Nach dem knappen Unentschieden im Auftaktspiel gegen den SC Oberviechtach war unsere zweite Mannschaft zum zweiten Spieltag auswärts beim Nachbarverein SK Weiden 07 zu Gast. Beide Mannschaften mussten auf den vorderen Brettern auf Spieler verzichten, sodass wir dem Absteiger aus der Regionalliga, zumindest auf dem Papier, auf Augenhöhe begegnen konnten.
Am sechsten Brett wählte Michael Betz die französische Verteidigung. Bereits aus der Eröffnung heraus erreichte er eine angenehme Stellung und konnte nach einer Ungenauigkeit seines Gegners einen Bauern gewinnen. Beim Versuch, ins Endspiel abzuwickeln, war der schwarze Mehrbauer jedoch schwer zu halten. Nach dem Übergang ins Bauernendspiel schätzte Michael die Stellung falsch ein: Trotz des entfernten schwarzen Freibauern war der weiße König zu aktiv, sodass die weißen Bauern schließlich durchbrechen konnten:

An Brett sieben eröffnete Manfred Oppel mit Englisch. Sein fianchettierter Läufer auf g2 kam zu einem frühen Glück, als der Weidener Spieler nach einer kurzen Unachtsamkeit den Einschlag auf b7 mit Qualitätsgewinn zuließ. Manfred ließ sich trotz zäher Verteidigungsversuche seines Gegners den vollen Punkt nicht mehr nehmen und erzielte fast postwendend den Ausgleich. (1-1)
Am dritten Brett eröffnete Bedrich Prochazka mit dem Königsbauern. Gegen die Sizilianische Verteidigung erreichte er eine aktive Stellung und erlangte nach einem Figurenopfer gewinnbringendem Vorteil:

Durch die passiven Figuren blieb der schwarze König allerdings ein Angriffsziel. Bedrich machte weiter Druck auf die Stellung seines Gegners und konnte neben einer Qualität auch einige Bauern gewinnen. Diesen Materialvorteil nutzte er, um den schwarzen König endgültig freizulegen, sodass dem Weidener bei absehbarem Matt nur noch die Aufgabe blieb. (2-1)
Am Spitzenbrett wählte Liliane Pavlov gegen den FIDE-Meister Mladen Dvornic die Katalanische Eröffnung. Beide Seiten zeigten sich theoriefest und Schwarz gab seinen Mehrbauern schließlich zurück, um die weiße Bauernstruktur zu schwächen. Liliane konnte ihre Schwäche durch einen Figurentausch beseitigen und wickelte wenig später in ein Turmendspiel ab. Auch hier behielt sie den Überblick und man einigte sich auf ein verdientes Remis, als der Weidener Titelträger auch hier keine Möglichkeit fand, einen Vorteil zu erlangen. (2,5-1,5)
Am fünften Brett eröffnete Stefan Simmerl mit dem Colle-System. In nahezu symmetrischer Stellung war die Stellung lange ausgeglichen. Im Mittelspiel entschied sich der Weidener zu einer Abwicklung, in der Stefan durch ein Figurenopfer einen Bauern gewann. Das resultierende Endspiel mit ungleichfarbigen Läufern ließ jedoch wenig Gewinnmöglichkeiten zu. Nachdem sich die meisten Bauern abgetauscht hatten, konnte der Weidener Spieler auf den weißen Feldern eine Blockade errichten und man einigte sich auf Unentschieden. (3-2)
An Brett zwei beantwortete Johannes Denz das Aufziehen des f-Bauerns mit dem From-Gambit, bei dem mit e5 und d6 ein Bauer für Entwicklungsvorteil geopfert wird. In einer scharfen Variante konnte er Druck auf den d4-Bauern des Weißen aufbauen:

Johannes konnte im weiteren Verlauf Material abtauschen und mit Dame gegen Turm und Springer die schwarzen h- und g-Bauern anschieben. Mit der schwarzen Dame auf f2 war für den Freibauern auf g3 der rote Teppich ausgerollt und Weiß gab sich geschlagen. (4-2)
Am vierten Brett spielte Rudolf Schön gegen die Englische Eröffnung. Rudolf erreichte zu Beginn eine angenehme Stellung, im Mittelspiel konnte der Weiße aber mit Bauernvorstößen einen Raumvorteil erzielen. Nach dem Damentausch erwiesen sich die weit fortgeschrittenen Bauern jedoch als Schwäche. Im Endspiel mit Turm und Läufer gegen Turm und Springer gelang es Rudolf, einen gedeckten Freibauern zu bilden und seine Stellung stetig zu verbessern. Schließlich bot sich eine gewinnbringende Abwicklung an:

An Brett acht trat Rudolf Schicker gegen das Londoner System an. Nachdem er bereits vergangenen Sonntag in der Kreisliga mit gleicher Farbe gegen seinen Gegner gespielt hatte, entschied er sich im Mittelspiel, zwei Leichtfiguren gegen einen Turm zu tauschen. Als sich die Stellung öffnete, erwies sich die Leichtfiguren des Weißen aber als zu stark. Mit Turm gegen Läufer, Springer und einen Bauern kämpfte Rudolf lange gegen die drohende Niederlage, bis der Weidener einen weiteren Bauern gewinnen und seinen Freibauern in Richtung Grundlinie anschieben konnte. Nach langem Kampf gab sich Rudolf schließlich geschlagen. (5-3)
Mit diesem unerwarteten, aber verdienten 5-3 Auswärtserfolg trugen wir damit unseren Teil zu den Überraschungen dieses Spieltags bei. Neben unseren Gastgebern mussten auch andere Favoriten Federn lassen, was zu einer unerwarteten Tabelle nach dem zweiten Spieltag führt:
