Harter Kampf der Dritten um die Tabellenspitze in der Kreisliga 1

Am 25. Januar trat unsere dritte Mannschaft in der Kreisliga 1 zum Auswärtsspiel gegen die erste Mannschaft der Spielgemeinschaft Neustadt/Luhe an. Bereits bei der Aufstellung zeigte sich, dass die Neustädter es wirklich ernst meinten, und uns in Bestbesetzung die Tabellenführung streitig machen wollten. Uns war klar, dass es sehr schwer werden könnte. Aber auch wenn wir an allen sechs Brettern nominell unterlegen waren, war auch unsere Aufstellung nicht zu verachten. Es sollte tatsächlich ein sehr spannendes und umkämpftes Duell werden.

Der Auftakt war aber so gar nicht nach unserem Geschmack, als Svatoslav Zitek an Brett 2 eine eher seltene Variante im Sizilianer spielte. Nach 1.e4 c5 2.Sf3 a6 kann Schwarz nach 3.d4 in manchen Varianten vom frühen a6 profitieren und z.B. nach 5….cd 6.Sd4 e5 spielen, ohne dass Weiß das Feld b5 für seinen Springer zur Verfügung hat, wie z.B. in der Löwenthal-Variante oder der Lasker-Pelikan-Sweshnikov-Variante. Der Neustädter Gegner wählte aber den Übergang in die Alapin-Variante mit 3.c3, was eine gängige Empfehlung der Theorie darstellt. Am Rande sei noch bemerkt, dass John Nunn in seinem Werk „Beating the Sizilian“ 3.c4 empfiehlt. Svatoslav kam in der Folge nicht gut mit dem Verlauf klar, parkte dann im achten Zug auch noch einen Läufer ungedeckt auf g4, wonach Weiß schon das Scheinopfer seines Läufers auf f7 anbringen konnte. Die schwarze Stellung war danach eine Ruine und nach 16 Zügen und wenig mehr als einer Stunde Spielzeit ging Neustadt in Führung.

Am sechsten Brett hatten sich zwei Schnellspieler mit unkonventionellem Stil gefunden. Schon nach dem dritten Zug von Weiß war eine Stellung auf dem Brett, die selbst in einer Datenbank mit Millionen von Partien noch nicht vorgekommen ist (1.e3 g6 2.d3 Lg7 3. a3). Florian Süß mit den schwarzen Steinen konnte im weiteren Verlauf taktisch einen Bauern gewinnen. Während man sich an den anderen Brettern noch Gedanken um die Eröffnung oder einen Übergang ins Mittelspiel machte, war an diesem Brett schon ein Turmendspiel entstanden. Florian hielt seinen Mehrbauern fest, drang schließlich auch noch mit seinem König in die gegnerische Stellung ein und stellte somit den Sieg für sich und den Ausgleich für die Mannschaft her.

An Brett 1 wurde Michael Betz mit Weiß in einer Variante (die irgendwo zwischen Grünfeldindisch und Slawisch anzusiedeln ist), mit der er bisher 3,5 Punkte aus vier Partien holen konnte, von einem interessanten Plan von Schwarz überrascht. Er konnte sich nicht an die Empfehlung in seinem d4-Repertoir-Buch erinnern, folgte aber ohne es zu wissen einer Partie Svidler – Giri, bis sein Gegner im 12. Zug abwich. Die Stellung bewegte sich im ausgeglichenen Bereich, bis Michael merkte, dass er im 18. Zug einen vermeintlich falschen Weg eingeschlagen hatte. Die Variante wäre trotzdem, wie ursprünglich geplant spielbar gewesen, wie der Computer zeigt. Die Stellung nach der Planänderung gestaltete sich deutlich besser für Schwarz und in bereits sehr guter Stellung fand Schwarz auch noch eine starke Fortsetzung. Er zog einen angegriffenen Springer nicht weg, wonach Weiß nur etwas schlechter gestanden wäre, sondern konterte mit einem Zwischenzug, der Michael völlig entgangen war. Die Stellung mit einer Qualität weniger gab ohnehin keine große Hoffnung mehr, aber Michael patzte gleich noch einmal und gab im 25. Zug auf, als er feststellen musste, dass seine Dame keine Felder mehr hatte. Somit waren die Gastgeber wieder in Führung gegangen.

Nur etwa 15 Minuten später konnte aber Simon Lamm, der am fünften Brett mit Weiß wieder einmal das Londoner System aufs Brett brachte den Ausgleich wieder herstellen. Simons Gegner sah sich nach einem Läufertausch auf g3, noch vor der weißen Rochade allerhand Gefahren ausgesetzt, wobei die Stellung laut Computer ausgeglichen war. Erst ein verfehlter Versuch des Neustädters, die Stellung geschlossen zu halten brachte Simon einen Mehrbauern bei sehr guter Stellung ein. In der Folge verlagerte sich der weiße Druck auf einen rückständigen Bauern in der e-Linie. Schwarz suchte sein Heil noch in einem Springeropfer, nach dessen Annahme die weiße Dame fallen würde. Simon rechnete aber weiter, nahm den Springer und gewann in der folgenden Abwicklung die Dame zurück. Somit hatte er einen Springer mehr, so dass der Neustädter sich geschlagen gab.

Jetzt aber sollte es an den zwei verbliebenen Brettern erst richtig dramatisch werden. Beide Stellungen waren für Spieler und Zuschauer schwer einzuschätzen.

Markus Schwengler hatte am vierten Brett mit Schwarz die Königsindische-Verteidigung gewählt. Wie so oft in dieser Eröffnung kam Markus zu einem Angriff gegen den weißen König. Dazu hatte er einen Bauern ins Geschäft gesteckt. Ein verlockendes Turmopfer erschien ihm dann aber zu riskant. Objektiv gesehen die richtige Entscheidung, das Opfer wäre nicht korrekt gewesen. Die Stellung befand sich in einem dynamischen Gleichgewicht, aber langsam wurde die schwarze Initiative stärker. Es kam zum Tausch der schwarzen Dame gegen die beiden weißen Türme und es war schwer einzuschätzen, wer die besseren Aussichten haben würde. Beide Spieler hatten noch sechs Bauern und einen Springer. Der Computer bevorzugt eindeutig Schwarz, aber am Brett ist alles nicht so klar. So war schon nach dem nächsten schwarzen Zug die Stellung wieder ausgeglichen. In der Folge ließen sich beide Kontrahenten nichts zu schulden kommen, bis die Zeitkontrolle näher rückte. Im 39. Zug unterlief Markus ein Missgeschick, das der Gegner ausnutzte und einen Bauern schlug. Hätte Markus den ungedeckten Turm geschlagen, wäre für den zweiten Turm die schwarze Dame verloren gegangen und das Bauernendspiel wäre verloren gewesen. So blieb nur ein anderer Zug und zumindest die Zeitkontrolle war geschafft.
Jetzt dachte der Neustädter lange nach, fand aber den studienartigen Gewinnweg nicht. Wie so oft im Schach ist alles so logisch, wenn man die Lösung gezeigt bekommt. Am Brett, noch dazu nach einer komplizierten Partie ist nicht immer alles offensichtlich. Nach einer Zugwiederholung einigte man sich auf Remis.

Ausgerechnet der gesundheitlich angeschlagene Rudolf Schicker musste an Brett 3 die längste Partie spielen, die zudem auch noch recht kompliziert verlief. In der Reti-Eröffnung wählte sein Gegner eine seltene Variante, in der er im vierten Zug einen Zentrumsbauern im Tausch gegen einen Flügelbauern anbietet. Schon im sechsten Zug waren die Pfade der Theorie verlassen und die Partie verlief im ausgeglichenen Bereich, wobei der Computer Schwarz leicht im Vorteil sieht. Im 15. Zug unterläuft dem Neustädter Spieler ein Fehler, den Rudi taktisch ausnutzt und einen Bauern gewinnt. Im daraus resultierenden Schlagabtausch verpasst er aber einen Zwischenzug, der zu einem Figurengewinn geführt hätte. So kann Schwarz den Bauern letztendlich zurückgewinnen und es kommt zu einem ausgeglichenen Endspiel. Bei jeweils 4 Bauern und Dame hat Rudi einen Läufer, sein Gegner einen Springer. Dame und Springer arbeiten oft besser zusammen, als Dame und Läufer und somit lehnte der Neustädter ein Remisangebot ab und spielte auf Gewinn. Rudi verteidigte sich aber gut und konnte die Stellung immer ausgeglichen halten. Im 46. Zug kam es dann zu einer kritischen Situation, als Schwarz den Damentausch anbot. Verständlicherweise wollte Rudi diese starke Figur los werden, aber es wäre objektiv besser gewesen, die Damen auf dem Brett zu lassen. In der Folge wäre der schwarze Springer dem Läufer überlegen gewesen, aber Schwarz setzte ungenau fort und die Stellung war wieder im Gleichgewicht. Beide Spieler hatten noch zwei Bauern und Rudi konnte im 55. Zug seinen Läufer für einen Bauern opfern. Hätte Schwarz den Läufer geschlagen, dann wäre auch sein letzter Bauer gefallen. Das verbleibende weiße Duo hätte einen gefährlichen Eindruck gemacht. Mit der Unterstützung der Engine zeigt sich aber, dass Schwarz gerade so das Remis halten konnte, während nach seiner Fortsetzung Weiß auf Gewinn stand. Aber nach der anstrengenden Partie war es am Brett nicht so einfach. Im 61. Zug mit Läufer und Bauer gegen Springer zeigt der Computer noch immer einen Gewinn für Weiß an. Die dafür notwendigen studienartigen Manöver sind aber am Brett nach einer langen Partie kaum zu finden. Ich (Betz Michl) habe mich in den letzten Tagen ausgiebig mit der Stellung befasst und trotz Computerunterstützung sind mir noch nicht alle Feinheiten klar. Wer mag kann sich gerne auch damit beschäftigen!

Weiß: Kf7, La6, g6
Schwarz: Ke3, Sh5

Weiß am Zug

Kleiner Tipp: Eine wesentliche Verteidigungsidee von Schwarz ist Sg3 und nach g7 folgt Sf5 mit der Gabel auf h6 wenn der Bauer verwandelt wird. Mit dem schwarzen König auf g5 funktioniert diese Verteidigung aber nicht, weil der Bauer mit Schach verwandelt wird. Sollte der schwarze König allerdings ungestraft h6 erreichen ist kein Gewinn mehr möglich, weil der Springer zwischen h5, g7 und e8 pendeln kann.
Verwirrend ist, dass es nicht einen ganz konkreten Weg zum Gewinn gibt, sondern mehrere Varianten möglich sind.

Nachdem Rudi 62. Kg8 gespielt hatte konnte Schwarz mit Sf4 sofort sicher stellen, dass der Bauer nicht zur Dame werden kann.

Somit war also der letztendlich gerechte 3 – 3 Endstand hergestellt und wir sind weiterhin Tabellenführer, nachdem auch der weitere Konkurrent Oberviechtach unentschieden gespielt hatte.

Starker Auftritt der 1. Mannschaft

Am vergangenen Sonntag traten wir bei der 2. Mannschaft des Regensburger Vorstadtclubs TSV Kareth-Lappersdorf an. Die Ausgangslage war klar, brauchten die Karether doch jeden Punkt im Kampf um den Klassenerhalt, während wir zum wiederholten Mal danach trachteten unsere letzte Chance zu ergreifen, ein gewichtiges Wörtchen im Meisterschaftsrennen mitzusprechen. Nach gut vier Stunden stand ein ungefährdeter 6-2 Auswärtssieg zu Buche mit dem wir die Konkurrenz aufhorchen lassen konnten.

An Brett 8 (S) verteidigte sich Manfred Oppel in seinem Debut für die 1. Mannschaft Königsindisch. Gegen die Makogonov-Variante entschied er sich für den Zentrumsvorstoß c5, der an dieser Stelle nicht unbedingt einen guten Ruf genießt. Doch anscheinend war auch sein Gegner mit diesem Vorgehen nicht vertraut und wechselte erst zur Fianchetto-Variante und dann wieder zurück, was in dieser Form wenig Aussicht auf Erfolg versprach. Im 14. Zug startete Mane eine Abtauschaktion, die ihm in der richtigen Reihenfolge einen klaren und gewinnverheißenden Vorteil gebracht hätte:

Brett 8: Mit der fantastischen Abwicklung 14…Sxd5! 15.exd5 Sxd3 16.dxe6 Dd5!! hätte Mane beste Chancen auf den Führungstreffer gehabt, doch welcher Mensch findet diesen Computerzug?

Zu seinem Leidwesen vertauschte er aber die Züge, wonach die Partie weitestgehend verflachte. In immer noch leicht vorteilhafter Stellung bot er Remis, was natürlich sofort angenommen wurde. (½-½)

An Brett 1 (W) bekam es Tobias Brunner nach dem Aufzug des Königsbauern mit einer Art Philidor-Verteidigung zu tun. Sein aggressiver Dreibauernangriff sah beeindruckend aus, hätte aber wirksam bekämpft werden können:

Brett 1: Dem Heimspieler stand mit 6…d5! starkes Gegenspiel zur Verfügung, zum Glück für Tobias entschied er sich aber für 6…De7? und hatte fortan Schwierigkeiten mit seiner Figurenkoordination.

Aufgrund der unglücklichen Positionierung seiner Dame sah sich der Karether gezwungen lang zu rochieren, womit er die Lage auf dem Brett weiter verschärfte. Einen Zug später hätte ihn ein Fehler bereits Kopf und Kragen kosten können:

Brett 1: Nachdem Tobias seinen König in Sicherheit gebracht hatte, stand sein Gegner vor der Frage, wohin mit dem angegriffenen Springer? Richtig war 10…dxe5 11.fxe5 Se4, doch er spielte sofort 10…Se4?? und hätte nach 11.e6! getrost aufgeben können!

Leider verpasste Tobias diese Gelegenheit, stand aber immer noch besser. Erst nach der direkt anschließenden Ungenauigkeit war sein Vorteil verflogen und es begann der beidseitige Aufmarsch gegen die gegnerische Königsstellung. Es stellte sich heraus, dass der schwarze Angriff schneller voran kam und nach einem Fehler von Tobias in komplizierter Stellung auch hätte durchschlagen können:

Brett 1: Schwarz tauschte seinen hängenden Läufer h6 auf e3, half damit aber Tobias seine Verteidigung zu entlasten. Richtig war 23…Tdg8! wonach der Angriff nicht mehr zu parieren ist. Sowohl 24.Lxh6 Txg2+ als auch 24.g3 Txg3+! bringen den weißen König in wenigen Zügen zur Strecke.

Doch damit nicht genug des Glücks. In Zeitnot verlor der Karether in mittlerweile ausgeglichener Stellung vollends die Übersicht, ließ die weiße Dame nach a7 eindringen und geriet selbst in einen Mattangriff, den er nicht mehr zu stoppen vermochte. (1½-½)

An Brett 7 (W) wurde Stephan Schmahl mit der Sizilianische Drachenvariante konfrontiert. Beide Spieler versuchten die Hoheit über das Zentrum zu erlangen, was nach mehrfachem Abtausch zum sogenannten „Widder“ führte, einer Stellung mit beidseitig isolierten Bauern auf d4 und d5. Zunächst schien die Lage günstiger für Weiß zu sein, doch trotz der notwendigen künstlichen Rochade von Schwarz, war kein Vorteil auszumachen. Im 16. Zug überschätzte Stephan seine Möglichkeiten, ging zu offensiv am Königsflügel vor und hätte klar in Nachteil geraten können:

Brett 7: Nach dem korrekten Zug 16.Sa4 und Überführung des Springers nach c5 hätte Stephan einen kleinen Eröffnungsvorteil erreichen können. Er spielte jedoch 16.g4? was deutlich zu ambitioniert war.

Zu seinem Glück erwiderte sein Gegner nicht 16…g5! und dann ….f5, sondern spielte sofort 16…f5?? und stand überraschenderweise unmittelbar auf Verlust. Nach 17.g5! sind die schwarzen Leichtfiguren durch die eigene Blockade des Feldes f5 sehr passiv. während die weißen über die geschwächten schwarzen Felder zum gegnerischen König vordringen können. Unter Zeitdruck verpasste Stephan zwar das ein oder andere Mal die stärkste Fortsetzung, doch letztendlich gelang es ihm unbeschadet durch die Komplikationen zu kommen und in ein gewonnenes Endspiel abzuwickeln:

Brett 7: Bereits mit einem Mehrbauern in der Tasche wickelte Stephan hier in ein leicht gwonnenes Turmendspiel ab.

Nach dem Partiezug 37.Te8+ und der mehr oder weniger erzwungenen Folge 37…Kf7 38.Txc8 Kxg6 39.Txc6+ Kf7 40.Ke3, wäre nicht nur ein zweiter Bauer gefallen, sondern auch die Zeitkontrolle erreicht gewesen, so dass der Karether an dieser Stelle aufgab. (2½-½)

An Brett 6 (S) wählte Carolin Werner die Sizilianische Sveshnikov-Variante, eine Eröffnung nicht ohne Risiko, die aber auch ein Spiel auf Gewinn ermöglicht. Der frühe und wenig ehrgeizige Springertausch auf c6 kam ihr dabei sehr entgegen. Es ergaben sich ungewohnte Stellungsbilder, die für beide Spieler nicht einfach zu spielen waren, was die von der Engine aufgedeckten Ungenauigkeiten hüben wie drüben erklärt. Caro schnappte sich einen Bauern, musste dafür aber einen nicht unerheblichen Entwicklungsrückstand in Kauf nehmen. Ihr Gegner fand aber keine Möglichkeit seinen dynamischen Vorteil in etwas Zählbares umzumünzen und konnte dementsprechend keine Kompensation für den fehlenden Bauern nachweisen. Nichtsdestotrotz blieb die Lage auf dem Brett auch nach Vervollständigung der Entwicklung kompliziert und so begann der Kampf nun erst richtig zu entbrennen:

Brett 6: Trotz Mehrbauer und Läuferpaar für Schwarz hält der Computer die Stellung für völlig ausgeglichen.

In weiterhin angespannter Lage versuchte Caro mittels Verdoppelung der Türme auf der g-Linie den weißen König zu attackieren, wählte dabei aber eine unglückliche Zugfolge, die sie in erhebliche Schwierigkeiten hätte bringen können:

Brett 6: Mit 26…d5 war die Stellung im Gleichgewicht zu halten, doch Caro wählte 26…Lf8?? und hätte nach 27.h5! Tg5 28.Sxd6!! wegen der Schwäche des Feldes f6 auf Verlust stehen können.

Der Heimspieler sah diese Kombination jedoch nicht, spielte 27.Td3 und landete nach weiteren Irrungen und Wirrungen bei beidseitig knapper Bedenkzeit kurz vor der Zeitkontrolle in folgender Stellung:

Brett 6: Mit 35.Tb7 konnte der Weiße die Partie im Gleichgewicht halten, doch er spielte 35.Sh6??, wonach der vermeintliche Qualitätsgewinn wegen 36…Txh4+! sofort ins Verderben führte.

Caro ließ sich die Gelegenheit nicht entgehen und zwang ihren Kontrahenten in wenigen Zügen zur Aufgabe. (3½-½)

An Brett 3 (W) traute Philipp Mark seinen Augen kaum als sein Gegner in der Eröffnung eine nahezu unbekannte Nebenvariante wählte. Der Schwarze verzichtete zunächst auf jedweden Kontakt und überließ Philipp das Zentrum, das dieser nur zu gern mit seinen Bauern besetzte:

Brett 3: Eine Eröffnung ohne Namen.

Da ein Einigeln auf Dauer kaum funktionieren kann, betrat im 7. Zug der erste schwarze Bauer die 5. Reihe und löste damit auf beiden Seiten Figurenumgruppierung aus. In der Folge gelang es dem Karether seine Stellung zu entwirren und für ihn aufgrund des Raumnachteils günstigen Figurenabtausch einzuleiten. Scheinbar überrascht von dieser Entwicklung fand Philipp keinen wirksamen Plan und musste sich schließlich mit Ausgleich abfinden:

Brett 3: Mit seinem letzten Zug 17…f5 hatte der Heimspieler die Stellung ausgeglichen und drohte nun weiter mit seinen Königsflügelbauern vorzustoßen. Richtig wäre deshalb der Konter 18.f4 gewesen, doch Philipp entschied sich für 17.f3?! und überließ damit seinem Gegner die Initiative.

Da Schwarz zudem über den „richtigen“ Läufer verfügte, war sein beginnender Angriff königsindischer Art trotz des reduzierten Material alles andere als ungefährlich. Psychologisch unter Druck versuchte Philipp dem kommenden Sturm mit seinem König zu entkommen:

Brett 3: Der Versuch von Philipp seinen König aus der Gefahrenzone zu evakuieren, war nachvollziehbar, aber leider einen Zug zu früh. Besser war 21.h3, um zunächst das schwarze …g4 zu verhindern.

Der Karether nuzte die Gelegenheit, spielte 21…g4! und konnte damit klaren Vorteil erzielen. Da ein Unglück nur selten allein kommt, tauschte Philipp auch noch selbst auf g4 und stand endgültig auf Verlust. In der Folge entwickelte sich ein Spiel auf ein Tor, dem er keine entscheidende Wendung mehr geben konnte. Als er direkt vor der Zeitkontrolle Figurenverlust quittieren musste, war die Zeit für die Aufgabe gekommen. (3½-1½)

An Brett 2 (S) verteidigte sich Ingo Cordts im Damengambit mit dem durch Ex-Weltmeister Magnus Carlsen popularisierten frühen …a6. Der Weiße baute sich harmonisch auf, hielt die Spannung im Zentrum aufrecht und konnte mit seinem Raumvorteil am Damenflügel einen kleinen Vorteil verbuchen:

Brett 2: Mit 15.Lxf6 Dxf6 16.cxd5 exd5 17.Dxd5 konnte der Karether im Gegenzug für eine leichte gegnerische Initiative einen Bauern gewinnen, was jedoch nicht seinem Geschmack entsprach.

Die von ihm gewählte Fortsetzung 15.Sf1 vergab jedoch seinen Vorteil, da sich Ingo mit Hilfe der forcierten Abwicklung 15…dxc4 16.Lxc4 b5 17.Ld3 e5 praktisch komplett befreien konnte. Ohne Not folgte direkt im Anschluss der bereits entscheidende Fehler:

Brett 2: Die Scheindrohung …e4 wollte Weiß unterbinden, indem er selbst seinen Bauern nach e4 stellte, übersah dabei aber, dass seiner Dame die Luft fehlte. Nach 18…Le6 musste diese die c-Linie betreten und war einem Abzug des Sc6 ausgesetzt.

Der resultierende Bauerngewinn auf b4 verschaffte Ingo eine Gewinnstellung, die er durch Figurentausch und Gewinn des Läuferpaars verdichtete. In seiner Verzweiflung opferte der Heimspieler eine Qualität, was zwar den verloren gegangenen Bauern zurückholte, aber im Endeffekt doch nur vom Regen in die Traufe kam. Ingo aktivierte seinen Turm, erzwang den Damentausch und navigierte zielgerichtet auf ein klar gewonnenes Turm gegen Läufer Endspiel zu:

Brett 2: Die Unterminierung der weißen Bauernstellung mit 45…h5 zerstörte die letzten Karether Hoffnungen auf eine eventuelle Festung.

Nach den weiteren Zügen 46.Ld4 hxg4+ 47.Kxg4 g6 war klar, dass auch der Bauer a5 ersatzlos fallen würde, weshalb der Weiße sich geschlagen gab. (4½-1½)

An Brett 4 (S) traf Christian Müller auf die Englische Eröffnung, die er klassisch mit dem Vorstoß des Königsbauern beantwortete. Nach frühem Damentausch ergab sich eine Position in der die bessere schwarze Bauerstruktur durch das weiße Läuferpaar kompensiert wurde:

Brett 4: Die Engine sieht hier einen minimalen weißen Vorteil, der für den Menschen kaum bis gar nicht wahrnehmbar ist.

Im Mittelspiel gelang es dem Weißen sich eine kleine Initiative zu erarbeiten, die aber ohne eine angreifbare Schwäche im schwarzen Lager wirkungslos verpuffte:

Brett 4: Das Eindringen des Turms auf d6 erwies sich als Boomerang. Christian spielte konsequent, gab auch seinen zweiten Läufer und konnte anschließend den Bauern c5 gewinnen.

Nachdem auch der Bauer b3 sogar mit Schach fiel, schien die Messe gelesen zu sein, doch der leergefegte Damenflügel gab dem weißen Läuferpaar neue Perspektiven, was zusammen mit der fehlenden Harmonie der schwarzen Figurenstellung so gerade noch Kompensation für die beiden Minusbauern darstellte:

Brett 2: Der Materialnachteil erforderte vom Weißen ein möglichst dynamisches Spiel, das mit 22.Ta1 am ehesten zu gewährleisten war. Er spielte aber 22.f4? und wurde nach 22…Sc8 zurückgedrängt.

Christian gelang es seine Streitkräfte zu koordinieren, das gegnerische Läuferpaar zu halbieren und mit seinen Türmen den weißen König aufs Korn zu nehmen:

Brett 4: Nach einer längeren Abwicklung hatte Christian ein klar gewonnenes Turmendspiel erreicht.

Da der Karether keinerlei Gegenspiel hatte und auch der Übergang in ein Bauernendspiel unmöglich war, hatte Christian keine Mühe den Sieg unter Dach und Fach zu bringen. (5½-1½)

An Brett 5 (W) vertraute Milo Müller gegen die Skandinavische Verteidigung einer statistisch wenig aussichtsreichen Variante, mit der er aber ungeahnten Erfolg hatte und seinen Gegner schon früh in die Defensive drängen konnte:

Brett 5: Nach 14.Sd6+ Kf8 verlor Schwarz nicht nur sein Rochaderecht, sondern musste nach 15.Le5 auch noch noch seinen Turm nach h7 aufs Abstellgleis schieben.

Milo hatte eindeutig die besseren Aussichten, fand in der Folge aber keinen gewinnbringenden Plan und musste mit ansehen, wie sich sein Gegenüber langsam aber sicher aus der Umklammerung befreite. Nach beidseitigen Ungenauigkeiten entstand ein ausgeglichenes Endspiel mit Dame, Turm, Läufer und jeweils sechs Bauern:

Brett 5: Nach bereits zweimaliger Stellungswiederholung hätte Milo hier mit 32.Dc5+ ein Remis erzwingen können, wollte in ausgeglichener Position aber noch weiterspielen und entschied sich für 32.g4.

An der generellen Einschätzung änderte sich nichts, denn nach der Entgegnung 32…Lf3 hätte er mit 33.Lxe6! fxe6 34.Dg7+ Dauerschach geben können. Mit dem erneuten Ausweichen mit 33.Db4+?! war er diesmal aber schlecht beraten, denn nach der Folge 33…Dc5 34.Dxc5+ Txc5 35.Tg1 h5 36.h3 hxg4 37.hxg4 g5! konnte sich der Karether einen kleinen aber dauerhaften Vorteil sichern, der im 40. Zug zu einer Gewinnstellung hätte führen können:

Brett 5: Nach dem eigentlich auf der Hand liegenden 40…f5! wäre die Partie für Milo wohl nicht zu gehalten gewesen, doch zu seinem Glück verzichtete sein Gegner zu Gunsten von 40…Kd6? und hatte seinen Vorteil verschenkt.

Milo konnte die Fesselung auf der g-Linie abschütteln und im letztendlich resultierenden reinen Läuferendspiel das Unentschieden problemlos erreichen. (6-2)

Nach diesem überzeugenden Auftritt und zeitgleichen kleineren Ausrutschern der Spitzengruppe stehen wir plötzlich und unerwartet auf dem 2. Tabellenplatz! Damit ist nicht nur die Abstiegsgefahr endgültig gebannt, sondern es hat sich auch unsere Hoffnung erfüllt aus eigener Kraft in den Meisterschaftskampf eingreifen zu können.

Sogar das Liga-Orakel hat uns vom ehemals sicheren Abstiegskandidaten zum Aufstiegsaspiranten Nr. 3 befördert. Eine Wendung, die nach unserem missglückten Saisonstart niemand erwarten konnte.

Zum nächsten Heimspiel am 8. Februar empfangen wir den im Mittelfeld rangierenden SC Forchheim. Sollten wir auch diese Begegnung positiv gestalten können, hätten wir Anfang März tatsächlich einen Showdown beim aktuellen Tabellenführer aus Fürth. Schachherz, was willst Du mehr?

Kantersieg für 1. Mannschaft

Am Nikolaus-Wochenende empfingen wir im Feuerwehrhaus die 3. Mannschaft des SC Noris-Tarrasch Nürnberg. Die Vorzeichen waren klar, denn beide Mannschaften konnten ihren Anspruch auf einen vorderen Tabellenplatz nur mit einem Sieg untermauern. Auf dem Papier waren wir der Favorit, doch die Erinnerung an unsere Vorrundenniederlage war uns noch zu gut im Gedächtnis, um den Kampf auf die leichte Schulter zu nehmen. So gingen wir stattdessen hoch motiviert und voll konzentriert in die Partien und verbuchten einen völlig überraschenden und in dieser Höhe nie erwarteten 7-1 Erfolg!

An Brett 2 (W) erhielt FM Zdenek Haba gleich zu Beginn des Kampfes die Mitteilung, dass die Gäste nur zu siebt angereist waren und sein Gegner nicht erscheinen würde. Dies ist höchst unbefriedigend und passiert Zdenek leider nicht zum ersten Mal. Nach Ablauf der obligatorischen 30 Minuten Karenzzeit war unsere Führung offiziell. Menschlich sehr schade, aber außerhalb unseres Einflussbereichs. (1-0)

An Brett 5 (S) eröffnete Milo Müller gegen seinen Gegner Sizilianisch, was dieser mit einem geschlossenen Aufbau erwiderte. Nach langsamer Entwicklung entstand bei vollem Brett eine Stellung mit gleichen Chancen. Im 10. und 11. Zug übersah Milo die Gelegenheit zu einem günstigen Zentrumsvorstoß und musste fortan gegen den Raumvorteil des Nürnbergers ankämpfen. Mit dem unangreifbaren Bauernkeil e5-d4 gegen e6-d5 betrachtet der Computer die Stellung als bereits gewonnen für Weiß. Doch für Menschen ist die Sache bekanntermaßen nicht so einfach und so kämpfte sich Milo unverdrossen zurück in die Partie. Scheinbar beeindruckt vom Einfallsreichtum seines Gegners unterlief dem Gast im 21. Zug ein schwerer Fehler, der die Computer-Bewertung sofort auf den Kopf stellte. Von nun an war Milo am Drücker, gewann eine Qualität und sicherte souverän den zweiten Punkt für uns. (2-0)

An Brett 6 (S) wählte Stephan Schmahl die Polnische Eröffnung und konnte nach elf Zügen eine ausgeglichene Stellung erreichen. Im 12. Zug verpasste er die einzige Möglichkeit, um mehr als nur einen halben Punkt zu kämpfen und steuerte stattdessen mittels weiteren Figurentauschs den Remishafen an. Leider unterlief ihm dabei eine ernste Ungenauigkeit, die dem Weißen die besseren Aussichten versprach. Sein Gegner schätzte seine Chancen jedoch nicht richtig ein oder war schlicht nicht in Kampfeslaune und bot Remis an, was von Stephan nach Inspektion der Stellungen der Kameraden leichten Herzens angenommen wurde. (2½-½)

An Brett 3 (S) entschied sich Philipp Mark gegen die Reti-Eröffnung für einen Damenindischen Aufbau. Schnell erreichte er eine ausgeglichene Stellung und konnte nach verhaltenem Vorgehen seiner Gegnerin schließlich die Initiative übernehmen. Überrascht von Philipps forschem Auftreten, unterliefen der Nürnbergerin erst ein kleiner und anschließend drei größere Fehler, die ihre Stellung nicht mehr verkraftete. Angesichts eines Minusbauern bei gleichzeitig trostloser Stellung, bevorzugte sie ein Ende mit Schrecken und warf das Handtuch. (3½-½)

An Brett 8 (W) griff Miroslav Kalous gegen den Königsindischen Aufbau seines Gegners zum Doppelfianchetto. Scheinbar überrascht ließ sich der Nürnberger zu einem wenig erfolgversprechenden Manöver hinreißen, das im Endeffekt nur dem Weißen in die Karten spielte. Mirek konnte die gegnerischen Figuren Zug für Zug zurückdrängen und mit mehr Raum und besserer Figurenstellung einen klaren Vorteil erzielen. Die anschließend folgenden Durchbrüche im Zentrum und am Damenflügel in Verbindung mit der unter Platzmangel leidenden und wiederholt attackierten schwarzen Dame bescherten ihm entscheidenden Materialgewinn und die baldige Aufgabe seines jungen Gegners. (4½-½)

An Brett 6 (W) bediente sich Carolin Werner gegen die Skandinavische Verteidigung einer seltener gespielten Variante und fianchettierte ihren Königsläufer. Die Eröffnung verlief in ausgesprochen ruhigen Bahnen und brachte der Windischeschenbacherin außer dem Läuferpaar keinen nennenswerten Vorteil. Der anschließende optimistische Vorstoß des g-Bauern hätte daran eigentlich nichts ändern sollen, doch ihr Gegner überreagierte ebenso ein wenig und fand sich ohne Vorposten für seine Springer in einer zwar festen aber unbequemen Stellung wieder. In die Passivität gezwungen beging der Nürnberger mehrere Fehler, die zum Zusammenbruch seiner Verteidigung hätten führen können, doch leider verpasste Caro diese Gelegenheit, wonach sich das Blatt hätte wenden können. Doch da an diesem Tag so gar nichts zusammenlaufen wollte für die Gäste, revanchierte sich der Nachziehende postwendend und stand erneut glatt auf Verlust. Mit zwei Mehrbauern und besserer Königsstellung sah der Rest nach Routine aus, doch eine Schrecksekunde musste noch überstanden werden. Nach einem schrecklichen Überseher hätte der Nürnberger mittels eines Turmopfers mit anschließendem Dauerschach Caro den verdienten Sieg doch noch entreißen können, doch auch diesmal ging er an seinem Glück vorbei. Eine dritte Chance sollte er nicht bekommen und so musste er sich wenige Züge später in Anbetracht weiteren Materialverlusts endgültig geschlagen geben. (5½-½)

An Brett 4 (W) begann Christian Müller mit dem Königsspringer und leitete anschließend über in das sogenannte Keymer-System, einer Untervariante der Reti-Eröffnung. Die Partie entwickelte sich erwartungsgemäß nur langsam, versprach Christian aber wegen eines leichten Entwicklungsvorsprungs und des schlechten weißfeldrigen Läufers von Schwarz einen angenehmen Vorteil. Diesen vermochte er zielgerichtet auszubauen bis sich sein Gegner gezwungen sah eine Qualität gegen einen lästigen Springer auf d6, tief im eigenen Territorium zu opfern. Christian manövrierte geduldig, mobilisierte seine Königsflügelbauern und hätte die Partie durch Verdoppelung seiner Türme auf der h-Linie mit Mattangriff krönen können. Doch leider griff er just in diesem Moment fehl und ließ den Nürnberger entschlüpfen. Nach Erreichen der Zeitkontrolle hatte der Schwarze die Stellung mit zwei Bauern für die Qualität wieder ausgeglichen und alles deutete auf einen friedlichen Ausgang der Partie hin. Doch im 43. Zug unterlief dem Gast ein schrecklicher Fehler nach dem er forciert einen seiner beiden Mehrbauern einbüßte bei gleichzeitiger Aktivierung der weißen Streitkräfte. Auf offenem Brett entfaltete der verbliebene Turm seine ganze Kraft und demonstrierte seine Überlegenheit gegenüber dem hoffnungslos überforderten Läufer. Einen weiteren Bauernverlust vor Augen, strich der Nürnberger schließlich die Segel. (6½-½)

An Brett 1 (S) wurde Tobias Brunner in seiner Caro-Kann Verteidigung mit der zweischneidigen Fantasy-Variante konfrontiert. In einer der Hauptabspiele warteten beide Kontrahenten ab, auf welche Seite der gegnerische König rochieren würde. Dabei beging der Nürnberger einen Leichtsinnsfehler, der es Tobias erlaubte die Initiative zu übernehmen und die gegnerischen Figuren zurückzudrängen. Nach der unglücklichen langen Rochade des Weißen zeigt die Engine bereits eine klare Verluststellung an, doch leider entgingen Tobias die besten Züge und so wurde er plötzlich von einem Springeropfer überrascht, das das Brett regelrecht in Flammen setzte. Nachdem sich der Rauch verzogen hatte, blieb ein komplexes damenloses Mittelspiel mit einem Minusbauern übrig. Auf dem Weg zur Zeitkontrolle fand er ein starkes Bauernopfer, das ihm bei korrekter Fortsetzung eine sofortige Remisschaukel erlaubt hätte. Doch er griff fehl und stand nun selbst am Abgrund. Aber wie durch ein Wunder verzettelte sich der Gast im 40. Zug noch einmal und musste ein unangenehmes Gegenspiel über sich ergehen lassen, das die Partie fast noch ein weiteres mal auf den Kopf gestellt hätte. Zunächst brachte Tobias die korrekte Gewinnfortsetzung aufs Brett, doch als er im letzten Moment strauchelte, fand die Partie durch Zugwiederholung ein friedliches Ende. (7-1)

So schlecht der Kampf gegen Büchenbach lief, so unverschämt gut erging es uns an diesem Spieltag! Uns gelang alles, dem Gegner nichts! Mit sechs Siegen und zwei Remis erzielten wir den höchsten Mannschaftssieg der letzten Jahre und konnten uns eindrucksvoll für die Schlappe vom November rehabilitieren. Mit nunmehr 5-3 Punkten und ausgezeichnetem Brettpunktverhältnis sieht die Liga-Welt für uns wieder rosiger aus. Sozusagen ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk, mit dem wir uns die Hoffnung auf den Aufstieg erhalten konnten.

Zum ersten Kampf im neuen Jahr reisen wir am 18. Januar nach Regensburg, um gegen die 2. Mannschaft des TSV Kareth-Lappersdorf anzutreten. Die Karether befinden sich mit 3-5 Punkten in der unteren Tabellenhälfte und werden alle Kräfte mobilisieren, um gegen uns zu bestehen und nicht in den Abstiegsstrudel zu geraten. Da aber auch wir jeden Punkt brauchen, um den Blick noch nach oben richten zu können, ist mit einem Kampf auf Biegen und Brechen zu rechnen. Wir sind gerüstet!

Schwere Schlappe für 1. Mannschaft

Am 16. November 2025 empfingen wir zur 3. Runde der Regionalliga die 1. Mannschaft der SG Büchenbach / Roth. Im durchschnittlichen Rating hatten wir die Nase vorn, doch der relativ geringe Vorsprung ließ einen Kampf auf Augenhöhe erwarten. Warum es schließlich anders kam und wir eine deprimierende 2½-5½ Niederlage einstecken mussten, ist schwer zu erklären und war uns auch bei der anschließenden Mannschaftsbesprechung völlig unklar. Es scheint fast als hätten wir in jeder Saison einen dieser schwarzen Tage zu verdauen.

An Brett 4 (W) wählte Christian Müller gegen die Rubinstein-Variante der Französischen Verteidigung einen eher selten gespielten, aber statistisch überdurchschnittlich erfolgreichen Zug, der ihm auch in dieser Partie gute Dienste leistete. Es gelang ihm den Gegner in eine passive Stellung zu drängen, was ihm zusammen mit mehr Raum einen schönen Vorteil bescherte. Da er jedoch leider gesundheitlich angeschlagen war, war ihm im Sinne der Mannschaft der sprichwörtliche Spatz in der Hand lieber als die Taube auf dem Dach und so akzeptierte er ein frühes Remisangebot. (½-½)

An Brett 6 (W) bekämpfte Carolin Werner die solide Caro-Kann Verteidigung mit dem Panov-Angriff. Lange folgte man bekannter Theorie bis Caro im 14. Zug abwich. Ihr hängendes Bauernpaar im Zentrum war zwar blockiert, doch sie besaß einen Freibauern, der die Stellung insgesamt im Gleichgewicht hielt und langfristig Chancen zu einem Spiel auf Gewinn versprach. Als diese sich nicht realisieren ließen, entschied sie sich richtigerweise die Spannung aufzulösen. Bei aufkommender Zeitnot verlor sie aber gänzlich den Faden, geriet in die Defensive und wurde nach einem Figurenverlust kurz vor der Zeitkontrolle matt gesetzt. (½-1½)

An Brett 8 (W) wurde Miroslav Kalous mit dem Holländischen Stonewall konfrontiert aus dem sich wie üblich ein schwerblütiger Positionskampf entwickelte. Im Mittelspiel sicherten Raumvorteil und ein passiver Läufer des Schwarzen Mirek einen deutlichen Vorteil. Durch ideenreiches Spiels vermochte er diesen in einen Königsangriff umzuwandeln, der ihm einen Qualitätsgewinn einbrachte. Obwohl schon der Materialvorteil allein bereits Garant für einen Gewinn war, ließ Mirek nicht locker, drang mit seiner Dame über die geschwächten schwarzen Felder in das gegnerische Lager ein und erzwang die baldige Aufgabe. (1½-1½)

An Brett 2 (W) entschied sich FM Zdenek Haba gegen die Slawische Verteidigung zu einem modernen Aufbau. Es gelang ihm das Zentrum zu besetzen und dadurch Raumvorteil zu erzielen, doch die schwarze Aufstellung war stabil und hatte keine angreifbaren Schwächen. Da es dem Gast zudem gelang ein Figurenpaar zu tauschen, war die Stellung eingangs des Mittelspiels ausgeglichen. Im weiteren Verlauf fand Zdenek leider keinen zufriedenstellenden Plan, so dass der Gast Schritt für Schritt die Kontrolle übernehmen konnte. Nach dem Damentausch trieb er seine Damenflügelmajorität nach vorn, erbeutete das Läuferpaar und zwang Zdenek in die Defensive. In Zeitnot fand der Windischeschenbacher schließlich weder eine ausreichende Verteidigung noch ein wirksames Gegenspiel und musste im Angesicht einer unmittelbar bevorstehenden Bauernumwandlung das Handtuch werfen. (1½-2½)

An Brett 1 (S) musste sich Tobias Brunner der Katalanischen Eröffnung erwehren. In einer Modevariante entschied er sich früh für ein Schlagen auf c4, was nach dem weiteren Tausch eines Figurenpaars zu einer ausgeglichenen Stellung führte. Weißer Raumvorteil gegen schwarzes Läuferpaar ergaben zwar ein interessantes Ungleichgewicht, doch an der Beurteilung änderte dies bis zum 19. Zug wenig. Der folgende Massenabtausch endete in einem Doppelturmendspiel, das zwar optisch günstiger für den Büchenbacher aussah, von der Engine aber als völlig ausgeglichen eingeschätzt wird. In der Folge geriet Tobias leider vom richtigen Weg ab und landete in einer passiven Stellung, die zwar noch nicht verloren, aber am Brett schwer zu verteidigen ist. Er suchte nach aktivem Gegenspiel, konnte den weißen Freibauern auf der a-Linie aber nicht mehr aufhalten und musste die Waffen strecken. (1½-3½)

An Brett 5 (S) griff Milo Müller zum populären Wolga-Gambit und folgte dabei früh einer weniger bekannten Variante. Bis zum 15. Zug hatte sich die Lage stabilisiert und es entstand eine typische Stellung mit Druck auf den offenen Linien am Damenflügel als Kompensation für den geopferten Bauern. Der Computer reklamiert zwar einen deutlichen Vorteil für Weiß, doch in der Praxis ist die Stellung nicht einfach zu spielen und so unterlief dem Gast eine Ungenauigkeit, die Milo wieder zurück ins Geschäft brachte. Im folgenden machten beide Spieler zahlreiche Fehler, die eine Vorhersage des Ausgangs nahezu unmöglich machten. Letztlich entstand ein Doppelturmendspiel, in dem die aktiven schwarzen Türme beste Aussichten auf ein Remis versprachen. Kurz nach der Zeitkontrolle schätzte Milo seine Chancen jedoch falsch ein, tauschte einen Turm und landete in einer Verluststellung. Gegen die auf beiden Flügeln vorrückenden gegnerischen Freibauern war kein Kraut mehr gewachsen und so musste er sich im 57. Zug geschlagen geben. (1½-4½)

An Brett 6 (S) verteidigte sich Stephan Schmahl Königsindisch. Sein Gegner wählte die Petrosjan-Variante, mit der das Zentrum sofort geschlossen wird. Die Partie entwickelte sich dementsprechend langsam und stand am Ende der bekannten Theorie ausgeglichen. Nach der ein oder anderen Ungenauigkeit auf beiden Seiten führte ein Fehler des Büchenbachers zu einem Bauernverlust und klarem Nachteil. Stephan nutzte die Gelegenheit, erzwang mit seiner aktiven Dame günstigen Figurentausch und stand mit Mehrbauer, Läuferpaar und aktivem Turm klar auf Gewinn. In der Zeitnotphase spielte er zwar nicht optimal, doch letztendlich brachte er den vollen Punkt sicher nach Hause. (2½-4½)

An Brett 3 (S) vertraute Philipp Mark der Russischen Verteidigung. In einer der Hauptvarianten kam es nach frühem Damentausch zu einer ausgeglichenen Stellung. Im Mittelspiel verlor Philipp dann jedoch etwas den Faden und landete in einem unbequemen Endspiel. Angesichts einer real drohenden Niederlage, bündelte er alle Kräfte in der Verteidigung und vermochte die Partie tatsächlich wieder auszugleichen. Sein Gegner ließ jedoch nicht locker und nutzte seinen Raumvorteil, um weiter Druck zu machen, der schließlich zum Erfolg führte. Philipp unterlief ein schwerer Fehler, der ein verlorenes Läuferendspiel zur Folge hatte. Er wehrte sich noch 35(!) Züge, konnte die Niederlage aber nicht mehr abwenden. (2½-5½)

Ergebnis und Verlauf des Kampfes hatten wir uns sicher anders vorgestellt, doch wir müssen konstatieren, dass die Niederlage auch in dieser Höhe verdient war. Leider fanden wir nie zu unserem Spiel und konnten am Schluss auch nicht mehr dagegen halten. Mit nunmehr 3-3 Mannschaftspunkten finden wir uns im Mittelfeld der Tabelle wieder und müssen der Tatsache ins Auge sehen, dass das erhoffte Mitmischen um den Aufstieg zwar nicht mehr unmöglich, aber doch eher unwahrscheinlich geworden ist.

Zum letzten Kampf des Jahres empfangen wir am 7. Dezember die 3. Mannschaft vom SC Noris-Tarrasch Nürnberg, die mit 4-2 Punkten zwei Plätze vor uns rangiert. Ein Sieg würde uns nicht nur Luft verschaffen, sondern auch das letzte Fünkchen Hoffnung auf einen Spitzenplatz am Glimmen halten. Und so werden wir es angehen!

Knapper Sieg der 1. Mannschaft in Neumarkt

In der 2. Runde der Regionalliga war die 1. Mannschaft zu Gast in Neumarkt. Die Heimmannschaft war zwar auf dem Papier ein klarer Underdog, doch ein Unterschätzen des Gegners kam für uns auf keinen Fall in Frage. Und wie erwartet, entwickelte sich ein spannender Kampf an dessen Ende ein hart umkämpfter 4½-3½ Sieg zu Buche stand.

An Brett 8 (S) landete Jindrich Novák durch Zugumstellung in einer Art Englischer Eröffnung. Sein Gegner gewann früh Raum am Damenflügel, den er nach ungenauem Spiel von Jindrich zu einem messbaren Vorteil ausbauen konnte:

Brett 8: Am besten war laut Computer der weitere Vormarsch am Damenflügel mittels 16.a4, doch der Neumarkter spielte etwas einfallslos 16.Ld3 und tauschte anschließend auf g6, wonach sich der Vorteil weitestgehend verflüchtigte.

Im weiteren Verlauf geriet das weiße Spiel am Damenflügel mehr und mehr ins Stocken, so dass es Jindrich gelang seine Figuren zu aktivieren und er nun seinerseits die gegnerischen Schwächen auf Korn nehmen konnte. Nach einem schweren Schnitzer des Gastgebers gewann der Windischeschenbacher schließlich zwei wichtige Bauern:

Brett 8: Nach dem Aussetzer 32.Sb5?? konnte sich Jindrich mit 32…Tax4 33.De1 Txc4 entscheidenden Materialvorteil sichern.

Nach zwei weiteren Zügen sah der Neumarkter die Sinnlosigkeit weiteren Widerstands ein und warf das Handtuch. (1-0)

An Brett 3 (W) bekam es Philipp Mark mit der Schlechter-Variante der Slawischen Verteidigung zu tun. Philipp erreichte zwar einen leichten Vorteil, doch die schwarze Stellung war äußerst solide. Nachdem beide Parteien am Damenflügel einen Springer-Vorposten einrichten konnten, bot der Heimspieler Remis an, was ohne Zögern angenommen wurde. (1½-½)

Brett 3: Mit seinem letzten Zug bot der Neumarkter Remis an, das von Philipp akzeptiert wurde.

An Brett 2 (S) griff FM Zdenek Haba zur Modernen Verteidigung, die sich zu einer Königsindisch ähnlichen Stellung entwickelte. Nach frühem Damentausch entstand ein völlig ausgeglichenes Endspiel mit jeweils zwei Türmen und einer Leichtfigur:

Brett 2: Mit nur noch wenigen Figuren auf dem Brett und ohne angreifbare Schwächen auf beiden Seiten, war ein Remis das erwartbare Ergebnis.

Wenige Züge später unterlief Zdenek jedoch ein Fehler, der ihn auf die Verliererstraße brachte:

Brett 2: Den angegriffenen Bauern c5 konnte und sollte Zdenek mit 23…Tb5 decken, doch leider wählte er 23…Ke7?? und verlor anschließend seine beiden Zentralbauern.

Zdenek versuchte noch im Trüben zu fischen, was jedoch aufgrund seines passiven Springers wenig bis gar keine Erfolgsaussichten versprach. Der Neumarkter rückte unaufhaltsam vor und erzwang im 46. Zug die Aufgabe. (1½-1½)

An Brett 4 (S) wählte Christian Müller im abgelehnten Damengambit die scharfe Ragosin-Variante, die auch mit Schwarz ein Spiel auf drei Ergebnisse erlaubt. Der vom Neumarkter gewählte harmlose Aufbau, gestattete Christian schon früh die Initiative zu übernehmen. Scheinbar überrascht vom aktiven Spiel seines Gegners, versuchte der Heimspieler das Stellungsproblem durch ungewöhnliche Maßnahmen zu lösen, was jedoch böse hätte schief gehen können:

Brett 4: Der Weiße hatte mit 15.f3 und 16.Kf2 seinen König als Verteidiger seines Bauern e3 auserkoren, als ihn mittels 16…Txe3!! der sprichwörtliche Blitz hätte treffen können.

Christian bereitete stattdessen mittels 16…Te6 die Verstärkung des Drucks vor und behielt alles unter Kontrolle. Die offene König und die abseits stehende weiße Dame sollten ihm weitere taktische Möglichkeiten geben. Sich scheinbar keiner Gefahr bewusst, öffnete der Neumarkter mit 17.g4?? und 18.g5?? weiter seinen Königsflügel, doch Christian packte die Gelegenheit immer noch nicht beim Schopfe. Wenige Züge später hatte er schließlich die letzte Chance seine ausgezeichnete Partieanlage in einen fulminanten Angriffssieg umzuwandeln:

Brett 4: Diesmal konnte Christian mit 23…Sxf4!! 24.exf4 Db8 den gegnerischen Königs vollends entblößen und seine Dame entscheidend in die Schlacht führen. Leider wählte er 23…f5?? wonach die Stellung tatsächlich wieder ausgeglichen war.

Zwei Züge später einigte man sich auf Remis. Wahrlich eine Partie der verpassten Gelegenheiten! (2-2)

An Brett 5 (W) entschied sich Milo Müller gegen die Caro-Kann Verteidigung für die Vorstoß-Variante. Im Kampf um das Zentrum gewann Milo die Oberhand und stand laut Computer bereits im 15. Zug auf Gewinn. Im komplizierten Mittelspiel fanden beiden Kontrahenten nicht immer die besten Züge, doch Milo zwang seinen Gegner durch ideenreiches Spiel immer wieder zu schweren Entscheidungen, die dieser schließlich nicht mehr zu meistern vermochte:

Brett 5: Ein hübscher Abschluss wäre 32.Da7+! Tb7 33.Dxb7+ Kxb7 34.Sc5+ und nach Rückgewinn der Dame hätte Weiß mit Turm und Läufer gegen zwei Springer leichtes Spiel gehabt. Aus der Fülle der Möglichkeiten wählte Milo 32.Dxa5+ was natürlich auch gewann.

Der offene König erlaubte dem Schwarzen keine ausreichende Verteidigung mehr und so kam es kurz nach der Zeitkontrolle zu einem ähnlichen Materialgewinn:

Brett 5: Am einfachsten war 42.Sd7+ Ka8 43.Lxe7 Sxe7 44.Sb6+ Kb8 45.Txe7 mit Figurengewinn. Milo spielte 42.Td7+ und hatte nach dem erzwungenen 42…Txd6 43.Txd6 Kc7 44.Sc4 eine Qualität gewonnen.

Mit dem hochüberlegenen Turm hatte Milo schließlich keine Schwierigkeiten mehr den Sieg nach Hause zu bringen. (3-2)

An Brett 1 (W) eröffnete Tobias Brunner Italienisch, was von seinem Gegner mit der Ungarischen Verteidigung beantwortet wurde. Es ergab sich ein typisches ruhiges Mittelspiel, in dem das Gleichgewicht lange Zeit nicht gestört war. Erst nach einem mutigen Zentrumsvorstoß neigte sich die Waage leicht zu Gunsten von Tobias:

Brett 1: Mit 18.exd6 Lxd6 19.Tde1 konnte sich Tobias einen kleinen aber dauerhaften Vorteil sichern. Er wählte jedoch 18.Tfe1 wonach 18…d5 die Stellung wieder ausglich.

Es folgten beidseitig langwierige Manöver, die aber keinen Vorteil für eine der beiden Seiten brachten. Als sich langsam andeutete, dass der schwarze Läufer zur stärksten Leichtfigur auf dem Brett avancieren würde, hätte Tobias die Reißleine ziehen sollen:

Brett 1: Mittels 32.Sf6+ Lxf6 33.exf6 hätte Tobias die Partie in ein remisliches Springerendspiel überführen können, doch er hatte andere Pläne, spielte Sfe3?! und geriet in Nachteil.

Kurz vor der Zeitkontrolle entglitt Tobias die Partie leider vollends und der Neumarkter erreichte eine klare Gewinnstellung:

Brett 1: Trotz der Drohung eines Familienschachs auf h7 hätte Schwarz die Partie hier mit dem kaltblütigen 40…Lxc3! nach Hause bringen können. Er spielte jedoch 40…Ke7 41.De3 Kd6? und plötzlich hatte Tobias wieder Chancen die Partie zu halten!

Wenige Züge später kam es zur alles entscheidenden Stellung:

Brett 1: Trotz des Verlustes des Bauern a4 mit Schach war 48.Kc2 der beste Zug, der gute Remischancen geboten hätte. Leider entschied sich Tobias aber für 48.Kc1?? und ließ damit den schwarzen Läufer entscheidend ins Spiel eingreifen.

Nach einer mehr oder weniger forcierten Folge zeigte sich der Nachteil der Königsstellung auf b1:

Brett 1: Mit 51…Df5! nutzte der Neumarkter die Diagonalstellung der weißen Majestäten und wickelte in ein leicht gewonnenes Bauernendspiel ab.

Einen Zug später musste Tobias konsterniert die Waffen strecken. (3-3)

An Brett 7 (W) begegnete Miroslav Kalous dem Altindischen Aufbau seines Gegners mit einem Doppelfianchetto. Dabei ließ er allerdings einen schnellen Raumgewinn des Neumarkters im Zentrum zu und musste bereits um Ausgleich kämpfen. Es gelang ihm die Stellung ungefähr im Gleichgewicht zu halten als dem Heimspieler ein unscheinbarer Fehler unterlief:

Brett 7: Nach 28…Dd6 hätte sich der Schwarze einen leichten Vorteil erhalten können, doch er wählte 28…Sa8? und hätte aufgrund seines ungeschützten Königsflügels in ernste Schwierigkeiten kommen können.

Zunächst setzte Mirek mit 29.Dh5! energisch fort, doch nach 29…g6 verließ ihn der Mut und er zog seine Dame zurück nach d1. Dabei lag das Gute in Form von 29.Dh6! doch so nah mit der Idee eines Springeropfers auf f7, um anschließend den völlig entblößten generischen König übers Brett zu jagen. Nach dieser verpassten Gelegenheit ging der Kampf in ausgeglichener Stellung weiter bis dem Windischeschenbacher kurz vor der Zeitkontrolle ein grober Schnitzer unterlief:

Brett 7: Mit 37.Ld2! hätte Mirek die Stellung halten können, doch er wählte 37.Le7?? und wäre nach 37…De6! 38.La3 Dh3 auf Verlust gestanden. Aber der Neumarkter fand den Gewinnweg nicht, spielte 37…Te8 und Mirek konnte noch einmal aufatmen.

Anschließend verflachte die Partie zusehends bis man sich schließlich in einem völlig ausgeglichenen Turmendspiel auf Remis einigte. (3½-3½)

An Brett 6 (S) verteidigte sich Carolin Werner mit der Leningrader Variante der Holländischen Verteidigung. Gegen den zahmen weißen Aufbau hatte sie wenig Mühe Ausgleich zu erreichen und konnte schon nach acht Zügen Vorteil für sich zu reklamieren:

Brett 6: Nach dem Zentrumsvorstoß 8…e5! machte sich die unglückliche weiße Figurenaufstellung bereits bemerkbar.

Caro setzte zunächst richtig fort, verpasste dann aber eine gute Möglichkeit die Initiative zu ergreifen:

Brett 6: Mit der sogenannten „Holländischen Lanze“ 12…f4! hätten Carolins besser platzierte Figuren noch mehr zur Geltung kommen können. Neben …f3 liegen auch …Lg4 und ein Abtausch der Springer auf d4 zum richtigen Zeitpunkt in der Luft, wonach Weiß Probleme bekommen hätte seine Stellung zusammenzuhalten.

Trotz der für Holländisch üblich schwer zu bewertenden und für beide Seiten ideengeladenen Stellung verlief die Partie in der Folge sehr ausgeglichen. Im Endspiel gelang es Carolin zwar einen entfernten Freibauern zu bilden doch auch hier sieht die Engine keinen nennenswerten Vorteil. Erst gegen Ende der Partie behielt Carolin die bessere Übersicht und die besseren Nerven und nutzte einen Fehler ihres Gegners eiskalt aus:

Brett 6: Weiß hatte gute Chancen auf ein Remis als er in dieser Stellung 50.Td6+?? wählte. Nach 50…Ke7 hing nicht nur sein Turm, sondern auch sein Springer auf d3 wegen eines potentiellen Turmspießes auf der dritten Reihe!

In der Partie setzte der Neumarkter notgedrungen fort mit 51.e5 Lxd3 52.Txg5, um noch im Trüben zu fischen. Carolin ließ sich aber nicht mehr beirren, berechnete alles korrekt und fand die Abwicklung zum Gewinn der letzten beiden weißen Bauern unter gleichzeitigem Tausch eines Turms. Da weiterer Widerstand sinnlos war, gab der Heimspieler auf und gratulierte uns zum Mannschaftssieg. (4½-3½)

Nach diesem wichtigen Auswärtssieg bleiben unsere Chancen mit um den Aufstieg zu spielen intakt, was zwar vom Liga-Orakel noch nicht so ganz honoriert wird, der insgesamt positiven Stimmung in der Mannschaft und im Verein jedoch keinen Abbruch tut.

Am 16. November empfangen wir zu Hause die SG Büchenbach / Roth. Mit einem Sieg könnten wir uns vor der letzten Runde im Jahr 2025 eine gute Ausgangsposition im Kampf um die Tabellenspitze sichern. Wille und Motivation sind vorhanden und mit der notwendigen Ernsthaftigkeit können wir unser Ziel auch erreichen. Also packen wir’s an!

Das Parfüm

Wir schreiben ein Jahr des letzten Jahrtausends. Es ist Samstag Nachmittag, kurz vor der Sportschau.

Flietsch & Bent sind mal wieder auf einem Open, als sie an einem heißen Sommertag kurz vor der Zeitkontrolle gemeinsam durch die Reihen schlendern, um zu kiebitzen.

An den Tischen der Titelträger wabert ein beißender Geruch von kernigem Männerschweiß über die Bretter, doch dann plötzlich, ein paar Schritte weiter, steigt uns ein angenehm süßer Rosenduft in die Nasen! „Was ist das?“, starrten wir uns gleichermaßen verwundert wie betört an.

Ein Blick aufs Brett brachte die Auflösung. „Ah, die Gaponenko!“, platzte es spontan aus Flietsch heraus! Gemeint war die heutige IM Inna Gaponenko, die uns nicht nur regelmäßig auf Turnieren begegnete, sondern ganz offensichtlich auch ein völlig anderes Verständnis von Körperhygiene pflegte als ihre männlichen Kollegen!

Nun fragt Ihr euch vielleicht, was auf dem Brett los war und wie sie sich geschlagen hat?

Um ehrlich zu sein. Wir hatten nicht die geringste Ahnung, aber an ihrem Brett verweilten wir mit Abstand am längsten!

1. Mannschaft startet mit Remis

Am vergangenen Sonntag empfingen wir im Feuerwehrhaus zum Saisonstart der Regionalliga Nord-Ost die 2. Mannschaft des SC Schwarz-Weiß Nürnberg. Nach unserem knappen und etwas unglücklichen Abstieg aus der Landesliga in der vergangenen Saison, wollen wir heuer wieder angreifen. Mit Neuzugang Carolin Werner von der Damenbundesliga-Mannschaft des FC Bayern München konnten wir uns gezielt verstärken und gingen mehr als optimistisch in den Kampf. Doch zum Auftakt war uns Schachgöttin Caissa leider nicht gewogen und so reichte es nur zu einem 4-4.

An Brett 1 (S) setzte Tobias Brunner auf das bewährte Damenbauernspiel aus dem sich ein Colle-Aufbau entwickelte der schließlich in einer Art Holländischem Stonewall mündete. Beide Spieler entwickelten ihre Figuren auf übliche Felder und erreichten eine ausgeglichene Stellung. Da dem Gast jedoch anscheinend nicht an einem langen Kampf gelegen war, bot er schon nach 15 Zügen Remis an:

Brett 1: Bei völlig ausgeglichener Stellung gab es für Tobias nur wenig Veranlassung das frühe Remisangebot mit den schwarzen Steinen abzulehnen.

Da objektiv nichts dagegen sprach und die Stellungen der Kameraden durchaus vielversprechend aussahen, willigte Tobias nach kurzem Nachdenken ein. (½-½)

An Brett 8 (W) startete Jindrich Novak wie üblich mit dem Londoner System. Sein Gegner antwortete mit einem wenig ehrgeizigen Aufbau und so landete man nach Abschluss der Figurenentwicklung in einer fast symmetrischen und ausgeglichenen Stellung. Erst als beide Kontrahenten versuchten das Zentrum zu öffnen, entwickelte sich trotz Damentausch ein interessanter Kampf. Doch noch bevor dieser so richtig losgehen konnte, unterlief dem Gast der bereits vorentscheidende Fehler:

Brett 8: Nach dem richtigen 18…Sxe5 19.Sxe5 fxe5 wäre von weißem Vorteil keine Rede gewesen, doch der Nürnberger wollte anscheinend einen Isolani vermeiden und spielte 18…f5??, wonach ihm seine geschwächte Königsstellung zum Verhängnis wurde.

Jindrich ließ nicht mehr locker und nutzte seinen Entwicklungsvorsprung zu einer andauernden Initiative, die ihm schließlich entscheidenden Materialvorteil und einen ungefährdeten Sieg einbrachten. (1½-½)

An Brett 6 (W) ließ sich Carolin Werner in einem scharfen Abspiel der Sveshnikov-Variante der Sizilianischen Verteidigung furchtlos auf einen Kampf mit offenem Visier ein. Man folgte 14 Züge lang bekannter Theorie bis der Gast mit einem selten gespielten Zug weiteres Öl ins Feuer goss:

Brett 6: Nach 14…f5?! entwickelte sich die Partie zu einem wilden Handgemenge.

Der Computer sieht zwar Weiß im Vorteil, doch für uns Menschen ist eine derart komplexe Stellung am Brett kaum zu durchschauen. Wenige Züge später geriet Carolin vom rechten Pfad ab, stellte eine Qualität ein und konnte die Niederlage trotz hartnäckiger Gegenwehr nicht mehr vermeiden. (1½-1½)

An Brett 7 (S) hatte Stephan Schmahl die Sizilianische Verteidigung gewählt, als er von der Moskauer Variante überrascht wurde. Gegen das weiße System fand er zwar die beste Aufstellung und bekam gleiche Chancen, aber nur auf Kosten eines großen Teils seiner Bedenkzeit. Doch trotz dieses frühen Drucks konnte er nach einem Fehler seines Gegner, die eigentlich gewinnbringende Taktik anbringen:

Brett 7: Der Nürnberger hatte gerade mit 17.b3?? das Feld c3 fatal geschwächt, was Stephan mit dem Einschlag 17…Sxe4! gekonnt zu nutzen vermochte.

Nach 18.Lxe7 Sc3 19.Dg4 Dxe7 hatte der Windischeschenbacher einen wichtigen Zentralbauern gewonnen und stand glatt auf Gewinn. Nach 20.Te1 Df6 21.S2f3 fehlten nur noch zwei einfache und logische Züge in Form von …Tfd8 und …d5 und die weiße Stellung wäre vollkommen trostlos gewesen, doch in hochgradiger Zeitnot verlor Stephan völlig den Faden und musste notgedrungen Remis anbieten, was der Gast dankend annahm. (2-2)

An Brett 5 (S) wurde Milo Müller in einem geschlossenen Sizilianer mit dem Grand-Prix Angriff konfrontiert. Es waren gerade einmal fünf Züge gespielt, als der Nürnberger zum scharfen, aber verfrühten Vorstoß seines f-Bauern griff. Milo wollte sich aber auf die vom Computer für ihn als vorteilhaft eingeschätzten Verwicklungen nicht einlassen und opferte stattdessen lieber selbst einen Bauern. Doch auch seine Idee erwies sich als mehr als zweifelhaft und so geriet er schnell in Nachteil. Nach einem schlimmen Fehler wäre es eigentlich aus gewesen, doch der Gast revanchierte sich postwendend. Es kam zu einem Schlagabtausch in dessen Folge sich die Engine-Bewertung von über +5 auf -2 wandelte. In seiner Verzweiflung opferte der Nürnberger eine Figur, doch Milo behielt die Nerven und ließ sich die Butter nicht mehr vom Brot nehmen:

Brett 5: Mit dem hübschen Sperrzug 32…Ld7!! wehrte Milo nicht nur die gegnerische Mattdrohung ab, sondern stellte gleichzeitig eine eigene auf!

Damit war der Widerstand gebrochen und der Rest nur noch Formsache. Eine wilde Partie mit dem glücklicheren Ende für uns. (3-2)

An Brett 3 (S) kam Philipp Mark in einer harmlosen Variante der Wiener Partie nach frühem Damentausch schnell zu Ausgleich. Der Nürnberger ließ einen Bauerngewinn für Philipp zu und erhielt mit seinem Läuferpaar so gerade noch genügend Kompensation, um die Partie im Gleichgewicht zu halten. Trotz des reduzierten Materials ergaben sich ungeahnte Komplikationen, die beiden Spielern bei aufkommender Zeitnot maximale Konzentration und gute Nerven abverlangten. In haarsträubender Stellung war es dann leider Philipp, der für einen Augenblick die Übersicht verlor:

Brett 3: Mit 37…e1D+! 38.Lxe1 Sb3+ 39.Ka2 c2 40.Ld2 Sxd2 hätte Philipp seinen Gegner mit dem letzten Zug vor der Zeitkontrolle zur Aufgabe zwingen können, doch er entschied sich für 37…Sxb5 38.axb5 Sd3??, was zwar eine Figur gewinnt, aber die weißen Bauern nicht mehr stoppen kann.

Nach diesem herzzerreißenden Finale musste der Windischeschenbacher drei Züge später die Waffen strecken. Eine mehr als unglückliche Niederlage. (3-3)

An Brett 4 (W) wählte Christian Müller ebenfalls die Wiener Partie und fand sich nach einer forcierten Variante schnell in einem damenlosen Mittelspiel wieder. Die prinzipiell ausgeglichene Stellung schien ihm besser zu liegen als seinem Kontrahenten und so erarbeitete er sich nach und nach einen kleinen Endspielvorteil, der sich jedoch mit fortschreitender Spielzeit wieder verflüchtigte und schließlich in das komplette Gegenteil umkehrte:

Brett 4: In bereits verlorener Stellung für Christian hätte der Nürnberger hier mit 34…Lxg4! den Sack zumachen können, denn nach 35.Sxf4 e3+! 36.Kxe3 gxf4+ 37.Kxf4 Lxh3 wäre er mit einer Mehrfigur verblieben.

Doch auch seine Wahl 34…Tf7 hielt den Gewinn fest. Erst kurz vor und nach der Zeitkontrolle ließ der Gast die nötige Entschlossenheit vermissen und gestattete Christian eine schwarzfeldrige Blockade, die nicht mehr zu durchbrechen war und ihm das Unentschieden sicherte. (3½-3½)

An Brett 2 (W) suchte FM Zdenek Haba sein Heil in einer weniger gespielten Variante der Katalanischen Eröffnung. Sein Mut gab ihm recht, denn nach 14 Zügen attestierte ihm die Engine einen klaren Vorteil:

Brett 2: Das typische Motiv 14.c5 verspricht Weiß einen dauerhaften Vorteil.

Den Vorteil vermochte Zdenek im Mittelspiel zu halten bis er kurz davor stand ihn zu einer Gewinnstellung zu verdichten:

Brett 2: Mittels des Springermanövers 21.Se5-c4! hätte Zdenek den Bauern a5 unter günstigen Umständen erobern können. Doch leider wählte er 21.Tb3 und nach 21…La6 22.Lxa5 Dc8 23.Txb8 Dxb8 war sein Vorteil trotz des Mehrbauern verflogen.

Als sein junger Gegner gleich im Anschluss einen äußerst ungünstigen indirekten Läufertausch initiierte, hätte der Windischeschenbacher erneut auf die Gewinnerstraße gelangen können:

Brett 2: Der vorurteilsfreie Tausch des katalanischen Läufers gegen den Sd5, gefolgt von a3 hätte Zdenek noch einmal einen siegverheißenden Vorteil verschafft.

Er spielte jedoch sofort 27.a3, wonach Schwarz die Stellung halten kann, da 28.Txa3 Dxa3 29.Lxd5 nun nicht mehr funktioniert wegen 29…Da1+! 30.Kg2 Dxe5 mit Ausgleich. Der Nürnberger ging jedoch an seinem Glück vorbei, schlug sofort auf d5 und fand sich noch einmal in einer Verluststellung wieder:

Brett 2: Leicht gewonnen hätte 32.Sb4! Lxd4 33.c6, da der Freibauer nur unter Figurenverlust aufzuhalten ist. Zdenek entschied sich jedoch leider für 32.Se5? und sah seine Felle nach 32…Lxe5 33.dxe5 d4+ 34.f3 Dd5 davonschwimmen.

Das anschließende Damenendspiel mit 4 gegen 3 Bauern auf einem Flügel war nicht mehr zu gewinnen und so musste Zdenek nach 59 Zügen zähneknirschend in das unvermeidliche Remis einwilligen. (4-4)

Trotz dieses nur mäßigen Starts ist die Saison noch lang und sobald wir die Anfangsnervosität ablegen können, werden wir auch unsere Chance bekommen, oben mitzuspielen.

Das allseits beliebte Liga-Orakel war wohl auch etwas verwirrt ob unseres Einstands und sieht die Chancen auf einen Aufstieg fast identisch zu denjenigen eines Abstiegs!

Die 2. Runde findet bereits am 26. Oktober statt und beschert uns eine Reise zum SK Neumarkt. Trotz unserer Favoritenrolle sollten wir unseren Gastgeber keinesfalls auf die leichte Schulter nehmen und die Aufgabe mit voller Konzentration angehen. Gelingt uns dies, ist ein Auswärtssieg durchaus im Bereich des Möglichen.

Blitz-Mannschaftsmeisterschaft in Oberviechtach

Am 28.09. fand im Emil-Kemmer-Haus in Oberviechtach die diesjährige Blitz-Mannschaftsmeisterschaft, auch Silberschild genannt, statt. Unter der Leitung von Josef Kufner fanden sich 13 Mannschaften, darunter auch 2 Mannschaften aus Windischeschenbach, dort ein und kämpften in einem Rundenturnier mit der Bedenkzeit 3+2 um das Podium und das berühmte Silberschild.

Unsere erste Mannschaft, mit der Besetzung Tobias, Carolin, Johannes und Rudi Schicker, konnte, wie auch in den letzten Jahren, die oberpfälzer Blitzelite oftmals ärgern und auch u.a. den späteren Drittplatzierten Kareth-Lappersdorf schlagen. Durch ein paar unglückliche Partien und Kämpfe kam am Ende „nur“ ein sechster Platz mit 15-9 Mannschaftspunkten heraus.

Die zweite Mannschaft ging mit der Besetzung Manfred, Svatoslav, Elsbeth und Florian ins Rennen. Auch hier konnte man immer wieder mit gut geführten Partien und starken Leistungen glänzen, sodass am Ende der 12. Platz mit 3-21 Mannschaftspunkten heraussprang.

Die Einzelergebnisse (jeweils aus 12 Partien):

Tobias: 7½, Carolin: 8½, Johannes 8, Rudi 4½

Manfred: 2½, Svatoslav 1, Elsbeth 2, Florian 2½

Erfolg für Windischeschenbach im Pokal

Nachdem unser Pokalteam sich für den Bayernpokal qualifiziert hatte, gelang in der ersten Runde ein weiterer Erfolg. In einem spannenden Wettkampf konnten die Windischeschenbacher im Feuerwehrhaus die Gäste vom SV Neustadt bei Coburg mit 2½-1½ niederringen.

Den Grundstein zum Erfolg legte Philipp Mark mit Weiß an Brett 2. In seiner geliebten Abtauschvariante des Damengambits schienen beide Kontrahenten sehr theoriefest und spulten die Züge schnell herunter. Dabei entging dem Neustädter aber im 12. Zug ein typisches Motiv:

Philipp ließ sich nicht zwei mal bitten, schnappte sich mit 13.Sxd5! einen Bauern und führte diesen Materialvorteil sicher zum Sieg. (1-0)

An Brett 4 (S) verteidigte sich Stephan Schmahl gegen den Aufzug des Königsbauern mit der Sizilianischen Najdorf-Variante. Beide Spieler zeigten ihre Kenntnis der Theorie und landete in einem ausgeglichenen Mittelspiel:

Hier entschied sich der Weiße zum Generalabtausch auf e6, e5 und d8 wonach ein Endspiel entstand, das der Computer bereits als günstiger für Schwarz bewertet:

Einer der seltenen Fälle in denen ein isolierter Doppelbauer nicht schwach, sondern aufgrund der Kontrolle der zentralen Felder sogar sehr nützlich ist. Fortan spielte Stephan auf Gewinn, dem er teilweise sehr nahe kam. Durch einen ungünstigen Abtausch vergab er seinen Vorteil jedoch wieder und willigte nach dreimaliger Stellungswiederholung ins Remis ein. (1½-½)

An Brett 3 sah sich Johannes Denz mit Weiß der Sizilianischen Verteidigung gegenüber und setzte auf die Alapin-Variante. Nach frühem Damentausch musste der weiße König in der Mitte bleiben, konnte aber einen Mehrbauern vorweisen. Alles ist in der Theorie bekannt und Schwarz bekommt starkes Figurenspiel, so dass der Bauer auf Dauer nicht zu halten ist. Im 13. Zug hätte Johannes statt 13. Tad1 besser mit seinerseits 13. e4 verhindern sollen, dass Schwarz den Vorstoß nach e4 ausführt:

Ab diesem Zeitpunkt übernahm Schwarz die Initiative und konnte schließlich eine Qualität erobern.

Der Computer zeigt, dass nach einer schwarzen Ungenauigkeit anscheinend noch die Rettung für Weiß möglich gewesen wäre. Aber wie so oft ist es am Brett sehr schwer solche Züge und die damit verbundenen Feinheiten zu erfassen.

Nach 19….f5 wäre 20. Ke2 stark gewesen. Johannes spielte 19.g3 und gab sich nach 19…Lxd4 20.cxd4 Kd7 geschlagen. Schwarz kann die c-Linie zuerst mit dem Turm besetzen, wonach die weiße Stellung zusammenbricht. 20. Ke2 hätte den Springer gedeckt und so das entscheidende Tempo gewonnen, um den eigenen Turm auf die c-Linie zu bringen. Der Computer sieht die Stellung in diesem Fall als verteidigungsfähig an. (1½-1½)

Am Spitzenbrett hatte sich in einem Zweispringerspiel ein Theorieduell entwickelt. Christian Müller wurde mit der prinzipiellen Fortsetzung 4.Sg5 konfrontiert wobei sein Gegner das derzeit auch in hohen Kreisen gelegentlich diskutierte 8.Ld3 spielte.

Christian gab in einer Nebenvariante einen zweiten Bauern für die bessere Entwicklung und sehr aktives Spiel. Im 16. Zug sah der Neustädter Spieler sich gezwungen, eine Figur für einen dritten Bauern zu geben. Die Initiative blieb aber bei Schwarz, wobei die Stellung weitestgehend im ausgeglichenen Bereich blieb.

Im 21. Zug unterlief Weiß mit dem Zug der Dame nach a3 ein Fehler, den Schwarz mit 21….Tb8! ausnutzen konnte. Christian schnappte sich aber den Bauern 21…Dxd4. Laut Computer konnte Weiß danach mit 22.Lb2 und weiteren sehr präzisen Zügen im Spiel bleiben. Der Neustädter angelte sich den Springer, wonach der weiße Turm in der Ecke natürlich nicht geschlagen werden darf. Christian hatte aber nach 22.bxa5 den starken Zug 22….Tb8 an dieser Stelle gesehen, wonach er seinen Vorteil nach 23.Sc3 Dxc3 24. Dxc3 Sxc3 sicher nach Hause spielte. (2½-1½)

Nach diesem schönen Erfolg haben wir das Viertelfinale erreicht in dem wir am 20. Juli auswärts beim SC Uttenreuth (Mittelfranken) antreten müssen. Die Kräfte dürften hier in etwa gleich verteilt sein, so dass es eine realistische Chance auf den erneuten Einzug ins Bayerische Final-Four-Turnier gibt!

Unglückliche Niederlage im Viererpokal-Finale

Am 1. Juni durften wir im Feuerwehrhaus das Finale im Viererpokal 2024/25 ausrichten. Unser Gegner war kein geringerer als das Oberliga-Team der SG Post-Süd Regensburg, gegen das wir in der Vergangenheit leider schon öfter den Kürzeren gezogen hatten. Auch diesmal waren wir wie üblich der klare Underdog, lieferten aber einen großen Kampf, in dem wir am Ende reichlich unglücklich mit 1-3 unterlagen.

An Brett 4 (S) wählte Rudi Schicker die Nimzoindische Verteidigung. Gegen das klassische System gelang es ihm schon bald eine ausgeglichene Stellung zu erreichen, die nach einem übertrieben optimistischen Aufmarsch der weißen Königsflügelbauern zu seinen Gunsten ausschlug:

Brett 4: Nach 15…Se5 machten sich die zahlreichen weißen Schwächen bereits bemerkbar.

Innerhalb weniger Züge gelang es Rudi seinen Gegner komplett zu überspielen und einen vorentscheidenden taktischen Schlag anzubringen:

Brett 4: Mit dem Glanzzug 20…Sxf2!! hob Rudi die weiße Stellung aus den Angeln.

Zu unserem Leidwesen konnte Rudi sein eigenes Tempo anschließend nicht durchhalten und verspielte seine Gewinnstellung in Rekordgeschwindigkeit:

Brett 4: Nach dem richtigen 21…Seg4! wäre die weiße Stellung aufgabereif gewesen, doch Rudi spielte 21…Dxe3+ 22.Kb1 Tad8? und stand nach 23.Lc1 Dg3 24.Txe5 Dxe5 25.Txf2 plötzlich mit leeren Händen da.

Der Abwärtstrend setzte sich fort und schlussendlich war es nur einem überhasteten Remisangebot des Regensburgers zu verdanken, dass diese Partie mit einem Unentschieden endete. Ein mehr als unglücklicher Verlauf für Rudi und unser Team. (½-½)

An Brett 1 (S) landete Stephan Schmahl gegen seinen prominenten Gegner durch Zugumstellung in einer Igelstellung, in der er sich gegen den weißen Raumvorteil wehren musste:

Brett 1: Mit Raumvorteil und Angriffschancen am Königsflügel hatte Weiß klar die besseren Aussichten.

Als sich der Gastspieler in obiger Stellung aber zum Scheinopfer 16.Sd5? hinreißen ließ, hätte sich Stephan durch genaues Spiel befreien und Ausgleich erreichen können. In der hochkomplizierten und rechenintensiven Schlacht bestand Stephan die Prüfung sechs Züge lang, scheiterte in Zeitnot aber doch noch:

Brett 1: Nach dem einfachen 22.Txa8 hätte Stephan das schlimmste überstanden gehabt, er wählte jedoch 22…exf4? 23.Df3 Ld6?? und stand nach 24.b4 klar auf Verlust.

Stephan wehrte sich zwar noch verzweifelt, doch am Ende hatte er keine Chance mehr und wurde klassisch ausgeknockt. (½-1½)

An Brett 3 (W) erzielte Johannes Denz gegen die Philidor-Verteidigung mit Übergang in Altindische Gewässer schon früh einen schönen Raumvorteil. Der Regensburger fand keinen klaren Plan und musste sich auf passive Verteidigung beschränken:

Brett 3: Das Mittelspiel versprach Johannes ausgezeichnete Aussichten.

Der Kampf wogte hin und her bis Johannes entscheidenden Vorteil hätte erzielen können:

Brett 3: Mit 25.Sb5! hätte Johannes die schwarze Verteidigung überlasten können.

Obwohl Johannes diese Fortsetzung nicht fand, konnte er den Druck aufrecht erhalten und behielt weiterhin Vorteil. Als Konsequenz unterliefen dem Gastspieler Fehler, die ihn die Partie hätten kosten können:

Brett 3: Wieder wäre der Zug 29.Sb5! entscheidend gewesen. Der kombinierte Angriff in der f-Linie und gegen den Punkt d6 hätte die schwarze Verteidigung vor unlösbare Probleme gestellt. Doch leider spielte Johannes 29.Lxd7? wonach der weiße Vorteil gänzlich in Rauch aufgelöst hatte.

Enttäuscht vom Lauf der Dinge stellte Johannes schließlich in völlig ausgeglichener Stellung die Partie ein:

Brett 3: Nach einem beliebigen Rückzug des Turms wäre ein Remis beschlossene Sache gewesen, doch nicht nach 33.Txd6?? Lxb5 mit Figurenverlust.

Erneut eine mehr als unglückliche Niederlage für Johannes im Pokal, die für ihn und uns extrem schmerzhaft war. (½-2½)

An Brett 2 (W) bekämpfte Philipp Mark das abgelehnte Damengambit mit der Abtauschvariante. Die Eröffnung verlief in üblichen Bahnen mit einem leichten weißen Vorteil:

Brett 2: Eine weithin bekannte Stellung mit einem minimalen weißen Eröffnungsvorteil.

Philipp setzte energisch fort und brachte den aktuellen Oberpfälzischen Blitzschachmeister gehörig ins Schwitzen. Unter Druck unterlief dem Regensburger ein Fehler der zu klarem weißen Vorteil hätte führen können:

Brett 2: Mit 19.f4! konnte Philipp eine starke Initiative am Königsflügel entfachen, wählte jedoch 19.Sxd7 Sxd7 20.g4? wonach der Computer die Stellung wieder als ausgeglichen einschätzt. Stattdessen hätte 20.e4! immer noch zu Vorteil im Zentrum geführt.

Im weiteren Verlauf der Partie unterliefen beiden Kontrahenten mehrere Ungenauigkeiten, die zu Vorteil für den Gegner hätten führen können, jedoch nicht genutzt wurden. Bis zur Zeitkontrolle erreichte man ein einfaches und ausgeglichenes Turmendspiel, das zehn Züge später Remis gegeben wurde. (1-3)

Eine nach dem Spielverlauf viel zu hohe und unverdiente Niederlage. Nichtsdestotrotz haben wir uns teuer verkauft und als Finalist für den Bayerischen Mannschaftspokal qualifiziert. Damit dürfen wir wie bereits vor zwei Jahren überregional um den Einzug ins Final-Four kämpfen.

Zum Schluss noch Einzelergebnisse der Pokalhelden:

Tobias Brunner: 4/4 (+4 = 0 -0, 100%)
Philipp Mark: 3½/5 (+2 =3 -0, 70%)
Stephan Schmahl: 3/5 (+2 =2 -1, 60%)
Rudi Schicker: 2/4 (+1 =2 -1, 50%)
Johannes Denz: 0/2 (+0 =0 -2, 0%)