Das Parfüm

Wir schreiben ein Jahr des letzten Jahrtausends. Es ist Samstag Nachmittag, kurz vor der Sportschau.

Flietsch & Bent sind mal wieder auf einem Open, als sie an einem heißen Sommertag kurz vor der Zeitkontrolle gemeinsam durch die Reihen schlendern, um zu kiebitzen.

An den Tischen der Titelträger wabert ein beißender Geruch von kernigem Männerschweiß über die Bretter, doch dann plötzlich, ein paar Schritte weiter, steigt uns ein angenehm süßer Rosenduft in die Nasen! „Was ist das?“, starrten wir uns gleichermaßen verwundert wie betört an.

Ein Blick aufs Brett brachte die Auflösung. „Ah, die Gaponenko!“, platzte es spontan aus Flietsch heraus! Gemeint war die heutige IM Inna Gaponenko, die uns nicht nur regelmäßig auf Turnieren begegnete, sondern ganz offensichtlich auch ein völlig anderes Verständnis von Körperhygiene pflegte als ihre männlichen Kollegen!

Nun fragt Ihr euch vielleicht, was auf dem Brett los war und wie sie sich geschlagen hat?

Um ehrlich zu sein. Wir hatten nicht die geringste Ahnung, aber an ihrem Brett verweilten wir mit Abstand am längsten!

1. Mannschaft startet mit Remis

Am vergangenen Sonntag empfingen wir im Feuerwehrhaus zum Saisonstart der Regionalliga Nord-Ost die 2. Mannschaft des SC Schwarz-Weiß Nürnberg. Nach unserem knappen und etwas unglücklichen Abstieg aus der Landesliga in der vergangenen Saison, wollen wir heuer wieder angreifen. Mit Neuzugang Carolin Werner von der Damenbundesliga-Mannschaft des FC Bayern München konnten wir uns gezielt verstärken und gingen mehr als optimistisch in den Kampf. Doch zum Auftakt war uns Schachgöttin Caissa leider nicht gewogen und so reichte es nur zu einem 4-4.

An Brett 1 (S) setzte Tobias Brunner auf das bewährte Damenbauernspiel aus dem sich ein Colle-Aufbau entwickelte der schließlich in einer Art Holländischem Stonewall mündete. Beide Spieler entwickelten ihre Figuren auf übliche Felder und erreichten eine ausgeglichene Stellung. Da dem Gast jedoch anscheinend nicht an einem langen Kampf gelegen war, bot er schon nach 15 Zügen Remis an:

Brett 1: Bei völlig ausgeglichener Stellung gab es für Tobias nur wenig Veranlassung das frühe Remisangebot mit den schwarzen Steinen abzulehnen.

Da objektiv nichts dagegen sprach und die Stellungen der Kameraden durchaus vielversprechend aussahen, willigte Tobias nach kurzem Nachdenken ein. (½-½)

An Brett 8 (W) startete Jindrich Novak wie üblich mit dem Londoner System. Sein Gegner antwortete mit einem wenig ehrgeizigen Aufbau und so landete man nach Abschluss der Figurenentwicklung in einer fast symmetrischen und ausgeglichenen Stellung. Erst als beide Kontrahenten versuchten das Zentrum zu öffnen, entwickelte sich trotz Damentausch ein interessanter Kampf. Doch noch bevor dieser so richtig losgehen konnte, unterlief dem Gast der bereits vorentscheidende Fehler:

Brett 8: Nach dem richtigen 18…Sxe5 19.Sxe5 fxe5 wäre von weißem Vorteil keine Rede gewesen, doch der Nürnberger wollte anscheinend einen Isolani vermeiden und spielte 18…f5??, wonach ihm seine geschwächte Königsstellung zum Verhängnis wurde.

Jindrich ließ nicht mehr locker und nutzte seinen Entwicklungsvorsprung zu einer andauernden Initiative, die ihm schließlich entscheidenden Materialvorteil und einen ungefährdeten Sieg einbrachten. (1½-½)

An Brett 6 (W) ließ sich Carolin Werner in einem scharfen Abspiel der Sveshnikov-Variante der Sizilianischen Verteidigung furchtlos auf einen Kampf mit offenem Visier ein. Man folgte 14 Züge lang bekannter Theorie bis der Gast mit einem selten gespielten Zug weiteres Öl ins Feuer goss:

Brett 6: Nach 14…f5?! entwickelte sich die Partie zu einem wilden Handgemenge.

Der Computer sieht zwar Weiß im Vorteil, doch für uns Menschen ist eine derart komplexe Stellung am Brett kaum zu durchschauen. Wenige Züge später geriet Carolin vom rechten Pfad ab, stellte eine Qualität ein und konnte die Niederlage trotz hartnäckiger Gegenwehr nicht mehr vermeiden. (1½-1½)

An Brett 7 (S) hatte Stephan Schmahl die Sizilianische Verteidigung gewählt, als er von der Moskauer Variante überrascht wurde. Gegen das weiße System fand er zwar die beste Aufstellung und bekam gleiche Chancen, aber nur auf Kosten eines großen Teils seiner Bedenkzeit. Doch trotz dieses frühen Drucks konnte er nach einem Fehler seines Gegner, die eigentlich gewinnbringende Taktik anbringen:

Brett 7: Der Nürnberger hatte gerade mit 17.b3?? das Feld c3 fatal geschwächt, was Stephan mit dem Einschlag 17…Sxe4! gekonnt zu nutzen vermochte.

Nach 18.Lxe7 Sc3 19.Dg4 Dxe7 hatte der Windischeschenbacher einen wichtigen Zentralbauern gewonnen und stand glatt auf Gewinn. Nach 20.Te1 Df6 21.S2f3 fehlten nur noch zwei einfache und logische Züge in Form von …Tfd8 und …d5 und die weiße Stellung wäre vollkommen trostlos gewesen, doch in hochgradiger Zeitnot verlor Stephan völlig den Faden und musste notgedrungen Remis anbieten, was der Gast dankend annahm. (2-2)

An Brett 5 (S) wurde Milo Müller in einem geschlossenen Sizilianer mit dem Grand-Prix Angriff konfrontiert. Es waren gerade einmal fünf Züge gespielt, als der Nürnberger zum scharfen, aber verfrühten Vorstoß seines f-Bauern griff. Milo wollte sich aber auf die vom Computer für ihn als vorteilhaft eingeschätzten Verwicklungen nicht einlassen und opferte stattdessen lieber selbst einen Bauern. Doch auch seine Idee erwies sich als mehr als zweifelhaft und so geriet er schnell in Nachteil. Nach einem schlimmen Fehler wäre es eigentlich aus gewesen, doch der Gast revanchierte sich postwendend. Es kam zu einem Schlagabtausch in dessen Folge sich die Engine-Bewertung von über +5 auf -2 wandelte. In seiner Verzweiflung opferte der Nürnberger eine Figur, doch Milo behielt die Nerven und ließ sich die Butter nicht mehr vom Brot nehmen:

Brett 5: Mit dem hübschen Sperrzug 32…Ld7!! wehrte Milo nicht nur die gegnerische Mattdrohung ab, sondern stellte gleichzeitig eine eigene auf!

Damit war der Widerstand gebrochen und der Rest nur noch Formsache. Eine wilde Partie mit dem glücklicheren Ende für uns. (3-2)

An Brett 3 (S) kam Philipp Mark in einer harmlosen Variante der Wiener Partie nach frühem Damentausch schnell zu Ausgleich. Der Nürnberger ließ einen Bauerngewinn für Philipp zu und erhielt mit seinem Läuferpaar so gerade noch genügend Kompensation, um die Partie im Gleichgewicht zu halten. Trotz des reduzierten Materials ergaben sich ungeahnte Komplikationen, die beiden Spielern bei aufkommender Zeitnot maximale Konzentration und gute Nerven abverlangten. In haarsträubender Stellung war es dann leider Philipp, der für einen Augenblick die Übersicht verlor:

Brett 3: Mit 37…e1D+! 38.Lxe1 Sb3+ 39.Ka2 c2 40.Ld2 Sxd2 hätte Philipp seinen Gegner mit dem letzten Zug vor der Zeitkontrolle zur Aufgabe zwingen können, doch er entschied sich für 37…Sxb5 38.axb5 Sd3??, was zwar eine Figur gewinnt, aber die weißen Bauern nicht mehr stoppen kann.

Nach diesem herzzerreißenden Finale musste der Windischeschenbacher drei Züge später die Waffen strecken. Eine mehr als unglückliche Niederlage. (3-3)

An Brett 4 (W) wählte Christian Müller ebenfalls die Wiener Partie und fand sich nach einer forcierten Variante schnell in einem damenlosen Mittelspiel wieder. Die prinzipiell ausgeglichene Stellung schien ihm besser zu liegen als seinem Kontrahenten und so erarbeitete er sich nach und nach einen kleinen Endspielvorteil, der sich jedoch mit fortschreitender Spielzeit wieder verflüchtigte und schließlich in das komplette Gegenteil umkehrte:

Brett 4: In bereits verlorener Stellung für Christian hätte der Nürnberger hier mit 34…Lxg4! den Sack zumachen können, denn nach 35.Sxf4 e3+! 36.Kxe3 gxf4+ 37.Kxf4 Lxh3 wäre er mit einer Mehrfigur verblieben.

Doch auch seine Wahl 34…Tf7 hielt den Gewinn fest. Erst kurz vor und nach der Zeitkontrolle ließ der Gast die nötige Entschlossenheit vermissen und gestattete Christian eine schwarzfeldrige Blockade, die nicht mehr zu durchbrechen war und ihm das Unentschieden sicherte. (3½-3½)

An Brett 2 (W) suchte FM Zdenek Haba sein Heil in einer weniger gespielten Variante der Katalanischen Eröffnung. Sein Mut gab ihm recht, denn nach 14 Zügen attestierte ihm die Engine einen klaren Vorteil:

Brett 2: Das typische Motiv 14.c5 verspricht Weiß einen dauerhaften Vorteil.

Den Vorteil vermochte Zdenek im Mittelspiel zu halten bis er kurz davor stand ihn zu einer Gewinnstellung zu verdichten:

Brett 2: Mittels des Springermanövers 21.Se5-c4! hätte Zdenek den Bauern a5 unter günstigen Umständen erobern können. Doch leider wählte er 21.Tb3 und nach 21…La6 22.Lxa5 Dc8 23.Txb8 Dxb8 war sein Vorteil trotz des Mehrbauern verflogen.

Als sein junger Gegner gleich im Anschluss einen äußerst ungünstigen indirekten Läufertausch initiierte, hätte der Windischeschenbacher erneut auf die Gewinnerstraße gelangen können:

Brett 2: Der vorurteilsfreie Tausch des katalanischen Läufers gegen den Sd5, gefolgt von a3 hätte Zdenek noch einmal einen siegverheißenden Vorteil verschafft.

Er spielte jedoch sofort 27.a3, wonach Schwarz die Stellung halten kann, da 28.Txa3 Dxa3 29.Lxd5 nun nicht mehr funktioniert wegen 29…Da1+! 30.Kg2 Dxe5 mit Ausgleich. Der Nürnberger ging jedoch an seinem Glück vorbei, schlug sofort auf d5 und fand sich noch einmal in einer Verluststellung wieder:

Brett 2: Leicht gewonnen hätte 32.Sb4! Lxd4 33.c6, da der Freibauer nur unter Figurenverlust aufzuhalten ist. Zdenek entschied sich jedoch leider für 32.Se5? und sah seine Felle nach 32…Lxe5 33.dxe5 d4+ 34.f3 Dd5 davonschwimmen.

Das anschließende Damenendspiel mit 4 gegen 3 Bauern auf einem Flügel war nicht mehr zu gewinnen und so musste Zdenek nach 59 Zügen zähneknirschend in das unvermeidliche Remis einwilligen. (4-4)

Trotz dieses nur mäßigen Starts ist die Saison noch lang und sobald wir die Anfangsnervosität ablegen können, werden wir auch unsere Chance bekommen, oben mitzuspielen.

Das allseits beliebte Liga-Orakel war wohl auch etwas verwirrt ob unseres Einstands und sieht die Chancen auf einen Aufstieg fast identisch zu denjenigen eines Abstiegs!

Die 2. Runde findet bereits am 26. Oktober statt und beschert uns eine Reise zum SK Neumarkt. Trotz unserer Favoritenrolle sollten wir unseren Gastgeber keinesfalls auf die leichte Schulter nehmen und die Aufgabe mit voller Konzentration angehen. Gelingt uns dies, ist ein Auswärtssieg durchaus im Bereich des Möglichen.

Saisonauftakt der zweiten Mannschaft- 4-4 gegen Oberviechtach

Nachdem wir uns vergangene Saison knapp in der Oberpfalzliga halten konnten, war unser erneuter Gegner der SC Oberviechtach. Im April konnten wir uns hier noch mit 5-3 behaupten und damit gerade noch auf den sicheren siebten Platz der Oberpfalzliga rutschen. Bei zwei starken Aufsteigern stehen wir aber auch dieses Jahr wieder vor einem drohenden Abstiegskampf. Gerade gegen die anderen Abstiegskandidaten ist es da angebracht, wichtige Punkte zu holen.

Gegen das slawische Damengambit entschied sich Stefan Simmerl an Brett sechs für eine strategisch angelegte Nebenvariante. Nachdem er es verpasste, das Zentrum energisch zu besetzen, erzielte Schwarz problemlos Ausgleich und die Partie verflachte im weiteren Verlauf. Bei knapp werdender Bedenkzeit leistete sich Stefan eine kleine Unachtsamkeit, wonach sein Gegner in ein angenehmeres Endspiel überleiten konnte. Allerdings war dieser mit Remis zufrieden, das er durch ein taktisches Bauernopfer mit anschließendem Dauerschach erreichte. (0,5-0,5)

An Brett acht spielte Siegfried Stelzer gegen die Caro-Kann-Verteidigung. Er erreichte im Mittelspiel einen angenehmen Raumvorteil und versuchte, den Druck auf die Bauernschwäche seines Gegners zu verstärken. Dabei überließ er dem Schwarzspieler die offene d-Linie. Der Versuch, die eigene Stellung durch das Vorziehen des f-Bauern zu stabilisieren, erwies sich als fatal, da Siegfrieds offener König zur Zielscheibe der schwarzen Schwerfiguren wurde. Diese konnten schließlich in die weiße Stellung eindringen und Siegfried musste sich geschlagen geben. (0,5-1,5)

Am fünften Brett eröffnete Rudolf Schöns Gegner mit dem Stonewall-Angriff. Nachdem sich der Weiße mit d4 und f4 aufbaute, suchte er den offenen Kampf und schob auch einen weiteren Bauern bis nach g5 vor. Rudolf konnte alle Drohungen verteidigen, sodass sich der Oberviechtacher zu einem Figurenopfer hinreißen ließ:

Mit 15. Lh7? versuchte Weiß die schwarze Königsstellung zu öffnen. Rudolf gab die Leichtfigur aber rechtzeitig zurück und plötzlich war es der weiße König, der offen in der Mitte stand.

Wenige Züge später war nicht mehr zu verhindern, dass die weiße Dame abhandenkommt, und Rudolf fuhr den vollen Punkt ein. (1,5-1,5)

Am vierten Brett eröffnete Bedrich Prochazka mit 1.b3 und erreichte eine ruhige Stellung. Nachdem sich die meisten Leichtfiguren abtauschten, blieb Bedrich ein weißfeldriger Läufer, der allerdings durch die auf den hellen Feldern festgelegten Bauern Probleme hatte, ins Spiel zu kommen. Schwarz hatte derweil leichtes Spiel gegen zwei vereinzelte Bauern und Bedrich musste sich bald von einem davon trennen. Je mehr weitere Figuren verschwanden, desto stärker wurde der Vorteil des schwarzen Springers gegenüber Bedrichs Läufer, bis im Endspiel der Verlust eines zweiten Bauern nicht mehr zu verhindern war, weshalb Bedrich sich schließlich geschlagen geben musste. (1,5-2,5)

An Brett zwei eröffnete Liliane Pavlov mit Katalanisch. Nach einem frühen Damentausch klammerte sich der Schwarze an seinen Mehrbauern, musste dafür aber Abstriche in der Figurenentwicklung machen. Liliane konnte weiter Druck auf die schwarzen Figuren aufbauen, die weiterhin Schwierigkeiten hatten, aktiv ins Spiel zu kommen. Zwar hatte Liliane Kompensation für den geopferten Bauern, nach einem Vorteil sah es trotz der weitaus aktiveren weißen Figuren dennoch nicht aus. Nach Zugwiederholung einigte man sich schließlich bei beidseitig knapp werdender Bedenkzeit auf Remis. (2-3)

Elsbeth Horther-Schneider erreichte am siebten Brett durch Zugumstellung die Französische Verteidigung. Ihr Gegner trennte sich bereits früh von beiden Läufern, sodass Elsbeth mit dem Läuferpaar einen angenehmen Vorteil hatte. Gegen die schlecht stehenden weißen Springer begann sie das Zentrum zu öffnen, als der Weißspieler eine Figur opferte:

Nach 19. Sxe5 gewinnt man durch den Doppelangriff auf König und Läufer die Figur nur scheinbar zurück, denn nach Td8 verschwindet wiederum der weiße Springer auf d2 vom Spielfeld.

Elsbeth konnte schließlich den weißen König freilegen und die Dame gewinnen, woraufhin ihr Gegner das Handtuch warf. (3-3)

Am Spitzenbrett wählte Miroslav Kalous die französische Verteidigung. Sein Gegner opferte im Mittelspiel seinen Bauern auf c4, um über die offene a-Linie in die schwarze Stellung einzudringen. Trotz der aktiveren weißen Figuren konnte Miroslav den Mehrbauern verteidigen und die meisten Figuren abtauschen. Als nur noch die Damen und jeweils ein Springer übrig waren, ergab sich schließlich eine Chance für Miroslav:

Nach 31. Se4 hätte 31. …Df4! gewinnbringenden Vorteil versprochen, da die Dame Zugang zu den wichtigen Feldern e1 und d4 bekommt, sodass der weiße König in Bedrängnis kommt. Eine letzte Ausflucht wäre 32. Sf3+ Kg6 33. Dxg7! Kxg7 34. Sh5+ mit Gabel auf Dame und König gewesen, aber auch hier hätte Schwarz durch den aktiveren König ein besseres Endspiel.

Bei knapper werdender Bedenkzeit wählte Miroslav stattdessen den sicheren 31. …Kg6 und nach Zugwiederholung einigte man sich in ausgeglichener Stellung auf Remis. (3,5-3,5)

Am dritten Brett verteidigte sich Johannes Denz gegen das Aufziehen des Damenbauerns mit Nimzo-Indisch. Er opferte im zwölften Zug einen Bauern und erreichte eine eigentlich leicht bessere Stellung:

Nach 12… e4 13.fxe4 hätte 13. …Sxd5 Vorteil für schwarz bedeutet. Stattdessen wählte Johannes 13. …Sxe4, der nach 14. Dxg7 zu einem Mehrbauern für Weiß führt.

Durch die gedrückte schwarze Stellung musste Johannes bald einen zweiten Bauern geben, der Weißspieler ließ allerdings zu, dass er mit seinen Türmen aber über die b-Linie aktiv werden konnte. Er gewann einen Bauern zurück und konnte die Stellung durch die aktiveren Figuren wieder zum Ausgleich bringen. Nach einem Turmtausch kämpfte er im Endspiel mit Springer gegen Läufer und einen Mehrbauern erneut um Remis, nach einem vorschnellen Bauerndurchbruch seines Gegners musste dieser jedoch seinen Läufer für zwei Bauern opfern. König und Springer konnten jeweils einen davon aufhalten, sodass mit einem Remis auch der Mannschaftskampf unentschieden endete. (4-4)

Einen guten Ausblick auf die Saison gibt es trotz des knappen 4-4 allemal: Das Ligaorakel prophezeit mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit maximal zwei Absteiger und gibt uns dabei eine Abstiegswahrscheinlichkeit von gerade einmal 3,4%.

DWZ-Pokal in Kelheim 2025 – vier zweite Plätze

Nach unserer Teilnahme im letzten Jahr waren wir auch bei der dritten Auflage des Kelheimer DWZ-Pokals wieder zu Gast an der Wittelsbacher Mittelschule. Felicitas, Elias und Christian Luber, Maximilian Warziwoda sowie Johannes Denz traten in den verschiedenen Turnierformaten an und hatten dabei zwei bis fünf Partien bei einer Bedenkzeit von einer Stunde plus Inkrement zu absolvieren. Begleitet wurden sie von den Betreuern Stefan Simmerl und Florian Warziwoda. Für das leibliche Wohl war durch den Elternbeirat des SK Kelheim u.a. mit Kartoffelsuppe, Würstchen, belegten Semmeln, Kaffee und Kuchen gut gesorgt.

Für Felicitas war es das erste Turnier mit Notationspflicht und DWZ-Auswertung. Bei dieser Umstellung war es kaum überraschend, dass die Konzentration für das Partieformular zeitweise zulasten des Geschehens auf dem Schachbrett geriet. Dennoch startete sie mit einem Remis gegen die spätere Zweitplatzierte und einem Sieg gut in das Turnier. Zwar musste sie sich danach zweimal geschlagen geben, mit einem weiteren Sieg in der letzten Runde erreichte sie aber einen guten sechsten Platz und wurde zweitbestes Mädchen U10w in ihrem ersten Turnier mit klassischer Bedenkzeit.

Elias erwischte mit zwei unnötigen Auftaktniederlagen einen holprigen Start. Nach einem kampflosen Punkt in Runde drei konnte er anschließend einen ungefährdeten Sieg erzielen. Auch in der letzten Partie standen die Zeichen auf einen vollen Zähler, doch dann nahm er etwas überraschend ein Remisangebot seines Gegners an. Mit 2,5 Punkten belegte er einen soliden Platz im Mittelfeld der Altersklasse U12.

Maximilian und Christian spielten derweil im Amateurpokal, bei dem in Vierergruppen jeweils drei Partien ausgetragen wurden. Maximilian musste in der ersten Runde gegen einen ungewerteten Gegner antreten. Dieser übernahm im Mittelspiel die Initiative und erreichte mit einem Figurenopfer einen gewinnbringenden Materialvorteil. Gegen seine gewerteten Gegner erging es Maximilian besser. Hier entschied er beide Partien für sich und belegte hinter seinem verlustpunktfreien Erstrundengegner den sehr guten zweiten Platz.

Für Christian, der inzwischen ebenfalls Freude für den Schachsport entwickelt hat, verlief es genau umgekehrt. Während er in den ersten beiden Runden teilweise sehr schnell gegen seine ungewerteten Gegner siegte, musste er sich in der letzten Runde nach einem harten und dramatischen Kampf einem Gegner mit Wertungszahl geschlagen geben. Dieser blieb ohne Punktverlust und Christian folgte auf den erfreulichen zweiten Rang.

Johannes nahm am Meisterpokal teil und spielte dabei zwei Runden im K.-o.-System. In der ersten Runde geriet er gegen einen gut vorbereiteten Gegner in eine schlechtere Stellung und musste lange um den Ausgleich kämpfen. Als dieser schließlich in einem Turmendspiel mit Mehrbauern erreicht war, kämpfte sein Kontrahent zwar weiter, überzog jedoch seine Möglichkeiten und musste sich später geschlagen geben. In der zweiten Runde entwickelte sich ebenfalls ein langer Kampf in einer komplizierten Stellung. Als sich der Rauch legte, hatte Johannes eine angenehme, aber ausgeglichene Stellung erreicht. Sein höher gewerteter Kontrahent zog allerdings alle Register, um den vollen Punkt zu erzielen. Die über 3,5 Stunden dauernde Partie wurde schließlich im 94. Zug durch einen letzten Fehlgriff von Johannes entschieden. Umso ärgerlicher, dass der Computer im Zug davor noch glatten Ausgleich anzeigte. Mit seinem zweiten Platz war er am Ende aber trotzdem sehr zufrieden.

Blitz-Mannschaftsmeisterschaft in Oberviechtach

Am 28.09. fand im Emil-Kemmer-Haus in Oberviechtach die diesjährige Blitz-Mannschaftsmeisterschaft, auch Silberschild genannt, statt. Unter der Leitung von Josef Kufner fanden sich 13 Mannschaften, darunter auch 2 Mannschaften aus Windischeschenbach, dort ein und kämpften in einem Rundenturnier mit der Bedenkzeit 3+2 um das Podium und das berühmte Silberschild.

Unsere erste Mannschaft, mit der Besetzung Tobias, Carolin, Johannes und Rudi Schicker, konnte, wie auch in den letzten Jahren, die oberpfälzer Blitzelite oftmals ärgern und auch u.a. den späteren Drittplatzierten Kareth-Lappersdorf schlagen. Durch ein paar unglückliche Partien und Kämpfe kam am Ende „nur“ ein sechster Platz mit 15-9 Mannschaftspunkten heraus.

Die zweite Mannschaft ging mit der Besetzung Manfred, Svatoslav, Elsbeth und Florian ins Rennen. Auch hier konnte man immer wieder mit gut geführten Partien und starken Leistungen glänzen, sodass am Ende der 12. Platz mit 3-21 Mannschaftspunkten heraussprang.

Die Einzelergebnisse (jeweils aus 12 Partien):

Tobias: 7½, Carolin: 8½, Johannes 8, Rudi 4½

Manfred: 2½, Svatoslav 1, Elsbeth 2, Florian 2½

Schachclub ehrt Spieler/Mitglied des Jahres

Bei der Jahreshauptversammlung des SC Windischeschenbach am vergangenen Freitag (26.09.2025) wurde schon traditionsgemäß der Spieler oder das Mitglied des Jahres ausgezeichnet. Die Wahl fiel diesmal auf unseren allseits geschätzten Spieler der 1. Mannschaft Stephan Schmahl.

In seiner Laudatio würdigte der 1. Vorsitzende Manfred Oppel ihn als „schweizer Vielspieler“, der unzählige Stunden am Schachbrett verbringt, da er an sehr vielen Turnieren (auch erfolgreich) teilnimmt und so den SC Windischeschenbach überall würdig repräsentiert. Überdies hinaus erstellt er die ausführlichen Berichte der Mannschaftswettkämpfe auf der vereinseigenen Homepage und illustriert diese Analysen gekonnt und anschaulich.

Als Dank und Anerkennung erhielt Stephan ein kleines Präsent.

Erfolg für Windischeschenbach im Pokal

Nachdem unser Pokalteam sich für den Bayernpokal qualifiziert hatte, gelang in der ersten Runde ein weiterer Erfolg. In einem spannenden Wettkampf konnten die Windischeschenbacher im Feuerwehrhaus die Gäste vom SV Neustadt bei Coburg mit 2½-1½ niederringen.

Den Grundstein zum Erfolg legte Philipp Mark mit Weiß an Brett 2. In seiner geliebten Abtauschvariante des Damengambits schienen beide Kontrahenten sehr theoriefest und spulten die Züge schnell herunter. Dabei entging dem Neustädter aber im 12. Zug ein typisches Motiv:

Philipp ließ sich nicht zwei mal bitten, schnappte sich mit 13.Sxd5! einen Bauern und führte diesen Materialvorteil sicher zum Sieg. (1-0)

An Brett 4 (S) verteidigte sich Stephan Schmahl gegen den Aufzug des Königsbauern mit der Sizilianischen Najdorf-Variante. Beide Spieler zeigten ihre Kenntnis der Theorie und landete in einem ausgeglichenen Mittelspiel:

Hier entschied sich der Weiße zum Generalabtausch auf e6, e5 und d8 wonach ein Endspiel entstand, das der Computer bereits als günstiger für Schwarz bewertet:

Einer der seltenen Fälle in denen ein isolierter Doppelbauer nicht schwach, sondern aufgrund der Kontrolle der zentralen Felder sogar sehr nützlich ist. Fortan spielte Stephan auf Gewinn, dem er teilweise sehr nahe kam. Durch einen ungünstigen Abtausch vergab er seinen Vorteil jedoch wieder und willigte nach dreimaliger Stellungswiederholung ins Remis ein. (1½-½)

An Brett 3 sah sich Johannes Denz mit Weiß der Sizilianischen Verteidigung gegenüber und setzte auf die Alapin-Variante. Nach frühem Damentausch musste der weiße König in der Mitte bleiben, konnte aber einen Mehrbauern vorweisen. Alles ist in der Theorie bekannt und Schwarz bekommt starkes Figurenspiel, so dass der Bauer auf Dauer nicht zu halten ist. Im 13. Zug hätte Johannes statt 13. Tad1 besser mit seinerseits 13. e4 verhindern sollen, dass Schwarz den Vorstoß nach e4 ausführt:

Ab diesem Zeitpunkt übernahm Schwarz die Initiative und konnte schließlich eine Qualität erobern.

Der Computer zeigt, dass nach einer schwarzen Ungenauigkeit anscheinend noch die Rettung für Weiß möglich gewesen wäre. Aber wie so oft ist es am Brett sehr schwer solche Züge und die damit verbundenen Feinheiten zu erfassen.

Nach 19….f5 wäre 20. Ke2 stark gewesen. Johannes spielte 19.g3 und gab sich nach 19…Lxd4 20.cxd4 Kd7 geschlagen. Schwarz kann die c-Linie zuerst mit dem Turm besetzen, wonach die weiße Stellung zusammenbricht. 20. Ke2 hätte den Springer gedeckt und so das entscheidende Tempo gewonnen, um den eigenen Turm auf die c-Linie zu bringen. Der Computer sieht die Stellung in diesem Fall als verteidigungsfähig an. (1½-1½)

Am Spitzenbrett hatte sich in einem Zweispringerspiel ein Theorieduell entwickelt. Christian Müller wurde mit der prinzipiellen Fortsetzung 4.Sg5 konfrontiert wobei sein Gegner das derzeit auch in hohen Kreisen gelegentlich diskutierte 8.Ld3 spielte.

Christian gab in einer Nebenvariante einen zweiten Bauern für die bessere Entwicklung und sehr aktives Spiel. Im 16. Zug sah der Neustädter Spieler sich gezwungen, eine Figur für einen dritten Bauern zu geben. Die Initiative blieb aber bei Schwarz, wobei die Stellung weitestgehend im ausgeglichenen Bereich blieb.

Im 21. Zug unterlief Weiß mit dem Zug der Dame nach a3 ein Fehler, den Schwarz mit 21….Tb8! ausnutzen konnte. Christian schnappte sich aber den Bauern 21…Dxd4. Laut Computer konnte Weiß danach mit 22.Lb2 und weiteren sehr präzisen Zügen im Spiel bleiben. Der Neustädter angelte sich den Springer, wonach der weiße Turm in der Ecke natürlich nicht geschlagen werden darf. Christian hatte aber nach 22.bxa5 den starken Zug 22….Tb8 an dieser Stelle gesehen, wonach er seinen Vorteil nach 23.Sc3 Dxc3 24. Dxc3 Sxc3 sicher nach Hause spielte. (2½-1½)

Nach diesem schönen Erfolg haben wir das Viertelfinale erreicht in dem wir am 20. Juli auswärts beim SC Uttenreuth (Mittelfranken) antreten müssen. Die Kräfte dürften hier in etwa gleich verteilt sein, so dass es eine realistische Chance auf den erneuten Einzug ins Bayerische Final-Four-Turnier gibt!

Unglückliche Niederlage im Viererpokal-Finale

Am 1. Juni durften wir im Feuerwehrhaus das Finale im Viererpokal 2024/25 ausrichten. Unser Gegner war kein geringerer als das Oberliga-Team der SG Post-Süd Regensburg, gegen das wir in der Vergangenheit leider schon öfter den Kürzeren gezogen hatten. Auch diesmal waren wir wie üblich der klare Underdog, lieferten aber einen großen Kampf, in dem wir am Ende reichlich unglücklich mit 1-3 unterlagen.

An Brett 4 (S) wählte Rudi Schicker die Nimzoindische Verteidigung. Gegen das klassische System gelang es ihm schon bald eine ausgeglichene Stellung zu erreichen, die nach einem übertrieben optimistischen Aufmarsch der weißen Königsflügelbauern zu seinen Gunsten ausschlug:

Brett 4: Nach 15…Se5 machten sich die zahlreichen weißen Schwächen bereits bemerkbar.

Innerhalb weniger Züge gelang es Rudi seinen Gegner komplett zu überspielen und einen vorentscheidenden taktischen Schlag anzubringen:

Brett 4: Mit dem Glanzzug 20…Sxf2!! hob Rudi die weiße Stellung aus den Angeln.

Zu unserem Leidwesen konnte Rudi sein eigenes Tempo anschließend nicht durchhalten und verspielte seine Gewinnstellung in Rekordgeschwindigkeit:

Brett 4: Nach dem richtigen 21…Seg4! wäre die weiße Stellung aufgabereif gewesen, doch Rudi spielte 21…Dxe3+ 22.Kb1 Tad8? und stand nach 23.Lc1 Dg3 24.Txe5 Dxe5 25.Txf2 plötzlich mit leeren Händen da.

Der Abwärtstrend setzte sich fort und schlussendlich war es nur einem überhasteten Remisangebot des Regensburgers zu verdanken, dass diese Partie mit einem Unentschieden endete. Ein mehr als unglücklicher Verlauf für Rudi und unser Team. (½-½)

An Brett 1 (S) landete Stephan Schmahl gegen seinen prominenten Gegner durch Zugumstellung in einer Igelstellung, in der er sich gegen den weißen Raumvorteil wehren musste:

Brett 1: Mit Raumvorteil und Angriffschancen am Königsflügel hatte Weiß klar die besseren Aussichten.

Als sich der Gastspieler in obiger Stellung aber zum Scheinopfer 16.Sd5? hinreißen ließ, hätte sich Stephan durch genaues Spiel befreien und Ausgleich erreichen können. In der hochkomplizierten und rechenintensiven Schlacht bestand Stephan die Prüfung sechs Züge lang, scheiterte in Zeitnot aber doch noch:

Brett 1: Nach dem einfachen 22.Txa8 hätte Stephan das schlimmste überstanden gehabt, er wählte jedoch 22…exf4? 23.Df3 Ld6?? und stand nach 24.b4 klar auf Verlust.

Stephan wehrte sich zwar noch verzweifelt, doch am Ende hatte er keine Chance mehr und wurde klassisch ausgeknockt. (½-1½)

An Brett 3 (W) erzielte Johannes Denz gegen die Philidor-Verteidigung mit Übergang in Altindische Gewässer schon früh einen schönen Raumvorteil. Der Regensburger fand keinen klaren Plan und musste sich auf passive Verteidigung beschränken:

Brett 3: Das Mittelspiel versprach Johannes ausgezeichnete Aussichten.

Der Kampf wogte hin und her bis Johannes entscheidenden Vorteil hätte erzielen können:

Brett 3: Mit 25.Sb5! hätte Johannes die schwarze Verteidigung überlasten können.

Obwohl Johannes diese Fortsetzung nicht fand, konnte er den Druck aufrecht erhalten und behielt weiterhin Vorteil. Als Konsequenz unterliefen dem Gastspieler Fehler, die ihn die Partie hätten kosten können:

Brett 3: Wieder wäre der Zug 29.Sb5! entscheidend gewesen. Der kombinierte Angriff in der f-Linie und gegen den Punkt d6 hätte die schwarze Verteidigung vor unlösbare Probleme gestellt. Doch leider spielte Johannes 29.Lxd7? wonach der weiße Vorteil gänzlich in Rauch aufgelöst hatte.

Enttäuscht vom Lauf der Dinge stellte Johannes schließlich in völlig ausgeglichener Stellung die Partie ein:

Brett 3: Nach einem beliebigen Rückzug des Turms wäre ein Remis beschlossene Sache gewesen, doch nicht nach 33.Txd6?? Lxb5 mit Figurenverlust.

Erneut eine mehr als unglückliche Niederlage für Johannes im Pokal, die für ihn und uns extrem schmerzhaft war. (½-2½)

An Brett 2 (W) bekämpfte Philipp Mark das abgelehnte Damengambit mit der Abtauschvariante. Die Eröffnung verlief in üblichen Bahnen mit einem leichten weißen Vorteil:

Brett 2: Eine weithin bekannte Stellung mit einem minimalen weißen Eröffnungsvorteil.

Philipp setzte energisch fort und brachte den aktuellen Oberpfälzischen Blitzschachmeister gehörig ins Schwitzen. Unter Druck unterlief dem Regensburger ein Fehler der zu klarem weißen Vorteil hätte führen können:

Brett 2: Mit 19.f4! konnte Philipp eine starke Initiative am Königsflügel entfachen, wählte jedoch 19.Sxd7 Sxd7 20.g4? wonach der Computer die Stellung wieder als ausgeglichen einschätzt. Stattdessen hätte 20.e4! immer noch zu Vorteil im Zentrum geführt.

Im weiteren Verlauf der Partie unterliefen beiden Kontrahenten mehrere Ungenauigkeiten, die zu Vorteil für den Gegner hätten führen können, jedoch nicht genutzt wurden. Bis zur Zeitkontrolle erreichte man ein einfaches und ausgeglichenes Turmendspiel, das zehn Züge später Remis gegeben wurde. (1-3)

Eine nach dem Spielverlauf viel zu hohe und unverdiente Niederlage. Nichtsdestotrotz haben wir uns teuer verkauft und als Finalist für den Bayerischen Mannschaftspokal qualifiziert. Damit dürfen wir wie bereits vor zwei Jahren überregional um den Einzug ins Final-Four kämpfen.

Zum Schluss noch Einzelergebnisse der Pokalhelden:

Tobias Brunner: 4/4 (+4 = 0 -0, 100%)
Philipp Mark: 3½/5 (+2 =3 -0, 70%)
Stephan Schmahl: 3/5 (+2 =2 -1, 60%)
Rudi Schicker: 2/4 (+1 =2 -1, 50%)
Johannes Denz: 0/2 (+0 =0 -2, 0%)

Mammutaufgabe am letzten Spieltag

Vor dem letzten Spieltag war unsere Zweite nach einer Niederlage gegen den SK Kelheim auf den letzten Platz abgerutscht. Um dennoch dem Abstieg zu entrinnen, mussten wir mindestens drei Plätze gutmachen, was nicht einen Pflichtsieg für uns, sondern auch eine zwingende Niederlage für die Mannschaften bedeutete, die wir noch einholen wollten. Da die Plätze sieben bis neun gegen die ersten drei Mannschaften der Tabelle spielten, schien das auch gar nicht so weit hergeholt.

In Kampfeslaune empfingen wir daher den SV Oberviechtach. Unsere Gäste traten mit guter Aufstellung an, sodass beide Mannschaften auf dem Papier zwar gleich stark waren, allerdings an einzelnen Brettern die Unterschiede in der Wertung recht groß ausfielen.

Am fünften Brett verteidigte sich Svatoslav Zitek mit 1.b6, der Englischen Verteidigung. Nach 22 Zügen hatten sich bereits die Schwerfiguren und die weißfeldrigen Läufer abgetauscht, sodass man sich auf ein frühes Remis einigte. (0,5-0,5)

Am vierten Brett wählte Stefan Simmerl das Colle-System. Nach dem üblichen Bauerndurchbruch e4 konnte er seinen Zentrumsbauern auch nach e5 vorziehen, was ihm einen angenehmen Raumvorteil einbrachte. Wenig später tauschten sich bis auf die weißfeldrigen Läufer alle Leichtfiguren ab und trotz des besseren Läufers war die Stellung ausgeglichen, sodass man sich auf Remis einigte. (1-1)

Am Spitzenbrett spielte Bedrich Prochazka die Französische Verteidigung. Sein Gegner begann früh, den g-Bauern anzuschieben, um Bedrichs Königsstellung anzugreifen. Nachdem der Oberviechtacher lang rochierte, ergab sich mit einem Figurenopfer die Möglichkeit, die Bauern vor dem schwarzen König aufzubrechen:

Weiß hat seinen g-Bauern geopfert und legt mit 16. Sxg6 nach. Es folgt 16. …fxg6
17. Dxe6+.

Bedrich blockiert das Schach mit Turm nach f7 und Weiß greift mit Lc4 weiter an. Das lässt 18. …Sd6 zu, auf den der Computer Bedrich sogar im Vorteil sieht. Die Stellung ist allerdings nicht leicht zu berechnen, und schon im nächsten Zug ist das nächste Materialopfer möglich:

Bedrich schlägt den Läufer auf c4, um seine Stellung zu entlasten. Es folgt 20. Txg7 Kxg7 und 21. Dh6+, woraufhin sich unser Spieler geschlagen geben musste. (1-2)

Am zweiten Brett eröffnete Andre Zimmermann mit dem Damengambit. Nachdem er lang rochierte und seinen schwarzfeldrigen Läufer gegen den f6-Springer tauschte, begann er mit h4 und g4 ebenfalls, einen Königsangriff vorzubereiten. Mit einem Bauernopfer gelang es ihm, die beiden Linien zu öffnen und mit seinen Schwerfiguren zu besetzen. Der unterentwickelte Oberviechtacher konnte nicht verhindern, dass die Weiße Dame in seine Königsstellung eindringt und gab sich nach einem Turmopfer geschlagen:

Nach 22. Txg6 gibt es ein erzwungenes Matt. Der Schwarzspieler ließ sich das aber nicht mehr zeigen und warf das Handtuch. (2-2)

An Brett drei wählte Johannes Denz die Indische Verteidigung. Der Weißspieler konnte zwar eine Bauernkette von c5 nach a3 etablieren, diese war durch die offene b-Linie aber ein gutes Angriffsziel für die schwarzen Schwerfiguren. Nachdem Johannes den rückständigen b-Bauern gewinnen konnte, führte eine Ungenauigkeit dazu, dass der Oberviechtacher seinen Freibauern bis nach c7 vorziehen konnte und die Partie damit wieder ausgeglichen war. In den taktischen Komplikationen verschob sich das Gleichgewicht allerdings wieder zu Gunsten des Windischeschenbachers:

Nach 30. Da2 Lxd4 steht Schwarz nach 31. Sxd4 leicht besser. Allerdings folgte 31. Se3, was nach 31. …Txb1! in Vorteil für Schwarz resultiert.

Am Ende der Abwicklung hätte Schwarz einen Bauern im Damenendspiel mehr, allerdings kommt ein Fehler selten allein:

Anstatt auf d4 zurückzunehmen, wollte Weiß das wohl verlorene Endspiel mit der schlechten Bauernstruktur vermeiden. Nach 35. … Le5 36. f4 Lb8 ist der Springer auf e8 eingesperrt und Weiß gab sich nach 37. …Kf8 geschlagen. (3-2)

Siefried Stelzer spielte an Brett sechs gegen die Caro-Kann-Verteidigung. Durch die aktiveren Figuren und Raumvorteil erreichte er im Mittelspiel eine angenehme Stellung und konnte schließlich einen starken Freibauern im Zentrum bilden:

Nach De8+ hätte der weiße Bauer freie Fahrt, stattdessen lässt Siegfried seinen Bauern sofort laufen. Ld7 ist aber ausreichend, um den weißen Trumpf aufzuhalten.

Zwar gewann Siegfried auch noch den b7-Bauern, nachdem sich die Damen tauschten war die Stellung allerdings wieder ausgeglichen. Schwarz übersah allerdings einige Züge später einen Angriff auf seinen Turm und gab sich geschlagen, als dieser ohne Kompensation vom Spielbrett ging. (4-2)

Am siebten Brett verteidigte sich Michael Betz Französisch. Der Weißspieler antwortete mit einer Nebenvariante und es tauschten sich einige Figuren ab, darunter auch die Damen. Im Zuge dieser Abwicklungen konnte Michael einen Bauern gewinnen. Dieser fand seinen Weg bis nach d3, wo er nach einem Fehlgriff des Weißen von Michael gedeckt werden konnte.

Nach f5 ist die schwarze Bauernkette nicht mehr aufzubrechen und verheißt gewinnbringenden Vorteil.

Michael entschied sich allerdings dafür, den schwarzen d- gegen den weißen b-Bauern zu tauschen, um ein Turmpaar vom Brett zu nehmen. Die Stellung war zwar noch immer gewonnen, aber nun um einiges schwerer zu spielen. Der verbliebene Turm konnte auf der dritten Reihe aktiv werden, nach einem überfrühten Durchbruch mit e5 konnte aber der weiße Turm den schwarzen h-Bauern ins Visier nehmen. Mit den beiden Freibauern auf der f- und e-Linie gegen den laufenden weißen h-Bauern war nun nichts mehr zu holen und man einigte sich auf Remis. (4,5-2,5)

Manfred Oppel wählte am achten Brett die Englische Eröffnung, die sein Gegner mit der symmetrischen Variante beantwortete. Während Manfred seine Bauern am Königsflügel anschob, stellte sich der Oberviechtacher Spieler zunehmend passiv. Nach einigen Abtäuschen konnte Manfred schließlich den schwarzen König freilegen:

Die schwarzen Figuren stehen nach wie vor passiv, während Manfreds in Richtung des schwarzen Königs schauen.

Der Schwarze war hier gezwungen, eine Qualität auf f6 zu opfern. Manfred tauschte daraufhin die Damen und wickelte ins Endspiel ab. Die meisten Bauern tauschten sich ab, allerdings tappte Manfred in eine Springergabel. Beiden Spielern blieb ein Turm und der a- beziehungsweise h-Bauer. Die Türme tauschten sich jeweils für die gegnerischen Bauern und auch diese Partie endete unentschieden. (5-3)

Die große Frage war nun, wie es unseren Abstiegskonkurrenten ergangen ist. Während die Begegnung Bad Kötzting-Nittenau mit 6-2 einen klaren Ausgang zu unserem Vorteil fand, trat Kelheim überraschend schlecht besetzt an und unterlag gegen Burglengenfeld. Sowohl Lappersdorf als auch die DJK Regensburg konnten aber mit 4,5-3,5 denkbar knapp gewinnen, sodass der Schlussstand der Tabelle wie folgt aussieht:

Damit war es uns tatsächlich noch gelungen, uns in der Oberpfalzliga zu halten!