Brett 7: Mit dem energetischen Durchbruch 24.c5! entfesselte Stephan einen Sturm gegen die schwarze Stellung, der Linienöffnung forcierte und die Kraft seiner Figuren maximal entfaltete.

Trotz starker Zeitnot konnte der Fürther den sofortigen K.O. vermeiden und seinen König per extrem später Rochade aus der Gefahrenzone evakuieren. Der Preis dafür war jedoch der Verlust eines Bauern und ein kaum haltbares Endspiel:

Brett 7: Nach Ende des Angriffs wickelte Stephan mittels der forcierten Zugfolge 30.Lxd7 Dxd7 31.Dxd7 Txd7 32.c6 Tc7 33.Tb7 Tfc8 34.Txc7 Txc7 35.f4 gxf4 36.Lxf4 in ein klar gewonnenes Endspiel ab.

Die technische Gewinnführung erforderte zwar noch etwas Geduld, doch zu guter Letzt erwies sich der Windischeschenbacher dieser Aufgabe gewachsen und brachte den ganzen Punkt sicher nach Hause. Ein extrem wichtiger Sieg, der den Mannschaftssieg unter Dach und Fach brachte. (5-2)

An Brett 1 (W) beantwortete Tobias Brunner die Sizilianische Verteidigung mit dem Geschlossenen System. Gegen den klassischen Aufbau seines Gegners fand er zunächst keinen erfolgversprechenden Plan und geriet folgerichtig in die Defensive. Doch die hohe Komplexität der Stellung bot beiden Seiten nicht nur viele Möglichkeiten, sondern enthielt auch ebenso viele versteckte Fallstricke. Letztendlich gelang es beiden Kontrahenten alle Klippen zu umschiffen und man landete in einem ausgeglichenen Endspiel:

Brett 1: Trotz optischer Überlegenheit sieht die Engine keinerlei Vorteil für Schwarz.

Im anschließenden langen Endspiel unterliefen beiden Seiten zahlreiche Ungenauigkeiten, die die Bewertung von ausgeglichen zu klar gewonnen für Schwarz und wieder zurück springen ließ. Im 73. Zug beging Tobias zu unserem Leidweisen schließlich den vorentscheidenden Fehler:

Brett 1: Chancen auf ein Remis konnte sich Tobias nur mit 73.Kf2! erhalten, er wählte jedoch 73.Kf4?? und musste sich schließlich neun Züge später geschlagen geben.

Der Unterschied beider Züge liegt in der Möglichkeit für den schwarzen König sich quasi durch die Hintertür (h3-g2-f2 usw.) zum Damenflügel zu bewegen, um dort entscheidende Beute zu machen. (5-3)

Nach diesem grandiosen Erfolg haben wir es tatsächlich selbst in der Hand den erneuten Aufstieg in die Landesliga zu realisieren. Dazu werden allerdings mit ziemlicher Sicherheit zwei weitere Siege in den beiden Schlussrunden vonnöten sein. Da aber auch die direkte Konkurrenz aus Altensittenbach und Fürth genau den selben Druck verspürt, könnte es durchaus sein, dass am Ende einzig die Nerven entscheiden werden.

So oder so, wir sind gerüstet!

1. Mannschaft überzeugt erneut

Am vergangenen Sonntag empfingen wir im Feuerwehrhaus mit dem SC Forchheim einen renommierten Gegner, der zwar in der laufenden Saison noch nicht so richtig in Tritt kam, aber aufgrund seiner extrem starken „ersten Vier“ inklusive des tschechischen Altmeisters GM Vlastimil Jansa auf keinen Fall zu unterschätzen war. Da wir die Bedeutung dieses Kampfes verinnerlicht hatten, gingen wir voll motiviert ans Werk und konnten mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung einen überraschend klaren 5½-2½ Sieg erringen. Ausschlaggebend waren sowohl die vorderen Bretter, die bei einem durchschnittlichen DWZ-Nachteil von 120(!) Punkten nur drei Remis zuließen, als auch die hinteren Bretter, die ihren Vorteil konsequent zu drei vollen Punkten nutzten.

An Brett 2 (W) bediente sich FM Zdenek Haba gegen die Holländische Verteidigung einer giftigen Nebenvariante, mit der er schon nach wenigen Zügen ein wildes Handgemenge im Zentrum initiierte:

Brett 2: Die Stellung nach dem 5. Zug ließ erahnen, dass beide Kontrahenten einen Kampf mit offenem Visier anstrebten.

Nach ersten unvermeidlichen Abtauschaktionen hatte der Gast zwar die schlechtere Bauernstruktur, mit dem Läuferpaar aber adäquate Kompensation. Im Zuge der weiteren Figurenentwicklung stabilisierte sich die Lage zusehends bis sich nach 24 Zügen eine völlig ausgeglichene Stellung ergab:

Brett 2: Mit seinem letzten Zug verteidigte Zdenek seinen Anspruch auf die a-Linie.

Da für beide Spieler ein risikoloses Spiel auf Gewinn kaum möglich war, bot Zdenek an dieser Stelle Remis an, das guten Gewissens angenommen wurde. (½-½)

An Brett 8 (W) leitete Miroslav Kalous gegen das abgelehnte Damengambit in die Katalanische Eröffnung über. Nach unkonventioneller Stellungsbehandlung seitens des Gegners, gelang es Mirek sich einen schönen Vorteil zu sichern:

Brett 8: Nach dem energetischen 9.e4 versprachen der Raumvorteil und die bessere Zentrumsbeherrschung Mirek schon früh ein aussichtsreiches Mittelspiel.

Da Schwarz ohne wirksames Gegenspiel blieb, erhöhte Mirek mit stoischer Ruhe den Druck auf seinen jungen Gegner Zug um Zug. Trotz einiger Ungenauigkeiten und verpasster Chancen blieb er immer am Drücker und nutzte schließlich einen Fehler zum entscheidenden Schlag:

Brett 8: Mit 23…b5 hätte sich der Forchheimer etwas Luft verschaffen können, doch er wählte 23…S8d7? und stand sofort auf Verlust.

Mirek nutzte die Gunst der Stunde und spielte 24.Ld6, was einen Qualitätsverlust zur Folge gehabt hätte. Sein Gegner wollte aber den Turm retten, spielte 24…Tb7?? und übersah dabei, dass er damit seiner Dame den Weg nach a6 versperrte und ihr somit sämtliche Fluchtfelder nahm. Nach der Folge 25.Tc1 Dd8 26.Sc6 war die Dame im eigenen Lager gefangen und da weiterer Widerstand zwecklos war, gab Schwarz auf. (1½-½)

An Brett 4 (W) landete Christian Müller nach einem englischen Aufbau durch Zugumstellung in der Schlechter-Variante der Slawischen Verteidigung oder der Fianchetto-Variante der Grünfeld-Indischen Verteidigung. Die Auguren sind sich da nicht ganz einig. Nach einem Bauerntausch auf d5 entstand eine symmetrische Bauernstellung mit eher statischem Charakter. Nach einer Ungenauigkeit seines Gegners gelang es Christian seinen leichten Entwicklungsvorsprung zu einer Initiative im Zentrum zu nutzen:

Brett 4: Aufgrund des Drucks gegen den rückständigen c-Bauern sah Christian richtigerweise die Zeit für gekommen das Zentrum zu öffnen und den Einfluss seiner Läufer zu erhöhen.

Die Aussichten für Christian schienen positiv, doch ein offensichtlicher Weg zu klarem Vorteil war nicht auszumachen. Die schwarze Stellung war zwar passiv aber fest und mit nur einer Schwäche stets verteidigungsfähig. Der Windischeschenbacher mühte sich nach Kräften, konnte aber nie mehr als eine leicht vorteilhafte Druckstellung erreichen:

Brett 4: Da kein konkreter Plan vorlag, entschied sich Christian zur Zugwiederholung 26.Se4 Td7 27.Sc5

Weil es auch für seinen Gegner keinerlei Grund gab auszuweichen, einigten sich die Kontrahenten hier auf Remis. In gewohnt sicherer Weise hatte Christian damit einen weiteren ELO-starken Forchheimer neutralisiert. (2-1)

An Brett 7 (S) verteidigte sich Stephan Schmahl sizilianisch und wurde mit der Moskauer Variante konfrontiert. Er wählte die anspruchsvollste Fortsetzung, um die Partie möglichst komplex zu gestalten. Sein Plan hatte insofern Erfolg als sein Gegner keinen zufriedenstellenden Plan fand und sich nach Aufgabe des Läuferpaars bereits in einer leicht schlechteren Stellung wiederfand:

Brett 7: Um weißes Gegenspiel mittels f4 zu unterbinden, entschied sich Stephan für das radikale 14…g5?!, was zwar nicht abwegig, aber übertrieben optimistisch war. Mit dem Standardmanöver 14…Ld8 zur Aktivierung seines Läufers hätte er stattdessen seinen leichten Vorteil risikolos behalten können.

Aufgrund der geschwächten Königsstellung wurde die Stellung nun schärfer und es kam auf beiden Seiten zu Ungenauigkeiten. Zum entscheidenden Faktor wurde aber die horrende Zeitnot des jungen Forchheimers, der im 20. Zug nur noch knapp zwei Minuten auf der Uhr hatte. Da er notgedrungen gezwungen war schneller zu ziehen, wählte er eine mehrzügige Abtauschkombination:

Brett 7: Nachdem er auf f2 einen Bauern verloren hatte, konnte der Gast mit 26.Dxf6+ Kxf6 27.Scd5+ Lxd5 28.Sxd5+ Ke6 29.Sxc7+ Txc7 zwar der Zeitkontrolle näher kommen, landete aber gleichzeitig in einem klar schlechteren und wahrscheinlich bereits verlorenen Endspiel.

Die restlichen Züge bis zur Zeitkontrolle versuchte der Forchheimer verzweifelt seine Stellung zu verteidigen, doch letztendlich konnte er den Materialnachteil nicht kompensieren und die Partie fand ein kurioses Ende:

Brett 7: Nach dem letzten Zug von Stephan 37…f4! war der weiße Läufer mitten im gegnerischen Lager gefangen!

Da gegen das kommende …Th5 und Läuferverlust kein Kraut mehr gewachsen war, gab sich der Weiße an dieser Stelle geschlagen. (3-1)

An Brett 5 (S) wählte Milo Müller in der Slawischen Verteidigung eine der zweischneidigsten Varianten, nahm sofort den Bauern c4 und verteidigte diesen mit …b5. Das weitere Geschehen spielte sich praktisch ausschließlich am Damenflügel und mit Abstrichen im Zentrum statt. Eingangs des Mittelspiels stand Milo vor der Frage, wie er seine Figurenentwicklung abzuschließen gedachte:

Brett 5: Nach dem richtigen 15…Sd7 bescheinigt der Computer dem Schwarzen einen leichten Vorteil aufgrund der Bauernmajorität am Damenflügel. Milo entschied sich aber für 15…Ta6?, was seine Figurenkoordination destabilisierte, was mit 25.Sc1-b3 am besten auszunutzen gewesen wäre.

Der Gast fand die stärkste Fortsetzung nicht und geriet wenige Züge später selbst in klaren Nachteil. Milo schloss seine Entwicklung ab, setzte seinen c-Bauern in Bewegung und stand überraschenderweise sofort auf Gewinn. Nach einigen weiteren Zügen war man in einem reinen Schwerfigurenendspiel gelandet, in dem der schwarze Freibauer der Garant für den Sieg war, als das Unfassbare geschah:

Brett 5: Mit dem richtigen Zug 33…h5! konnte Milo sich seiner einzigen (Grundreihen-)Schwäche entledigen und anschließend an die Verwertung seines Freibauern gehen. Doch leider unterlief ihm hier mit 33…Dd2?? ein echter Blackout.

Der Forchheimer sah und spielte 34.Td3!, wonach die Mattdrohung die Computerbewertung von ca. -5 zu +5 auf den Kopf stellte! Milo war gezwungen seine Dame zu geben und seinem König ein Luftloch zu verschaffen, was der Gast zur Blockade des Freibauern nutzte. Kurz nach der Zeitkontrolle konnte er durch Rückopfer der Dame schließlich in ein leicht gewonnenes Bauernendspiel abwickeln. Eine tragische Niederlage, aber Milo, wir wissen, was wir an Dir haben und es wird der Spieltag kommen, an dem Du zum strahlenden Helden werden wirst! (3-2)

An Brett 6 (W) entschied sich Carolin Werner für die Schottische Eröffnung. Nachdem man elf Zügen aktueller Theorie gefolgt war, gab es mit der langen Rochade von Weiß die erste Überraschung:

Brett 6: Bekannt ist 12.c5 mit einem leichten Vorteil für Weiß. Die Wahl von Carolin 12.0-0-0?! gefällt dem Computer nicht, verspricht aber einen zweischneidigen Kampf!

Die komplexe Stellung bot beiden Seiten reichlich Gelegenheiten fehlzugreifen. Und schließlich war es der Gast, dem der erste Fehler unterlief:

Brett 6: Der Nachteil des logisch aussehenden letzten schwarzen Zugs 16…Tad8? zeigt sich in der Variante 17.c5! Lxf1 18.cxb6 La6 19.bxc7, womit Carolin ein Tempo gewinnen, die schwarze Koordination stören und sich anschließend mittels 20.h5 ihrem Angriff am Königsflügel hätte widmen können.

Die Windischeschenbacherin ging aber mit 17.h5 sofort am Königsflügel vor und verlor nach 17…Da3+ 18.Kb1 d5 leider den Faden. Ihr eigener Angriff geriet ins Stocken während ihr Gegner die weiße Königsstellung aufbrechen und einen Bauern gewinnen konnte. Die entscheidende Angriffsfortsetzung fand aber auch er nicht und so ging der Kampf unverdrossen weiter. Im 26. Zug brach Carolin ohne Not alle Brücken hinter sich ab und setzte alles auf die Karte Königsangriff. Objektiv hätte es nicht reichen sollen, doch unter Zeitdruck sind Entscheidungen nicht leicht zu treffen:

Brett 6: Gewonnen hätte 31…Ke6! doch der Forchheimer spielte 31…Kd7?? und musste sich nach 32.e6+ Kc8 33.Dxa5 von seiner Dame verabschieden.

Solchermaßen aus der Bahn geworfen, fand der Gast nicht mehr zurück ins Spiel, ließ einige Möglichkeiten zu einer erfolgreichen Verteidigung aus und musste sich schließlich im 49. Zug geschlagen geben. (4-2)

An Brett 1 (S) wurde Tobias Brunner in der Caro-Kann Verteidigung von seinem namhaften Gegner mit dem Panov-Angriff konfrontiert. In einer der Hauptvarianten opferte Tobias mutig einen Bauern und erhielt dafür schöne Kompensation in Form einer aktiven Figurenstellung:

Brett 1: Weiß hat zwar einen Mehrbauern auf d4, doch die aktiven schwarzen Figuren kontrollieren das Zentrum und halten diesen in Schach.

Beide Spieler lavierten nun für eine ganze Weile ohne dass sich an der Stellungsbewertung etwas geändert hätte, als dem Großmeister ein erstaunlicher Lapsus unterlief:

Brett 1: Angezeigt war 26.Txc8 Txc8 27.Tc1, gefolgt von Sf4 mit Vorteil, doch Weiß spielte sofort 26.Sf4?? und lief in eine Taktik, die ihn die Partie kosten sollte.

Tobias ließ sich nicht zweimal bitten, tauschte auf c1 und entkorkte anschließend 26…Txe3!, womit er nicht nur seinen Bauern zurück bekam, sondern die weiße Stellung auch noch irreparabel schwächte. Kurze Zeit später gewann er auch noch den Bauern d4 und stand mit der besseren Leichtfigur klar auf Gewinn. Der Forchheimer wehrte sich nach Kräften, doch am Ende vermochte auch er die Niederlage nicht mehr abzuwenden:

Brett 1: Nach seinem letzten Zug 47…Tf3 war auch der letzte weiße Bauer verloren.

Angesichts der verbundenen Freibauern und des eigenen abgeschnittenen Königs gab GM Jansa hier auf. Ein fantastischer Erfolg für Tobias und die endgültige Sicherstellung des Mannschaftssiegs. (5-2)

An Brett 3 (S) vertraute Philipp Merk der Russischen Verteidigung, die von seinem Gegner mit der Modevariante 4.d4 beantwortet wurde. Nach Tausch der beiden Zentralbauern und der Damen blieb ein ungewöhnliches Endspiel mit jeweils beiden Türmen und allen vier Leichtfiguren auf dem Brett, das vom Computer als völlig ausgeglichen beurteilt wird:

Brett 3: Mit seinem letzten Zug 17…Le6 hatte Philipp die Stellung erfolgreich ausgeglichen.

Der Gast versuchte hartnäckig das Spiel zu verkomplizieren, doch Philipp folgte stur seinem Plan, mehr und mehr Figuren abzutauschen, um bis zur Zeitkontrolle schließlich in einem reinen Leichtfigurenendspiel mit Läufer gegen Springer zu landen:

Brett 3: Nachdem die Engine-Bewertung schon seit 20 Zügen keinen Millimeter von der 0,00 abgewichen war, gab es auch nach dem letzten Zug von Philipp kein Durchkommen mehr für den Weißen.

Der Gast zog die Partie zwar noch weitere 15 Züge in die Länge, doch am Ende musste er das Unvermeidliche akzeptieren und ins Remis einwilligen. (5½-2½)

Dieser Erfolg sichert endgültig die Klasse und bringt uns obendrein mitten rein ins Aufstiegsrennen mit drei Endspielen in den letzten drei Runden. Sollten wir unsere Leistung konservieren können, werden wir im Kampf um den Meistertitel mit Sicherheit nicht chancenlos sein.

In drei Wochen starten wir mit dem absoluten Spitzenkampf beim Tabellenführer Fürth:

Mit einem Sieg könnten wir vorläufig den Gipfel erklimmen, aber auch ein Unentschieden wäre noch nicht das Ende aller Träume, die ja bekanntlich erlaubt sind.

Da wir einen Aufstieg weder angepeilt noch erwartet haben und schon gar nicht darauf angewiesen sind, können wir erneut völlig unbeschwert antreten, alle unser Bestes geben und am Ende sehen, was dabei herauskommt.

Harter Kampf der Dritten um die Tabellenspitze in der Kreisliga 1

Am 25. Januar trat unsere dritte Mannschaft in der Kreisliga 1 zum Auswärtsspiel gegen die erste Mannschaft der Spielgemeinschaft Neustadt/Luhe an. Bereits bei der Aufstellung zeigte sich, dass die Neustädter es wirklich ernst meinten, und uns in Bestbesetzung die Tabellenführung streitig machen wollten. Uns war klar, dass es sehr schwer werden könnte. Aber auch wenn wir an allen sechs Brettern nominell unterlegen waren, war auch unsere Aufstellung nicht zu verachten. Es sollte tatsächlich ein sehr spannendes und umkämpftes Duell werden.

Der Auftakt war aber so gar nicht nach unserem Geschmack, als Svatoslav Zitek an Brett 2 eine eher seltene Variante im Sizilianer spielte. Nach 1.e4 c5 2.Sf3 a6 kann Schwarz nach 3.d4 in manchen Varianten vom frühen a6 profitieren und z.B. nach 5….cd 6.Sd4 e5 spielen, ohne dass Weiß das Feld b5 für seinen Springer zur Verfügung hat, wie z.B. in der Löwenthal-Variante oder der Lasker-Pelikan-Sweshnikov-Variante. Der Neustädter Gegner wählte aber den Übergang in die Alapin-Variante mit 3.c3, was eine gängige Empfehlung der Theorie darstellt. Am Rande sei noch bemerkt, dass John Nunn in seinem Werk „Beating the Sizilian“ 3.c4 empfiehlt. Svatoslav kam in der Folge nicht gut mit dem Verlauf klar, parkte dann im achten Zug auch noch einen Läufer ungedeckt auf g4, wonach Weiß schon das Scheinopfer seines Läufers auf f7 anbringen konnte. Die schwarze Stellung war danach eine Ruine und nach 16 Zügen und wenig mehr als einer Stunde Spielzeit ging Neustadt in Führung.

Am sechsten Brett hatten sich zwei Schnellspieler mit unkonventionellem Stil gefunden. Schon nach dem dritten Zug von Weiß war eine Stellung auf dem Brett, die selbst in einer Datenbank mit Millionen von Partien noch nicht vorgekommen ist (1.e3 g6 2.d3 Lg7 3. a3). Florian Süß mit den schwarzen Steinen konnte im weiteren Verlauf taktisch einen Bauern gewinnen. Während man sich an den anderen Brettern noch Gedanken um die Eröffnung oder einen Übergang ins Mittelspiel machte, war an diesem Brett schon ein Turmendspiel entstanden. Florian hielt seinen Mehrbauern fest, drang schließlich auch noch mit seinem König in die gegnerische Stellung ein und stellte somit den Sieg für sich und den Ausgleich für die Mannschaft her.

An Brett 1 wurde Michael Betz mit Weiß in einer Variante (die irgendwo zwischen Grünfeldindisch und Slawisch anzusiedeln ist), mit der er bisher 3,5 Punkte aus vier Partien holen konnte, von einem interessanten Plan von Schwarz überrascht. Er konnte sich nicht an die Empfehlung in seinem d4-Repertoir-Buch erinnern, folgte aber ohne es zu wissen einer Partie Svidler – Giri, bis sein Gegner im 12. Zug abwich. Die Stellung bewegte sich im ausgeglichenen Bereich, bis Michael merkte, dass er im 18. Zug einen vermeintlich falschen Weg eingeschlagen hatte. Die Variante wäre trotzdem, wie ursprünglich geplant spielbar gewesen, wie der Computer zeigt. Die Stellung nach der Planänderung gestaltete sich deutlich besser für Schwarz und in bereits sehr guter Stellung fand Schwarz auch noch eine starke Fortsetzung. Er zog einen angegriffenen Springer nicht weg, wonach Weiß nur etwas schlechter gestanden wäre, sondern konterte mit einem Zwischenzug, der Michael völlig entgangen war. Die Stellung mit einer Qualität weniger gab ohnehin keine große Hoffnung mehr, aber Michael patzte gleich noch einmal und gab im 25. Zug auf, als er feststellen musste, dass seine Dame keine Felder mehr hatte. Somit waren die Gastgeber wieder in Führung gegangen.

Nur etwa 15 Minuten später konnte aber Simon Lamm, der am fünften Brett mit Weiß wieder einmal das Londoner System aufs Brett brachte den Ausgleich wieder herstellen. Simons Gegner sah sich nach einem Läufertausch auf g3, noch vor der weißen Rochade allerhand Gefahren ausgesetzt, wobei die Stellung laut Computer ausgeglichen war. Erst ein verfehlter Versuch des Neustädters, die Stellung geschlossen zu halten brachte Simon einen Mehrbauern bei sehr guter Stellung ein. In der Folge verlagerte sich der weiße Druck auf einen rückständigen Bauern in der e-Linie. Schwarz suchte sein Heil noch in einem Springeropfer, nach dessen Annahme die weiße Dame fallen würde. Simon rechnete aber weiter, nahm den Springer und gewann in der folgenden Abwicklung die Dame zurück. Somit hatte er einen Springer mehr, so dass der Neustädter sich geschlagen gab.

Jetzt aber sollte es an den zwei verbliebenen Brettern erst richtig dramatisch werden. Beide Stellungen waren für Spieler und Zuschauer schwer einzuschätzen.

Markus Schwengler hatte am vierten Brett mit Schwarz die Königsindische-Verteidigung gewählt. Wie so oft in dieser Eröffnung kam Markus zu einem Angriff gegen den weißen König. Dazu hatte er einen Bauern ins Geschäft gesteckt. Ein verlockendes Turmopfer erschien ihm dann aber zu riskant. Objektiv gesehen die richtige Entscheidung, das Opfer wäre nicht korrekt gewesen. Die Stellung befand sich in einem dynamischen Gleichgewicht, aber langsam wurde die schwarze Initiative stärker. Es kam zum Tausch der schwarzen Dame gegen die beiden weißen Türme und es war schwer einzuschätzen, wer die besseren Aussichten haben würde. Beide Spieler hatten noch sechs Bauern und einen Springer. Der Computer bevorzugt eindeutig Schwarz, aber am Brett ist alles nicht so klar. So war schon nach dem nächsten schwarzen Zug die Stellung wieder ausgeglichen. In der Folge ließen sich beide Kontrahenten nichts zu schulden kommen, bis die Zeitkontrolle näher rückte. Im 39. Zug unterlief Markus ein Missgeschick, das der Gegner ausnutzte und einen Bauern schlug. Hätte Markus den ungedeckten Turm geschlagen, wäre für den zweiten Turm die schwarze Dame verloren gegangen und das Bauernendspiel wäre verloren gewesen. So blieb nur ein anderer Zug und zumindest die Zeitkontrolle war geschafft.
Jetzt dachte der Neustädter lange nach, fand aber den studienartigen Gewinnweg nicht. Wie so oft im Schach ist alles so logisch, wenn man die Lösung gezeigt bekommt. Am Brett, noch dazu nach einer komplizierten Partie ist nicht immer alles offensichtlich. Nach einer Zugwiederholung einigte man sich auf Remis.

Ausgerechnet der gesundheitlich angeschlagene Rudolf Schicker musste an Brett 3 die längste Partie spielen, die zudem auch noch recht kompliziert verlief. In der Reti-Eröffnung wählte sein Gegner eine seltene Variante, in der er im vierten Zug einen Zentrumsbauern im Tausch gegen einen Flügelbauern anbietet. Schon im sechsten Zug waren die Pfade der Theorie verlassen und die Partie verlief im ausgeglichenen Bereich, wobei der Computer Schwarz leicht im Vorteil sieht. Im 15. Zug unterläuft dem Neustädter Spieler ein Fehler, den Rudi taktisch ausnutzt und einen Bauern gewinnt. Im daraus resultierenden Schlagabtausch verpasst er aber einen Zwischenzug, der zu einem Figurengewinn geführt hätte. So kann Schwarz den Bauern letztendlich zurückgewinnen und es kommt zu einem ausgeglichenen Endspiel. Bei jeweils 4 Bauern und Dame hat Rudi einen Läufer, sein Gegner einen Springer. Dame und Springer arbeiten oft besser zusammen, als Dame und Läufer und somit lehnte der Neustädter ein Remisangebot ab und spielte auf Gewinn. Rudi verteidigte sich aber gut und konnte die Stellung immer ausgeglichen halten. Im 46. Zug kam es dann zu einer kritischen Situation, als Schwarz den Damentausch anbot. Verständlicherweise wollte Rudi diese starke Figur los werden, aber es wäre objektiv besser gewesen, die Damen auf dem Brett zu lassen. In der Folge wäre der schwarze Springer dem Läufer überlegen gewesen, aber Schwarz setzte ungenau fort und die Stellung war wieder im Gleichgewicht. Beide Spieler hatten noch zwei Bauern und Rudi konnte im 55. Zug seinen Läufer für einen Bauern opfern. Hätte Schwarz den Läufer geschlagen, dann wäre auch sein letzter Bauer gefallen. Das verbleibende weiße Duo hätte einen gefährlichen Eindruck gemacht. Mit der Unterstützung der Engine zeigt sich aber, dass Schwarz gerade so das Remis halten konnte, während nach seiner Fortsetzung Weiß auf Gewinn stand. Aber nach der anstrengenden Partie war es am Brett nicht so einfach. Im 61. Zug mit Läufer und Bauer gegen Springer zeigt der Computer noch immer einen Gewinn für Weiß an. Die dafür notwendigen studienartigen Manöver sind aber am Brett nach einer langen Partie kaum zu finden. Ich (Betz Michl) habe mich in den letzten Tagen ausgiebig mit der Stellung befasst und trotz Computerunterstützung sind mir noch nicht alle Feinheiten klar. Wer mag kann sich gerne auch damit beschäftigen!

Weiß: Kf7, La6, g6
Schwarz: Ke3, Sh5

Weiß am Zug

Kleiner Tipp: Eine wesentliche Verteidigungsidee von Schwarz ist Sg3 und nach g7 folgt Sf5 mit der Gabel auf h6 wenn der Bauer verwandelt wird. Mit dem schwarzen König auf g5 funktioniert diese Verteidigung aber nicht, weil der Bauer mit Schach verwandelt wird. Sollte der schwarze König allerdings ungestraft h6 erreichen ist kein Gewinn mehr möglich, weil der Springer zwischen h5, g7 und e8 pendeln kann.
Verwirrend ist, dass es nicht einen ganz konkreten Weg zum Gewinn gibt, sondern mehrere Varianten möglich sind.

Nachdem Rudi 62. Kg8 gespielt hatte konnte Schwarz mit Sf4 sofort sicher stellen, dass der Bauer nicht zur Dame werden kann.

Somit war also der letztendlich gerechte 3 – 3 Endstand hergestellt und wir sind weiterhin Tabellenführer, nachdem auch der weitere Konkurrent Oberviechtach unentschieden gespielt hatte.

Starker Auftritt der 1. Mannschaft

Am vergangenen Sonntag traten wir bei der 2. Mannschaft des Regensburger Vorstadtclubs TSV Kareth-Lappersdorf an. Die Ausgangslage war klar, brauchten die Karether doch jeden Punkt im Kampf um den Klassenerhalt, während wir zum wiederholten Mal danach trachteten unsere letzte Chance zu ergreifen, ein gewichtiges Wörtchen im Meisterschaftsrennen mitzusprechen. Nach gut vier Stunden stand ein ungefährdeter 6-2 Auswärtssieg zu Buche mit dem wir die Konkurrenz aufhorchen lassen konnten.

An Brett 8 (S) verteidigte sich Manfred Oppel in seinem Debut für die 1. Mannschaft Königsindisch. Gegen die Makogonov-Variante entschied er sich für den Zentrumsvorstoß c5, der an dieser Stelle nicht unbedingt einen guten Ruf genießt. Doch anscheinend war auch sein Gegner mit diesem Vorgehen nicht vertraut und wechselte erst zur Fianchetto-Variante und dann wieder zurück, was in dieser Form wenig Aussicht auf Erfolg versprach. Im 14. Zug startete Mane eine Abtauschaktion, die ihm in der richtigen Reihenfolge einen klaren und gewinnverheißenden Vorteil gebracht hätte:

Brett 8: Mit der fantastischen Abwicklung 14…Sxd5! 15.exd5 Sxd3 16.dxe6 Dd5!! hätte Mane beste Chancen auf den Führungstreffer gehabt, doch welcher Mensch findet diesen Computerzug?

Zu seinem Leidwesen vertauschte er aber die Züge, wonach die Partie weitestgehend verflachte. In immer noch leicht vorteilhafter Stellung bot er Remis, was natürlich sofort angenommen wurde. (½-½)

An Brett 1 (W) bekam es Tobias Brunner nach dem Aufzug des Königsbauern mit einer Art Philidor-Verteidigung zu tun. Sein aggressiver Dreibauernangriff sah beeindruckend aus, hätte aber wirksam bekämpft werden können:

Brett 1: Dem Heimspieler stand mit 6…d5! starkes Gegenspiel zur Verfügung, zum Glück für Tobias entschied er sich aber für 6…De7? und hatte fortan Schwierigkeiten mit seiner Figurenkoordination.

Aufgrund der unglücklichen Positionierung seiner Dame sah sich der Karether gezwungen lang zu rochieren, womit er die Lage auf dem Brett weiter verschärfte. Einen Zug später hätte ihn ein Fehler bereits Kopf und Kragen kosten können:

Brett 1: Nachdem Tobias seinen König in Sicherheit gebracht hatte, stand sein Gegner vor der Frage, wohin mit dem angegriffenen Springer? Richtig war 10…dxe5 11.fxe5 Se4, doch er spielte sofort 10…Se4?? und hätte nach 11.e6! getrost aufgeben können!

Leider verpasste Tobias diese Gelegenheit, stand aber immer noch besser. Erst nach der direkt anschließenden Ungenauigkeit war sein Vorteil verflogen und es begann der beidseitige Aufmarsch gegen die gegnerische Königsstellung. Es stellte sich heraus, dass der schwarze Angriff schneller voran kam und nach einem Fehler von Tobias in komplizierter Stellung auch hätte durchschlagen können:

Brett 1: Schwarz tauschte seinen hängenden Läufer h6 auf e3, half damit aber Tobias seine Verteidigung zu entlasten. Richtig war 23…Tdg8! wonach der Angriff nicht mehr zu parieren ist. Sowohl 24.Lxh6 Txg2+ als auch 24.g3 Txg3+! bringen den weißen König in wenigen Zügen zur Strecke.

Doch damit nicht genug des Glücks. In Zeitnot verlor der Karether in mittlerweile ausgeglichener Stellung vollends die Übersicht, ließ die weiße Dame nach a7 eindringen und geriet selbst in einen Mattangriff, den er nicht mehr zu stoppen vermochte. (1½-½)

An Brett 7 (W) wurde Stephan Schmahl mit der Sizilianische Drachenvariante konfrontiert. Beide Spieler versuchten die Hoheit über das Zentrum zu erlangen, was nach mehrfachem Abtausch zum sogenannten „Widder“ führte, einer Stellung mit beidseitig isolierten Bauern auf d4 und d5. Zunächst schien die Lage günstiger für Weiß zu sein, doch trotz der notwendigen künstlichen Rochade von Schwarz, war kein Vorteil auszumachen. Im 16. Zug überschätzte Stephan seine Möglichkeiten, ging zu offensiv am Königsflügel vor und hätte klar in Nachteil geraten können:

Brett 7: Nach dem korrekten Zug 16.Sa4 und Überführung des Springers nach c5 hätte Stephan einen kleinen Eröffnungsvorteil erreichen können. Er spielte jedoch 16.g4? was deutlich zu ambitioniert war.

Zu seinem Glück erwiderte sein Gegner nicht 16…g5! und dann ….f5, sondern spielte sofort 16…f5?? und stand überraschenderweise unmittelbar auf Verlust. Nach 17.g5! sind die schwarzen Leichtfiguren durch die eigene Blockade des Feldes f5 sehr passiv. während die weißen über die geschwächten schwarzen Felder zum gegnerischen König vordringen können. Unter Zeitdruck verpasste Stephan zwar das ein oder andere Mal die stärkste Fortsetzung, doch letztendlich gelang es ihm unbeschadet durch die Komplikationen zu kommen und in ein gewonnenes Endspiel abzuwickeln:

Brett 7: Bereits mit einem Mehrbauern in der Tasche wickelte Stephan hier in ein leicht gwonnenes Turmendspiel ab.

Nach dem Partiezug 37.Te8+ und der mehr oder weniger erzwungenen Folge 37…Kf7 38.Txc8 Kxg6 39.Txc6+ Kf7 40.Ke3, wäre nicht nur ein zweiter Bauer gefallen, sondern auch die Zeitkontrolle erreicht gewesen, so dass der Karether an dieser Stelle aufgab. (2½-½)

An Brett 6 (S) wählte Carolin Werner die Sizilianische Sveshnikov-Variante, eine Eröffnung nicht ohne Risiko, die aber auch ein Spiel auf Gewinn ermöglicht. Der frühe und wenig ehrgeizige Springertausch auf c6 kam ihr dabei sehr entgegen. Es ergaben sich ungewohnte Stellungsbilder, die für beide Spieler nicht einfach zu spielen waren, was die von der Engine aufgedeckten Ungenauigkeiten hüben wie drüben erklärt. Caro schnappte sich einen Bauern, musste dafür aber einen nicht unerheblichen Entwicklungsrückstand in Kauf nehmen. Ihr Gegner fand aber keine Möglichkeit seinen dynamischen Vorteil in etwas Zählbares umzumünzen und konnte dementsprechend keine Kompensation für den fehlenden Bauern nachweisen. Nichtsdestotrotz blieb die Lage auf dem Brett auch nach Vervollständigung der Entwicklung kompliziert und so begann der Kampf nun erst richtig zu entbrennen:

Brett 6: Trotz Mehrbauer und Läuferpaar für Schwarz hält der Computer die Stellung für völlig ausgeglichen.

In weiterhin angespannter Lage versuchte Caro mittels Verdoppelung der Türme auf der g-Linie den weißen König zu attackieren, wählte dabei aber eine unglückliche Zugfolge, die sie in erhebliche Schwierigkeiten hätte bringen können:

Brett 6: Mit 26…d5 war die Stellung im Gleichgewicht zu halten, doch Caro wählte 26…Lf8?? und hätte nach 27.h5! Tg5 28.Sxd6!! wegen der Schwäche des Feldes f6 auf Verlust stehen können.

Der Heimspieler sah diese Kombination jedoch nicht, spielte 27.Td3 und landete nach weiteren Irrungen und Wirrungen bei beidseitig knapper Bedenkzeit kurz vor der Zeitkontrolle in folgender Stellung:

Brett 6: Mit 35.Tb7 konnte der Weiße die Partie im Gleichgewicht halten, doch er spielte 35.Sh6??, wonach der vermeintliche Qualitätsgewinn wegen 36…Txh4+! sofort ins Verderben führte.

Caro ließ sich die Gelegenheit nicht entgehen und zwang ihren Kontrahenten in wenigen Zügen zur Aufgabe. (3½-½)

An Brett 3 (W) traute Philipp Mark seinen Augen kaum als sein Gegner in der Eröffnung eine nahezu unbekannte Nebenvariante wählte. Der Schwarze verzichtete zunächst auf jedweden Kontakt und überließ Philipp das Zentrum, das dieser nur zu gern mit seinen Bauern besetzte:

Brett 3: Eine Eröffnung ohne Namen.

Da ein Einigeln auf Dauer kaum funktionieren kann, betrat im 7. Zug der erste schwarze Bauer die 5. Reihe und löste damit auf beiden Seiten Figurenumgruppierung aus. In der Folge gelang es dem Karether seine Stellung zu entwirren und für ihn aufgrund des Raumnachteils günstigen Figurenabtausch einzuleiten. Scheinbar überrascht von dieser Entwicklung fand Philipp keinen wirksamen Plan und musste sich schließlich mit Ausgleich abfinden:

Brett 3: Mit seinem letzten Zug 17…f5 hatte der Heimspieler die Stellung ausgeglichen und drohte nun weiter mit seinen Königsflügelbauern vorzustoßen. Richtig wäre deshalb der Konter 18.f4 gewesen, doch Philipp entschied sich für 17.f3?! und überließ damit seinem Gegner die Initiative.

Da Schwarz zudem über den „richtigen“ Läufer verfügte, war sein beginnender Angriff königsindischer Art trotz des reduzierten Material alles andere als ungefährlich. Psychologisch unter Druck versuchte Philipp dem kommenden Sturm mit seinem König zu entkommen:

Brett 3: Der Versuch von Philipp seinen König aus der Gefahrenzone zu evakuieren, war nachvollziehbar, aber leider einen Zug zu früh. Besser war 21.h3, um zunächst das schwarze …g4 zu verhindern.

Der Karether nuzte die Gelegenheit, spielte 21…g4! und konnte damit klaren Vorteil erzielen. Da ein Unglück nur selten allein kommt, tauschte Philipp auch noch selbst auf g4 und stand endgültig auf Verlust. In der Folge entwickelte sich ein Spiel auf ein Tor, dem er keine entscheidende Wendung mehr geben konnte. Als er direkt vor der Zeitkontrolle Figurenverlust quittieren musste, war die Zeit für die Aufgabe gekommen. (3½-1½)

An Brett 2 (S) verteidigte sich Ingo Cordts im Damengambit mit dem durch Ex-Weltmeister Magnus Carlsen popularisierten frühen …a6. Der Weiße baute sich harmonisch auf, hielt die Spannung im Zentrum aufrecht und konnte mit seinem Raumvorteil am Damenflügel einen kleinen Vorteil verbuchen:

Brett 2: Mit 15.Lxf6 Dxf6 16.cxd5 exd5 17.Dxd5 konnte der Karether im Gegenzug für eine leichte gegnerische Initiative einen Bauern gewinnen, was jedoch nicht seinem Geschmack entsprach.

Die von ihm gewählte Fortsetzung 15.Sf1 vergab jedoch seinen Vorteil, da sich Ingo mit Hilfe der forcierten Abwicklung 15…dxc4 16.Lxc4 b5 17.Ld3 e5 praktisch komplett befreien konnte. Ohne Not folgte direkt im Anschluss der bereits entscheidende Fehler:

Brett 2: Die Scheindrohung …e4 wollte Weiß unterbinden, indem er selbst seinen Bauern nach e4 stellte, übersah dabei aber, dass seiner Dame die Luft fehlte. Nach 18…Le6 musste diese die c-Linie betreten und war einem Abzug des Sc6 ausgesetzt.

Der resultierende Bauerngewinn auf b4 verschaffte Ingo eine Gewinnstellung, die er durch Figurentausch und Gewinn des Läuferpaars verdichtete. In seiner Verzweiflung opferte der Heimspieler eine Qualität, was zwar den verloren gegangenen Bauern zurückholte, aber im Endeffekt doch nur vom Regen in die Traufe kam. Ingo aktivierte seinen Turm, erzwang den Damentausch und navigierte zielgerichtet auf ein klar gewonnenes Turm gegen Läufer Endspiel zu:

Brett 2: Die Unterminierung der weißen Bauernstellung mit 45…h5 zerstörte die letzten Karether Hoffnungen auf eine eventuelle Festung.

Nach den weiteren Zügen 46.Ld4 hxg4+ 47.Kxg4 g6 war klar, dass auch der Bauer a5 ersatzlos fallen würde, weshalb der Weiße sich geschlagen gab. (4½-1½)

An Brett 4 (S) traf Christian Müller auf die Englische Eröffnung, die er klassisch mit dem Vorstoß des Königsbauern beantwortete. Nach frühem Damentausch ergab sich eine Position in der die bessere schwarze Bauerstruktur durch das weiße Läuferpaar kompensiert wurde:

Brett 4: Die Engine sieht hier einen minimalen weißen Vorteil, der für den Menschen kaum bis gar nicht wahrnehmbar ist.

Im Mittelspiel gelang es dem Weißen sich eine kleine Initiative zu erarbeiten, die aber ohne eine angreifbare Schwäche im schwarzen Lager wirkungslos verpuffte:

Brett 4: Das Eindringen des Turms auf d6 erwies sich als Boomerang. Christian spielte konsequent, gab auch seinen zweiten Läufer und konnte anschließend den Bauern c5 gewinnen.

Nachdem auch der Bauer b3 sogar mit Schach fiel, schien die Messe gelesen zu sein, doch der leergefegte Damenflügel gab dem weißen Läuferpaar neue Perspektiven, was zusammen mit der fehlenden Harmonie der schwarzen Figurenstellung so gerade noch Kompensation für die beiden Minusbauern darstellte:

Brett 2: Der Materialnachteil erforderte vom Weißen ein möglichst dynamisches Spiel, das mit 22.Ta1 am ehesten zu gewährleisten war. Er spielte aber 22.f4? und wurde nach 22…Sc8 zurückgedrängt.

Christian gelang es seine Streitkräfte zu koordinieren, das gegnerische Läuferpaar zu halbieren und mit seinen Türmen den weißen König aufs Korn zu nehmen:

Brett 4: Nach einer längeren Abwicklung hatte Christian ein klar gewonnenes Turmendspiel erreicht.

Da der Karether keinerlei Gegenspiel hatte und auch der Übergang in ein Bauernendspiel unmöglich war, hatte Christian keine Mühe den Sieg unter Dach und Fach zu bringen. (5½-1½)

An Brett 5 (W) vertraute Milo Müller gegen die Skandinavische Verteidigung einer statistisch wenig aussichtsreichen Variante, mit der er aber ungeahnten Erfolg hatte und seinen Gegner schon früh in die Defensive drängen konnte:

Brett 5: Nach 14.Sd6+ Kf8 verlor Schwarz nicht nur sein Rochaderecht, sondern musste nach 15.Le5 auch noch noch seinen Turm nach h7 aufs Abstellgleis schieben.

Milo hatte eindeutig die besseren Aussichten, fand in der Folge aber keinen gewinnbringenden Plan und musste mit ansehen, wie sich sein Gegenüber langsam aber sicher aus der Umklammerung befreite. Nach beidseitigen Ungenauigkeiten entstand ein ausgeglichenes Endspiel mit Dame, Turm, Läufer und jeweils sechs Bauern:

Brett 5: Nach bereits zweimaliger Stellungswiederholung hätte Milo hier mit 32.Dc5+ ein Remis erzwingen können, wollte in ausgeglichener Position aber noch weiterspielen und entschied sich für 32.g4.

An der generellen Einschätzung änderte sich nichts, denn nach der Entgegnung 32…Lf3 hätte er mit 33.Lxe6! fxe6 34.Dg7+ Dauerschach geben können. Mit dem erneuten Ausweichen mit 33.Db4+?! war er diesmal aber schlecht beraten, denn nach der Folge 33…Dc5 34.Dxc5+ Txc5 35.Tg1 h5 36.h3 hxg4 37.hxg4 g5! konnte sich der Karether einen kleinen aber dauerhaften Vorteil sichern, der im 40. Zug zu einer Gewinnstellung hätte führen können:

Brett 5: Nach dem eigentlich auf der Hand liegenden 40…f5! wäre die Partie für Milo wohl nicht zu gehalten gewesen, doch zu seinem Glück verzichtete sein Gegner zu Gunsten von 40…Kd6? und hatte seinen Vorteil verschenkt.

Milo konnte die Fesselung auf der g-Linie abschütteln und im letztendlich resultierenden reinen Läuferendspiel das Unentschieden problemlos erreichen. (6-2)

Nach diesem überzeugenden Auftritt und zeitgleichen kleineren Ausrutschern der Spitzengruppe stehen wir plötzlich und unerwartet auf dem 2. Tabellenplatz! Damit ist nicht nur die Abstiegsgefahr endgültig gebannt, sondern es hat sich auch unsere Hoffnung erfüllt aus eigener Kraft in den Meisterschaftskampf eingreifen zu können.

Sogar das Liga-Orakel hat uns vom ehemals sicheren Abstiegskandidaten zum Aufstiegsaspiranten Nr. 3 befördert. Eine Wendung, die nach unserem missglückten Saisonstart niemand erwarten konnte.

Zum nächsten Heimspiel am 8. Februar empfangen wir den im Mittelfeld rangierenden SC Forchheim. Sollten wir auch diese Begegnung positiv gestalten können, hätten wir Anfang März tatsächlich einen Showdown beim aktuellen Tabellenführer aus Fürth. Schachherz, was willst Du mehr?

Kantersieg für 1. Mannschaft

Am Nikolaus-Wochenende empfingen wir im Feuerwehrhaus die 3. Mannschaft des SC Noris-Tarrasch Nürnberg. Die Vorzeichen waren klar, denn beide Mannschaften konnten ihren Anspruch auf einen vorderen Tabellenplatz nur mit einem Sieg untermauern. Auf dem Papier waren wir der Favorit, doch die Erinnerung an unsere Vorrundenniederlage war uns noch zu gut im Gedächtnis, um den Kampf auf die leichte Schulter zu nehmen. So gingen wir stattdessen hoch motiviert und voll konzentriert in die Partien und verbuchten einen völlig überraschenden und in dieser Höhe nie erwarteten 7-1 Erfolg!

An Brett 2 (W) erhielt FM Zdenek Haba gleich zu Beginn des Kampfes die Mitteilung, dass die Gäste nur zu siebt angereist waren und sein Gegner nicht erscheinen würde. Dies ist höchst unbefriedigend und passiert Zdenek leider nicht zum ersten Mal. Nach Ablauf der obligatorischen 30 Minuten Karenzzeit war unsere Führung offiziell. Menschlich sehr schade, aber außerhalb unseres Einflussbereichs. (1-0)

An Brett 5 (S) eröffnete Milo Müller gegen seinen Gegner Sizilianisch, was dieser mit einem geschlossenen Aufbau erwiderte. Nach langsamer Entwicklung entstand bei vollem Brett eine Stellung mit gleichen Chancen. Im 10. und 11. Zug übersah Milo die Gelegenheit zu einem günstigen Zentrumsvorstoß und musste fortan gegen den Raumvorteil des Nürnbergers ankämpfen. Mit dem unangreifbaren Bauernkeil e5-d4 gegen e6-d5 betrachtet der Computer die Stellung als bereits gewonnen für Weiß. Doch für Menschen ist die Sache bekanntermaßen nicht so einfach und so kämpfte sich Milo unverdrossen zurück in die Partie. Scheinbar beeindruckt vom Einfallsreichtum seines Gegners unterlief dem Gast im 21. Zug ein schwerer Fehler, der die Computer-Bewertung sofort auf den Kopf stellte. Von nun an war Milo am Drücker, gewann eine Qualität und sicherte souverän den zweiten Punkt für uns. (2-0)

An Brett 6 (S) wählte Stephan Schmahl die Polnische Eröffnung und konnte nach elf Zügen eine ausgeglichene Stellung erreichen. Im 12. Zug verpasste er die einzige Möglichkeit, um mehr als nur einen halben Punkt zu kämpfen und steuerte stattdessen mittels weiteren Figurentauschs den Remishafen an. Leider unterlief ihm dabei eine ernste Ungenauigkeit, die dem Weißen die besseren Aussichten versprach. Sein Gegner schätzte seine Chancen jedoch nicht richtig ein oder war schlicht nicht in Kampfeslaune und bot Remis an, was von Stephan nach Inspektion der Stellungen der Kameraden leichten Herzens angenommen wurde. (2½-½)

An Brett 3 (S) entschied sich Philipp Mark gegen die Reti-Eröffnung für einen Damenindischen Aufbau. Schnell erreichte er eine ausgeglichene Stellung und konnte nach verhaltenem Vorgehen seiner Gegnerin schließlich die Initiative übernehmen. Überrascht von Philipps forschem Auftreten, unterliefen der Nürnbergerin erst ein kleiner und anschließend drei größere Fehler, die ihre Stellung nicht mehr verkraftete. Angesichts eines Minusbauern bei gleichzeitig trostloser Stellung, bevorzugte sie ein Ende mit Schrecken und warf das Handtuch. (3½-½)

An Brett 8 (W) griff Miroslav Kalous gegen den Königsindischen Aufbau seines Gegners zum Doppelfianchetto. Scheinbar überrascht ließ sich der Nürnberger zu einem wenig erfolgversprechenden Manöver hinreißen, das im Endeffekt nur dem Weißen in die Karten spielte. Mirek konnte die gegnerischen Figuren Zug für Zug zurückdrängen und mit mehr Raum und besserer Figurenstellung einen klaren Vorteil erzielen. Die anschließend folgenden Durchbrüche im Zentrum und am Damenflügel in Verbindung mit der unter Platzmangel leidenden und wiederholt attackierten schwarzen Dame bescherten ihm entscheidenden Materialgewinn und die baldige Aufgabe seines jungen Gegners. (4½-½)

An Brett 6 (W) bediente sich Carolin Werner gegen die Skandinavische Verteidigung einer seltener gespielten Variante und fianchettierte ihren Königsläufer. Die Eröffnung verlief in ausgesprochen ruhigen Bahnen und brachte der Windischeschenbacherin außer dem Läuferpaar keinen nennenswerten Vorteil. Der anschließende optimistische Vorstoß des g-Bauern hätte daran eigentlich nichts ändern sollen, doch ihr Gegner überreagierte ebenso ein wenig und fand sich ohne Vorposten für seine Springer in einer zwar festen aber unbequemen Stellung wieder. In die Passivität gezwungen beging der Nürnberger mehrere Fehler, die zum Zusammenbruch seiner Verteidigung hätten führen können, doch leider verpasste Caro diese Gelegenheit, wonach sich das Blatt hätte wenden können. Doch da an diesem Tag so gar nichts zusammenlaufen wollte für die Gäste, revanchierte sich der Nachziehende postwendend und stand erneut glatt auf Verlust. Mit zwei Mehrbauern und besserer Königsstellung sah der Rest nach Routine aus, doch eine Schrecksekunde musste noch überstanden werden. Nach einem schrecklichen Überseher hätte der Nürnberger mittels eines Turmopfers mit anschließendem Dauerschach Caro den verdienten Sieg doch noch entreißen können, doch auch diesmal ging er an seinem Glück vorbei. Eine dritte Chance sollte er nicht bekommen und so musste er sich wenige Züge später in Anbetracht weiteren Materialverlusts endgültig geschlagen geben. (5½-½)

An Brett 4 (W) begann Christian Müller mit dem Königsspringer und leitete anschließend über in das sogenannte Keymer-System, einer Untervariante der Reti-Eröffnung. Die Partie entwickelte sich erwartungsgemäß nur langsam, versprach Christian aber wegen eines leichten Entwicklungsvorsprungs und des schlechten weißfeldrigen Läufers von Schwarz einen angenehmen Vorteil. Diesen vermochte er zielgerichtet auszubauen bis sich sein Gegner gezwungen sah eine Qualität gegen einen lästigen Springer auf d6, tief im eigenen Territorium zu opfern. Christian manövrierte geduldig, mobilisierte seine Königsflügelbauern und hätte die Partie durch Verdoppelung seiner Türme auf der h-Linie mit Mattangriff krönen können. Doch leider griff er just in diesem Moment fehl und ließ den Nürnberger entschlüpfen. Nach Erreichen der Zeitkontrolle hatte der Schwarze die Stellung mit zwei Bauern für die Qualität wieder ausgeglichen und alles deutete auf einen friedlichen Ausgang der Partie hin. Doch im 43. Zug unterlief dem Gast ein schrecklicher Fehler nach dem er forciert einen seiner beiden Mehrbauern einbüßte bei gleichzeitiger Aktivierung der weißen Streitkräfte. Auf offenem Brett entfaltete der verbliebene Turm seine ganze Kraft und demonstrierte seine Überlegenheit gegenüber dem hoffnungslos überforderten Läufer. Einen weiteren Bauernverlust vor Augen, strich der Nürnberger schließlich die Segel. (6½-½)

An Brett 1 (S) wurde Tobias Brunner in seiner Caro-Kann Verteidigung mit der zweischneidigen Fantasy-Variante konfrontiert. In einer der Hauptabspiele warteten beide Kontrahenten ab, auf welche Seite der gegnerische König rochieren würde. Dabei beging der Nürnberger einen Leichtsinnsfehler, der es Tobias erlaubte die Initiative zu übernehmen und die gegnerischen Figuren zurückzudrängen. Nach der unglücklichen langen Rochade des Weißen zeigt die Engine bereits eine klare Verluststellung an, doch leider entgingen Tobias die besten Züge und so wurde er plötzlich von einem Springeropfer überrascht, das das Brett regelrecht in Flammen setzte. Nachdem sich der Rauch verzogen hatte, blieb ein komplexes damenloses Mittelspiel mit einem Minusbauern übrig. Auf dem Weg zur Zeitkontrolle fand er ein starkes Bauernopfer, das ihm bei korrekter Fortsetzung eine sofortige Remisschaukel erlaubt hätte. Doch er griff fehl und stand nun selbst am Abgrund. Aber wie durch ein Wunder verzettelte sich der Gast im 40. Zug noch einmal und musste ein unangenehmes Gegenspiel über sich ergehen lassen, das die Partie fast noch ein weiteres mal auf den Kopf gestellt hätte. Zunächst brachte Tobias die korrekte Gewinnfortsetzung aufs Brett, doch als er im letzten Moment strauchelte, fand die Partie durch Zugwiederholung ein friedliches Ende. (7-1)

So schlecht der Kampf gegen Büchenbach lief, so unverschämt gut erging es uns an diesem Spieltag! Uns gelang alles, dem Gegner nichts! Mit sechs Siegen und zwei Remis erzielten wir den höchsten Mannschaftssieg der letzten Jahre und konnten uns eindrucksvoll für die Schlappe vom November rehabilitieren. Mit nunmehr 5-3 Punkten und ausgezeichnetem Brettpunktverhältnis sieht die Liga-Welt für uns wieder rosiger aus. Sozusagen ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk, mit dem wir uns die Hoffnung auf den Aufstieg erhalten konnten.

Zum ersten Kampf im neuen Jahr reisen wir am 18. Januar nach Regensburg, um gegen die 2. Mannschaft des TSV Kareth-Lappersdorf anzutreten. Die Karether befinden sich mit 3-5 Punkten in der unteren Tabellenhälfte und werden alle Kräfte mobilisieren, um gegen uns zu bestehen und nicht in den Abstiegsstrudel zu geraten. Da aber auch wir jeden Punkt brauchen, um den Blick noch nach oben richten zu können, ist mit einem Kampf auf Biegen und Brechen zu rechnen. Wir sind gerüstet!

Schwere Schlappe für 1. Mannschaft

Am 16. November 2025 empfingen wir zur 3. Runde der Regionalliga die 1. Mannschaft der SG Büchenbach / Roth. Im durchschnittlichen Rating hatten wir die Nase vorn, doch der relativ geringe Vorsprung ließ einen Kampf auf Augenhöhe erwarten. Warum es schließlich anders kam und wir eine deprimierende 2½-5½ Niederlage einstecken mussten, ist schwer zu erklären und war uns auch bei der anschließenden Mannschaftsbesprechung völlig unklar. Es scheint fast als hätten wir in jeder Saison einen dieser schwarzen Tage zu verdauen.

An Brett 4 (W) wählte Christian Müller gegen die Rubinstein-Variante der Französischen Verteidigung einen eher selten gespielten, aber statistisch überdurchschnittlich erfolgreichen Zug, der ihm auch in dieser Partie gute Dienste leistete. Es gelang ihm den Gegner in eine passive Stellung zu drängen, was ihm zusammen mit mehr Raum einen schönen Vorteil bescherte. Da er jedoch leider gesundheitlich angeschlagen war, war ihm im Sinne der Mannschaft der sprichwörtliche Spatz in der Hand lieber als die Taube auf dem Dach und so akzeptierte er ein frühes Remisangebot. (½-½)

An Brett 6 (W) bekämpfte Carolin Werner die solide Caro-Kann Verteidigung mit dem Panov-Angriff. Lange folgte man bekannter Theorie bis Caro im 14. Zug abwich. Ihr hängendes Bauernpaar im Zentrum war zwar blockiert, doch sie besaß einen Freibauern, der die Stellung insgesamt im Gleichgewicht hielt und langfristig Chancen zu einem Spiel auf Gewinn versprach. Als diese sich nicht realisieren ließen, entschied sie sich richtigerweise die Spannung aufzulösen. Bei aufkommender Zeitnot verlor sie aber gänzlich den Faden, geriet in die Defensive und wurde nach einem Figurenverlust kurz vor der Zeitkontrolle matt gesetzt. (½-1½)

An Brett 8 (W) wurde Miroslav Kalous mit dem Holländischen Stonewall konfrontiert aus dem sich wie üblich ein schwerblütiger Positionskampf entwickelte. Im Mittelspiel sicherten Raumvorteil und ein passiver Läufer des Schwarzen Mirek einen deutlichen Vorteil. Durch ideenreiches Spiels vermochte er diesen in einen Königsangriff umzuwandeln, der ihm einen Qualitätsgewinn einbrachte. Obwohl schon der Materialvorteil allein bereits Garant für einen Gewinn war, ließ Mirek nicht locker, drang mit seiner Dame über die geschwächten schwarzen Felder in das gegnerische Lager ein und erzwang die baldige Aufgabe. (1½-1½)

An Brett 2 (W) entschied sich FM Zdenek Haba gegen die Slawische Verteidigung zu einem modernen Aufbau. Es gelang ihm das Zentrum zu besetzen und dadurch Raumvorteil zu erzielen, doch die schwarze Aufstellung war stabil und hatte keine angreifbaren Schwächen. Da es dem Gast zudem gelang ein Figurenpaar zu tauschen, war die Stellung eingangs des Mittelspiels ausgeglichen. Im weiteren Verlauf fand Zdenek leider keinen zufriedenstellenden Plan, so dass der Gast Schritt für Schritt die Kontrolle übernehmen konnte. Nach dem Damentausch trieb er seine Damenflügelmajorität nach vorn, erbeutete das Läuferpaar und zwang Zdenek in die Defensive. In Zeitnot fand der Windischeschenbacher schließlich weder eine ausreichende Verteidigung noch ein wirksames Gegenspiel und musste im Angesicht einer unmittelbar bevorstehenden Bauernumwandlung das Handtuch werfen. (1½-2½)

An Brett 1 (S) musste sich Tobias Brunner der Katalanischen Eröffnung erwehren. In einer Modevariante entschied er sich früh für ein Schlagen auf c4, was nach dem weiteren Tausch eines Figurenpaars zu einer ausgeglichenen Stellung führte. Weißer Raumvorteil gegen schwarzes Läuferpaar ergaben zwar ein interessantes Ungleichgewicht, doch an der Beurteilung änderte dies bis zum 19. Zug wenig. Der folgende Massenabtausch endete in einem Doppelturmendspiel, das zwar optisch günstiger für den Büchenbacher aussah, von der Engine aber als völlig ausgeglichen eingeschätzt wird. In der Folge geriet Tobias leider vom richtigen Weg ab und landete in einer passiven Stellung, die zwar noch nicht verloren, aber am Brett schwer zu verteidigen ist. Er suchte nach aktivem Gegenspiel, konnte den weißen Freibauern auf der a-Linie aber nicht mehr aufhalten und musste die Waffen strecken. (1½-3½)

An Brett 5 (S) griff Milo Müller zum populären Wolga-Gambit und folgte dabei früh einer weniger bekannten Variante. Bis zum 15. Zug hatte sich die Lage stabilisiert und es entstand eine typische Stellung mit Druck auf den offenen Linien am Damenflügel als Kompensation für den geopferten Bauern. Der Computer reklamiert zwar einen deutlichen Vorteil für Weiß, doch in der Praxis ist die Stellung nicht einfach zu spielen und so unterlief dem Gast eine Ungenauigkeit, die Milo wieder zurück ins Geschäft brachte. Im folgenden machten beide Spieler zahlreiche Fehler, die eine Vorhersage des Ausgangs nahezu unmöglich machten. Letztlich entstand ein Doppelturmendspiel, in dem die aktiven schwarzen Türme beste Aussichten auf ein Remis versprachen. Kurz nach der Zeitkontrolle schätzte Milo seine Chancen jedoch falsch ein, tauschte einen Turm und landete in einer Verluststellung. Gegen die auf beiden Flügeln vorrückenden gegnerischen Freibauern war kein Kraut mehr gewachsen und so musste er sich im 57. Zug geschlagen geben. (1½-4½)

An Brett 6 (S) verteidigte sich Stephan Schmahl Königsindisch. Sein Gegner wählte die Petrosjan-Variante, mit der das Zentrum sofort geschlossen wird. Die Partie entwickelte sich dementsprechend langsam und stand am Ende der bekannten Theorie ausgeglichen. Nach der ein oder anderen Ungenauigkeit auf beiden Seiten führte ein Fehler des Büchenbachers zu einem Bauernverlust und klarem Nachteil. Stephan nutzte die Gelegenheit, erzwang mit seiner aktiven Dame günstigen Figurentausch und stand mit Mehrbauer, Läuferpaar und aktivem Turm klar auf Gewinn. In der Zeitnotphase spielte er zwar nicht optimal, doch letztendlich brachte er den vollen Punkt sicher nach Hause. (2½-4½)

An Brett 3 (S) vertraute Philipp Mark der Russischen Verteidigung. In einer der Hauptvarianten kam es nach frühem Damentausch zu einer ausgeglichenen Stellung. Im Mittelspiel verlor Philipp dann jedoch etwas den Faden und landete in einem unbequemen Endspiel. Angesichts einer real drohenden Niederlage, bündelte er alle Kräfte in der Verteidigung und vermochte die Partie tatsächlich wieder auszugleichen. Sein Gegner ließ jedoch nicht locker und nutzte seinen Raumvorteil, um weiter Druck zu machen, der schließlich zum Erfolg führte. Philipp unterlief ein schwerer Fehler, der ein verlorenes Läuferendspiel zur Folge hatte. Er wehrte sich noch 35(!) Züge, konnte die Niederlage aber nicht mehr abwenden. (2½-5½)

Ergebnis und Verlauf des Kampfes hatten wir uns sicher anders vorgestellt, doch wir müssen konstatieren, dass die Niederlage auch in dieser Höhe verdient war. Leider fanden wir nie zu unserem Spiel und konnten am Schluss auch nicht mehr dagegen halten. Mit nunmehr 3-3 Mannschaftspunkten finden wir uns im Mittelfeld der Tabelle wieder und müssen der Tatsache ins Auge sehen, dass das erhoffte Mitmischen um den Aufstieg zwar nicht mehr unmöglich, aber doch eher unwahrscheinlich geworden ist.

Zum letzten Kampf des Jahres empfangen wir am 7. Dezember die 3. Mannschaft vom SC Noris-Tarrasch Nürnberg, die mit 4-2 Punkten zwei Plätze vor uns rangiert. Ein Sieg würde uns nicht nur Luft verschaffen, sondern auch das letzte Fünkchen Hoffnung auf einen Spitzenplatz am Glimmen halten. Und so werden wir es angehen!

Knapper Sieg der 1. Mannschaft in Neumarkt

In der 2. Runde der Regionalliga war die 1. Mannschaft zu Gast in Neumarkt. Die Heimmannschaft war zwar auf dem Papier ein klarer Underdog, doch ein Unterschätzen des Gegners kam für uns auf keinen Fall in Frage. Und wie erwartet, entwickelte sich ein spannender Kampf an dessen Ende ein hart umkämpfter 4½-3½ Sieg zu Buche stand.

An Brett 8 (S) landete Jindrich Novák durch Zugumstellung in einer Art Englischer Eröffnung. Sein Gegner gewann früh Raum am Damenflügel, den er nach ungenauem Spiel von Jindrich zu einem messbaren Vorteil ausbauen konnte:

Brett 8: Am besten war laut Computer der weitere Vormarsch am Damenflügel mittels 16.a4, doch der Neumarkter spielte etwas einfallslos 16.Ld3 und tauschte anschließend auf g6, wonach sich der Vorteil weitestgehend verflüchtigte.

Im weiteren Verlauf geriet das weiße Spiel am Damenflügel mehr und mehr ins Stocken, so dass es Jindrich gelang seine Figuren zu aktivieren und er nun seinerseits die gegnerischen Schwächen auf Korn nehmen konnte. Nach einem schweren Schnitzer des Gastgebers gewann der Windischeschenbacher schließlich zwei wichtige Bauern:

Brett 8: Nach dem Aussetzer 32.Sb5?? konnte sich Jindrich mit 32…Tax4 33.De1 Txc4 entscheidenden Materialvorteil sichern.

Nach zwei weiteren Zügen sah der Neumarkter die Sinnlosigkeit weiteren Widerstands ein und warf das Handtuch. (1-0)

An Brett 3 (W) bekam es Philipp Mark mit der Schlechter-Variante der Slawischen Verteidigung zu tun. Philipp erreichte zwar einen leichten Vorteil, doch die schwarze Stellung war äußerst solide. Nachdem beide Parteien am Damenflügel einen Springer-Vorposten einrichten konnten, bot der Heimspieler Remis an, was ohne Zögern angenommen wurde. (1½-½)

Brett 3: Mit seinem letzten Zug bot der Neumarkter Remis an, das von Philipp akzeptiert wurde.

An Brett 2 (S) griff FM Zdenek Haba zur Modernen Verteidigung, die sich zu einer Königsindisch ähnlichen Stellung entwickelte. Nach frühem Damentausch entstand ein völlig ausgeglichenes Endspiel mit jeweils zwei Türmen und einer Leichtfigur:

Brett 2: Mit nur noch wenigen Figuren auf dem Brett und ohne angreifbare Schwächen auf beiden Seiten, war ein Remis das erwartbare Ergebnis.

Wenige Züge später unterlief Zdenek jedoch ein Fehler, der ihn auf die Verliererstraße brachte:

Brett 2: Den angegriffenen Bauern c5 konnte und sollte Zdenek mit 23…Tb5 decken, doch leider wählte er 23…Ke7?? und verlor anschließend seine beiden Zentralbauern.

Zdenek versuchte noch im Trüben zu fischen, was jedoch aufgrund seines passiven Springers wenig bis gar keine Erfolgsaussichten versprach. Der Neumarkter rückte unaufhaltsam vor und erzwang im 46. Zug die Aufgabe. (1½-1½)

An Brett 4 (S) wählte Christian Müller im abgelehnten Damengambit die scharfe Ragosin-Variante, die auch mit Schwarz ein Spiel auf drei Ergebnisse erlaubt. Der vom Neumarkter gewählte harmlose Aufbau, gestattete Christian schon früh die Initiative zu übernehmen. Scheinbar überrascht vom aktiven Spiel seines Gegners, versuchte der Heimspieler das Stellungsproblem durch ungewöhnliche Maßnahmen zu lösen, was jedoch böse hätte schief gehen können:

Brett 4: Der Weiße hatte mit 15.f3 und 16.Kf2 seinen König als Verteidiger seines Bauern e3 auserkoren, als ihn mittels 16…Txe3!! der sprichwörtliche Blitz hätte treffen können.

Christian bereitete stattdessen mittels 16…Te6 die Verstärkung des Drucks vor und behielt alles unter Kontrolle. Die offene König und die abseits stehende weiße Dame sollten ihm weitere taktische Möglichkeiten geben. Sich scheinbar keiner Gefahr bewusst, öffnete der Neumarkter mit 17.g4?? und 18.g5?? weiter seinen Königsflügel, doch Christian packte die Gelegenheit immer noch nicht beim Schopfe. Wenige Züge später hatte er schließlich die letzte Chance seine ausgezeichnete Partieanlage in einen fulminanten Angriffssieg umzuwandeln:

Brett 4: Diesmal konnte Christian mit 23…Sxf4!! 24.exf4 Db8 den gegnerischen Königs vollends entblößen und seine Dame entscheidend in die Schlacht führen. Leider wählte er 23…f5?? wonach die Stellung tatsächlich wieder ausgeglichen war.

Zwei Züge später einigte man sich auf Remis. Wahrlich eine Partie der verpassten Gelegenheiten! (2-2)

An Brett 5 (W) entschied sich Milo Müller gegen die Caro-Kann Verteidigung für die Vorstoß-Variante. Im Kampf um das Zentrum gewann Milo die Oberhand und stand laut Computer bereits im 15. Zug auf Gewinn. Im komplizierten Mittelspiel fanden beiden Kontrahenten nicht immer die besten Züge, doch Milo zwang seinen Gegner durch ideenreiches Spiel immer wieder zu schweren Entscheidungen, die dieser schließlich nicht mehr zu meistern vermochte:

Brett 5: Ein hübscher Abschluss wäre 32.Da7+! Tb7 33.Dxb7+ Kxb7 34.Sc5+ und nach Rückgewinn der Dame hätte Weiß mit Turm und Läufer gegen zwei Springer leichtes Spiel gehabt. Aus der Fülle der Möglichkeiten wählte Milo 32.Dxa5+ was natürlich auch gewann.

Der offene König erlaubte dem Schwarzen keine ausreichende Verteidigung mehr und so kam es kurz nach der Zeitkontrolle zu einem ähnlichen Materialgewinn:

Brett 5: Am einfachsten war 42.Sd7+ Ka8 43.Lxe7 Sxe7 44.Sb6+ Kb8 45.Txe7 mit Figurengewinn. Milo spielte 42.Td7+ und hatte nach dem erzwungenen 42…Txd6 43.Txd6 Kc7 44.Sc4 eine Qualität gewonnen.

Mit dem hochüberlegenen Turm hatte Milo schließlich keine Schwierigkeiten mehr den Sieg nach Hause zu bringen. (3-2)

An Brett 1 (W) eröffnete Tobias Brunner Italienisch, was von seinem Gegner mit der Ungarischen Verteidigung beantwortet wurde. Es ergab sich ein typisches ruhiges Mittelspiel, in dem das Gleichgewicht lange Zeit nicht gestört war. Erst nach einem mutigen Zentrumsvorstoß neigte sich die Waage leicht zu Gunsten von Tobias:

Brett 1: Mit 18.exd6 Lxd6 19.Tde1 konnte sich Tobias einen kleinen aber dauerhaften Vorteil sichern. Er wählte jedoch 18.Tfe1 wonach 18…d5 die Stellung wieder ausglich.

Es folgten beidseitig langwierige Manöver, die aber keinen Vorteil für eine der beiden Seiten brachten. Als sich langsam andeutete, dass der schwarze Läufer zur stärksten Leichtfigur auf dem Brett avancieren würde, hätte Tobias die Reißleine ziehen sollen:

Brett 1: Mittels 32.Sf6+ Lxf6 33.exf6 hätte Tobias die Partie in ein remisliches Springerendspiel überführen können, doch er hatte andere Pläne, spielte Sfe3?! und geriet in Nachteil.

Kurz vor der Zeitkontrolle entglitt Tobias die Partie leider vollends und der Neumarkter erreichte eine klare Gewinnstellung:

Brett 1: Trotz der Drohung eines Familienschachs auf h7 hätte Schwarz die Partie hier mit dem kaltblütigen 40…Lxc3! nach Hause bringen können. Er spielte jedoch 40…Ke7 41.De3 Kd6? und plötzlich hatte Tobias wieder Chancen die Partie zu halten!

Wenige Züge später kam es zur alles entscheidenden Stellung:

Brett 1: Trotz des Verlustes des Bauern a4 mit Schach war 48.Kc2 der beste Zug, der gute Remischancen geboten hätte. Leider entschied sich Tobias aber für 48.Kc1?? und ließ damit den schwarzen Läufer entscheidend ins Spiel eingreifen.

Nach einer mehr oder weniger forcierten Folge zeigte sich der Nachteil der Königsstellung auf b1:

Brett 1: Mit 51…Df5! nutzte der Neumarkter die Diagonalstellung der weißen Majestäten und wickelte in ein leicht gewonnenes Bauernendspiel ab.

Einen Zug später musste Tobias konsterniert die Waffen strecken. (3-3)

An Brett 7 (W) begegnete Miroslav Kalous dem Altindischen Aufbau seines Gegners mit einem Doppelfianchetto. Dabei ließ er allerdings einen schnellen Raumgewinn des Neumarkters im Zentrum zu und musste bereits um Ausgleich kämpfen. Es gelang ihm die Stellung ungefähr im Gleichgewicht zu halten als dem Heimspieler ein unscheinbarer Fehler unterlief:

Brett 7: Nach 28…Dd6 hätte sich der Schwarze einen leichten Vorteil erhalten können, doch er wählte 28…Sa8? und hätte aufgrund seines ungeschützten Königsflügels in ernste Schwierigkeiten kommen können.

Zunächst setzte Mirek mit 29.Dh5! energisch fort, doch nach 29…g6 verließ ihn der Mut und er zog seine Dame zurück nach d1. Dabei lag das Gute in Form von 29.Dh6! doch so nah mit der Idee eines Springeropfers auf f7, um anschließend den völlig entblößten generischen König übers Brett zu jagen. Nach dieser verpassten Gelegenheit ging der Kampf in ausgeglichener Stellung weiter bis dem Windischeschenbacher kurz vor der Zeitkontrolle ein grober Schnitzer unterlief:

Brett 7: Mit 37.Ld2! hätte Mirek die Stellung halten können, doch er wählte 37.Le7?? und wäre nach 37…De6! 38.La3 Dh3 auf Verlust gestanden. Aber der Neumarkter fand den Gewinnweg nicht, spielte 37…Te8 und Mirek konnte noch einmal aufatmen.

Anschließend verflachte die Partie zusehends bis man sich schließlich in einem völlig ausgeglichenen Turmendspiel auf Remis einigte. (3½-3½)

An Brett 6 (S) verteidigte sich Carolin Werner mit der Leningrader Variante der Holländischen Verteidigung. Gegen den zahmen weißen Aufbau hatte sie wenig Mühe Ausgleich zu erreichen und konnte schon nach acht Zügen Vorteil für sich zu reklamieren:

Brett 6: Nach dem Zentrumsvorstoß 8…e5! machte sich die unglückliche weiße Figurenaufstellung bereits bemerkbar.

Caro setzte zunächst richtig fort, verpasste dann aber eine gute Möglichkeit die Initiative zu ergreifen:

Brett 6: Mit der sogenannten „Holländischen Lanze“ 12…f4! hätten Carolins besser platzierte Figuren noch mehr zur Geltung kommen können. Neben …f3 liegen auch …Lg4 und ein Abtausch der Springer auf d4 zum richtigen Zeitpunkt in der Luft, wonach Weiß Probleme bekommen hätte seine Stellung zusammenzuhalten.

Trotz der für Holländisch üblich schwer zu bewertenden und für beide Seiten ideengeladenen Stellung verlief die Partie in der Folge sehr ausgeglichen. Im Endspiel gelang es Carolin zwar einen entfernten Freibauern zu bilden doch auch hier sieht die Engine keinen nennenswerten Vorteil. Erst gegen Ende der Partie behielt Carolin die bessere Übersicht und die besseren Nerven und nutzte einen Fehler ihres Gegners eiskalt aus:

Brett 6: Weiß hatte gute Chancen auf ein Remis als er in dieser Stellung 50.Td6+?? wählte. Nach 50…Ke7 hing nicht nur sein Turm, sondern auch sein Springer auf d3 wegen eines potentiellen Turmspießes auf der dritten Reihe!

In der Partie setzte der Neumarkter notgedrungen fort mit 51.e5 Lxd3 52.Txg5, um noch im Trüben zu fischen. Carolin ließ sich aber nicht mehr beirren, berechnete alles korrekt und fand die Abwicklung zum Gewinn der letzten beiden weißen Bauern unter gleichzeitigem Tausch eines Turms. Da weiterer Widerstand sinnlos war, gab der Heimspieler auf und gratulierte uns zum Mannschaftssieg. (4½-3½)

Nach diesem wichtigen Auswärtssieg bleiben unsere Chancen mit um den Aufstieg zu spielen intakt, was zwar vom Liga-Orakel noch nicht so ganz honoriert wird, der insgesamt positiven Stimmung in der Mannschaft und im Verein jedoch keinen Abbruch tut.

Am 16. November empfangen wir zu Hause die SG Büchenbach / Roth. Mit einem Sieg könnten wir uns vor der letzten Runde im Jahr 2025 eine gute Ausgangsposition im Kampf um die Tabellenspitze sichern. Wille und Motivation sind vorhanden und mit der notwendigen Ernsthaftigkeit können wir unser Ziel auch erreichen. Also packen wir’s an!

Das Parfüm

Wir schreiben ein Jahr des letzten Jahrtausends. Es ist Samstag Nachmittag, kurz vor der Sportschau.

Flietsch & Bent sind mal wieder auf einem Open, als sie an einem heißen Sommertag kurz vor der Zeitkontrolle gemeinsam durch die Reihen schlendern, um zu kiebitzen.

An den Tischen der Titelträger wabert ein beißender Geruch von kernigem Männerschweiß über die Bretter, doch dann plötzlich, ein paar Schritte weiter, steigt uns ein angenehm süßer Rosenduft in die Nasen! „Was ist das?“, starrten wir uns gleichermaßen verwundert wie betört an.

Ein Blick aufs Brett brachte die Auflösung. „Ah, die Gaponenko!“, platzte es spontan aus Flietsch heraus! Gemeint war die heutige IM Inna Gaponenko, die uns nicht nur regelmäßig auf Turnieren begegnete, sondern ganz offensichtlich auch ein völlig anderes Verständnis von Körperhygiene pflegte als ihre männlichen Kollegen!

Nun fragt Ihr euch vielleicht, was auf dem Brett los war und wie sie sich geschlagen hat?

Um ehrlich zu sein. Wir hatten nicht die geringste Ahnung, aber an ihrem Brett verweilten wir mit Abstand am längsten!