Am 16. November 2025 empfingen wir zur 3. Runde der Regionalliga die 1. Mannschaft der SG Büchenbach / Roth. Im durchschnittlichen Rating hatten wir die Nase vorn, doch der relativ geringe Vorsprung ließ einen Kampf auf Augenhöhe erwarten. Warum es schließlich anders kam und wir eine deprimierende 2½-5½ Niederlage einstecken mussten, ist schwer zu erklären und war uns auch bei der anschließenden Mannschaftsbesprechung völlig unklar. Es scheint fast als hätten wir in jeder Saison einen dieser schwarzen Tage zu verdauen.
An Brett 4 (W) wählte Christian Müller gegen die Rubinstein-Variante der Französischen Verteidigung einen eher selten gespielten, aber statistisch überdurchschnittlich erfolgreichen Zug, der ihm auch in dieser Partie gute Dienste leistete. Es gelang ihm den Gegner in eine passive Stellung zu drängen, was ihm zusammen mit mehr Raum einen schönen Vorteil bescherte. Da er jedoch leider gesundheitlich angeschlagen war, war ihm im Sinne der Mannschaft der sprichwörtliche Spatz in der Hand lieber als die Taube auf dem Dach und so akzeptierte er ein frühes Remisangebot. (½-½)
An Brett 6 (W) bekämpfte Carolin Werner die solide Caro-Kann Verteidigung mit dem Panov-Angriff. Lange folgte man bekannter Theorie bis Caro im 14. Zug abwich. Ihr hängendes Bauernpaar im Zentrum war zwar blockiert, doch sie besaß einen Freibauern, der die Stellung insgesamt im Gleichgewicht hielt und langfristig Chancen zu einem Spiel auf Gewinn versprach. Als diese sich nicht realisieren ließen, entschied sie sich richtigerweise die Spannung aufzulösen. Bei aufkommender Zeitnot verlor sie aber gänzlich den Faden, geriet in die Defensive und wurde nach einem Figurenverlust kurz vor der Zeitkontrolle matt gesetzt. (½-1½)
An Brett 8 (W) wurde Miroslav Kalous mit dem Holländischen Stonewall konfrontiert aus dem sich wie üblich ein schwerblütiger Positionskampf entwickelte. Im Mittelspiel sicherten Raumvorteil und ein passiver Läufer des Schwarzen Mirek einen deutlichen Vorteil. Durch ideenreiches Spiels vermochte er diesen in einen Königsangriff umzuwandeln, der ihm einen Qualitätsgewinn einbrachte. Obwohl schon der Materialvorteil allein bereits Garant für einen Gewinn war, ließ Mirek nicht locker, drang mit seiner Dame über die geschwächten schwarzen Felder in das gegnerische Lager ein und erzwang die baldige Aufgabe. (1½-1½)
An Brett 2 (W) entschied sich FM Zdenek Haba gegen die Slawische Verteidigung zu einem modernen Aufbau. Es gelang ihm das Zentrum zu besetzen und dadurch Raumvorteil zu erzielen, doch die schwarze Aufstellung war stabil und hatte keine angreifbaren Schwächen. Da es dem Gast zudem gelang ein Figurenpaar zu tauschen, war die Stellung eingangs des Mittelspiels ausgeglichen. Im weiteren Verlauf fand Zdenek leider keinen zufriedenstellenden Plan, so dass der Gast Schritt für Schritt die Kontrolle übernehmen konnte. Nach dem Damentausch trieb er seine Damenflügelmajorität nach vorn, erbeutete das Läuferpaar und zwang Zdenek in die Defensive. In Zeitnot fand der Windischeschenbacher schließlich weder eine ausreichende Verteidigung noch ein wirksames Gegenspiel und musste im Angesicht einer unmittelbar bevorstehenden Bauernumwandlung das Handtuch werfen. (1½-2½)
An Brett 1 (S) musste sich Tobias Brunner der Katalanischen Eröffnung erwehren. In einer Modevariante entschied er sich früh für ein Schlagen auf c4, was nach dem weiteren Tausch eines Figurenpaars zu einer ausgeglichenen Stellung führte. Weißer Raumvorteil gegen schwarzes Läuferpaar ergaben zwar ein interessantes Ungleichgewicht, doch an der Beurteilung änderte dies bis zum 19. Zug wenig. Der folgende Massenabtausch endete in einem Doppelturmendspiel, das zwar optisch günstiger für den Büchenbacher aussah, von der Engine aber als völlig ausgeglichen eingeschätzt wird. In der Folge geriet Tobias leider vom richtigen Weg ab und landete in einer passiven Stellung, die zwar noch nicht verloren, aber am Brett schwer zu verteidigen ist. Er suchte nach aktivem Gegenspiel, konnte den weißen Freibauern auf der a-Linie aber nicht mehr aufhalten und musste die Waffen strecken. (1½-3½)
An Brett 5 (S) griff Milo Müller zum populären Wolga-Gambit und folgte dabei früh einer weniger bekannten Variante. Bis zum 15. Zug hatte sich die Lage stabilisiert und es entstand eine typische Stellung mit Druck auf den offenen Linien am Damenflügel als Kompensation für den geopferten Bauern. Der Computer reklamiert zwar einen deutlichen Vorteil für Weiß, doch in der Praxis ist die Stellung nicht einfach zu spielen und so unterlief dem Gast eine Ungenauigkeit, die Milo wieder zurück ins Geschäft brachte. Im folgenden machten beide Spieler zahlreiche Fehler, die eine Vorhersage des Ausgangs nahezu unmöglich machten. Letztlich entstand ein Doppelturmendspiel, in dem die aktiven schwarzen Türme beste Aussichten auf ein Remis versprachen. Kurz nach der Zeitkontrolle schätzte Milo seine Chancen jedoch falsch ein, tauschte einen Turm und landete in einer Verluststellung. Gegen die auf beiden Flügeln vorrückenden gegnerischen Freibauern war kein Kraut mehr gewachsen und so musste er sich im 57. Zug geschlagen geben. (1½-4½)
An Brett 6 (S) verteidigte sich Stephan Schmahl Königsindisch. Sein Gegner wählte die Petrosjan-Variante, mit der das Zentrum sofort geschlossen wird. Die Partie entwickelte sich dementsprechend langsam und stand am Ende der bekannten Theorie ausgeglichen. Nach der ein oder anderen Ungenauigkeit auf beiden Seiten führte ein Fehler des Büchenbachers zu einem Bauernverlust und klarem Nachteil. Stephan nutzte die Gelegenheit, erzwang mit seiner aktiven Dame günstigen Figurentausch und stand mit Mehrbauer, Läuferpaar und aktivem Turm klar auf Gewinn. In der Zeitnotphase spielte er zwar nicht optimal, doch letztendlich brachte er den vollen Punkt sicher nach Hause. (2½-4½)
An Brett 3 (S) vertraute Philipp Mark der Russischen Verteidigung. In einer der Hauptvarianten kam es nach frühem Damentausch zu einer ausgeglichenen Stellung. Im Mittelspiel verlor Philipp dann jedoch etwas den Faden und landete in einem unbequemen Endspiel. Angesichts einer real drohenden Niederlage, bündelte er alle Kräfte in der Verteidigung und vermochte die Partie tatsächlich wieder auszugleichen. Sein Gegner ließ jedoch nicht locker und nutzte seinen Raumvorteil, um weiter Druck zu machen, der schließlich zum Erfolg führte. Philipp unterlief ein schwerer Fehler, der ein verlorenes Läuferendspiel zur Folge hatte. Er wehrte sich noch 35(!) Züge, konnte die Niederlage aber nicht mehr abwenden. (2½-5½)
Ergebnis und Verlauf des Kampfes hatten wir uns sicher anders vorgestellt, doch wir müssen konstatieren, dass die Niederlage auch in dieser Höhe verdient war. Leider fanden wir nie zu unserem Spiel und konnten am Schluss auch nicht mehr dagegen halten. Mit nunmehr 3-3 Mannschaftspunkten finden wir uns im Mittelfeld der Tabelle wieder und müssen der Tatsache ins Auge sehen, dass das erhoffte Mitmischen um den Aufstieg zwar nicht mehr unmöglich, aber doch eher unwahrscheinlich geworden ist.
Zum letzten Kampf des Jahres empfangen wir am 7. Dezember die 3. Mannschaft vom SC Noris-Tarrasch Nürnberg, die mit 4-2 Punkten zwei Plätze vor uns rangiert. Ein Sieg würde uns nicht nur Luft verschaffen, sondern auch das letzte Fünkchen Hoffnung auf einen Spitzenplatz am Glimmen halten. Und so werden wir es angehen!