Am vorletzten Spieltag in der Kreisliga 1 Nord war unsere Dritte am 26. 4. 2026 bei den Schachfreunden Neustadt/Luhe zu Gast. Gleichzeitig trat die erste Mannschaft der Neustädter gegen Oberviechtach 2 an. Somit kämpften alle drei Teams, die um die Meisterschaft in der Kreisliga 1 spielen in einem Raum. Um unsere Chancen zu wahren mußte unbedingt ein Sieg her. Den konnten wir auch erringen, aber Neustadt/Luhe 1 gewann gegen Oberviechtach und sicherte sich damit noch vor der letzten Runde mit drei Punkten Vorsprung die Meisterschaft.
Zunächst einigten sich am zweiten Brett Svatoslav Zitek (mit Schwarz) und sein Gegner bald auf ein Remis. In der Owen-Verteidigung konnte Weiß keinen Vorteil nachweisen und in ausgeglichener Stellung verloren die beiden „Kämpfer“ schon nach 14 Zügen die Lust am weiterspielen.
Es ging für uns nicht gut weiter, als Maximilian Warziwoda mit Schwarz an Brett 4 überhaupt nicht mit der Eröffnung zurecht kam. Sein Gegner setzte ihm aus der Wiener-Partie heraus einen Übergang zum Königsgambit vor und Maxi stand schon nach fünf Zügen deutlich schlechter. Weiß konnte bei anhaltendem Angriff den geopferten Bauern zurück gewinnen und die schwarze Stellung brach im taktischen Fahrwasser völlig zusammen, so dass im 21. Zug die Aufgabe erfolgte.
Am sechsten Brett hatte Jakob Treml seinen ersten Einsatz im Windischeschenbacher Team und holte mit den schwarzen Steinen gleich einen wichtigen Sieg. Auch Jakob bekam es mit der Wiener-Partie zu tun, wonach eine Stellung aus dem abgelehnten Königsgambit entstand. Sein Gegner spielte etwas verhalten weiter und die schwarze Stellung erwies sich bald als angenehmer. Im 21. Zug parkte Jakob einen Springer auf einem schönen Feld ein und sicherte sich damit schon einigen Vorteil. Nachdem Weiß sich einen vergifteten Bauern schnappte geriet sein König in eine sehr unangenehme Lage. Jakob konnte eine Qualität gewinnen, trieb den weißen König bis nach h5 und setzte ihn da matt.
Bei Florian Süß mit Weiß an Brett 5 kam es nach der Englischen Eröffnung zu einer Stellung mit symmetrischer Bauernstruktur bei offener e-Linie. Nach zunächst ausgeglichenem Verlauf gelang es dem Neustädter, seine Türme auf der offenen Linie zu verdoppeln, wonach schon sehr genaues Spiel nötig war um den schwarzen Vorteil wenigstens gering zu halten. Dies gelang Florian nicht, aber auch sein Gegner nutzte seine taktischen Chancen zunächst nicht. Auch wenn der Computer bei genauem Spiel nur noch minimalen Vorteil sieht, war die schwarze Stellung weiterhin angenehmer zu spielen. Im 26. Zug griff Florian dann noch einmal fehl und diesmal schlug sein Gegner erbarmungslos zu, opferte einen Springer und brachte den weißen König zur Strecke.
Am ersten Brett bekam Michel Betz (Weiß) es mit der Ragozin-Verteidigung im Damengambit zu tun und wählte dagegen ein selteneres Abspiel mit 5.Db3, das im Buch „A Cunning Opening Repertoire for White“ von Graham Burgess empfohlen wird. Michaels Erfahrungen damit waren bisher überwiegend positiv und auch diesmal erreichte er eine angenehme Position damit. Im weiteren Verlauf gelang es aber seinem Gegner die Stellung auszugleichen. In einem reinen Schwerfiguren-Endspiel unterlief dem Neustädter aber dann ein Fehler, der einen Bauern kostete. Nach einer weiteren Ungenauigkeit in schwieriger Lage konnte Michael die Damen tauschen und in ein sehr vorteilhaftes Turmendspiel abwickeln. Um seinen Turm nicht hoffnungslos passiv stellen zu müssen, ließ Schwarz ein Bauernendspiel zu, das vollkommen verloren war. Das Turmendspiel hätte Weiß noch etwas Arbeit abverlangt und selbst auf höherem Niveau wird bekanntlich nicht jedes gewonnene Turmendspiel auch gewonnen.
Somit war der Ausgleich wieder hergestellt und alles hing an der Partie von Benedikt Stock an Brett 3. Benedikt spielte mit Weiß die Abtauschvariante im klassischen Damengamit und ließ trotz kurzer Rochade einen Doppelbauern auf der f-Linie zu um Angriffschancen gegen die schwarze Rochadestellung zu erhalten. Dieses Konzept ging zunächst auch auf und die weiße Stellung war leicht vorteilhaft. Im 20-sten Zug stand Benedikt vor der Wahl mit dem f- oder dem h-Bauern auf g5 zu schlagen. Er wählte den f-Bauern, wonach der Computer nur Ausgleich sieht, während hg5 einen Vorteil bedeutet hätte. In der weiterhin verwickelten Stellung griff Benedikt dann im 22-sten Zug noch einmal daneben und steckte in erheblichen Schwierigkeiten. Vier Züge später unterlief dem Neustädter aber dann ein Fehler, der aus einem +5,5 Vorteil einen -2,4 Nachteil macht. Benedikt holte sich eine Figur für zwei Bauern und brachte diesen Vorteil mit stoischer Gelassenheit und genauem Spiel über die Zeitkontrolle im 40-sten Zug. Auch im folgenden Abschnitt ließ er sich nicht aus der Ruhe bringen und stellte bei wieder knapp werdender Zeit im 70-sten Zug den Gewinn und somit auch den Mannschaftssieg sicher.
Am 7. Juni haben wir dann am letzten Spieltag noch den Meister Neustadt/Luhe 1 zu Gast, während Oberviechtach das Team Weiden 2 empfängt. Im Fernduell geht es dann um Rang 2, nachdem wir mit Oberviechtach derzeit Punkt- und Brettpunktgleich sind.