Knapper Sieg der 1. Mannschaft in Neumarkt

In der 2. Runde der Regionalliga war die 1. Mannschaft zu Gast in Neumarkt. Die Heimmannschaft war zwar auf dem Papier ein klarer Underdog, doch ein Unterschätzen des Gegners kam für uns auf keinen Fall in Frage. Und wie erwartet, entwickelte sich ein spannender Kampf an dessen Ende ein hart umkämpfter 4½-3½ Sieg zu Buche stand.

An Brett 8 (S) landete Jindrich Novák durch Zugumstellung in einer Art Englischer Eröffnung. Sein Gegner gewann früh Raum am Damenflügel, den er nach ungenauem Spiel von Jindrich zu einem messbaren Vorteil ausbauen konnte:

Brett 8: Am besten war laut Computer der weitere Vormarsch am Damenflügel mittels 16.a4, doch der Neumarkter spielte etwas einfallslos 16.Ld3 und tauschte anschließend auf g6, wonach sich der Vorteil weitestgehend verflüchtigte.

Im weiteren Verlauf geriet das weiße Spiel am Damenflügel mehr und mehr ins Stocken, so dass es Jindrich gelang seine Figuren zu aktivieren und er nun seinerseits die gegnerischen Schwächen auf Korn nehmen konnte. Nach einem schweren Schnitzer des Gastgebers gewann der Windischeschenbacher schließlich zwei wichtige Bauern:

Brett 8: Nach dem Aussetzer 32.Sb5?? konnte sich Jindrich mit 32…Tax4 33.De1 Txc4 entscheidenden Materialvorteil sichern.

Nach zwei weiteren Zügen sah der Neumarkter die Sinnlosigkeit weiteren Widerstands ein und warf das Handtuch. (1-0)

An Brett 3 (W) bekam es Philipp Mark mit der Schlechter-Variante der Slawischen Verteidigung zu tun. Philipp erreichte zwar einen leichten Vorteil, doch die schwarze Stellung war äußerst solide. Nachdem beide Parteien am Damenflügel einen Springer-Vorposten einrichten konnten, bot der Heimspieler Remis an, was ohne Zögern angenommen wurde. (1½-½)

Brett 3: Mit seinem letzten Zug bot der Neumarkter Remis an, das von Philipp akzeptiert wurde.

An Brett 2 (S) griff FM Zdenek Haba zur Modernen Verteidigung, die sich zu einer Königsindisch ähnlichen Stellung entwickelte. Nach frühem Damentausch entstand ein völlig ausgeglichenes Endspiel mit jeweils zwei Türmen und einer Leichtfigur:

Brett 2: Mit nur noch wenigen Figuren auf dem Brett und ohne angreifbare Schwächen auf beiden Seiten, war ein Remis das erwartbare Ergebnis.

Wenige Züge später unterlief Zdenek jedoch ein Fehler, der ihn auf die Verliererstraße brachte:

Brett 2: Den angegriffenen Bauern c5 konnte und sollte Zdenek mit 23…Tb5 decken, doch leider wählte er 23…Ke7?? und verlor anschließend seine beiden Zentralbauern.

Zdenek versuchte noch im Trüben zu fischen, was jedoch aufgrund seines passiven Springers wenig bis gar keine Erfolgsaussichten versprach. Der Neumarkter rückte unaufhaltsam vor und erzwang im 46. Zug die Aufgabe. (1½-1½)

An Brett 4 (S) wählte Christian Müller im abgelehnten Damengambit die scharfe Ragosin-Variante, die auch mit Schwarz ein Spiel auf drei Ergebnisse erlaubt. Der vom Neumarkter gewählte harmlose Aufbau, gestattete Christian schon früh die Initiative zu übernehmen. Scheinbar überrascht vom aktiven Spiel seines Gegners, versuchte der Heimspieler das Stellungsproblem durch ungewöhnliche Maßnahmen zu lösen, was jedoch böse hätte schief gehen können:

Brett 4: Der Weiße hatte mit 15.f3 und 16.Kf2 seinen König als Verteidiger seines Bauern e3 auserkoren, als ihn mittels 16…Txe3!! der sprichwörtliche Blitz hätte treffen können.

Christian bereitete stattdessen mittels 16…Te6 die Verstärkung des Drucks vor und behielt alles unter Kontrolle. Die offene König und die abseits stehende weiße Dame sollten ihm weitere taktische Möglichkeiten geben. Sich scheinbar keiner Gefahr bewusst, öffnete der Neumarkter mit 17.g4?? und 18.g5?? weiter seinen Königsflügel, doch Christian packte die Gelegenheit immer noch nicht beim Schopfe. Wenige Züge später hatte er schließlich die letzte Chance seine ausgezeichnete Partieanlage in einen fulminanten Angriffssieg umzuwandeln:

Brett 4: Diesmal konnte Christian mit 23…Sxf4!! 24.exf4 Db8 den gegnerischen Königs vollends entblößen und seine Dame entscheidend in die Schlacht führen. Leider wählte er 23…f5?? wonach die Stellung tatsächlich wieder ausgeglichen war.

Zwei Züge später einigte man sich auf Remis. Wahrlich eine Partie der verpassten Gelegenheiten! (2-2)

An Brett 5 (W) entschied sich Milo Müller gegen die Caro-Kann Verteidigung für die Vorstoß-Variante. Im Kampf um das Zentrum gewann Milo die Oberhand und stand laut Computer bereits im 15. Zug auf Gewinn. Im komplizierten Mittelspiel fanden beiden Kontrahenten nicht immer die besten Züge, doch Milo zwang seinen Gegner durch ideenreiches Spiel immer wieder zu schweren Entscheidungen, die dieser schließlich nicht mehr zu meistern vermochte:

Brett 5: Ein hübscher Abschluss wäre 32.Da7+! Tb7 33.Dxb7+ Kxb7 34.Sc5+ und nach Rückgewinn der Dame hätte Weiß mit Turm und Läufer gegen zwei Springer leichtes Spiel gehabt. Aus der Fülle der Möglichkeiten wählte Milo 32.Dxa5+ was natürlich auch gewann.

Der offene König erlaubte dem Schwarzen keine ausreichende Verteidigung mehr und so kam es kurz nach der Zeitkontrolle zu einem ähnlichen Materialgewinn:

Brett 5: Am einfachsten war 42.Sd7+ Ka8 43.Lxe7 Sxe7 44.Sb6+ Kb8 45.Txe7 mit Figurengewinn. Milo spielte 42.Td7+ und hatte nach dem erzwungenen 42…Txd6 43.Txd6 Kc7 44.Sc4 eine Qualität gewonnen.

Mit dem hochüberlegenen Turm hatte Milo schließlich keine Schwierigkeiten mehr den Sieg nach Hause zu bringen. (3-2)

An Brett 1 (W) eröffnete Tobias Brunner Italienisch, was von seinem Gegner mit der Ungarischen Verteidigung beantwortet wurde. Es ergab sich ein typisches ruhiges Mittelspiel, in dem das Gleichgewicht lange Zeit nicht gestört war. Erst nach einem mutigen Zentrumsvorstoß neigte sich die Waage leicht zu Gunsten von Tobias:

Brett 1: Mit 18.exd6 Lxd6 19.Tde1 konnte sich Tobias einen kleinen aber dauerhaften Vorteil sichern. Er wählte jedoch 18.Tfe1 wonach 18…d5 die Stellung wieder ausglich.

Es folgten beidseitig langwierige Manöver, die aber keinen Vorteil für eine der beiden Seiten brachten. Als sich langsam andeutete, dass der schwarze Läufer zur stärksten Leichtfigur auf dem Brett avancieren würde, hätte Tobias die Reißleine ziehen sollen:

Brett 1: Mittels 32.Sf6+ Lxf6 33.exf6 hätte Tobias die Partie in ein remisliches Springerendspiel überführen können, doch er hatte andere Pläne, spielte Sfe3?! und geriet in Nachteil.

Kurz vor der Zeitkontrolle entglitt Tobias die Partie leider vollends und der Neumarkter erreichte eine klare Gewinnstellung:

Brett 1: Trotz der Drohung eines Familienschachs auf h7 hätte Schwarz die Partie hier mit dem kaltblütigen 40…Lxc3! nach Hause bringen können. Er spielte jedoch 40…Ke7 41.De3 Kd6? und plötzlich hatte Tobias wieder Chancen die Partie zu halten!

Wenige Züge später kam es zur alles entscheidenden Stellung:

Brett 1: Trotz des Verlustes des Bauern a4 mit Schach war 48.Kc2 der beste Zug, der gute Remischancen geboten hätte. Leider entschied sich Tobias aber für 48.Kc1?? und ließ damit den schwarzen Läufer entscheidend ins Spiel eingreifen.

Nach einer mehr oder weniger forcierten Folge zeigte sich der Nachteil der Königsstellung auf b1:

Brett 1: Mit 51…Df5! nutzte der Neumarkter die Diagonalstellung der weißen Majestäten und wickelte in ein leicht gewonnenes Bauernendspiel ab.

Einen Zug später musste Tobias konsterniert die Waffen strecken. (3-3)

An Brett 7 (W) begegnete Miroslav Kalous dem Altindischen Aufbau seines Gegners mit einem Doppelfianchetto. Dabei ließ er allerdings einen schnellen Raumgewinn des Neumarkters im Zentrum zu und musste bereits um Ausgleich kämpfen. Es gelang ihm die Stellung ungefähr im Gleichgewicht zu halten als dem Heimspieler ein unscheinbarer Fehler unterlief:

Brett 7: Nach 28…Dd6 hätte sich der Schwarze einen leichten Vorteil erhalten können, doch er wählte 28…Sa8? und hätte aufgrund seines ungeschützten Königsflügels in ernste Schwierigkeiten kommen können.

Zunächst setzte Mirek mit 29.Dh5! energisch fort, doch nach 29…g6 verließ ihn der Mut und er zog seine Dame zurück nach d1. Dabei lag das Gute in Form von 29.Dh6! doch so nah mit der Idee eines Springeropfers auf f7, um anschließend den völlig entblößten generischen König übers Brett zu jagen. Nach dieser verpassten Gelegenheit ging der Kampf in ausgeglichener Stellung weiter bis dem Windischeschenbacher kurz vor der Zeitkontrolle ein grober Schnitzer unterlief:

Brett 7: Mit 37.Ld2! hätte Mirek die Stellung halten können, doch er wählte 37.Le7?? und wäre nach 37…De6! 38.La3 Dh3 auf Verlust gestanden. Aber der Neumarkter fand den Gewinnweg nicht, spielte 37…Te8 und Mirek konnte noch einmal aufatmen.

Anschließend verflachte die Partie zusehends bis man sich schließlich in einem völlig ausgeglichenen Turmendspiel auf Remis einigte. (3½-3½)

An Brett 6 (S) verteidigte sich Carolin Werner mit der Leningrader Variante der Holländischen Verteidigung. Gegen den zahmen weißen Aufbau hatte sie wenig Mühe Ausgleich zu erreichen und konnte schon nach acht Zügen Vorteil für sich zu reklamieren:

Brett 6: Nach dem Zentrumsvorstoß 8…e5! machte sich die unglückliche weiße Figurenaufstellung bereits bemerkbar.

Caro setzte zunächst richtig fort, verpasste dann aber eine gute Möglichkeit die Initiative zu ergreifen:

Brett 6: Mit der sogenannten „Holländischen Lanze“ 12…f4! hätten Carolins besser platzierte Figuren noch mehr zur Geltung kommen können. Neben …f3 liegen auch …Lg4 und ein Abtausch der Springer auf d4 zum richtigen Zeitpunkt in der Luft, wonach Weiß Probleme bekommen hätte seine Stellung zusammenzuhalten.

Trotz der für Holländisch üblich schwer zu bewertenden und für beide Seiten ideengeladenen Stellung verlief die Partie in der Folge sehr ausgeglichen. Im Endspiel gelang es Carolin zwar einen entfernten Freibauern zu bilden doch auch hier sieht die Engine keinen nennenswerten Vorteil. Erst gegen Ende der Partie behielt Carolin die bessere Übersicht und die besseren Nerven und nutzte einen Fehler ihres Gegners eiskalt aus:

Brett 6: Weiß hatte gute Chancen auf ein Remis als er in dieser Stellung 50.Td6+?? wählte. Nach 50…Ke7 hing nicht nur sein Turm, sondern auch sein Springer auf d3 wegen eines potentiellen Turmspießes auf der dritten Reihe!

In der Partie setzte der Neumarkter notgedrungen fort mit 51.e5 Lxd3 52.Txg5, um noch im Trüben zu fischen. Carolin ließ sich aber nicht mehr beirren, berechnete alles korrekt und fand die Abwicklung zum Gewinn der letzten beiden weißen Bauern unter gleichzeitigem Tausch eines Turms. Da weiterer Widerstand sinnlos war, gab der Heimspieler auf und gratulierte uns zum Mannschaftssieg. (4½-3½)

Nach diesem wichtigen Auswärtssieg bleiben unsere Chancen mit um den Aufstieg zu spielen intakt, was zwar vom Liga-Orakel noch nicht so ganz honoriert wird, der insgesamt positiven Stimmung in der Mannschaft und im Verein jedoch keinen Abbruch tut.

Am 16. November empfangen wir zu Hause die SG Büchenbach / Roth. Mit einem Sieg könnten wir uns vor der letzten Runde im Jahr 2025 eine gute Ausgangsposition im Kampf um die Tabellenspitze sichern. Wille und Motivation sind vorhanden und mit der notwendigen Ernsthaftigkeit können wir unser Ziel auch erreichen. Also packen wir’s an!

Das Parfüm

Wir schreiben ein Jahr des letzten Jahrtausends. Es ist Samstag Nachmittag, kurz vor der Sportschau.

Flietsch & Bent sind mal wieder auf einem Open, als sie an einem heißen Sommertag kurz vor der Zeitkontrolle gemeinsam durch die Reihen schlendern, um zu kiebitzen.

An den Tischen der Titelträger wabert ein beißender Geruch von kernigem Männerschweiß über die Bretter, doch dann plötzlich, ein paar Schritte weiter, steigt uns ein angenehm süßer Rosenduft in die Nasen! „Was ist das?“, starrten wir uns gleichermaßen verwundert wie betört an.

Ein Blick aufs Brett brachte die Auflösung. „Ah, die Gaponenko!“, platzte es spontan aus Flietsch heraus! Gemeint war die heutige IM Inna Gaponenko, die uns nicht nur regelmäßig auf Turnieren begegnete, sondern ganz offensichtlich auch ein völlig anderes Verständnis von Körperhygiene pflegte als ihre männlichen Kollegen!

Nun fragt Ihr euch vielleicht, was auf dem Brett los war und wie sie sich geschlagen hat?

Um ehrlich zu sein. Wir hatten nicht die geringste Ahnung, aber an ihrem Brett verweilten wir mit Abstand am längsten!

1. Mannschaft startet mit Remis

Am vergangenen Sonntag empfingen wir im Feuerwehrhaus zum Saisonstart der Regionalliga Nord-Ost die 2. Mannschaft des SC Schwarz-Weiß Nürnberg. Nach unserem knappen und etwas unglücklichen Abstieg aus der Landesliga in der vergangenen Saison, wollen wir heuer wieder angreifen. Mit Neuzugang Carolin Werner von der Damenbundesliga-Mannschaft des FC Bayern München konnten wir uns gezielt verstärken und gingen mehr als optimistisch in den Kampf. Doch zum Auftakt war uns Schachgöttin Caissa leider nicht gewogen und so reichte es nur zu einem 4-4.

An Brett 1 (S) setzte Tobias Brunner auf das bewährte Damenbauernspiel aus dem sich ein Colle-Aufbau entwickelte der schließlich in einer Art Holländischem Stonewall mündete. Beide Spieler entwickelten ihre Figuren auf übliche Felder und erreichten eine ausgeglichene Stellung. Da dem Gast jedoch anscheinend nicht an einem langen Kampf gelegen war, bot er schon nach 15 Zügen Remis an:

Brett 1: Bei völlig ausgeglichener Stellung gab es für Tobias nur wenig Veranlassung das frühe Remisangebot mit den schwarzen Steinen abzulehnen.

Da objektiv nichts dagegen sprach und die Stellungen der Kameraden durchaus vielversprechend aussahen, willigte Tobias nach kurzem Nachdenken ein. (½-½)

An Brett 8 (W) startete Jindrich Novak wie üblich mit dem Londoner System. Sein Gegner antwortete mit einem wenig ehrgeizigen Aufbau und so landete man nach Abschluss der Figurenentwicklung in einer fast symmetrischen und ausgeglichenen Stellung. Erst als beide Kontrahenten versuchten das Zentrum zu öffnen, entwickelte sich trotz Damentausch ein interessanter Kampf. Doch noch bevor dieser so richtig losgehen konnte, unterlief dem Gast der bereits vorentscheidende Fehler:

Brett 8: Nach dem richtigen 18…Sxe5 19.Sxe5 fxe5 wäre von weißem Vorteil keine Rede gewesen, doch der Nürnberger wollte anscheinend einen Isolani vermeiden und spielte 18…f5??, wonach ihm seine geschwächte Königsstellung zum Verhängnis wurde.

Jindrich ließ nicht mehr locker und nutzte seinen Entwicklungsvorsprung zu einer andauernden Initiative, die ihm schließlich entscheidenden Materialvorteil und einen ungefährdeten Sieg einbrachten. (1½-½)

An Brett 6 (W) ließ sich Carolin Werner in einem scharfen Abspiel der Sveshnikov-Variante der Sizilianischen Verteidigung furchtlos auf einen Kampf mit offenem Visier ein. Man folgte 14 Züge lang bekannter Theorie bis der Gast mit einem selten gespielten Zug weiteres Öl ins Feuer goss:

Brett 6: Nach 14…f5?! entwickelte sich die Partie zu einem wilden Handgemenge.

Der Computer sieht zwar Weiß im Vorteil, doch für uns Menschen ist eine derart komplexe Stellung am Brett kaum zu durchschauen. Wenige Züge später geriet Carolin vom rechten Pfad ab, stellte eine Qualität ein und konnte die Niederlage trotz hartnäckiger Gegenwehr nicht mehr vermeiden. (1½-1½)

An Brett 7 (S) hatte Stephan Schmahl die Sizilianische Verteidigung gewählt, als er von der Moskauer Variante überrascht wurde. Gegen das weiße System fand er zwar die beste Aufstellung und bekam gleiche Chancen, aber nur auf Kosten eines großen Teils seiner Bedenkzeit. Doch trotz dieses frühen Drucks konnte er nach einem Fehler seines Gegner, die eigentlich gewinnbringende Taktik anbringen:

Brett 7: Der Nürnberger hatte gerade mit 17.b3?? das Feld c3 fatal geschwächt, was Stephan mit dem Einschlag 17…Sxe4! gekonnt zu nutzen vermochte.

Nach 18.Lxe7 Sc3 19.Dg4 Dxe7 hatte der Windischeschenbacher einen wichtigen Zentralbauern gewonnen und stand glatt auf Gewinn. Nach 20.Te1 Df6 21.S2f3 fehlten nur noch zwei einfache und logische Züge in Form von …Tfd8 und …d5 und die weiße Stellung wäre vollkommen trostlos gewesen, doch in hochgradiger Zeitnot verlor Stephan völlig den Faden und musste notgedrungen Remis anbieten, was der Gast dankend annahm. (2-2)

An Brett 5 (S) wurde Milo Müller in einem geschlossenen Sizilianer mit dem Grand-Prix Angriff konfrontiert. Es waren gerade einmal fünf Züge gespielt, als der Nürnberger zum scharfen, aber verfrühten Vorstoß seines f-Bauern griff. Milo wollte sich aber auf die vom Computer für ihn als vorteilhaft eingeschätzten Verwicklungen nicht einlassen und opferte stattdessen lieber selbst einen Bauern. Doch auch seine Idee erwies sich als mehr als zweifelhaft und so geriet er schnell in Nachteil. Nach einem schlimmen Fehler wäre es eigentlich aus gewesen, doch der Gast revanchierte sich postwendend. Es kam zu einem Schlagabtausch in dessen Folge sich die Engine-Bewertung von über +5 auf -2 wandelte. In seiner Verzweiflung opferte der Nürnberger eine Figur, doch Milo behielt die Nerven und ließ sich die Butter nicht mehr vom Brot nehmen:

Brett 5: Mit dem hübschen Sperrzug 32…Ld7!! wehrte Milo nicht nur die gegnerische Mattdrohung ab, sondern stellte gleichzeitig eine eigene auf!

Damit war der Widerstand gebrochen und der Rest nur noch Formsache. Eine wilde Partie mit dem glücklicheren Ende für uns. (3-2)

An Brett 3 (S) kam Philipp Mark in einer harmlosen Variante der Wiener Partie nach frühem Damentausch schnell zu Ausgleich. Der Nürnberger ließ einen Bauerngewinn für Philipp zu und erhielt mit seinem Läuferpaar so gerade noch genügend Kompensation, um die Partie im Gleichgewicht zu halten. Trotz des reduzierten Materials ergaben sich ungeahnte Komplikationen, die beiden Spielern bei aufkommender Zeitnot maximale Konzentration und gute Nerven abverlangten. In haarsträubender Stellung war es dann leider Philipp, der für einen Augenblick die Übersicht verlor:

Brett 3: Mit 37…e1D+! 38.Lxe1 Sb3+ 39.Ka2 c2 40.Ld2 Sxd2 hätte Philipp seinen Gegner mit dem letzten Zug vor der Zeitkontrolle zur Aufgabe zwingen können, doch er entschied sich für 37…Sxb5 38.axb5 Sd3??, was zwar eine Figur gewinnt, aber die weißen Bauern nicht mehr stoppen kann.

Nach diesem herzzerreißenden Finale musste der Windischeschenbacher drei Züge später die Waffen strecken. Eine mehr als unglückliche Niederlage. (3-3)

An Brett 4 (W) wählte Christian Müller ebenfalls die Wiener Partie und fand sich nach einer forcierten Variante schnell in einem damenlosen Mittelspiel wieder. Die prinzipiell ausgeglichene Stellung schien ihm besser zu liegen als seinem Kontrahenten und so erarbeitete er sich nach und nach einen kleinen Endspielvorteil, der sich jedoch mit fortschreitender Spielzeit wieder verflüchtigte und schließlich in das komplette Gegenteil umkehrte:

Brett 4: In bereits verlorener Stellung für Christian hätte der Nürnberger hier mit 34…Lxg4! den Sack zumachen können, denn nach 35.Sxf4 e3+! 36.Kxe3 gxf4+ 37.Kxf4 Lxh3 wäre er mit einer Mehrfigur verblieben.

Doch auch seine Wahl 34…Tf7 hielt den Gewinn fest. Erst kurz vor und nach der Zeitkontrolle ließ der Gast die nötige Entschlossenheit vermissen und gestattete Christian eine schwarzfeldrige Blockade, die nicht mehr zu durchbrechen war und ihm das Unentschieden sicherte. (3½-3½)

An Brett 2 (W) suchte FM Zdenek Haba sein Heil in einer weniger gespielten Variante der Katalanischen Eröffnung. Sein Mut gab ihm recht, denn nach 14 Zügen attestierte ihm die Engine einen klaren Vorteil:

Brett 2: Das typische Motiv 14.c5 verspricht Weiß einen dauerhaften Vorteil.

Den Vorteil vermochte Zdenek im Mittelspiel zu halten bis er kurz davor stand ihn zu einer Gewinnstellung zu verdichten:

Brett 2: Mittels des Springermanövers 21.Se5-c4! hätte Zdenek den Bauern a5 unter günstigen Umständen erobern können. Doch leider wählte er 21.Tb3 und nach 21…La6 22.Lxa5 Dc8 23.Txb8 Dxb8 war sein Vorteil trotz des Mehrbauern verflogen.

Als sein junger Gegner gleich im Anschluss einen äußerst ungünstigen indirekten Läufertausch initiierte, hätte der Windischeschenbacher erneut auf die Gewinnerstraße gelangen können:

Brett 2: Der vorurteilsfreie Tausch des katalanischen Läufers gegen den Sd5, gefolgt von a3 hätte Zdenek noch einmal einen siegverheißenden Vorteil verschafft.

Er spielte jedoch sofort 27.a3, wonach Schwarz die Stellung halten kann, da 28.Txa3 Dxa3 29.Lxd5 nun nicht mehr funktioniert wegen 29…Da1+! 30.Kg2 Dxe5 mit Ausgleich. Der Nürnberger ging jedoch an seinem Glück vorbei, schlug sofort auf d5 und fand sich noch einmal in einer Verluststellung wieder:

Brett 2: Leicht gewonnen hätte 32.Sb4! Lxd4 33.c6, da der Freibauer nur unter Figurenverlust aufzuhalten ist. Zdenek entschied sich jedoch leider für 32.Se5? und sah seine Felle nach 32…Lxe5 33.dxe5 d4+ 34.f3 Dd5 davonschwimmen.

Das anschließende Damenendspiel mit 4 gegen 3 Bauern auf einem Flügel war nicht mehr zu gewinnen und so musste Zdenek nach 59 Zügen zähneknirschend in das unvermeidliche Remis einwilligen. (4-4)

Trotz dieses nur mäßigen Starts ist die Saison noch lang und sobald wir die Anfangsnervosität ablegen können, werden wir auch unsere Chance bekommen, oben mitzuspielen.

Das allseits beliebte Liga-Orakel war wohl auch etwas verwirrt ob unseres Einstands und sieht die Chancen auf einen Aufstieg fast identisch zu denjenigen eines Abstiegs!

Die 2. Runde findet bereits am 26. Oktober statt und beschert uns eine Reise zum SK Neumarkt. Trotz unserer Favoritenrolle sollten wir unseren Gastgeber keinesfalls auf die leichte Schulter nehmen und die Aufgabe mit voller Konzentration angehen. Gelingt uns dies, ist ein Auswärtssieg durchaus im Bereich des Möglichen.

Blitz-Mannschaftsmeisterschaft in Oberviechtach

Am 28.09. fand im Emil-Kemmer-Haus in Oberviechtach die diesjährige Blitz-Mannschaftsmeisterschaft, auch Silberschild genannt, statt. Unter der Leitung von Josef Kufner fanden sich 13 Mannschaften, darunter auch 2 Mannschaften aus Windischeschenbach, dort ein und kämpften in einem Rundenturnier mit der Bedenkzeit 3+2 um das Podium und das berühmte Silberschild.

Unsere erste Mannschaft, mit der Besetzung Tobias, Carolin, Johannes und Rudi Schicker, konnte, wie auch in den letzten Jahren, die oberpfälzer Blitzelite oftmals ärgern und auch u.a. den späteren Drittplatzierten Kareth-Lappersdorf schlagen. Durch ein paar unglückliche Partien und Kämpfe kam am Ende „nur“ ein sechster Platz mit 15-9 Mannschaftspunkten heraus.

Die zweite Mannschaft ging mit der Besetzung Manfred, Svatoslav, Elsbeth und Florian ins Rennen. Auch hier konnte man immer wieder mit gut geführten Partien und starken Leistungen glänzen, sodass am Ende der 12. Platz mit 3-21 Mannschaftspunkten heraussprang.

Die Einzelergebnisse (jeweils aus 12 Partien):

Tobias: 7½, Carolin: 8½, Johannes 8, Rudi 4½

Manfred: 2½, Svatoslav 1, Elsbeth 2, Florian 2½

Erfolg für Windischeschenbach im Pokal

Nachdem unser Pokalteam sich für den Bayernpokal qualifiziert hatte, gelang in der ersten Runde ein weiterer Erfolg. In einem spannenden Wettkampf konnten die Windischeschenbacher im Feuerwehrhaus die Gäste vom SV Neustadt bei Coburg mit 2½-1½ niederringen.

Den Grundstein zum Erfolg legte Philipp Mark mit Weiß an Brett 2. In seiner geliebten Abtauschvariante des Damengambits schienen beide Kontrahenten sehr theoriefest und spulten die Züge schnell herunter. Dabei entging dem Neustädter aber im 12. Zug ein typisches Motiv:

Philipp ließ sich nicht zwei mal bitten, schnappte sich mit 13.Sxd5! einen Bauern und führte diesen Materialvorteil sicher zum Sieg. (1-0)

An Brett 4 (S) verteidigte sich Stephan Schmahl gegen den Aufzug des Königsbauern mit der Sizilianischen Najdorf-Variante. Beide Spieler zeigten ihre Kenntnis der Theorie und landete in einem ausgeglichenen Mittelspiel:

Hier entschied sich der Weiße zum Generalabtausch auf e6, e5 und d8 wonach ein Endspiel entstand, das der Computer bereits als günstiger für Schwarz bewertet:

Einer der seltenen Fälle in denen ein isolierter Doppelbauer nicht schwach, sondern aufgrund der Kontrolle der zentralen Felder sogar sehr nützlich ist. Fortan spielte Stephan auf Gewinn, dem er teilweise sehr nahe kam. Durch einen ungünstigen Abtausch vergab er seinen Vorteil jedoch wieder und willigte nach dreimaliger Stellungswiederholung ins Remis ein. (1½-½)

An Brett 3 sah sich Johannes Denz mit Weiß der Sizilianischen Verteidigung gegenüber und setzte auf die Alapin-Variante. Nach frühem Damentausch musste der weiße König in der Mitte bleiben, konnte aber einen Mehrbauern vorweisen. Alles ist in der Theorie bekannt und Schwarz bekommt starkes Figurenspiel, so dass der Bauer auf Dauer nicht zu halten ist. Im 13. Zug hätte Johannes statt 13. Tad1 besser mit seinerseits 13. e4 verhindern sollen, dass Schwarz den Vorstoß nach e4 ausführt:

Ab diesem Zeitpunkt übernahm Schwarz die Initiative und konnte schließlich eine Qualität erobern.

Der Computer zeigt, dass nach einer schwarzen Ungenauigkeit anscheinend noch die Rettung für Weiß möglich gewesen wäre. Aber wie so oft ist es am Brett sehr schwer solche Züge und die damit verbundenen Feinheiten zu erfassen.

Nach 19….f5 wäre 20. Ke2 stark gewesen. Johannes spielte 19.g3 und gab sich nach 19…Lxd4 20.cxd4 Kd7 geschlagen. Schwarz kann die c-Linie zuerst mit dem Turm besetzen, wonach die weiße Stellung zusammenbricht. 20. Ke2 hätte den Springer gedeckt und so das entscheidende Tempo gewonnen, um den eigenen Turm auf die c-Linie zu bringen. Der Computer sieht die Stellung in diesem Fall als verteidigungsfähig an. (1½-1½)

Am Spitzenbrett hatte sich in einem Zweispringerspiel ein Theorieduell entwickelt. Christian Müller wurde mit der prinzipiellen Fortsetzung 4.Sg5 konfrontiert wobei sein Gegner das derzeit auch in hohen Kreisen gelegentlich diskutierte 8.Ld3 spielte.

Christian gab in einer Nebenvariante einen zweiten Bauern für die bessere Entwicklung und sehr aktives Spiel. Im 16. Zug sah der Neustädter Spieler sich gezwungen, eine Figur für einen dritten Bauern zu geben. Die Initiative blieb aber bei Schwarz, wobei die Stellung weitestgehend im ausgeglichenen Bereich blieb.

Im 21. Zug unterlief Weiß mit dem Zug der Dame nach a3 ein Fehler, den Schwarz mit 21….Tb8! ausnutzen konnte. Christian schnappte sich aber den Bauern 21…Dxd4. Laut Computer konnte Weiß danach mit 22.Lb2 und weiteren sehr präzisen Zügen im Spiel bleiben. Der Neustädter angelte sich den Springer, wonach der weiße Turm in der Ecke natürlich nicht geschlagen werden darf. Christian hatte aber nach 22.bxa5 den starken Zug 22….Tb8 an dieser Stelle gesehen, wonach er seinen Vorteil nach 23.Sc3 Dxc3 24. Dxc3 Sxc3 sicher nach Hause spielte. (2½-1½)

Nach diesem schönen Erfolg haben wir das Viertelfinale erreicht in dem wir am 20. Juli auswärts beim SC Uttenreuth (Mittelfranken) antreten müssen. Die Kräfte dürften hier in etwa gleich verteilt sein, so dass es eine realistische Chance auf den erneuten Einzug ins Bayerische Final-Four-Turnier gibt!

Unglückliche Niederlage im Viererpokal-Finale

Am 1. Juni durften wir im Feuerwehrhaus das Finale im Viererpokal 2024/25 ausrichten. Unser Gegner war kein geringerer als das Oberliga-Team der SG Post-Süd Regensburg, gegen das wir in der Vergangenheit leider schon öfter den Kürzeren gezogen hatten. Auch diesmal waren wir wie üblich der klare Underdog, lieferten aber einen großen Kampf, in dem wir am Ende reichlich unglücklich mit 1-3 unterlagen.

An Brett 4 (S) wählte Rudi Schicker die Nimzoindische Verteidigung. Gegen das klassische System gelang es ihm schon bald eine ausgeglichene Stellung zu erreichen, die nach einem übertrieben optimistischen Aufmarsch der weißen Königsflügelbauern zu seinen Gunsten ausschlug:

Brett 4: Nach 15…Se5 machten sich die zahlreichen weißen Schwächen bereits bemerkbar.

Innerhalb weniger Züge gelang es Rudi seinen Gegner komplett zu überspielen und einen vorentscheidenden taktischen Schlag anzubringen:

Brett 4: Mit dem Glanzzug 20…Sxf2!! hob Rudi die weiße Stellung aus den Angeln.

Zu unserem Leidwesen konnte Rudi sein eigenes Tempo anschließend nicht durchhalten und verspielte seine Gewinnstellung in Rekordgeschwindigkeit:

Brett 4: Nach dem richtigen 21…Seg4! wäre die weiße Stellung aufgabereif gewesen, doch Rudi spielte 21…Dxe3+ 22.Kb1 Tad8? und stand nach 23.Lc1 Dg3 24.Txe5 Dxe5 25.Txf2 plötzlich mit leeren Händen da.

Der Abwärtstrend setzte sich fort und schlussendlich war es nur einem überhasteten Remisangebot des Regensburgers zu verdanken, dass diese Partie mit einem Unentschieden endete. Ein mehr als unglücklicher Verlauf für Rudi und unser Team. (½-½)

An Brett 1 (S) landete Stephan Schmahl gegen seinen prominenten Gegner durch Zugumstellung in einer Igelstellung, in der er sich gegen den weißen Raumvorteil wehren musste:

Brett 1: Mit Raumvorteil und Angriffschancen am Königsflügel hatte Weiß klar die besseren Aussichten.

Als sich der Gastspieler in obiger Stellung aber zum Scheinopfer 16.Sd5? hinreißen ließ, hätte sich Stephan durch genaues Spiel befreien und Ausgleich erreichen können. In der hochkomplizierten und rechenintensiven Schlacht bestand Stephan die Prüfung sechs Züge lang, scheiterte in Zeitnot aber doch noch:

Brett 1: Nach dem einfachen 22.Txa8 hätte Stephan das schlimmste überstanden gehabt, er wählte jedoch 22…exf4? 23.Df3 Ld6?? und stand nach 24.b4 klar auf Verlust.

Stephan wehrte sich zwar noch verzweifelt, doch am Ende hatte er keine Chance mehr und wurde klassisch ausgeknockt. (½-1½)

An Brett 3 (W) erzielte Johannes Denz gegen die Philidor-Verteidigung mit Übergang in Altindische Gewässer schon früh einen schönen Raumvorteil. Der Regensburger fand keinen klaren Plan und musste sich auf passive Verteidigung beschränken:

Brett 3: Das Mittelspiel versprach Johannes ausgezeichnete Aussichten.

Der Kampf wogte hin und her bis Johannes entscheidenden Vorteil hätte erzielen können:

Brett 3: Mit 25.Sb5! hätte Johannes die schwarze Verteidigung überlasten können.

Obwohl Johannes diese Fortsetzung nicht fand, konnte er den Druck aufrecht erhalten und behielt weiterhin Vorteil. Als Konsequenz unterliefen dem Gastspieler Fehler, die ihn die Partie hätten kosten können:

Brett 3: Wieder wäre der Zug 29.Sb5! entscheidend gewesen. Der kombinierte Angriff in der f-Linie und gegen den Punkt d6 hätte die schwarze Verteidigung vor unlösbare Probleme gestellt. Doch leider spielte Johannes 29.Lxd7? wonach der weiße Vorteil gänzlich in Rauch aufgelöst hatte.

Enttäuscht vom Lauf der Dinge stellte Johannes schließlich in völlig ausgeglichener Stellung die Partie ein:

Brett 3: Nach einem beliebigen Rückzug des Turms wäre ein Remis beschlossene Sache gewesen, doch nicht nach 33.Txd6?? Lxb5 mit Figurenverlust.

Erneut eine mehr als unglückliche Niederlage für Johannes im Pokal, die für ihn und uns extrem schmerzhaft war. (½-2½)

An Brett 2 (W) bekämpfte Philipp Mark das abgelehnte Damengambit mit der Abtauschvariante. Die Eröffnung verlief in üblichen Bahnen mit einem leichten weißen Vorteil:

Brett 2: Eine weithin bekannte Stellung mit einem minimalen weißen Eröffnungsvorteil.

Philipp setzte energisch fort und brachte den aktuellen Oberpfälzischen Blitzschachmeister gehörig ins Schwitzen. Unter Druck unterlief dem Regensburger ein Fehler der zu klarem weißen Vorteil hätte führen können:

Brett 2: Mit 19.f4! konnte Philipp eine starke Initiative am Königsflügel entfachen, wählte jedoch 19.Sxd7 Sxd7 20.g4? wonach der Computer die Stellung wieder als ausgeglichen einschätzt. Stattdessen hätte 20.e4! immer noch zu Vorteil im Zentrum geführt.

Im weiteren Verlauf der Partie unterliefen beiden Kontrahenten mehrere Ungenauigkeiten, die zu Vorteil für den Gegner hätten führen können, jedoch nicht genutzt wurden. Bis zur Zeitkontrolle erreichte man ein einfaches und ausgeglichenes Turmendspiel, das zehn Züge später Remis gegeben wurde. (1-3)

Eine nach dem Spielverlauf viel zu hohe und unverdiente Niederlage. Nichtsdestotrotz haben wir uns teuer verkauft und als Finalist für den Bayerischen Mannschaftspokal qualifiziert. Damit dürfen wir wie bereits vor zwei Jahren überregional um den Einzug ins Final-Four kämpfen.

Zum Schluss noch Einzelergebnisse der Pokalhelden:

Tobias Brunner: 4/4 (+4 = 0 -0, 100%)
Philipp Mark: 3½/5 (+2 =3 -0, 70%)
Stephan Schmahl: 3/5 (+2 =2 -1, 60%)
Rudi Schicker: 2/4 (+1 =2 -1, 50%)
Johannes Denz: 0/2 (+0 =0 -2, 0%)

Unsere Dritte schrammt an der goldenen Ananas vorbei

Am vorletzten Spieltag (für uns der letzte, weil wir in der Endrunde spielfrei sind) hatten wir die dritte Mannschaft des SK Schwandorf zu Gast. Für beide Teams ging es weder um Auf- noch um Abstieg, sondern eher um Spielpraxis und Spaß am Schach. Natürlich kämpft man auch in solchen Situationen und wo gekämpft wird passieren Ungenauigkeiten und Fehler. Davon gab es an diesem Tag viele! 

Es ging an Brett 4 bereits in der Eröffnung los. Christian Kraus spielte 1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Sc3 und wieder einmal kam das ungenaue 3.Lc5 aufs Brett. Wie schon gegen Neustadt erreichte Christian mit dem Scheinopfer 4.Se5: Vorteil. Dann aber nahm das Verhängnis seinen Lauf: Nach 4….Se5: 5.d4 Ld4: 6.Dd4: d6 7.Lf4 Df6 gab es einige Züge, die den Vorteil festgehalten hätten. Christian spielte aber 8.Sd5, was auf den ersten Blick einen Bauern zu gewinnen scheint. Leider kann Schwarz aber mit 8…Sf3+ kontern, wonach Christian sofort aufgab. Tragisch ist, dass die Stellung allenfalls etwas besser für Schwarz ist, was aber schwer zu sehen ist. Nach 9.gf3: Dd4: 10.c3 hat auch die schwarze Lady keine guten Felder mehr und muss die Bühne verlassen.

An Brett 1 verteidigte sich Michael Betz mit dem klassischen Damengambit und folgte einem Rezept aus dem Buch von Nikolaos Ntirlis „Playing 1.d4 d5, A Classical Repertoire“. Allerdings verwechselte er zwei Varianten und wählte eine Zugfolge, die nur funktioniert, wenn Weiß im 8. Zug Dc2 statt Tc1 gespielt hat. So stellte sich heraus, dass nach dem 12. Zug ein schwarzer Bauer auf d5  von der Dame geschlagen werden kann. Michael bemerkte den Fehler und trug die unvermeidlichen Züge bis dahin schnell und Selbstbewusstsein vortäuschend vor und lehnte sich entspannt zurück, als es so weit war. Ob diese schauspielerische Leistung oder einfach nur Vorsicht den Ausschlag gaben ist fraglich. Jedenfalls glaubte der Gegner an die schwarze Kompensation (die objektiv nicht vorhanden ist) und ließ das Bäuerlein am Leben. Danach konnte Michael aber dem weißen Minimalvorteil standhalten. Weiß bot schließlich Remis und Michael akzeptierte, nachdem keine Chancen auf Gewinn zu spielen zu sehen waren.

Florian Süß an Brett 5 wählte den Aufbau, der meistens als Modern Defence bezeichnet wird oder nach dem Buch von Tiger Hillarp Persson als Tiger´s Modern. Ein System, bei dem man seine Züge gegen fast jeden weißen Aufbau hinstellen kann und so vor dem 10. Zug selten in Zeitnot kommt. Zeitnot ist bei Florian allerdings ohnehin nicht zu befürchten und sein junger Gegner spielte auch flott mit. Nach wechselhaftem Verlauf, hohem Seegang und an etlichen Riffen und Eisbergen vorbei segelten die Kontrahenten in ein Turmendspiel mit jeweils drei Bauern am Königsflügel  und einem schwarzen Freibauern auf der a-Linie. Der schwarze Turm war vor und der weisse hinter dem Bauern, theoretisch also Remis. Als auch noch die Bauern am Königsflügel vom Brett waren versuchte der unerfahrene Nachwuchsspieler mit dem König näher zu kommen. Das hätte Florian zu einer Umgehung nutzen können, wonach das Umwandlungsfeld für den Bauern frei und gedeckt gewesen wäre. Wenn der weisse Turm den Bauern aber auf a2 schlägt kommt ein Schach auf der zweiten Reihe und der Turm geht verloren. Diese Chance nutzte Florian nicht und der anschließende unrühmlich Versuch über 20 Züge mit Turm gegen Turm weiter zu spielen war auch nicht von Erfolg gekrönt.

Auch Markus Schwengler am dritten Brett baute sich mit der Modernen Verteidigung auf. Die Stellung ging in Königsindische Strukturen über, die aber nicht gerde bei den Hauptvarianten zu finden sind. Kreativität ist beim Schachspiel nicht verboten und oft besser, als Theorie-Varianten spielen zu wollen die man dann vergessen hat oder durcheinander bringt (wie am Spitzenbrett geschehen). Im Verlauf kam Markus aber in eine schwierige Stellung, die darin gipfelte, dass Gegner zwei Leichtfiguren gegen einen Turm gewinnen konnte. Nachdem er diese Möglichkeit verpasst hatte und weiterhin zu zögerlich spielte, konnte Markus schließlich ausgleichen und man einigte sich auf Remis.

Johanna Sperber an Brett 6 eröffnete mit dem Königsbauern und ließ sich gegen die Sizilianische Eröffnung mit einem soliden, aber zurückhaltenden Aufbau auf keine Verwicklungen ein. Im weiteren Verlauf kam bei einer Abwicklung aber ein Bauer abhanden. Aber auch dem Gegner unterlief ein Versehen, das eine Figur kostete. Johanna gab das Kompliment aber gleich darauf zurück und konnte sich mit einem Minusbauern durch aktives Spiel in einem Doppelturmendspiel in ein Dauerschach flüchten.

Am zweiten Brett spielten Manfred Oppel und sein Gegner die fehlerfreieste Partie der Wetkampfes. Manfred eröffnete, wer errät es, mit dem Doppelschritt des c-Bauern. Die Englische Eröffnung wird oder wurde früher auch „Bremer Partie“ genannt, nach dem Spieler Carl Carls, der jede Partie so eröffnete. Ein Spaßvogel soll ihm vor einer Partie einmal den c-Bauern ans Brett geklebt haben. Im Kreisliga-Duell entwickelte sich ein positioneller Kampf und beide Kontrahenten ließen sich nichts zu Schulden kommen und ein weiteres Remis war das logische Ergebnis.

So führte der einzige Verlust, der eigentlich keiner war zur 2,5-3,5 Niederlage, die so auch in Ordnung geht. „Wenn“…“hätte“—„wäre“…es hätte besser laufen können, aber auch schlechter! Im Schach wie auch im Leben weiß man immer nur, wie es gekommen ist. Was gewesen wäre, wenn man (oder beim Schach auch der Gegner) sich irgendwo anders entschieden hätte, erfährt man nicht!

Die goldene Ananas nicht gewonnen zu haben werden wir verschmerzen können…

Das Finale im Viererpokal ist erreicht!

Am vergangenen Sonntag kam es im Feuerwehrhaus zum mit Spannung erwarteten Halbfinale im Viererpokal gegen den Oberpfalzligisten DJK Regensburg-Nord. Die Gäste konnten in Bestaufstellung antreten und waren aufgrund ihres durchschnittlichen Ratingvorteils von 69 Punkten (2049 zu 1980) der Favorit in diesem Kampf. Doch unser Team war nicht nur gut aufgestellt, sondern auch hoch motiviert und konnte schließlich durch ein 2-2 dank Berliner Wertung glücklich aber verdient das Finale erreichen.

An Brett 1 (S) landete Stephan Schmahl durch Zugumstellung in einer günstigen Variante der Katalanischen Eröffnung. Er erhielt bequemes Spiel und hätte durch etwas mehr Genauigkeit sogar Vorteil erreichen können. Am Ende blieb die Stellung im Gleichgewicht und so bot der Regensburger im 20. Zug Remis an, das umgehend angenommen wurde. (½-½)

Brett 1: Um nicht längerfristig in einem Endspiel auf seinem Isolani sitzen zu bleiben, offerierte der Gast an dieser Stelle eine Punkteteilung.

An Brett 4 (S) verteidigte sich Philipp Mark Damenindisch. In einer der Hauptvarianten kam es schon nach wenigen Zügen zu mehrfachem Figurentausch, was zu einer ausgeglichenen Stellung führte. Im Laufe des Mittelspiels gelang es dem Gast Raumvorteil zu erzielen, doch der Versuch daraus durch Zentrumsöffnung Kapital zu schlagen, schlug fehl. Philipp gelang es die Stellung wieder auszugleichen und als er drohte nun selbst aktiv zu werden, schlug sein Gegner ein Remis vor, das nach kurzer Lagesondierung der anderen Bretter angenommen wurde. (1-1)

Brett 4: Nachdem er keine Möglichkeit zu einem Vorteil mehr entdecken konnte, bot der Regensburger mit seinem letzten Zug Remis an.

An Brett 3 (W) wählte Johannes Denz gegen die Sizilianische Verteidigung die Alapin-Variante, die bei offenem Zentrum zu sehr interessantem Spiel führte. Nach baldigem Damentausch entwickelte sich ein ausgeglichenes Endspiel, das aber noch viel Raum für ein Spiel auf Gewinn ließ. Auf dem Weg zur Zeitkontrolle verlor der Regensburger den Faden und fand sich plötzlich in einer Verluststellung wieder:

Brett 3: Mit 33.Tf5! startete Johannes den Angriff gegen die schwarzen Bauernschwächen. Mit seinem aktiven Turm, dem perfekt stehenden Sc4 und nur zwei Bauerninseln gegen vier bewertet der Computer die Stellung bereits als gewonnen für Weiß.

Da der Gast keine Lust auf eine passive Verteidigung hatte, setzte er alles auf eine Karte und versuchte einen Gegenangriff, der ihn jedoch vom Regen in die Traufe brachte:

Brett 3: Mit dem wunderbaren Zug 35.Se3! hätte Johannes die Partie praktisch sofort beenden können, doch in Zeitnot wählte er leider 35.Se5?? und musste sich nach 35…Tf2+ 36.Ke1 Sxe5! wegen der möglichen Gabel auf d3 mit einem nur noch leicht besseren Turmendspiel zufrieden geben.

Doch ein Unglück kommt selten allein und scheinbar enttäuscht vom Gang der Ereignisse überschritt der Windischeschenbacher völlig überraschend im 40. Zug die Zeit. Eine für Johannes traurige und insgesamt unverdiente Niederlage. (1-2)

An Brett2 (W) spielte Tobias Brunner wie üblich gegen die Sizilianische Verteidigung die geschlossene Aufstellung. In einer seltenen Nebenvariante gewann Tobias schnell die Oberhand und setzte den frisch gebackenen Vize-Oberpfalzmeister gehörig unter Druck:

Brett 2: Nach nur neun Zügen hatte Tobias eine gewinnverheißende Initiative entwickelt.

Der Regensburger verlor das Rochaderecht und musste ohne nennenswertes Gegenspiel in der Verteidigung verharren. Einige Züge später war es bereits um die schwarze Stellung geschehen:

Brett 2: Nach 23.Le2 war Materialverlust für den Gast nicht mehr zu vermeiden.

Im Prinzip hätte der Schwarze hier getrost aufgeben können, doch in Anbetracht des Pokalcharakters kämpfte er unverdrossen weiter und hoffte auf ein Wunder. Ein solches gestand ihm Tobis jedoch nicht zu, baute seinen Materialvorteil weiter aus und zwang ihn schließlich nach 57 Zügen zur Aufgabe. (2-2)

Durch diesen im Ergebnis glücklichen aber letztlich hochverdienten Sieg haben wir zum zweiten Mal in drei Jahren das Finale im Viererpokal erreicht! Unser Gegner wird wie vor zwei Jahren die SG Post-Süd Regensburg sein, ein Team gegen das wir wie immer klarer Underdog sind. Aber wir haben rein gar nichts zu verlieren und wollen und werden das Match einfach nur genießen!

Starke Leistung im Viererpokal

Am Sonntag, den 16. März reisten wir für das Viertelfinale im Viererpokal zum Landesliga-Konkurrenten des SK Schwandorf. Mit dem gewohnten Pokal-Team waren wir nominell nahezu exakt auf Augenhöhe, so dass es keinen Favoriten gab. Letztlich endete der Kampf mit einem erwartungsgemäßen 2-2, doch mit dem besseren Ende für uns aufgrund eines Sieges an Brett 1.

An Brett 2 (S) wählte Philipp Mark gegen die Reti-Eröffnung eine Damenindische Aufstellung und erreichte nach Ende der Figurenentwicklung eine ausgeglichene Stellung. In der Folge setzte der Weiße wenig ambitioniert fort und bot schon nach 16 Zügen remis an. Da sich an der Einschätzung der Stellung nichts geändert hatte, willigte Philipp nach kurzer Bedenkzeit ein. (½-½)

An Brett 4 (W) startete Rudi Schicker ebenfalls mit der Reti-Eröffnung, doch hier entschied sich sein Gegner für eine Königsindische Aufstellung. Das Mittelspiel lief leider gar nicht nach Rudis Geschmack und so wurde er mehr und mehr in die Verteidigung gedrängt. Seine passiven Figuren waren nicht in der Lage den Ansturm abzuwehren und so musste er sich angesichts schwere Materialverluste geschlagen geben. (½-1½)

An Brett 1 (W) bekämpfte Tobias Brunner die Sizilianische Verteidigung mit dem geschlossenen System. Nach einem vorsichtigen Abtasten verschärfte Tobias die Stellung durch die lange Rochade ganz erheblich, was zu einem Kampf auf Biegen und Brechen und einem Tanz auf der Rasierklinge führte. Beide Spieler warfen ihre Bauern gegen den gegnerischen König nach vorne, doch Tobias sicherte sich die bessere Ausgangslage:

Brett 1: Diese zweischneidige Stellung nach 17.h5 hält die Engine bereits als für Weiß gewonnen.

Der Schwandorfer fand weder ein entscheidendes Gegenspiel noch eine erfolgreiche Verteidigung und musste sich schließlich im Angesicht eines undeckbaren Matts geschlagen geben. (1½-1½)

An Brett 3 (S) verteidigte sich Stephan Schmahl Bogo-Indisch und landete nach 10 Zügen in einer soliden aber leicht schlechteren Position. Im Mittelspiel hielt er den Status Quo aufrecht bis ihm ein Fehler unterlief, der ihn in die Verteidigung drängte:

Brett 3: Nach dem weißen 18.c5 bahnte sich eine höchst schwierige Verteidigung für Stephan an.

Zu seinem Glück fand der Schwandorfer nicht den richtigen Plan, ließ die Auflösung der Damenflügelbauern zu und hatte so seinen Vorteil wieder verspielt. In beidseitiger Zeitnot wendete sich das Blatt und Stephan übernahm nicht nur das Kommando, sondern hätte nun seinerseits eine Gewinnstellung erreichen können:

Brett 3: Weiß hatte gerade den lästigen Springer auf c4 geschlagen, doch damit gab er Stephan die Möglichkeit sich einen starken Freibauern zu verschaffen. Leider wählte er jedoch 30…Dxc4?? wonach die Stellung wieder ausgeglichen war.

Bis zur Zeitkontrolle konnte Stephan zwar nochmals einen schönen Vorteil erreichen, doch am Ende entglitt ihm auch dieser und er forcierte ein zum Weiterkommen reichendes Remis durch Dauerschach. (2-2)

Nach diesem glücklichen aber nichtsdestotrotz erfreulichen Ausgang bescherte uns das Los im Halbfinale, das am 4. Mai stattfinden wird, ein Heimspiel gegen den starken Oberpfalzligisten DJK Regensburg-Nord.

Ein attraktiver Gegner, gegen den wir nur mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung werden bestehen können, um uns den Traum vom nächsten Finaleinzug nach 2023 zu erfüllen.

Big Point für die 1. Mannschaft

Am 6. Spieltag kam es zum oberpfälzischen Duell beim TSV Kareth-Lappersdorf. Die Ausgangsituation konnte nicht unterschiedlicher sein, hatte die Heimmannschaft doch noch Chancen auf die Meisterschaft während wir uns tief im Abstiegskampf befanden. Nichtsdestotrotz waren wir in Bestaufstellung optimistisch in diesem „Lokalderby“ mithalten zu können und stellten dies in einem dramatischen Finale zum enorm wichtigen 4½-3½ Auswärtssieg eindrucksvoll unter Beweis.

An Brett 3 (W) wählte Christian Müller gegen seinen prominenten Gegner und dessen Sizilianische Verteidigung die Rossolimo-Variante, die nach einigen weiteren Zügen in einer ausgeglichenen Maroczy-Struktur landete. Nach einem unglücklichen Manöver von Christian neigte sich die Waagschale zu Gunsten von Schwarz, doch zu unserem Glück fand der Karether nicht die beste Fortsetzung und vergab seinen Vorteil wieder. Wenige Züge später einigte man sich in völlig ausgeglichener Stellung auf Remis. (½-½)

An Brett 4 (S) landete Philipp Mark durch Zugumstellung aus einem Damenbauernspiel in der Panov-Variante der Caro-Kann-Verteidigung. Wie üblich in dieser Eröffnung erhielt Weiß etwas Raumvorteil, musste dafür aber einen Isolani in Kauf nehmen. Nach dem anschließenden Damentausch verflachte die Partie zusehends, so dass kurze Zeit später ein leistungsgerechtes Remis vereinbart wurde. (1-1)

An Brett 2 (S) entschied sich FM Zdenek Haba in der Sizilianischen Verteidigung für die Kan-Variante, in der der Computer dem Weißen einen kleinen aber dauerhaften Vorteil attestiert. Die schwarze Stellung war etwas gedrückt und nach der sehr riskanten langen Rochade und einem anschließenden Fehler urplötzlich glatt verloren. Doch Zdenek hatte Glück im Unglück als sein Gegner ein paar Züge später statt aggressiv am Damenflügel vorzugehen einen passiven Springerzug machte, der seinen Vorteil komplett verschenkte, was als logische Konsequenz ein schnelles Remis zur Folge hatte. (1½-1½)

An Brett 7 (W) spielte Jaroslav Illetsko gegen die Najdorf-Variante der Sizilianischen Verteidigung, die sich nach wenigen Zügen zu einem Hybriden mit der Sweschnikov-Variante entwickelte. In einem strategisch interessanten Kampf geriet Jaroslav im 16. Zug vom rechten Wege ab und fand sich sechs Züge später in einer Verluststellung wieder. Er versuchte noch die Stellung zu verkomplizieren und wäre beinahe erfolgreich gewesen. Ein Fehler seines Gegner brachte ihn zurück ins Spiel, doch die prompte Retourkutsche war letztendlich zu viel, so dass er sich kurz darauf geschlagen geben musste. (1½-2½)

An Brett 6 (S) verteidigte sich Milo Müller mit der Drachenvariante der Sizilianischen Verteidigung auf die sich sein erfahrener Gegner aber nicht einließ und in einen geschlossenen Aufbau überleitete. Es entwickelte sich ein übliches langsames Spiel mit strategischen Figurenmanövern auf beiden Seiten. Der schwarze Vormarsch am Damenflügel war vielversprechend, doch als Milo die weißen Gegenmaßnahmen seinerseits im Zentrum kontern wollte, geriet er auf die schiefe Bahn. Die zunehmend taktische Stellung entglitt ihm mehr und mehr bis er schließlich einen Bauern verlor und in hoffnungsloser Stellung die Waffen strecken musste. (1½-3½)

An Brett 5 (W) ging Stephan Schmahl gegen die Philidor- bzw. Pirc-Verteidigung aggressiv mit einem Dreibauern-Angriff vor und konnte schnell eine aussichtsreiche Stellung erreichen. Scheinbar überrascht, unterlief dem Karether ein Fehler, der ihn bereits in einer Verluststellung landen ließ. Stephan fand zwar nicht die optimale Fortsetzung, konnte aber trotzdem klaren Vorteil bewahren. Im damenlosen Mittelspiel entwickelte sich die weiße Initiative zusehends. Schließlich drang Stephan mit seinen Figuren in die schwarze Stellung ein und setzte den gegnerischen König matt:

Brett 5: Nach lang anhaltender Initiative gelang Stephan ein nicht alltägliches Mattbild.

Eine von Anfang bis Ende gut gespielte Partie, die uns noch einmal hoffen ließ. (2½-3½)

An Brett 1 (W) bekämpfte Tobias Brunner die Damenindische Verteidigung seines Gegners zunächst mit einem ruhigen Aufbau. Bis weit hinein ins Mittelspiel blieb die Stellung im Gleichgewicht bis dem Karether Spitzenspieler unerwartet ein schwerer Fehler unterlief:

Brett 1: Mit dem überraschenden 23…Sd2! hätte sich Schwarz halten können, doch er wählte 23…Lf8?? und musste nach 24.Se5! eine Verluststellung konstatieren.

Der Heimspieler versuchte zwar noch sich durch Figurentausch zu entlasten, doch Tobias ließ sich nicht mehr beirren und nutzte seine überlegene Figurenstellung zu einem unwiderstehlichen Schlussangriff, der schließlich kurz vor der Zeitkontrolle zu entscheidendem Materialgewinn und Aufgabe seines Gegners führte. (3½-3½)

An Brett 8 (S) griff Miroslav Kalous zur Französischen Verteidigung gegen die sein Gegner die Vorstoß-Variante wählte. Schon nach vier Zügen hatte man bekannte Theoriepfade verlassen, doch da Mirek nicht die optimale Aufstellung fand, geriet er im Mittelspiel deutlich in Nachteil. Nach 15 Zügen stand Weiß auf Gewinn, doch fortan wechselte die Computer-Einschätzung nahezu von Zug zu Zug. Angesichts der vorher komplizierten Stellung kam es fast einem Wunder gleich, dass man nach 24 Zügen in einem völlig ausgeglichenen Doppelturmendspiel mit jeweils einer Leichtfigur landete:

Brett 8: Mit einigem Glück erreichte Mirek ein gleich stehendes Endspiel.

Nach weiteren zehn Zügen fand der Windischeschenbacher als erster eine Möglichkeit zumindest einen Hauch von Initiative zu entwickeln, doch an der generellen Einschätzung änderte sich nichts. Im Bestreben den vollen Punkt zu erspielen, überzog Mirek und hätte mehrfach in einer klar schlechteren Stellung landen können, was sein Gegner jedoch jeweils übersah. Aber er spielte nicht nur unverdrossen weiter, sondern setzte schließlich alles auf eine Karte und hatte Erfolg:

Brett 8: Für ein Remis muss Weiß Schachgebote von hinten geben. Geeignet dafür waren 72.Th7 oder 72.Th8. Doch ermüdet vom langen Kampf spielte der Karether 72.Th6?? und verlor nach 72…Txd2 73.Td6+ Kc5 das entscheidende Tempo!

Mit Turm und Läufer weniger war weiterer Widerstand zwecklos, so dass der Heimspieler wenige Züge später das Handtuch warf. Ein großer Kampf mit einem glücklichen Ende für uns! (4½-3½)

Durch diesen hart erkämpften, wenn auch am Ende glücklichen Sieg, haben wir uns vorerst von den Abstiegsplätzen entfernt. Ein Ruhekissen ist das jedoch nicht, geht es doch im Tabellenkeller in dieser Saison enger zu als je zuvor. Im nächsten Heimspiel gegen Bad Königshofen sollten wir unseren Aufwärtstrend unbedingt bestätigen, um nicht schließlich am unteren Ende unserer Berg- und Talfahrt zu landen.