Ungewohnt spät im Jahr hatte die Dritte am letzten Spieltag die Schachfreunde Neustadt/Luhe 1 zu Gast. Diese hatten die Meisterschaft schon in der vorletzten Runde sichern können, aber für uns ging es noch um die Ehre und den zweiten Platz in der Tabelle. Wir waren mit Oberviechtach Punkt- und Brettpunktgleich.
Relativ schnell, nach ca. einer Stunde Spielzeit, brachte uns Florian Süß an Brett 6 in Führung. Florian eröffnete mit Weiß wie gewohnt Englisch, konnte schnell einen Bauern erobern und führte seine Partie nach weiterem Materialgewinn souverän zum Sieg.
Rudolf Schicker am dritten Brett bekam mit Schwarz einen Colle-Aufbau vorgesetzt. Rudi hatte keine Probleme, das Spiel ausgeglichen zu halten und einigte sich mit seinem Gegner im 21. Zug auf Remis.
Am fünften Brett wählte Maximilian Warziwoda mit Schwarz die Nimzoindische Verteidigung. Es kam zu einer Variante, die der Computer als günstig für Weiß ansieht. Trotzdem wurde dieser Aufbau erstaunlicher Weise auch schon von namhaften Großmeistern (u.a. Peter Leko) gespielt. Maxi geriet aber schon bald in Bedrängnis, verlor einen Bauern und landete in einer Verluststellung. Er zeigte aber Kampfgeist und verwickelte das Spiel. Schließlich bot er auch noch ein Damenopfer an, das ihm bei Annahme einen Vorteil beschert hätte. Diese Finesse durchschaute sein Gegner aber und behielt weiterhin die bessere Stellung. Schließlich unterlief ihm aber dann doch noch ein böses Mißgeschick und Maxi konnte einen glücklichen Sieg verbuchen.
Michael Betz an Brett 1 bekam mit Schwarz nach 6 Jahren endlich wieder einmal seine Lieblingsvariante im Winawer-Franzosen aufs Brett. Im 15. Zug wählte Weiß ein seltenes Abspiel, mit dem Michael sich aber vor einiger Zeit intensiv beschäftigt hatte. Er konnte bis zum 18. Zug der Empfehlung von Emanuel Berg (The French Defence Volume Three) folgen. Dort gibt Berg den gespielten Zug ( 18….Dd4) als Möglichkeit ein Remis zu sichern an, merkt aber an, dass Schwarz das nicht nötig hat und empfiehlt den Zug 18. …Db4 mit schwarzem Vorteil. Den hatte Michael leider nicht mehr auf dem Schirm. Sein Gegner wich allerdings der Zugwiderholung aus und bot ein überraschendes Qualitätsopfer an. Objektiv hat Schwarz danach deutlichen Vorteil, aber am Brett war die Sache nicht so einfach. In der Folge verpassten beide Spieler gute Fortsetzungen. Schließlich gab Schwarz die Qualität zurück und konnte im entstehenden Endspiel sogar einen Mehrbauern verbuchen. Der weiße Freibauer auf der h-Linie sicherte Weiß ein gutes Spiel und erforderte eine genaue Verteidigung. Im 40-sten Zug gab es schließlich noch einen einzigen Zug, der die Stellung ausgeglichen gehalten hätte. Den fand Michael nicht und mußte wenig später aufgeben.
Am zweiten Brett wählte Siegfried Stelzer mit Weiß die Italienische Eröffnung und erhielt eine über weite Strecken vorteilhafte Stellung. Beide Spieler fanden nicht immer die genauesten Züge, Schwarz hatte teilweise Ausglich, aber Sigi kam doch immer wieder in eine gute Stellung. Im 29-sten Zug übersah er dann aber einen taktischen Einschlag, der bei richtigemn Spiel aber auch nur Ausgleich bedeutet hätte. Bei knapp werdender Zeit spielte Siegfried leider die falsch Variante und landete in einer Verluststellung. In der Zeitnotphase ließ sein Gegner sich den Sieg nicht mehr nehmen und setzte den weißen König im 37-sten Zug matt.
Jetzt war es also noch einmal spannend geworden und alle Hoffnungen lagen auf Simon Lamm, der am vierten Brett mit Weiß erneut sein Londoner System zur Anwendung brachte. Sein Gegner ließ sich zunächst nichts zu Schulden kommen und es entstand schließlich ein Turmendenspiel. Simon hatte da die etwas aktivere Stellung, machte Druck und konnte schließlich einen Bauern gewinnen.
Mit genauem Spiel konnte er diesen Vorteil ausbauen und den Turmtausch anbieten. Auch wenn Schwarz abgelehnt hätte, wäre der weiße Vorteil zum Sieg ausreichend gewesen. Der Neustädter suchte die Rettung im Bauernendspiel, das Simon aber mit Präzision zu Ende brachte. Als er im 51. Zug den einzigen Zug zum Sieg fand gab sein Gegner auf und der Mannschaftserfolg war sicher gestellt.
Im Fernduell kam unser Konkurrent Oberviechtach gegen Weiden nicht über ein 3-3 hinaus und somit konnten wir den zweiten Platz in der Abschlußtabelle für uns verbuchen.