Am vergangenen Sonntag empfingen wir im Feuerwehrhaus zum Saisonstart der Regionalliga Nord-Ost die 2. Mannschaft des SC Schwarz-Weiß Nürnberg. Nach unserem knappen und etwas unglücklichen Abstieg aus der Landesliga in der vergangenen Saison, wollen wir heuer wieder angreifen. Mit Neuzugang Carolin Werner von der Damenbundesliga-Mannschaft des FC Bayern München konnten wir uns gezielt verstärken und gingen mehr als optimistisch in den Kampf. Doch zum Auftakt war uns Schachgöttin Caissa leider nicht gewogen und so reichte es nur zu einem 4-4.
An Brett 1 (S) setzte Tobias Brunner auf das bewährte Damenbauernspiel aus dem sich ein Colle-Aufbau entwickelte der schließlich in einer Art Holländischem Stonewall mündete. Beide Spieler entwickelten ihre Figuren auf übliche Felder und erreichten eine ausgeglichene Stellung. Da dem Gast jedoch anscheinend nicht an einem langen Kampf gelegen war, bot er schon nach 15 Zügen Remis an:

Da objektiv nichts dagegen sprach und die Stellungen der Kameraden durchaus vielversprechend aussahen, willigte Tobias nach kurzem Nachdenken ein. (½-½)
An Brett 8 (W) startete Jindrich Novak wie üblich mit dem Londoner System. Sein Gegner antwortete mit einem wenig ehrgeizigen Aufbau und so landete man nach Abschluss der Figurenentwicklung in einer fast symmetrischen und ausgeglichenen Stellung. Erst als beide Kontrahenten versuchten das Zentrum zu öffnen, entwickelte sich trotz Damentausch ein interessanter Kampf. Doch noch bevor dieser so richtig losgehen konnte, unterlief dem Gast der bereits vorentscheidende Fehler:

Jindrich ließ nicht mehr locker und nutzte seinen Entwicklungsvorsprung zu einer andauernden Initiative, die ihm schließlich entscheidenden Materialvorteil und einen ungefährdeten Sieg einbrachten. (1½-½)
An Brett 6 (W) ließ sich Carolin Werner in einem scharfen Abspiel der Sveshnikov-Variante der Sizilianischen Verteidigung furchtlos auf einen Kampf mit offenem Visier ein. Man folgte 14 Züge lang bekannter Theorie bis der Gast mit einem selten gespielten Zug weiteres Öl ins Feuer goss:

Der Computer sieht zwar Weiß im Vorteil, doch für uns Menschen ist eine derart komplexe Stellung am Brett kaum zu durchschauen. Wenige Züge später geriet Carolin vom rechten Pfad ab, stellte eine Qualität ein und konnte die Niederlage trotz hartnäckiger Gegenwehr nicht mehr vermeiden. (1½-1½)
An Brett 7 (S) hatte Stephan Schmahl die Sizilianische Verteidigung gewählt, als er von der Moskauer Variante überrascht wurde. Gegen das weiße System fand er zwar die beste Aufstellung und bekam gleiche Chancen, aber nur auf Kosten eines großen Teils seiner Bedenkzeit. Doch trotz dieses frühen Drucks konnte er nach einem Fehler seines Gegner, die eigentlich gewinnbringende Taktik anbringen:

Nach 18.Lxe7 Sc3 19.Dg4 Dxe7 hatte der Windischeschenbacher einen wichtigen Zentralbauern gewonnen und stand glatt auf Gewinn. Nach 20.Te1 Df6 21.S2f3 fehlten nur noch zwei einfache und logische Züge in Form von …Tfd8 und …d5 und die weiße Stellung wäre vollkommen trostlos gewesen, doch in hochgradiger Zeitnot verlor Stephan völlig den Faden und musste notgedrungen Remis anbieten, was der Gast dankend annahm. (2-2)
An Brett 5 (S) wurde Milo Müller in einem geschlossenen Sizilianer mit dem Grand-Prix Angriff konfrontiert. Es waren gerade einmal fünf Züge gespielt, als der Nürnberger zum scharfen, aber verfrühten Vorstoß seines f-Bauern griff. Milo wollte sich aber auf die vom Computer für ihn als vorteilhaft eingeschätzten Verwicklungen nicht einlassen und opferte stattdessen lieber selbst einen Bauern. Doch auch seine Idee erwies sich als mehr als zweifelhaft und so geriet er schnell in Nachteil. Nach einem schlimmen Fehler wäre es eigentlich aus gewesen, doch der Gast revanchierte sich postwendend. Es kam zu einem Schlagabtausch in dessen Folge sich die Engine-Bewertung von über +5 auf -2 wandelte. In seiner Verzweiflung opferte der Nürnberger eine Figur, doch Milo behielt die Nerven und ließ sich die Butter nicht mehr vom Brot nehmen:

Damit war der Widerstand gebrochen und der Rest nur noch Formsache. Eine wilde Partie mit dem glücklicheren Ende für uns. (3-2)
An Brett 3 (S) kam Philipp Mark in einer harmlosen Variante der Wiener Partie nach frühem Damentausch schnell zu Ausgleich. Der Nürnberger ließ einen Bauerngewinn für Philipp zu und erhielt mit seinem Läuferpaar so gerade noch genügend Kompensation, um die Partie im Gleichgewicht zu halten. Trotz des reduzierten Materials ergaben sich ungeahnte Komplikationen, die beiden Spielern bei aufkommender Zeitnot maximale Konzentration und gute Nerven abverlangten. In haarsträubender Stellung war es dann leider Philipp, der für einen Augenblick die Übersicht verlor:

Nach diesem herzzerreißenden Finale musste der Windischeschenbacher drei Züge später die Waffen strecken. Eine mehr als unglückliche Niederlage. (3-3)
An Brett 4 (W) wählte Christian Müller ebenfalls die Wiener Partie und fand sich nach einer forcierten Variante schnell in einem damenlosen Mittelspiel wieder. Die prinzipiell ausgeglichene Stellung schien ihm besser zu liegen als seinem Kontrahenten und so erarbeitete er sich nach und nach einen kleinen Endspielvorteil, der sich jedoch mit fortschreitender Spielzeit wieder verflüchtigte und schließlich in das komplette Gegenteil umkehrte:

Doch auch seine Wahl 34…Tf7 hielt den Gewinn fest. Erst kurz vor und nach der Zeitkontrolle ließ der Gast die nötige Entschlossenheit vermissen und gestattete Christian eine schwarzfeldrige Blockade, die nicht mehr zu durchbrechen war und ihm das Unentschieden sicherte. (3½-3½)
An Brett 2 (W) suchte FM Zdenek Haba sein Heil in einer weniger gespielten Variante der Katalanischen Eröffnung. Sein Mut gab ihm recht, denn nach 14 Zügen attestierte ihm die Engine einen klaren Vorteil:

Den Vorteil vermochte Zdenek im Mittelspiel zu halten bis er kurz davor stand ihn zu einer Gewinnstellung zu verdichten:

Als sein junger Gegner gleich im Anschluss einen äußerst ungünstigen indirekten Läufertausch initiierte, hätte der Windischeschenbacher erneut auf die Gewinnerstraße gelangen können:

Er spielte jedoch sofort 27.a3, wonach Schwarz die Stellung halten kann, da 28.Txa3 Dxa3 29.Lxd5 nun nicht mehr funktioniert wegen 29…Da1+! 30.Kg2 Dxe5 mit Ausgleich. Der Nürnberger ging jedoch an seinem Glück vorbei, schlug sofort auf d5 und fand sich noch einmal in einer Verluststellung wieder:

Das anschließende Damenendspiel mit 4 gegen 3 Bauern auf einem Flügel war nicht mehr zu gewinnen und so musste Zdenek nach 59 Zügen zähneknirschend in das unvermeidliche Remis einwilligen. (4-4)
Trotz dieses nur mäßigen Starts ist die Saison noch lang und sobald wir die Anfangsnervosität ablegen können, werden wir auch unsere Chance bekommen, oben mitzuspielen.
Das allseits beliebte Liga-Orakel war wohl auch etwas verwirrt ob unseres Einstands und sieht die Chancen auf einen Aufstieg fast identisch zu denjenigen eines Abstiegs!
Die 2. Runde findet bereits am 26. Oktober statt und beschert uns eine Reise zum SK Neumarkt. Trotz unserer Favoritenrolle sollten wir unseren Gastgeber keinesfalls auf die leichte Schulter nehmen und die Aufgabe mit voller Konzentration angehen. Gelingt uns dies, ist ein Auswärtssieg durchaus im Bereich des Möglichen.