Am 1. März kam es zum mit Spannung erwarteten Gipfeltreffen bei der SG Fürth. Der Tabellenführer empfing den Tabellenzweiten, mehr Nervenkitzel geht nicht! In unserer bewährten Aufstellung trafen wir völlig entspannt bereits eine knappe halbe Stunde vor dem offiziellen Startschuss vor Ort ein und waren bereit mit vollem Engagement in den Kampf zu gehen. Dieser Optimismus wurde noch beflügelt als sich herausstellte, dass ein Fürther aus unbekanntem Grund nicht antreten würde, was uns kampflos die frühe Führung bescherte. Solchermaßen motiviert, gelang es uns den Spitzenreiter in einem Matchup auf Augenhöhe mit 5-3 zu schlagen und ihn somit vom Thron zu stoßen.
An Brett 5 (W) wartete Milo Müller vergeblich auf seinen Gegner bis nach Ablauf der obligatorischen 60 Minuten Karenzzeit der kampflose Punkt für uns verbucht wurde. Aus rein schachlicher Sicht für alle Beteiligten unbefriedigend, aber einem geschenkten Gaul schaut man bekanntlich nicht ins Maul. (1-0)
An Brett 2 (S) sah sich FM Zdenek Haba mit dem Grand-Prix-Angriff gegen seine Sizilianische Verteidigung konfrontiert. In einer statistisch ohnehin wenig vielversprechenden Variante für Weiß ging sein Gegner zudem schon sehr früh mit dem Vorstoß des g-Bauern extrem forsch zur Sache. Nach dem Gegenstoß im Zentrum verließ die Stellung die Theorie und sah nach nur neu Zügen bereits vorteilhaft für Schwarz aus:

In der Folge konnte der Windischeschenbacher zwar seinen Vorteil behaupten, doch einen Weg zu etwas Zählbarem fand er leider nicht. Dem Heimspieler gelang es sich zu befreien und die Stellung wieder auszugleichen, so dass man sich nach 28 Zügen auf Remis einigte. (1½-½)
An Brett 8 (S) bekam es Miroslav Kalous in der Französischen Winawer-Variante mit einem Nebenabspiel zu tun, in dem er nach leichten Anfangsschwierigkeiten die übertrieben aggressive Vorgehensweise seines Gegenüber gut in den Griff bekam. In mittlerweile ausgeglichener Stellung stand Miro nach einem Fehler der Fürthers plötzlich sogar auf Gewinn:

Die erste Drohung konnte der Weiße zwar mit 22.Td3 parieren, doch die zweite wurde anscheinend von beiden Kontrahenten gänzlich übersehenen! Mit 23…Thg8! hätte Miro seinen Königsturm entscheidend aktivieren können, da der Springer wegen des hängenden Turms im Zentrum überlastet war! Doch leider entging ihm diese Möglichkeit und er manövrierte sich stattdessen mit 23…Db5?? schnurstracks selbst in eine schwierige Lage aus der er sich nicht mehr zu befreien vermochte. Kurz vor der Zeitkontrolle zwangen ihn die weit vorgerückten weißen Freibauern schließlich zur Aufgabe. (1½-1½)
An Brett 3 (W) wählte Philipp Mark gegen das Wolga-Gambit eine lange Theorievariante, die ihm für einen Eröffnungsvorteil zwar sehr genaues Spiel abverlangte, gleichzeitig aber langfristig die besseren Aussichten versprach. Nachdem sich das typische schwarze Spiel am Damenflügel festgefahren hatte, sah sich der Heimspieler genötigt, mittels …f5 Gegenmaßnahmen im Zentrum einzuleiten, was sich als Initialzündung für ein wildes Handgemenge entpuppte. Philipp saß dabei aber am stets längeren Hebel und hätte sich im 29. Zug selbst belohnen können:

Doch der Windischeschenbacher ging an seinem Glück vorbei und wählte 29.Dc2??, womit er sich selbst seiner eigenen Hauptdrohung beraubte und nach 29…Lxe5 in plötzlich wieder völlig ausgeglichener Stellung dem Remisangebot seines Gegners zustimmen musste. Was für eine verpasste Chance! (2-2)
An Brett 6 (S) verteidigte sich Carolin Werner mit der hochtheoretischen Sveshnikov-Variante der Sizilianischen Verteidigung. Nach sage und schreibe 19 Zügen hatte man das Ende der bekannten Pfade erreicht als der Computer Weiß einen Vorteil bescheinigte:

Es begann eine längere Phase des Lavierens in der beide Spieler versuchten die besten Plätze für ihre Figuren auszuloten und die gegnerischen Pläne zu durchkreuzen. Auf dem Weg zur Zeitkontrolle verpassten beide Seiten einige Möglichkeiten, so dass die Stellung im Gleichgewicht blieb bis der Heimspieler völlig unvermittelt eine Qualität einstellte. In seiner Verzweiflung versuchte er die Situation noch einmal zu verschärfen, doch Carolin ließ sich die Butter nicht mehr vom Brot nehmen:

Wenige Züge später sah der Heimspieler die Sinnlosigkeit weiteren Widerstands ein und gab sich geschlagen. Ein hart erkämpfter Sieg in einer zeitlosen Modevariante! (3-2)
An Brett 4 (S) griff Christian Müller zur Kalashnikov-Variante der Sizilianischen Verteidigung in der er in einem Hauptzweig des Variantenbaums durch genaues Spiel nach 16 Zügen eine ausgeglichene Stellung erreichen konnte. Diese Bewertung änderte sich die folgenden Züge nicht, doch als der Fürther ohne Not freiwillig einen Raumnachteil in Kauf nahm, war die schwarze Stellung deutlich angenehmer zu spielen:

Beide Spieler gingen äußerst vorsichtig und mitunter etwas zaghaft zur Sache, doch wer wollte ihnen das verdenken im Hinblick auf die Tabellensituation. Jeder wollte die letzten Züge bis zur Zeitkontrolle unbeschadet überstehen und ließ mitunter gute Möglichkeiten aus, das Blatt zu seinen Gunsten zu wenden. Schließlich war es der Heimspieler, dem in schwieriger aber noch nicht gänzlich verlorener Stellung der entscheidende Fehler unterlief:

Zwei Züge später warf der Fürther angesichts des undeckbaren Matts das Handtuch. (4-2)
An Brett 7 (W) entschied sich Stephan Schmahl gegen die Caro-Kann Verteidigung zur Abtausch-Variante. Die prinzipiell ruhige Partieanlage wurde vom Fürther korrekterweise durch den Vorstoß seiner Königsflügelbauern früh verschärft. Da er jedoch nicht konsequent nachsetzte, konnte Stephan Schritt für Schritt die Initiative übernehmen und seinen Entwicklungsvorsprung in einen Angriff gegen den unrochierten König ummünzen:

Trotz starker Zeitnot konnte der Fürther den sofortigen K.O. vermeiden und seinen König per extrem später Rochade aus der Gefahrenzone evakuieren. Der Preis dafür war jedoch der Verlust eines Bauern und ein kaum haltbares Endspiel:

Die technische Gewinnführung erforderte zwar noch etwas Geduld, doch zu guter Letzt erwies sich der Windischeschenbacher dieser Aufgabe gewachsen und brachte den ganzen Punkt sicher nach Hause. Ein extrem wichtiger Sieg, der den Mannschaftssieg unter Dach und Fach brachte. (5-2)
An Brett 1 (W) beantwortete Tobias Brunner die Sizilianische Verteidigung mit dem Geschlossenen System. Gegen den klassischen Aufbau seines Gegners fand er zunächst keinen erfolgversprechenden Plan und geriet folgerichtig in die Defensive. Doch die hohe Komplexität der Stellung bot beiden Seiten nicht nur viele Möglichkeiten, sondern enthielt auch ebenso viele versteckte Fallstricke. Letztendlich gelang es beiden Kontrahenten alle Klippen zu umschiffen und man landete in einem ausgeglichenen Endspiel:

Im anschließenden langen Endspiel unterliefen beiden Seiten zahlreiche Ungenauigkeiten, die die Bewertung von ausgeglichen zu klar gewonnen für Schwarz und wieder zurück springen ließ. Im 73. Zug beging Tobias zu unserem Leidweisen schließlich den vorentscheidenden Fehler:

Der Unterschied beider Züge liegt in der Möglichkeit für den schwarzen König sich quasi durch die Hintertür (h3-g2-f2 usw.) zum Damenflügel zu bewegen, um dort entscheidende Beute zu machen. (5-3)
Nach diesem grandiosen Erfolg haben wir es tatsächlich selbst in der Hand den erneuten Aufstieg in die Landesliga zu realisieren. Dazu werden allerdings mit ziemlicher Sicherheit zwei weitere Siege in den beiden Schlussrunden vonnöten sein. Da aber auch die direkte Konkurrenz aus Altensittenbach und Fürth genau den selben Druck verspürt, könnte es durchaus sein, dass am Ende einzig die Nerven entscheiden werden.
So oder so, wir sind gerüstet!