Am vergangenen Sonntag traten wir bei der 2. Mannschaft des Regensburger Vorstadtclubs TSV Kareth-Lappersdorf an. Die Ausgangslage war klar, brauchten die Karether doch jeden Punkt im Kampf um den Klassenerhalt, während wir zum wiederholten Mal danach trachteten unsere letzte Chance zu ergreifen, ein gewichtiges Wörtchen im Meisterschaftsrennen mitzusprechen. Nach gut vier Stunden stand ein ungefährdeter 6-2 Auswärtssieg zu Buche mit dem wir die Konkurrenz aufhorchen lassen konnten.
An Brett 8 (S) verteidigte sich Manfred Oppel in seinem Debut für die 1. Mannschaft Königsindisch. Gegen die Makogonov-Variante entschied er sich für den Zentrumsvorstoß c5, der an dieser Stelle nicht unbedingt einen guten Ruf genießt. Doch anscheinend war auch sein Gegner mit diesem Vorgehen nicht vertraut und wechselte erst zur Fianchetto-Variante und dann wieder zurück, was in dieser Form wenig Aussicht auf Erfolg versprach. Im 14. Zug startete Mane eine Abtauschaktion, die ihm in der richtigen Reihenfolge einen klaren und gewinnverheißenden Vorteil gebracht hätte:

Zu seinem Leidwesen vertauschte er aber die Züge, wonach die Partie weitestgehend verflachte. In immer noch leicht vorteilhafter Stellung bot er Remis, was natürlich sofort angenommen wurde. (½-½)
An Brett 1 (W) bekam es Tobias Brunner nach dem Aufzug des Königsbauern mit einer Art Philidor-Verteidigung zu tun. Sein aggressiver Dreibauernangriff sah beeindruckend aus, hätte aber wirksam bekämpft werden können:

Aufgrund der unglücklichen Positionierung seiner Dame sah sich der Karether gezwungen lang zu rochieren, womit er die Lage auf dem Brett weiter verschärfte. Einen Zug später hätte ihn ein Fehler bereits Kopf und Kragen kosten können:

Leider verpasste Tobias diese Gelegenheit, stand aber immer noch besser. Erst nach der direkt anschließenden Ungenauigkeit war sein Vorteil verflogen und es begann der beidseitige Aufmarsch gegen die gegnerische Königsstellung. Es stellte sich heraus, dass der schwarze Angriff schneller voran kam und nach einem Fehler von Tobias in komplizierter Stellung auch hätte durchschlagen können:

Doch damit nicht genug des Glücks. In Zeitnot verlor der Karether in mittlerweile ausgeglichener Stellung vollends die Übersicht, ließ die weiße Dame nach a7 eindringen und geriet selbst in einen Mattangriff, den er nicht mehr zu stoppen vermochte. (1½-½)
An Brett 7 (W) wurde Stephan Schmahl mit der Sizilianische Drachenvariante konfrontiert. Beide Spieler versuchten die Hoheit über das Zentrum zu erlangen, was nach mehrfachem Abtausch zum sogenannten „Widder“ führte, einer Stellung mit beidseitig isolierten Bauern auf d4 und d5. Zunächst schien die Lage günstiger für Weiß zu sein, doch trotz der notwendigen künstlichen Rochade von Schwarz, war kein Vorteil auszumachen. Im 16. Zug überschätzte Stephan seine Möglichkeiten, ging zu offensiv am Königsflügel vor und hätte klar in Nachteil geraten können:

Zu seinem Glück erwiderte sein Gegner nicht 16…g5! und dann ….f5, sondern spielte sofort 16…f5?? und stand überraschenderweise unmittelbar auf Verlust. Nach 17.g5! sind die schwarzen Leichtfiguren durch die eigene Blockade des Feldes f5 sehr passiv. während die weißen über die geschwächten schwarzen Felder zum gegnerischen König vordringen können. Unter Zeitdruck verpasste Stephan zwar das ein oder andere Mal die stärkste Fortsetzung, doch letztendlich gelang es ihm unbeschadet durch die Komplikationen zu kommen und in ein gewonnenes Endspiel abzuwickeln:

Nach dem Partiezug 37.Te8+ und der mehr oder weniger erzwungenen Folge 37…Kf7 38.Txc8 Kxg6 39.Txc6+ Kf7 40.Ke3, wäre nicht nur ein zweiter Bauer gefallen, sondern auch die Zeitkontrolle erreicht gewesen, so dass der Karether an dieser Stelle aufgab. (2½-½)
An Brett 6 (S) wählte Carolin Werner die Sizilianische Sveshnikov-Variante, eine Eröffnung nicht ohne Risiko, die aber auch ein Spiel auf Gewinn ermöglicht. Der frühe und wenig ehrgeizige Springertausch auf c6 kam ihr dabei sehr entgegen. Es ergaben sich ungewohnte Stellungsbilder, die für beide Spieler nicht einfach zu spielen waren, was die von der Engine aufgedeckten Ungenauigkeiten hüben wie drüben erklärt. Caro schnappte sich einen Bauern, musste dafür aber einen nicht unerheblichen Entwicklungsrückstand in Kauf nehmen. Ihr Gegner fand aber keine Möglichkeit seinen dynamischen Vorteil in etwas Zählbares umzumünzen und konnte dementsprechend keine Kompensation für den fehlenden Bauern nachweisen. Nichtsdestotrotz blieb die Lage auf dem Brett auch nach Vervollständigung der Entwicklung kompliziert und so begann der Kampf nun erst richtig zu entbrennen:

In weiterhin angespannter Lage versuchte Caro mittels Verdoppelung der Türme auf der g-Linie den weißen König zu attackieren, wählte dabei aber eine unglückliche Zugfolge, die sie in erhebliche Schwierigkeiten hätte bringen können:

Der Heimspieler sah diese Kombination jedoch nicht, spielte 27.Td3 und landete nach weiteren Irrungen und Wirrungen bei beidseitig knapper Bedenkzeit kurz vor der Zeitkontrolle in folgender Stellung:

Caro ließ sich die Gelegenheit nicht entgehen und zwang ihren Kontrahenten in wenigen Zügen zur Aufgabe. (3½-½)
An Brett 3 (W) traute Philipp Mark seinen Augen kaum als sein Gegner in der Eröffnung eine nahezu unbekannte Nebenvariante wählte. Der Schwarze verzichtete zunächst auf jedweden Kontakt und überließ Philipp das Zentrum, das dieser nur zu gern mit seinen Bauern besetzte:

Da ein Einigeln auf Dauer kaum funktionieren kann, betrat im 7. Zug der erste schwarze Bauer die 5. Reihe und löste damit auf beiden Seiten Figurenumgruppierung aus. In der Folge gelang es dem Karether seine Stellung zu entwirren und für ihn aufgrund des Raumnachteils günstigen Figurenabtausch einzuleiten. Scheinbar überrascht von dieser Entwicklung fand Philipp keinen wirksamen Plan und musste sich schließlich mit Ausgleich abfinden:

Da Schwarz zudem über den „richtigen“ Läufer verfügte, war sein beginnender Angriff königsindischer Art trotz des reduzierten Material alles andere als ungefährlich. Psychologisch unter Druck versuchte Philipp dem kommenden Sturm mit seinem König zu entkommen:

Der Karether nuzte die Gelegenheit, spielte 21…g4! und konnte damit klaren Vorteil erzielen. Da ein Unglück nur selten allein kommt, tauschte Philipp auch noch selbst auf g4 und stand endgültig auf Verlust. In der Folge entwickelte sich ein Spiel auf ein Tor, dem er keine entscheidende Wendung mehr geben konnte. Als er direkt vor der Zeitkontrolle Figurenverlust quittieren musste, war die Zeit für die Aufgabe gekommen. (3½-1½)
An Brett 2 (S) verteidigte sich Ingo Cordts im Damengambit mit dem durch Ex-Weltmeister Magnus Carlsen popularisierten frühen …a6. Der Weiße baute sich harmonisch auf, hielt die Spannung im Zentrum aufrecht und konnte mit seinem Raumvorteil am Damenflügel einen kleinen Vorteil verbuchen:

Die von ihm gewählte Fortsetzung 15.Sf1 vergab jedoch seinen Vorteil, da sich Ingo mit Hilfe der forcierten Abwicklung 15…dxc4 16.Lxc4 b5 17.Ld3 e5 praktisch komplett befreien konnte. Ohne Not folgte direkt im Anschluss der bereits entscheidende Fehler:

Der resultierende Bauerngewinn auf b4 verschaffte Ingo eine Gewinnstellung, die er durch Figurentausch und Gewinn des Läuferpaars verdichtete. In seiner Verzweiflung opferte der Heimspieler eine Qualität, was zwar den verloren gegangenen Bauern zurückholte, aber im Endeffekt doch nur vom Regen in die Traufe kam. Ingo aktivierte seinen Turm, erzwang den Damentausch und navigierte zielgerichtet auf ein klar gewonnenes Turm gegen Läufer Endspiel zu:

Nach den weiteren Zügen 46.Ld4 hxg4+ 47.Kxg4 g6 war klar, dass auch der Bauer a5 ersatzlos fallen würde, weshalb der Weiße sich geschlagen gab. (4½-1½)
An Brett 4 (S) traf Christian Müller auf die Englische Eröffnung, die er klassisch mit dem Vorstoß des Königsbauern beantwortete. Nach frühem Damentausch ergab sich eine Position in der die bessere schwarze Bauerstruktur durch das weiße Läuferpaar kompensiert wurde:

Im Mittelspiel gelang es dem Weißen sich eine kleine Initiative zu erarbeiten, die aber ohne eine angreifbare Schwäche im schwarzen Lager wirkungslos verpuffte:

Nachdem auch der Bauer b3 sogar mit Schach fiel, schien die Messe gelesen zu sein, doch der leergefegte Damenflügel gab dem weißen Läuferpaar neue Perspektiven, was zusammen mit der fehlenden Harmonie der schwarzen Figurenstellung so gerade noch Kompensation für die beiden Minusbauern darstellte:

Christian gelang es seine Streitkräfte zu koordinieren, das gegnerische Läuferpaar zu halbieren und mit seinen Türmen den weißen König aufs Korn zu nehmen:

Da der Karether keinerlei Gegenspiel hatte und auch der Übergang in ein Bauernendspiel unmöglich war, hatte Christian keine Mühe den Sieg unter Dach und Fach zu bringen. (5½-1½)
An Brett 5 (W) vertraute Milo Müller gegen die Skandinavische Verteidigung einer statistisch wenig aussichtsreichen Variante, mit der er aber ungeahnten Erfolg hatte und seinen Gegner schon früh in die Defensive drängen konnte:

Milo hatte eindeutig die besseren Aussichten, fand in der Folge aber keinen gewinnbringenden Plan und musste mit ansehen, wie sich sein Gegenüber langsam aber sicher aus der Umklammerung befreite. Nach beidseitigen Ungenauigkeiten entstand ein ausgeglichenes Endspiel mit Dame, Turm, Läufer und jeweils sechs Bauern:

An der generellen Einschätzung änderte sich nichts, denn nach der Entgegnung 32…Lf3 hätte er mit 33.Lxe6! fxe6 34.Dg7+ Dauerschach geben können. Mit dem erneuten Ausweichen mit 33.Db4+?! war er diesmal aber schlecht beraten, denn nach der Folge 33…Dc5 34.Dxc5+ Txc5 35.Tg1 h5 36.h3 hxg4 37.hxg4 g5! konnte sich der Karether einen kleinen aber dauerhaften Vorteil sichern, der im 40. Zug zu einer Gewinnstellung hätte führen können:

Milo konnte die Fesselung auf der g-Linie abschütteln und im letztendlich resultierenden reinen Läuferendspiel das Unentschieden problemlos erreichen. (6-2)
Nach diesem überzeugenden Auftritt und zeitgleichen kleineren Ausrutschern der Spitzengruppe stehen wir plötzlich und unerwartet auf dem 2. Tabellenplatz! Damit ist nicht nur die Abstiegsgefahr endgültig gebannt, sondern es hat sich auch unsere Hoffnung erfüllt aus eigener Kraft in den Meisterschaftskampf eingreifen zu können.

Sogar das Liga-Orakel hat uns vom ehemals sicheren Abstiegskandidaten zum Aufstiegsaspiranten Nr. 3 befördert. Eine Wendung, die nach unserem missglückten Saisonstart niemand erwarten konnte.

Zum nächsten Heimspiel am 8. Februar empfangen wir den im Mittelfeld rangierenden SC Forchheim. Sollten wir auch diese Begegnung positiv gestalten können, hätten wir Anfang März tatsächlich einen Showdown beim aktuellen Tabellenführer aus Fürth. Schachherz, was willst Du mehr?