In der 2. Runde der Regionalliga war die 1. Mannschaft zu Gast in Neumarkt. Die Heimmannschaft war zwar auf dem Papier ein klarer Underdog, doch ein Unterschätzen des Gegners kam für uns auf keinen Fall in Frage. Und wie erwartet, entwickelte sich ein spannender Kampf an dessen Ende ein hart umkämpfter 4½-3½ Sieg zu Buche stand.
An Brett 8 (S) landete Jindrich Novák durch Zugumstellung in einer Art Englischer Eröffnung. Sein Gegner gewann früh Raum am Damenflügel, den er nach ungenauem Spiel von Jindrich zu einem messbaren Vorteil ausbauen konnte:

Im weiteren Verlauf geriet das weiße Spiel am Damenflügel mehr und mehr ins Stocken, so dass es Jindrich gelang seine Figuren zu aktivieren und er nun seinerseits die gegnerischen Schwächen auf Korn nehmen konnte. Nach einem schweren Schnitzer des Gastgebers gewann der Windischeschenbacher schließlich zwei wichtige Bauern:

Nach zwei weiteren Zügen sah der Neumarkter die Sinnlosigkeit weiteren Widerstands ein und warf das Handtuch. (1-0)
An Brett 3 (W) bekam es Philipp Mark mit der Schlechter-Variante der Slawischen Verteidigung zu tun. Philipp erreichte zwar einen leichten Vorteil, doch die schwarze Stellung war äußerst solide. Nachdem beide Parteien am Damenflügel einen Springer-Vorposten einrichten konnten, bot der Heimspieler Remis an, was ohne Zögern angenommen wurde. (1½-½)

An Brett 2 (S) griff FM Zdenek Haba zur Modernen Verteidigung, die sich zu einer Königsindisch ähnlichen Stellung entwickelte. Nach frühem Damentausch entstand ein völlig ausgeglichenes Endspiel mit jeweils zwei Türmen und einer Leichtfigur:

Wenige Züge später unterlief Zdenek jedoch ein Fehler, der ihn auf die Verliererstraße brachte:

Zdenek versuchte noch im Trüben zu fischen, was jedoch aufgrund seines passiven Springers wenig bis gar keine Erfolgsaussichten versprach. Der Neumarkter rückte unaufhaltsam vor und erzwang im 46. Zug die Aufgabe. (1½-1½)
An Brett 4 (S) wählte Christian Müller im abgelehnten Damengambit die scharfe Ragosin-Variante, die auch mit Schwarz ein Spiel auf drei Ergebnisse erlaubt. Der vom Neumarkter gewählte harmlose Aufbau, gestattete Christian schon früh die Initiative zu übernehmen. Scheinbar überrascht vom aktiven Spiel seines Gegners, versuchte der Heimspieler das Stellungsproblem durch ungewöhnliche Maßnahmen zu lösen, was jedoch böse hätte schief gehen können:

Christian bereitete stattdessen mittels 16…Te6 die Verstärkung des Drucks vor und behielt alles unter Kontrolle. Die offene König und die abseits stehende weiße Dame sollten ihm weitere taktische Möglichkeiten geben. Sich scheinbar keiner Gefahr bewusst, öffnete der Neumarkter mit 17.g4?? und 18.g5?? weiter seinen Königsflügel, doch Christian packte die Gelegenheit immer noch nicht beim Schopfe. Wenige Züge später hatte er schließlich die letzte Chance seine ausgezeichnete Partieanlage in einen fulminanten Angriffssieg umzuwandeln:

Zwei Züge später einigte man sich auf Remis. Wahrlich eine Partie der verpassten Gelegenheiten! (2-2)
An Brett 5 (W) entschied sich Milo Müller gegen die Caro-Kann Verteidigung für die Vorstoß-Variante. Im Kampf um das Zentrum gewann Milo die Oberhand und stand laut Computer bereits im 15. Zug auf Gewinn. Im komplizierten Mittelspiel fanden beiden Kontrahenten nicht immer die besten Züge, doch Milo zwang seinen Gegner durch ideenreiches Spiel immer wieder zu schweren Entscheidungen, die dieser schließlich nicht mehr zu meistern vermochte:

Der offene König erlaubte dem Schwarzen keine ausreichende Verteidigung mehr und so kam es kurz nach der Zeitkontrolle zu einem ähnlichen Materialgewinn:

Mit dem hochüberlegenen Turm hatte Milo schließlich keine Schwierigkeiten mehr den Sieg nach Hause zu bringen. (3-2)
An Brett 1 (W) eröffnete Tobias Brunner Italienisch, was von seinem Gegner mit der Ungarischen Verteidigung beantwortet wurde. Es ergab sich ein typisches ruhiges Mittelspiel, in dem das Gleichgewicht lange Zeit nicht gestört war. Erst nach einem mutigen Zentrumsvorstoß neigte sich die Waage leicht zu Gunsten von Tobias:

Es folgten beidseitig langwierige Manöver, die aber keinen Vorteil für eine der beiden Seiten brachten. Als sich langsam andeutete, dass der schwarze Läufer zur stärksten Leichtfigur auf dem Brett avancieren würde, hätte Tobias die Reißleine ziehen sollen:

Kurz vor der Zeitkontrolle entglitt Tobias die Partie leider vollends und der Neumarkter erreichte eine klare Gewinnstellung:

Wenige Züge später kam es zur alles entscheidenden Stellung:

Nach einer mehr oder weniger forcierten Folge zeigte sich der Nachteil der Königsstellung auf b1:

Einen Zug später musste Tobias konsterniert die Waffen strecken. (3-3)
An Brett 7 (W) begegnete Miroslav Kalous dem Altindischen Aufbau seines Gegners mit einem Doppelfianchetto. Dabei ließ er allerdings einen schnellen Raumgewinn des Neumarkters im Zentrum zu und musste bereits um Ausgleich kämpfen. Es gelang ihm die Stellung ungefähr im Gleichgewicht zu halten als dem Heimspieler ein unscheinbarer Fehler unterlief:

Zunächst setzte Mirek mit 29.Dh5! energisch fort, doch nach 29…g6 verließ ihn der Mut und er zog seine Dame zurück nach d1. Dabei lag das Gute in Form von 29.Dh6! doch so nah mit der Idee eines Springeropfers auf f7, um anschließend den völlig entblößten generischen König übers Brett zu jagen. Nach dieser verpassten Gelegenheit ging der Kampf in ausgeglichener Stellung weiter bis dem Windischeschenbacher kurz vor der Zeitkontrolle ein grober Schnitzer unterlief:

Anschließend verflachte die Partie zusehends bis man sich schließlich in einem völlig ausgeglichenen Turmendspiel auf Remis einigte. (3½-3½)
An Brett 6 (S) verteidigte sich Carolin Werner mit der Leningrader Variante der Holländischen Verteidigung. Gegen den zahmen weißen Aufbau hatte sie wenig Mühe Ausgleich zu erreichen und konnte schon nach acht Zügen Vorteil für sich zu reklamieren:

Caro setzte zunächst richtig fort, verpasste dann aber eine gute Möglichkeit die Initiative zu ergreifen:

Trotz der für Holländisch üblich schwer zu bewertenden und für beide Seiten ideengeladenen Stellung verlief die Partie in der Folge sehr ausgeglichen. Im Endspiel gelang es Carolin zwar einen entfernten Freibauern zu bilden doch auch hier sieht die Engine keinen nennenswerten Vorteil. Erst gegen Ende der Partie behielt Carolin die bessere Übersicht und die besseren Nerven und nutzte einen Fehler ihres Gegners eiskalt aus:

In der Partie setzte der Neumarkter notgedrungen fort mit 51.e5 Lxd3 52.Txg5, um noch im Trüben zu fischen. Carolin ließ sich aber nicht mehr beirren, berechnete alles korrekt und fand die Abwicklung zum Gewinn der letzten beiden weißen Bauern unter gleichzeitigem Tausch eines Turms. Da weiterer Widerstand sinnlos war, gab der Heimspieler auf und gratulierte uns zum Mannschaftssieg. (4½-3½)
Nach diesem wichtigen Auswärtssieg bleiben unsere Chancen mit um den Aufstieg zu spielen intakt, was zwar vom Liga-Orakel noch nicht so ganz honoriert wird, der insgesamt positiven Stimmung in der Mannschaft und im Verein jedoch keinen Abbruch tut.
Am 16. November empfangen wir zu Hause die SG Büchenbach / Roth. Mit einem Sieg könnten wir uns vor der letzten Runde im Jahr 2025 eine gute Ausgangsposition im Kampf um die Tabellenspitze sichern. Wille und Motivation sind vorhanden und mit der notwendigen Ernsthaftigkeit können wir unser Ziel auch erreichen. Also packen wir’s an!